Sekunde (Musik)
Als Sekunde (seltener auch kurz Sekund; v. lat. secundus, ?der zweite?) bezeichnet man in der Musik das Intervall zwischen zwei Stufen einer heptatonischen_Tonleiter (z. B. c?d). Im engeren Sinne versteht man unter der Sekunde auch den zweiten Ton einer Tonleiter. Sekundintervalle umfassen bis zu drei Halbtonschritte. Die Sekunde ist das Komplementärintervall zur Septime.
Varianten
Notenbeispiel: Sekundintervalle
Die Sekunde kann in vier Varianten auftreten:
*die große Sekunde, die einem Ganzton entspricht (a) und
*die kleine Sekunde, die einem Halbton entspricht (b)
treten melodisch am häufigsten von allen Intervallen auf, da auch die Tonleitern auf Sekundschritten aufbauen. Die große Sekunde wird dabei häufiger verwendet als die kleine Sekunde (deren Verteilung in einer Tonleiter das Tongeschlecht bestimmt);
*die übermäßige Sekunde (c) (Hiatus) ist seltener, sie ist charakteristisch für die harmonische _Moll-Tonleiter;
*die verminderte Sekunde (d) tritt nur unter Zuhilfenahme von Vorzeichen auf und ist eine enharmonische Verwechslung des Ausgangstones, d. h. beide Töne sind in gleichstufiger_Stimmung akustisch identisch, erfüllen harmonisch aber unterschiedliche Funktionen.
In den verschiedenen Ganzton und Halbton)
Bedeutung in der Komposition
Die Sekunde kann als Intervall der Emphase und der Spannung gesehen werden, die in der klassischen Vokalmusik häufig mit Schmerz, Leid, Tod und Bedrohung verknüpft ist.
Beispiele für die Sekunde als durchgehendes, gestaltendes Prinzip einer Komposition:
• Debussy] (1862-1918), Pour degrés chromatique, eine Etüde für Klavier.
• Bartók] (1881-1945), Chromatische Sinnbilder symbolische Bedeutung haben oder Affekte auslösen sollen. Eine besondere Rolle spielte dabei der passus duriusculus''.
Sekund-Schritte bilden die Grundelemente der Verzierungen des Barock und der Klassik wie bei Triller, Pralltriller und Mordent.
Harmonisch
Das gleichzeitige Erklingen von zwei Tönen im Sekundabstand wird in der klassischen abendländischen Musikkultur als dissonant und bei kleinen Sekunden als besonders unangenehm empfunden, sie mussten im sogenannten ?reinen? Tonsatz stets zu konsonanten Intervallen aufgelöst werden. Auf Grund dieser Tendenz zur Auflösung haben Akkorde mit Sekunden (Zweiklänge, Umkehrungen der Septakkorde, insbesondere der Dominantseptakkord, Septnonakkorde) eine besondere Wirkung in Schlussklauseln und Kadenzen.
Mit zunehmender Auflösung des tonalen Systems in der modernen Musik verliert die Sekunde ihre vormalige emotionale Bedeutung. So werden im modernen Tonsatz mehrere Sekunden zu Clustern zusammengefügt, um jede Assoziation mit dem tonalen System zu vermeiden (siehe die Werke von Henry Cowell, Charles Ives und Krzysztof Penderecki).
Hörbeispiele
* kleine Sekunde (Halbton):
** aufwärts
** abwärts
* große Sekunde (Ganzton):
** aufwärts
** abwärts

