Russische Sprache
Die russische Sprache (früher auch Großrussisch genannt; im Russischen: , / Transkription ) ist die Weltsprache. Sie bildet zusammen mit dem Ukrainischen (früher auch als Kleinrussisch bezeichnet), dem Weißrussischen und dem Russinischen die Gruppe der ostslawischen_Sprachen. Die russische Standardsprache beruht auf den mittelrussischen Mundarten der Gegend um Moskau.
Russisch wird von etwa 145 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 118 Millionen in Russland leben. Es ist Amtssprache in Russland, Weißrussland (zusammen mit Weißrussisch) und offizielle Sprache in Kasachstan (mit Kasachisch als Amtssprache), Kirgisistan (mit Kirgisisch als Amtssprache) und der zur Ukraine gehörenden Autonomen Republik Krim (zusammen mit Ukrainisch und Krimtatarisch). In manchen Oblasten der Südostukraine ist sie die regionale Amtssprache, wobei dieser Status politisch umstritten ist. Sie ist auch eine der Amtssprachen in den völkerrechtlich nicht anerkannten Staaten Transnistrien (zusammen mit Ukrainisch und Moldawisch), Südossetien (zusammen mit Ossetisch) und Abchasien (zusammen mit Abchasisch). In diesen Staaten bzw. Regionen ist es sowohl Muttersprache eines Teiles der Bevölkerung als auch Sprache eines großen Teils des öffentlichen Lebens. Daneben gibt es russischsprachige Minderheiten in allen GUS-Staaten sowie im Baltikum. In Israel bilden die russischsprachigen Einwanderer ca. ein Sechstel der Bevölkerung. Die russische Sprache ist ebenso eine verbreitete Sprache für Wissenschaft, Kunst und Technik. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 255 Millionen Russischsprecher.
Verbreitung
Alphabet
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Quelle: [http://www.phon.ucl.ac.uk/home/sampa/russian.htm SAMPA für Russisch (englisch)]
Aussprache
: Hauptartikel: Russische Phonetik
Die Aussprache der russischen Sprache bezeichnet die Phonetik und die Phonologie der russischen Standardsprache. Im weiteren Sinne kann darunter auch die Aussprache in verschiedenen Varietäten (Dialekten_und_Mundarten) der russischen Sprache verstanden werden.
Tonalität
Russisch ist eine nicht-tonale_Sprache, d.h. die Tonhöhe der Vokale hat keinen Einfluss auf die Bedeutung eines Wortes. Wie auch im Deutschen wird im Russischen innerhalb oder am Ende eines Satzes eine unterschiedliche Stimmhöhe benutzt, um z.B. einen Aussagesatz von einem Frage- oder Ausrufesatz kenntlich zu machen. Es gibt hierfür im Russischen 7 verschiedene Intonationskonstruktionen (????????????? ???????????), die mit ??-1 bis ??-7 bezeichnet werden und verschiedene Arten von Aussage- und Fragesätzen kennzeichnen. In tonalen_Sprachen hingegen ändert der Ton die Bedeutung einzelner Wörter.
Wortbetonung
Siehe auch : Wortbetonung in der russischen Sprache
Die Betonung eines Wortes (der Wortakzent) hat im Russischen eine wichtige und häufig eine sinnunterscheidende Bedeutung. Falsch betonte Wörter können zu Verständnisschwierigkeiten führen, insbesondere dann, wenn sie aus dem sprachlichen Kontext isoliert oder einzeln ausgesprochen werden. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die russische Wortbetonung u.a. als frei und beweglich bezeichnet. So werden z.B. durch die Verlagerung der Betonung innerhalb einiger russischen Wörter ihre unterschiedlichen Flexionsformen gebildet.
Grammatik
: Hauptartikel: Russische Grammatik
Wie die meisten slawischen_Sprachen ist auch das Russische stark flektierend. In einer flektierenden Sprache ändert sich die Gestalt eines Wortes innerhalb diverser grammatischen_Kategorien, und zwar einerseits durch Hinzufügung von Affixen (schwache od. äußere Flexion) oder durch Veränderung des Wortstammes (starke od. innere Flexion). Für das Russische sind die beiden Flexionsarten charakteristisch. Im Falle der starken Flexion verändert sich der Stamm vieler russischen Wörter bei deren Beugung (Deklination, Konjugation, Komparation), und zwar durch Ablaut (z.B.: ???? - ???, ?????? - ????), Konsonantenwechsel (z.B.: ?????? - ????) oder Hinzufügung bzw. Wegfall der Stammvokale (z.B.: ????? - ????, ???? - ????). Dabei können die Attribute der schwachen und der starken Flexion jeweils einzeln oder in Kombination miteinander auftreten (z.B.: ???? - ??? - ???).
Wortarten und deren grammatische Kategorien:
Wie im Deutschen werden im Russischen Substantive, Adjektive und Pronomen nach Kasus, Genus und Numerus gebeugt und Adverbien nur gesteigert. Russische Verben werden hingegen nicht nur nach Tempus und Numerus, sondern in der Vergangenheitsform auch nach Genus gebeugt. Wie im Deutschen werden im Russischen auch Eigennamen (Personen-, Städte-, Ländernamen u.ä.) und Zahlwörter gebeugt. Außerdem kennt das Russische weder bestimmte noch unbestimmte Artikel. Für die Anzeige von Kasus, Genus und Numerus treten stattdessen zahlreiche Suffixe auf. Bei einer kleinen Gruppe russischer Wörter können grammatische Kategorien durch Verlagerung der Wortbetonung von einer auf die andere Silbe gebildet werden (mehr dazu siehe unter: Wortbetonung in der russischen Sprache). Weitere Wortarten im Russischen sind Präpositionen, Konjunktionen, Fragewörter, Interjektionen, Frage- und Modalpartikeln sowie die Verbpartikel «??». In einem Satz bleiben sie immer ungebeugt.
Substantive:
Das Russische kennt drei grammatische_Geschlechter und sechs grammatische Fälle (Kasus). Bei der Deklination wird innerhalb der grammatischen Geschlechter weiterhin nach belebten (d.h. Lebewesen) und unbelebten (d.h. Sachen) Substantiven unterschieden. Dies bezieht sich jedoch nur auf die Akkusativbildung.
Verben:
Eine Besonderheit der russischen Verben besteht darin, dass sie zwei unterschiedliche Formen haben, um eine Handlung im Zeitgeschehen als vollendet oder unvollendet zu spezifizieren. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird diese verbale Kategorie als Aspekt bezeichnet (mehr dazu siehe unter: Der_Aspekt_in_den_slawischen_Sprachen, Verlaufsform).
Tempus:
Im Unterschied zu anderen indoeuropäischen Sprachen, z. B. dem Deutschen, gibt es in der russischen Standardsprache anstatt sechs nur drei Zeiten. Die Vergangenheitsform wird häufig analog zur Deutschen_Grammatik als Präteritum bezeichnet. Diese Bezeichnung ist lediglich auf die Art und Weise, wie die Vergangenheitsform russischer Verben gebildet wird, zurückzuführen. Diese erfolgt ausschließlich durch Änderung der Gestalt eines Verbs, wie etwa durch Anhängen spezifischer Suffixe. Die Nebenzeiten, die im Deutschen durch zusätzliche Nutzung der Hilfsverben ?haben? oder ?sein? gebildet werden, entfallen komplett.
Syntax (Satzbildung):
Da das Russische stark flektierend ist, sind die gebeugten Formen vieler russischen Wörter oft einzigartig und entsprechen jeweils nur einer bestimmten grammatischen Kategorie. Deshalb ist die Verknüpfung einzelner Satzglieder im Russischen nicht so streng wie im Deutschen geregelt. So muss das Subjekt nicht notwendigerweise unmittelbar vor oder nach dem Prädikat gesetzt werden, ein Aussagesatz kann mit dem Prädikat anfangen oder enden. Innerhalb kurzer Sätze oder einzelner, geschlossener Satzteile kann die Wortfolge oft stark dennoch nicht willkürlich variieren, ohne dabei die Satzsemantik zu verändern. Insbesondere in der Poesie wird dieses besondere Merkmal der russischen Syntax häufig verwendet, indem Sätze zuweilen durch eine unübliche Umstellung der Wörter gebildet werden und somit die Reimfindung erleichtern.
Einige Unterschiede zwischen den Satzbildungsregeln im Deutschen und im Russischen können durch folgende Beispiele veranschaulicht werden:
*Im deutschen Satz ?Maria fragt Jan.? wird die Satzsemantik durch die Reihenfolge [Subjekt] ? [Prädikat] ? [Akkusativobjekt] bestimmt. Die Substantive, in diesem Fall die Eigennamen ?Maria? und ?Jan?, weisen keine grammatischen Merkmale auf, die sie als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen lassen. Deshalb, sobald man die beiden Substantive miteinander vertauscht, ändert sich die Bedeutung des Satzes im Deutschen: ?Jan fragt Maria.?. Im Russischen lassen sich die beiden Substantive durch ihre Flexionsformen eindeutig als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen. Die Bedeutung des Satzes ?????? ?????????? ???.? (?Maria fragt Jan.?) wird im Russischen also nicht durch die Reihenfolge der Satzglieder, sondern durch deren Flexionsformen bestimmt. Deshalb ändert sich die Satzsemantik durch die Umstellung der Satzglieder nicht. Im russischen Satz wird es immer Maria sein, die Jan fragt und nicht umgekehrt: ?????? ?????????? ???.? oder ?????? ??? ??????????.? oder ???? ????? ??????????.? oder ???? ?????????? ?????.?. Will man im Russischen sagen, dass Jan Maria fragt, muss man die Flexionsformen der beiden Substantive ändern: ??? ?????????? ?????.?.
*Im deutschen Satz ?Ich liebe dich.? muss das Prädikat immer an der zweiten Stelle stehen. Im Russischen Satz kann es entweder an der zweiten oder an der letzten Stelle sein: ?? ????? ????.? bzw. ?? ???? ?????.?. Wird das Prädikat an die erste Stelle im Satz gesetzt, so leitet es im Russischen nicht eine Frage ein, sondern hebt lediglich die Handlung hervor und weist in diesem Fall auf die Gefühlsstärke des Sprechenden: ?????? ? ????.? (?Ich liebe dich so sehr.?).
Dialekte
Man unterscheidet im europäischen Teil Russlands drei sprachlich unterschiedliche Gebiete: Nord-, Mittel- und Südrussland. Die Gebiete unterteilen sich ferner in einzelne Dialekte. Generell sind die Dialekte im Russischen aber trotz großer Entfernungen weitaus weniger ausgeprägt, als etwa im deutschen oder französichen Sprachraum. Unterschiede in der Aussprache liegen nirgendwo im russischen Sprachraum so auseinander, dass sich zwei Sprecher nicht verstehen könnten.
Nordrussisch
Nord-östlich einer Linie vom Ladogasee über Nowgorod und Jaroslawl bis Joschkar-Ola. Diese Mundart kennzeichnet sich durch ein klar ausgesprochenes unbetontes "o" (?????? - Okanje), ein gutturales "g" und ein hartes "t".
* Mundartengruppe von Ladoga und Tichwin
* Mundartengruppe von Kostroma
* Mundartengruppe von Wologda
* Mundartengruppe von Onega
* Mundarten von Beloozersk
Mittelrussisch
Die Nördliche Grenze verläuft von Sankt-Petersburg über Nowgorod und Iwanowo bis Nischni Nowgorod und Tscheboksary, die südliche von Welikije Luki über Moskau bis Pensa. Dieses Gebiet zeigt sowohl nördliche als auch südliche Sprachzüge. Im Westen ist das unbetonte "o" ein "o", im Osten ein "a" (?????? - Akanje).
* Westmittelrussisch von Pskow
* Westmittelrussisch von Nowgorod
* Ostmittelrussisch von Moskau und Umgebung
* Ostmittelrussisch von Jegorewsk und Umgebung
* Ostmittelrussisch von Temnikow und Umgebung
* Ostmittelrussisch vom Wolga-Wladimir Gebiet
Südrussisch
Im Bereich südlich von Welikije Luki über Rjasan bis Tambow. Hier spricht man das unbetonte "o" als "a", ein frikatives "g" und ein weiches "t".
* Mundart von Rjasan
* Mundartengruppe vom Dnjepr
* Mundart von Oskol
Mischsprachen
Es gab und gibt einige natürlich entstandene Mischsprachen mit dem Russischen. Bekannteste Vertreter sind die Mischungen mit den nah verwandten Sprachen Ukrainisch (Surschyk) und Weißrussisch (Trasjanka).
Innerhalb der Sowjetunion vermischte es sich einst auch mit den isolierten Sprachen sibirischer und asiatischer Völker Russlands. An dessen Arktis-Grenzen zu Norwegen wurde vor 100 Jahren noch eifrig Russenorsk gesprochen. Im Fernen Osten wiederum brachte der Kontakt mit Chinesen Kjachta-Russisch hervor. Nationalismus hat auch diese Mischsprachen heute vernichtet. Allein das durch den sowjetischen Einfluss auf Kuba entstandene Rusinol lebt. In Deutschland ist unter einem Teil der russischen Einwanderer (nicht zu verwechseln mit den Russlanddeutschen) eine deutsch-russische_Mischsprache entstanden.
Lehnwörter
Das Russische hat sich eine ganze Reihe von Wörtern aus dem Deutschen entlehnt (siehe: Deutsche_Wörter_im_Russischen). Darüber hinaus sind auch einige russische Wörter in die deutsche Sprache eingegangen (siehe auch: DDR-Sprachgebrauch).
• (eingedeutscht auch Bolschewist) ? ????????? (Mehrheitler)
*Datsche] ? ???? (Landhaus, Bungalow)
• ???????? (Matroschka)
*Perestroika] ? ??????????? (Umbau)
• ?????? (Gemetzel)
*Sowjet], sowjetisch usw. ? ????? (Rat)
• ??????? (Wegbegleiter, Satellit)
*Steppe] ? ????? (Steppe)
• ????????? von ??????a (Samstag)
*Troika] ? ?????? (Dreiergespann)
• ????? (Wässerchen, Schnaps)
:Mit dem Wort Wodka bezeichnet man im Russischen jegliche Art von Schnaps, im Deutschen benützt man dagegen das Wort nur für das Produkt aus Kartoffeln.
*Zobel] ? ?????? (Zobel)
[[Lehnübersetzungen sind unter anderem Kulturhaus (??? ????????) und Zielstellung statt Zielsetzung (??????? ?????????).
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Trivia
* Der Lübecker Kaufmannsgehilfe Tönnies Fonne schrieb 1607 in Pleskau ein Wörterbuch Mittelniederdeutsch - Russisch, das auf den Bedarf der im Russlandhandel tätigen Kaufleute ausgelegt war.
Weblinks
• Eintrag zur russischen Sprache in der Enzyklopädie des Europäischen Ostens

