Turin
Turin (italienisch Torino) ist eine Großstadt im Nordwesten Piemont und der Provinz Turin. Von Frankreich im Westen und der Schweiz im Norden sowie von Mailand im Osten ist sie jeweils gut 100 Kilometer entfernt.Die Ebene, in der Turin liegt, wird im Westen und Norden durch die Alpen und im Süden durch die Hügel des Monferrato begrenzt. Die Dora Riparia, die Stura di Lanzo und der Sangone münden bei Turin in den Fluss Po.
Geschichte
Der Name Turin stammt von Tau ab, einem keltischen Wort, das "Berge" bedeutet. Der italienische Name Torino kann als "kleiner Bulle" übersetzt werden, aus diesem Grund erscheint der Bulle auf dem Wappen der Stadt. Die Gegend wurde in vorrömischer Zeit vom keltisch-ligurischen Stamm der Taurini besiedelt.Im ersten vorchristlichen Jahrhundert (wahrscheinlich im Jahr 28 v. Chr.) errichteten die Römer hier ein Militärlager (Castra Taurinorum), das später dem Kaiser Augustus gewidmet wurde (Augusta Taurinorum). Die typische römische Stadtstruktur mit rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Das Quartiere Romano ist der älteste Stadtteil. In römischer Zeit zählte Turin etwa 5.000 Einwohner, die alle innerhalb der hohen Stadtmauern lebten.
Nach dem Fall des römischen Reiches wurde die Stadt zuerst von den Langobarden, dann von den Franken erobert und wurde von Bischöfen regiert. Ende des 13. Jahrhunderts nahmen die Herzöge_von_Savoyen die Stadt ein. Die Gärten und Paläste entstanden im 15. Jahrhundert, als man die Stadt von Grund auf neu errichtete. 1404 wurde die Universität gegründet. Emanuel_Philibert machte Turin im Jahr 1563 zur Hauptstadt des Herzogtums Savoyen.
1706 belagerten die Franzosen während des Spanischen_Erbfolgekriegs die Stadt während 117 Tagen, ohne sie jedoch einnehmen zu können (Schlacht von Turin). Gemäß dem Frieden_von_Utrecht erhielt Savoyen das Königreich Sardinien. Architekt Filippo Juvarra begann mit der erneuten Umgestaltung der Stadt, die damals rund 90.000 Einwohner zählte.
Durch die Vereinigung_Italiens im Jahr 1861 wurde Turin Hauptstadt. König Viktor Emanuel II. regierte von hier aus, 14 verschiedene Schlösser zeugen von der herrschaftlichen Vergangenheit. Die Hauptstadtfunktion war jedoch ein Status, den die Stadt schon vier Jahre später an Florenz weitergeben musste. Die Eröffnung des Mont-Cenis-Tunnels im Jahr 1871 machte Turin zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt.
Den Verlust der Hauptstadtfunktion machte Turin mit einer raschen Industrialisierung wett, wobei die Automobilindustrie eine überragende Bedeutung erlangte. 1899 erfolge die Gründung von Fiat, 1906 jene von Lancia. Die Weltausstellung des Jahres 1902 gilt als Höhepunkt des Jugendstils. 1911 fand erneut eine Weltausstellung in Turin statt, damals zählte die Stadt bereits 430.000 Einwohner.
Nach dem Zweiten_Weltkrieg erlebte die Industrie einen ungeahnten Aufschwung. Zehntausende von Arbeitern, vor allem aus Süditalien, zogen jährlich nach Turin. 1960 wurde Turin eine Millionenstadt und erreichte 1975 mit 1,5 Millionen das Bevölkerungsmaximum. Die industrielle Krise der 1980er Jahre traf Turin hart und die Bevölkerung ging wieder auf unter eine Million zurück.
Wirtschaft
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]]Turin ist ein bedeutendes industrielles Zentrum. Die Stadt ist insbesondere bekannt als Sitz des Autoherstellers Fiat (Fabbrica Italiana di Automobili Torino), der 1899 hier gegründet wurde. Ein weiterer berühmter Fahrzeughersteller ist Lancia, 1906 gegründet, 1969 durch Fiat übernommen und danach in den Konzern eingegliedert. Das Lingotto-Gebäude war einst die größte Autofabrik der Welt und wurde zu einem Messe-, Kultur- und Einkaufszentrum umgewandelt. Andere in Turin gegründete Unternehmen sind Invicta, Lavazza, Martini, Kappa und Caffarel. Ebenfalls bedeutend ist das Luft- und Raumfahrtunternehmen Alenia.
Verkehr
Turin ist mit den Autobahnen A4 (nach Mailand), A5 (zum Mont Blanc / nach Frankreich), A6 (nach Savona), A21 (nach Brescia), A32 (ins Susatal) und A55 sehr gut an das italienische_Autobahnnetz angebunden.
Ebenso gut ist die Anbindung an das Eisenbahnnetz. Durch eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Mailand nach Novara, die 2005 eröffnet wurde, konnten die Fahrtzeiten nach Mailand und zum Großflughafen Mailand-Malpensa deutlich verringert werden. Bis 2009 soll dann die komplette Strecke befahren werden und die Fahrtzeit nach Mailand von derzeit 1h 30 min auf 50 min halbiert werden. Auch eine Verbindung ins französische Lyon ist geplant. Die wichtigsten Bahnhöfe in Turin sind Torino Porta Nuova, Torino Porta Susa und Torino Lingotto. Der derzeitige Hauptbahnhof Porta Nuova wird diese Funktion vermutlich in den nächsten Jahren an den Durchgangsbahnhof Porta Susa verlieren, der seit einigen Jahren von Grund auf erneuert wird.
Die drei Bahnhöfe sind auch wichtige Haltepunkte der ersten Linie der U-Bahn_Turin. Das erste Teilstück wurde am 4. Februar 2006 eröffnet. Der öffentliche Nahverkehr wird durch ein gut ausgebautes Netz von Straßenbahn- und Buslinien bewältigt. Nördlich der Stadt liegt der internationale Flughafen Torino-Caselle.
Sehenswürdigkeiten
Eines der Wahrzeichen von Turin ist die Mole Antonelliana, errichtet 1863?1880 nach Plänen von Alessandro Antonelli.Damals war sie als Synagoge geplant. Der Verlegung der italienischen Hauptstadt von Turin nach Florenz und die Kosten machte dem Plan jedoch ein Ende. Heute befindet sich darin das nationale Filmmuseum. Eine spektakuläre Aufzugskonstruktion zieht den gläsernen Lift frei schwebend an Führungskabeln durch den Hauptraum unter der Kuppel hindurch zu der Aussichtsplattform.
Die Kathedrale Duomo di San Giovanni, gebaut in den Jahren 1491?1498, beherbergt das Turiner Grabtuch, ein Leinentuch, das das Abbild eines Mannes zeigt. Von Pilgern wird es verehrt als das Tuch, in das Jesus im Grab gewickelt war.
Das berühmte Lingotto-Gebäude, einstmals die größte Autofabrik der Welt, wurde nach Plänen des Architekten Renzo Piano transformiert in ein Kongresszentrum, Einkaufszentrum, Konzerthalle und Hotel. Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich das Kunstmuseum Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli.
Das Museo Egizio besitzt eine der international wichtigsten Sammlungen antiker ägyptischer Kunst. Es ist nach dem Louvre und dem Britischen_Museum die drittgrößte in Europa.
Die Schlösser und Residenzen der Herzöge von Savoyen zählen zum Weltkulturerbe. Im Zentrum von Turin ist der Palazzo Reale gelegen, der Königspalast der Könige von Piemont-Sardinien und später Sitz des Königreichs Italien.
In direkter Nachbarschaft dazu befindet sich der Palazzo_Madama, der aus einem alten Teil und einem barocken Anbau besteht. Der alte Teil ist in der Römerzeit als Stadttor entstanden und im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut worden. Der neue Teil ist ein Werk des Barock-Meisters Filippo Juvarra. Dieser war auch Baumeister mehrerer Residenzschlösser der Herzöge von Savoyen, später Könige von Piemont-Sardinien und schließlich von Italien.
Die Wallfahrtskirche Superga auf dem Berg Sassi in einer Höhe von 672 Metern wird von der Superga-Zahnradbahn angefahren.
Universitäten
Universität Turin (Università degli Studi di Torino)
Polytechnische Universität Turin (Politecnico di Torino)
Europäisches Design-Institut (Istituto Europeo di Design)
Sprache
Die Turiner sprechen einen gallo-romanischen Dialekt, Pedemontano genannt. Dieser Dialekt, manchmal auch Torinese'' genannt, ist im ganzen Piemont verbreitet, wird aber in Italien allgemein mit der Stadt Turin identifiziert.
Sport
Die Stadt ist Heimat der Fußballclubs Juventus Turin und AC Turin
und war Austragungsort der Olympischen_Winterspiele_2006.
Söhne und Töchter der Stadt
Giuseppe Baretti (1719-1789), italienischer Dichter
Carlo Allioni (1728-1804), italienischer Arzt und Botaniker
Joseph Louis Lagrange (1736-1813), Professor der Mathematik, 1766 Direktor der Akademie in Berlin
Marie Thérèse Louise von Savoyen-Carignan (1749-1792), Prinzessin von Lamballe
Amedeo Avogadro (1776-1856), Physiker und Chemiker
Sergio Balbinot (1789-1853), italienischer Staatsmann und Schriftsteller
Alberto La Marmora-Ferrero (1789-1863), General und Gegenspieler Napoleons in Italien, Generalkommandeur auf Sardinien
Massimo D'Azeglio (1798-1866), italienischer Schriftsteller, Maler und Politiker
Giovanni Cavalli (1809-1879), italienischer Generalleutnant
Alessandro Martini (1812-1905), Geschäftsmann, Gründer von Martini & Rossi
Johannes Bosco (1815-1888), Priester und Mitgründer der Gesellschaft des heiligen Franz von Sales, die Salesianer. Wurde 1923 vom Papst heilig gesprochen.
Viktor Emanuel II. (1820-1878), König von Piemont und erster König des geeinten Italiens
Cesare Bonelli, (1821-1904), italienischer Kriegsminister
Umberto I. (1844-1900), eigentl. Rainer Karl Emanuel Johann Maria Ferdinand Eugen, 1878-1900 König von Italien*
Giuseppe Peano (1858-1932), Mathematiker
Luigi Lavazza (1859-1949), Geschäftsmann
Giovanni Agnelli (Senior) (1866-1945), Gründer von FIAT
Arturo Ambrosio (1869-1960), italienischer Produzent und Regisseur
Vittorio Ambrosio (1879-1958), italienischer General
Vincenzo Lancia (1881-1937), Rennfahrer und Automobilkonstrukteur, Gründer von Lancia
Felice Nazzaro (1881-1940), Rennfahrer
Alfredo Casella (1883-1947), Komponist
Amadeus, 3. Herzog von Aosta (1898-1942), Herzog von Apulien, 3. Herzog von Aosta und Gouverneur von Italienisch-Ostafrika
Giuseppe Saragat (1898-1988), italienischer Präsident und Gründer der sozialistischen Arbeiterpartei Italiens (PSLI)
Piero Sraffa (1898-1983), Wirtschaftswissenschaftler
Piero Gobetti (1901-1926), Publizist und Politiker
Carlo Levi (1902-1975), Schriftsteller, Maler und Politiker
Giuseppe Farina (1906-1966), Rennfahrer, erster Formel-1-Weltmeister
Norberto Bobbio (1909-2004), Rechtsphilosoph und Publizist
Rita Levi-Montalcini (* 1909), Physikerin und Medizinerin, Nobelpreisträgerin
Salvador Edward Luria (1912-1991), Mikrobiologe, 1940 ausgewandert in die USA, 1969 Nobelpreisträger für Medizin.
Robert Fano (* 1917), Ingenieur
Primo Levi (1919-1987), Schriftsteller und Chemiker
Giovanni Agnelli (1921-2003), Industrieller, Geschäftsführer von FIAT
Giuliano Amato (* 1938), ehemaliger italienischer Ministerpräsident
Giovanni Pinna (* 1939), Professor für Paläontologie und Museologie, 1997-2000 Präsident des ICOM International Council of Museums.
Franco Cagnotto (* 1947), italienischer Turmspringer
Roberto Bettega (* 1950), Fußballspieler
Umberto Tozzi (* 1952), Sänger
Alessandro Baricco (* 1958), Schriftsteller
Valeria Bruni Tedeschi (* 1964), italienische Schauspielerin und Filmregisseurin
Carla Bruni Tedeschi (* 1967), Sängerin, ehemaliges Top-Model
Roberto Molinaro (* 1972), Musiker, Produzent und DJ
Gabry Ponte (* 1973), Musikproduzent und DJ
Gigi D'Agostino (* 1967), Musiker und DJ
Roberto Rolfo (* 1980), Motorradrennfahrer
Federico Balzaretti (* 1981), italienischer Fußballspieler
Giovanni_Visconti (* 1983), Radrennfahrer
Claudio Marchisio (* 1986), italienischer Fußballspieler
Sebastian Giovinco (* 1987), italienischer Fußballspieler
Dario Venitucci (* 1987), italienischer Fußballspieler
Städtepartnerschaften
* - Chambéry
* - Köln
* - Herzogenrath
* - Wolgograd
* - Esch-sur-Alzette
* - Glasgow
* - Lüttich
* - Lille
* - Rotterdam
* - Campo Grande
* - Córdoba
* - Detroit
* - Gaza
* - Haifa
* - Nagoya
* - Quetzaltenango
* - Shenyang
Mit Turin verbundene Personen
Edmondo de Amicis
Don Bosco
Francesco Frà di Bruno
Italo Calvino
Gaspare Campari
Renato Dulbecco
Umberto Eco
Luigi Einaudi
Erasmus von Rotterdam
Guido Fubini
Natalia Ginzburg
Antonio Gramsci
Cesare Lombroso
Joseph de Maistre
Giulio Natta
Friedrich Nietzsche
Vilfredo Pareto
Cesare Pavese
Alessandro Del Piero
Emilio Salgari
Ascanio Sobrero
Elio Vittorini
Weblinks
• Website der Stadt
• Website der Olympischen Winterspiele 2006
• Photos
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pms:Turin

