Theodor Storm
]]
Hans Theodor Woldsen Storm (14. September 1817 in Husum; ? 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller, der einerseits als Lyriker und andererseits als Autor von Novellen und Prosa des deutschen_Realismus mit norddeutscher Prägung bedeutend war.
Leben und Werk
Theodor Storm war das erste Kind des Justizrats Johann Casimir Storm und seiner Frau, der Patriziertochter Lucie Woldsen. Sein liberales Elternhaus hat ihn nachhaltig beeinflusst. Er besuchte ein altsprachliches Gymnasium, das Katharineum zu Lübeck. In die Studentenzeit (Jurastudium an der Universität Kiel sowie in Berlin) datiert seine Freundschaft mit Ferdinand Röse sowie Theodor und Tycho Mommsen. Röse verdankt Storm die Erkenntnis, dass es ?lebende deutsche Dichter gäbe?. Zu dieser Zeit lernte er Goethes ?Faust?, Heines ?Buch der Lieder? und Eichendorffs Lyrik kennen. 1843 veröffentlichte er zusammen mit den Brüdern Mommsen das ?Liederbuch dreier Freunde?. Aus dem für Storm intensiven, aber nicht erwiderten Liebeserlebnis zur damals fünfzehnjährigen Bertha von Buchan entstanden seine ersten Liebesgedichte, die er 1840 veröffentlichte.
1843 kehrte er nach Husum zurück und eröffnete eine Anwaltskanzlei. 1846 heiratete Storm seine 18-jährige Cousine Constanze Esmarch. Mit ihr hatte er sieben Kinder, Hans, Ernst, Karl, Lisbeth, Lucie, Elsabe und Gertrud, bei deren Geburt Constanze starb. Kurz nach seiner Hochzeit lernte Storm Dorothea Jensen kennen, mit der ihn eine leidenschaftliche Beziehung verband und die er als Witwer in zweiter Ehe dann heiratete.
Trotz des Friedensschlusses von 1850 zwischen Dänemark und Preußen nahm Storm eine unversöhnliche Haltung gegenüber Dänemark ein. Deshalb wurde ihm 1852 durch den dänischen Schleswigminister Friedrich Ferdinand Tillisch die Advokatur entzogen.
1853 sprach man ihm in Rütli, zu dem u.a. Theodor Fontane und Franz_Kugler zählten, trug dazu bei, dass der republikanisch Gesinnte sich im Kreise der preußisch Konservativen zunehmend isoliert fühlte.
1856 wurde er zum Kreisrichter im thüringischen Heiligenstadt ernannt. Nach der Niederlage Dänemarks im Deutsch-dänischen_Krieg 1864 wurde Storm in Husum von der Bevölkerung der Stadt zum Landvogt berufen.
1864 starb Constanze Storm. Seinen Gefühlen verlieh Storm in dem strophischen Gedichtzyklus ?Tiefe Schatten? Ausdruck; neben den häufig in der Schule gelesenen Gedichten ?Am grauen Strand, am grauen Meer? oder ?Ans Haff nun fliegt die Möwe? zählt dieser Zyklus heute zu den bekanntesten Gedichten Storms.
1866 heiratete Storm die 38-jährige Dorothea Jensen in Hattstedt. 1867 wurde er im Zuge der preußischen Verwaltungsreform nach der Annexion Schleswig-Holsteins zum Amtsgerichtsrat ernannt. Gegen 1870 kam der damals 15-jährige Ferdinand Tönnies, der spätere Begründer der Soziologie, als Korrekturleser in Storms Haus und wurde später sein Freund. 1874 starb Storms Vater, 1878 seine Mutter. 1880 trat Storm in den Ruhestand und zog nach Hademarschen. Im April 1888 erschien Storms letzte Novelle, die Rahmenerzählung Der Schimmelreiter. Am 4. Juli 1888 starb er in Hademarschen an Magenkrebs. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof ?St. Jürgen? in Husum.
Zehn Jahre später, 1898, wurde an seinem Geburtstag seine von Adolf Brütt geschaffene Denkmalbüste in Husum enthüllt.
Sonstiges
* Ein Intercity (IC 630/IC 631) der Bundesbahn, heute Deutsche Bahn AG, der von Frankfurt am Main über Storms Heimatstadt Husum nach Westerland verkehrte, trug viele Jahre den Namen ?Theodor Storm?. Heute tragen zwei dieser Verbindungen über die Marschbahn den Namen ?Schimmelreiter? und ?Deichgraf?.
* Die Stadt Husum ist heute noch literarisch bekannt als graue Stadt am Meer (Theodor Storm). Außerdem sind viele Plätze und Straßen, auch öffentliche Einrichtungen (nicht nur in Husum, sondern in ganz Deutschland) nach Storm benannt. In der Stadt und in der Umgebung Husums spielen viele der Erzählungen Storms.
Werke (Auswahl)
]]
* Der kleine Häwelmann. 1849.
* Immensee. Berlin, Duncker 1851.
* Die Stadt. 1852.
* Im Sonnenschein. Berlin, Paetel 1854.
* Gedichte. Berlin, Schindler 1856.
* Auf dem Staatshof. 1859.
* Veronica. 1861.
* Auf der Universität. Münster, Brunn 1863.
* Die Regentrude. 1866.
* Viola tricolor. 1874.
* Pole Poppenspäler. Braunschweig, Westermann 1875.
* Aquis submersus. Berlin, Paetel 1877.
* Carsten Curator. Berlin, Paetel 1878.
* Renate. 1878.
* Hans und Heinz Kirch. Berlin, Paetel 1883. [http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ4/novelle/kirch1.htm Text im Original (Uni Düsseldorf)]
* Zur Chronik von Grieshuus. Berlin, Paetel 1883-1884.
* Es waren zwei Königskinder. Berlin, Paetel 1888.
* Bötjer Basch. Berlin, Paetel 1887.
* Der Schimmelreiter. Berlin, Paetel 1888.
* Schlaflos
Briefe
*Theodor Storm - Theodor Fontane: Briefwechsel. Krit. Ausgabe. In Verbindung mit der Theodor-Storm-Gesellschaft hg. v. Jacob Steiner. Berlin: Erich Schmidt 1981.
Literatur
Periodisch erscheinende Schriften
* Husumer [http://www.ESV.info/set/TE380/katalog.html Beiträge] zur Storm-Forschung (HuB), Erich Schmidt Verlag Berlin
Biografische Darstellungen
* Georg Bollenbeck: Theodor Storm: eine Biographie. Frankfurt am Main 1988 (insel taschenbuch; 1347). ISBN 3-458-14621-0.
* Roger Paulin: Theodor Storm. München 1992. ISBN 3-406-35048-8.
* Regina Fasold: Theodor Storm. Stuttgart 1997 (Sammlung Metzler; 304). ISBN 3-476-10304-8.
* David A. Jackson: Theodor Storm. Dichter und demokratischer Humanist. Eine Biographie. Berlin 2001. ISBN 3-503-06102-9.
* Paul Barz: Theodor Storm. Wanderer gegen Zeit und Welt. Biographie, Berlin 2004. ISBN 3-7466-1618-2.
* Hartmut Vinçon: Theodor Storm mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. 16. Auflage. Reinbek bei Hamburg 2004 (rowohlts monographien; 186). ISBN 3-499-50186-4.
Einzeluntersuchungen
* Hanns-Peter Mederer: Naturobjekte als Substitute für sprachliche Kommunikation in den Novellen Theodor Storms. Hamburg 1989 (Magisterarbeit).
* Wulf Wülfing: ?Luft ist kein leerer Wahn.? Theodor Fontane und die Berliner Luft als Metapher für das politisch-gesellschaftliche Klima im nachmärzlichen Preußen; unter besonderer Berücksichtigung des Briefwechsels mit Theodor Storm im Jahre 1853. In: Formen der Wirklichkeitserfassung nach 1848. Deutsche Literatur und Kultur vom Nachmärz bis zur Gründerzeit in europäischer Perspektive'', Bd. 1. Hg. v. Helmut Koopmann und Michael Perraudin unter Mitarb. v. Andrea Bartl. Bielefeld: Aisthesis 2003, S. 167-188.
Weblinks
*
*
• Homepage der Theodor Storm Gesellschaft
• Originaltexte von Theodor Storm auf DigBib.Org
• ub.fu-berlin.de Linksammlung der Hademarschen
}}ksh:Theodor Storm

