Radio Caroline
Radio Caroline war das erste Privatradio in Großbritannien und ist für die Entwicklung der Popmusik in den 1960er-Jahren von zentraler Bedeutung. Radio Caroline wurde 1964 von dem irischen Musikproduzenten Ronan O'Rahilly als Piratensender gegründet und sendete bis 1990 von See aus. Trotz mehrmaliger Abschaltungen und Unterbrechungen gibt es den Sender noch heute.Geschichte
Die Drei-Meilen Zone
Der Musikproduzent Ronan O'Rahilly konnte die Bands seines Labels weder bei der BBC, noch bei Radio Luxemburg unterbringen und beschloss daraufhin, seinen eigenen Sender zu gründen, obwohl private Radiostationen in den 60er-Jahren in Großbritannien noch illegal waren. Radio Caroline sendete daher von einem Schiff aus, der ?MV Fredericia?, die unter panamesischer Flagge in der Nordsee, drei Meilen vor Essex, ankerte.
Die Idee, das Festland zu verlassen, stammte von der Voice of America, die damals teilweise von See aus sendete. Drei_Meilen vor der Küste galt auf Schiffen das Recht der jeweiligen Nation, unter deren Flagge es fuhr. Auf der ?MV Fredericia? befand sich ein Mittelwellensender mit 10 kW Leistung, der auf der Frequenz 1520 kHz (197,3 Meter) betrieben wurde.
Namensgebung
Radio Caroline ist nach John F. Kennedys Tochter Caroline benannt. Ronan O'Rahilly kam die Idee angeblich, als er ein Foto sah, auf dem das Mädchen im ?Oval Office? spielte und dabei den US-Präsidenten in seiner Arbeit störte - das heißt die Regierung störte. Das traf das Image, das O'Rahillys Meinung nach zu dem Sender passte (Kennedy war wenige Monate vorher ermordet worden).
Die frühen Jahre
Am 28. März 1964, einem Ostersonnabend, gingen die beiden DJs Chris_Moore und der damals noch unbekannte Simon Dee mit den Worten ?This is Radio Caroline on 199, your all day music station!? auf Sendung. Der erste gespielte Song war ?Not Fade Away? von den Rolling Stones.
Mit dem Start von Radio Caroline kam O'Rahilly dem australischen Musikmanager Alan Crawford zuvor, mit dem er bekannt war. Crawford plante ebenfalls, eine kommerzielle Radiostation von einem Schiff aus zu betreiben. Zu diesem Zweck kaufte Crawford das ehemalige Sendeschiff von Radio Nord aus Stockholm auf und nannte es ?Mi Amigo?. Am 27. April 1964 ankerte die ?Mi Amigo? vor Frinton-on-Sea, das ebenfalls in der Grafschaft Essex liegt, und begann am 9. Mai mit ersten Testsendungen. Unter dem Namen Radio Atlanta startete drei Tage später, am 12. Mai, das regelmäßige Programm.
Da Caroline und Atlanta dieselbe Hörerschicht ansprachen und wenig später mit Wonderful Radio London, bekannt unter dem Namen Big L, ein weiterer Musiksender sein Programm aufnahm, taten sich die ehemaligen Konkurrenten zusammen. Radio Caroline nahm einen neuen Ankerplatz vor der Isle of Man und deckte fortan als Caroline North den nördlichen Teil des Königreichs ab. Die ?Mi Amigo? blieb als Caroline South im Süden beheimatet, so dass Radio Caroline über zwei Sendeschiffe verfügte.
Weitere Entwicklung
In den folgenden Jahren war Radio Caroline bei britischen Hörern als Alternative zu BBC Radio 1 erfolgreich und spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung neuer Pop- und Rockmusikstile. Bands wie The Who oder Status_Quo wurden durch den Sender bekannt.
Mehrmals musste Radio Caroline in den 40 Jahren seines Bestehens das Programm einstellen. Mal wegen staatlicher Repressionen, mal wegen der schwierigen Bedingungen auf See. Das erste Sendeschiff, die ?MV Fredericia?, wurde zeitweise zwangsverlegt und sank später. Radio Caroline startete jedes Mal neu und verfügt seit Mitte der 1990er Jahre über eine offizielle Sendelizenz.
Empfang
Von 1983 bis 1990 sendete Radio Caroline von der ?Ross Revenge?. Dieses Schiff verfügte über einen 90 Meter hohen Sendemast, es handelte sich um den höchsten je auf einem Schiff errichteten Mast. Dieser Rekord wurde jedoch mit dem Segelschiff Mirabella V mit einer Masthöhe von 91,44 m überboten.
Radio Caroline ist heute über Satellit und Webradio zu hören.
Literatur
* Wolf-Dieter Roth: "Von der Nordsee zu den Sternen. Radio Caroline: Der Piratensender von 1964 ist nach 37 Jahren immer noch höchst lebendig". In: Telepolis, 7.7.2001 ([http://www.heise.de/tp/r4/artikel/3/3631/1.html Online lesen])
* Tom Lodge, The Radio Caroline Story from the inside. USA: Umi Foundation, 2002 (118 Seiten)
Weblinks
• Die offizielle Website
*http://www.grantbenson.com

