Okkultation
durch den Mond ]]Als Okkultation, Bedeckung oder Verfinsterung bezeichnet man das Vorbeiziehen eines größereren Himmelskörpers vor einem kleineren. ?Kleiner? und ?größer? beziehen sich dabei auf die scheinbare Größe. Im gegenteiligen Fall spricht man von einem Durchgang oder Transit.
Definition
Die Okkultation ist ein Sonderfall einer Konjunktion. Der scheinbare Winkelabstand der beiden Himmelskörper ist dabei so gering, dass der nähere Himmelskörper den weiter entfernten aus Sicht des Beobachters teilweise oder vollständig bedeckt.
Sonderfall der Okkultation ist die Finsternis (Eklipse), wenn das überdeckte Objekt so hell ist, das diese Namensgebung angebracht ist, insbesondere also die Sonnenfinsternis (die Okkultation der Sonne durch den Mond), aber auch die Mondfinsternis (die Okkultation der Sonne durch die Erde, vom Mond aus gesehen). Allerdings stellt eine Mondfinsternis eine echte Verfinsterung des Mondes dar, weil dieser sich dann im Erdschatten befindet, wohingegen eine Sonnenfinsternis genau genommen eine ?Sonnenbedeckung? beziehungsweise eine ?Erdfinsternis? ist, weil ein Teil der Erdoberfläche durch den Mondschatten verfinstert wird.
Während Sternbedeckungen durch den Mond und Bedeckungen der Planetenmonde durch ihren Mutterplaneten relativ häufig sind, sind Sternbedeckungen durch Planeten und Asteroiden von einem fixen Beobachtungsort aus gesehen sehr seltene Ereignisse. Noch seltener sind gegenseitige Planetenbedeckungen. Seit 1818 fand keine Bedeckung eines Planeten durch einen anderen statt, die nächste wird erst 2065 stattfinden.
Sternbedeckung
Die Okkultation eines Fixsterns, insbesondere durch einen Körper unseres Sonnensystems, z. B. Planet, Asteroid oder Mond, von der Erde aus gesehen. Aber auch vom Hubble-Teleskop aus werden Sternbedeckungen beobachtet.
Für den Beobachter wird das Licht des Sterns für einige Zeit verdunkelt. Aus der Dauer der Verdunklung und des Verlaufs der gemessenen Lichtkurve können wichtige Daten des Himmelskörpers erhalten werden, z. B. dessen Größe und Form (bei Asteroiden) oder die Zusammensetzung der Atmosphäre von Planeten (deren Atmosphäre absorbiert je nach Zusammensetzung bestimmte Anteile des Sternenlichts).
Optische Okkultation
durch Dione (jeweils Saturnmonde)]]
Okkultationen von Fixsternen durch den Mond, Planeten, Planetenmonde oder Planetoiden hatten insbesondere vor dem Zeitalter der Raumfahrt eine große wissenschaftliche Bedeutung, denn man kann durch Messung ihrer Dauer den Durchmesser dieser Himmelskörper bestimmen.
Durch das Verhalten des Sternenlichts im Moment der Bedeckung (schlagartiges Verschwinden des Sternenlichts bei atmosphärenlosen Körpern wie beim Mond, allmähliches Verschwinden desselben bei Körpern mit Atmosphäre wie bei der Venus) konnte man Aussagen über eventuell vorhandene Atmosphären der Himmelskörper, welche die Bedeckung verursachen, machen.
Die genaue Bestimmung der Kontaktzeiten bei Sternbedeckungen durch den Mond ermöglicht eine genaue Vermessung der Mondbahn. Durch zeitlich hoch aufgelöste Beobachtungen von Sternbedeckungen durch den Mond ist es in einigen Fällen auch möglich, den Durchmesser des bedeckten Sternes direkt zu bestimmen.
Anhand von streifenden Sternbedeckungen, bei denen der Rand des Erdmondes einen Stern verdunkelt, kann das Profil der Mondoberfläche relativ genau bestimmt werden. Streifende Sternbedeckungen werden häufig von Amateurastronomen beobachtet und ausgewertet.
Die selbst mit den stärksten Fernrohren der Welt nicht direkt sichtbaren Ringe des Planeten Uranus wurden bei einer Bedeckung des Sterns SAO 142857 durch diesen Planeten am 20. März 1977 entdeckt. Vor und nach dem Durchgang des Planeten wurde das Licht des dahinter liegenden Sterns mehrfach kurz verdunkelt.
Planetenbedeckungen durch den Mond und gegenseitige Bedeckungen von Planeten besitzen nur eine geringe wissenschaftliche Bedeutung, da man bei scheibchenförmigen Objekten schlechter Kontaktzeiten bestimmen und die oben beschriebenen Messungen durchführen kann.
Radio-Okkultation
Siehe Hauptartikel: Radio-Okkultation
Die Radiookkultation ist eine neue Methode, um die Atmosphäre von Planeten zu untersuchen. Dabei wird das Radiosignal eines Satelliten beobachtet, der hinter einem Himmelskörper verschwindet. Bei der Erde sind GPS-Satelliten geeignete Sender. Aus der genauen Kenntnis des gesendeten Signals erhält man über den Vergleich mit dem empfangenen Signal, dass seinen Weg durch die Atmosphäre der Erde nahm, Hinweise auf die Eigenschaften der Atmosphäre. Beispielsweise wurde das wissenschaftliche Programm des Satelliten Champ um diese Art der Atmosphärenfernerkundung erweitert, um Informationen über die Temperatur- und Wasserdampfverteilung der Erdatmosphäre zu erhalten.
Gegenseitige Bedeckungen
Gegenseitige Bedeckungen zweier Himmelskörper sind nur dann möglich, wenn der eine vom Beobachter aus gesehen sowohl vor als auch hinter den anderen treten kann. Da in fast allen bekannten Fällen die beiden Körper nicht gleichgroß sind, ist eine dieser Bedeckungen ein Transit.
Die folgenden Fälle gegenseitiger Bedeckungen existieren:
bedeckungsveränderliche_Sterne
* äußere Planeten und ihre Monde (Transite größerer Monde können beobachtet werden)
Zwerg- bzw. Kleinplaneten und ihre Monde
* Monde eines Planeten (z.B. gegenseitige Bedeckungen der Jupitermonde)
* Merkur und Sonne (Merkurtransit, Bedeckung von Merkur durch die Sonne)
* Venus und Sonne (Venustransit, Bedeckung von Venus durch die Sonne)
* Merkur und Venus (einzige Planeten, die sich gegenseitig bedecken können)
Häufigkeit/Auftreten
Bedeckungen von Fixsternen und Planeten durch den Mond treten relativ häufig auf, weil der Mond einen Winkeldurchmesser von 30 Bogenminuten und als erdnaher Körper eine große Horizontalparallaxe besitzt.
Da im Zeitraum von 18,6 Jahren die Knoten des Mondes einmal retrograd durch die Ekliptik wandern, werden in diesem Zeitraum praktisch alle Sterne, die sich in einem Gebiet von 6 Grad nördlich bzw. südlich der Ekliptik befinden irgendwann einmal bedeckt.
Allerdings können von einem gegebenen Ort natürlich nicht alle diese Bedeckungen beobachtet werden, da sie zu einer Zeit stattfinden können, während der der Mond unter dem Horizont steht stattfinden oder es wegen der Parallaxe dazu kommen kann, dass die Bedeckung in manchen Gebieten beobachtbar ist, während in anderen Gebieten der Welt diese nicht beobachtet werden kann. Eine weitere Einschränkung ist noch, dass manche Bedeckungen nicht oder nur extrem schwer beobachtbar sind, da sie am Taghimmel stattfinden.
Bedeckungen von Sternen und Planeten durch die Sonne sind nicht gerade selten, aber wegen ihrer Unbeobachtbarkeit (zumindest mit den üblichen optischen Geräten, nicht unbedingt mit radioastronomischen Methoden, sofern das zu bedeckende Objekt eine Radioquelle ist) uninteressant. Allerdings wurden Bedeckung von Radioquellen (beispielsweise Quasare) durch die Sonne dazu benutzt, die allgemeine Relativitätstheorie zu überprüfen.
Bedeckungen heller Sterne durch Planeten, Monde anderer Planeten oder Planetoiden sowie gegenseitige Bedeckungen von Planeten sind außerordentlich seltene Himmelsereignisse. Sie sind wegen der Planetenparallaxe auch nicht unbedingt überall beobachtbar, wo der Planet zum Zeitpunkt der Bedeckung über dem Horizont steht.
Solche Ereignisse sind deshalb so selten, weil Planeten langsamer über dem Himmel ziehen, als der Mond und zudem einen viel kleineren Winkeldurchmesser als diesen haben.
Außerdem gibt es weitaus größere Einschränkungen welche Sterne überhaupt bedeckt werden können, denn im Unterschied zum Mond wandern die Bahnknoten der Planeten nur sehr langsam (Umlaufzeit > 10.000 Jahre versus 18,6 Jahre beim Mond).
So können nicht alle Fixsterne, die sich innerhalb des Wertes der maximalen ekliptikalen_Breite, die ein Planet erreichen kann, auch bedeckt werden. So kann im Zeitraum von ca. 5000 v.Chr. bis 5000 n.Chr. kein Planet den Fixstern Aldebaran bedecken. Von den anderen drei ekliptiknahen Sterne 1. Größe (Antares, Spica und Regulus) kann im Zeitraum von 5000 v.Chr. und 5000 n.Chr. Antares nur von der Venus bedeckt werden, weil nur dieser Planet Antares sowohl nördlich als auch südlich passieren kann. Bedeckungen von Spica und Regulus sind in diesem Zeitraum nur durch die unteren_Planeten Merkur und Venus möglich, da nur diese Planeten sowohl nördlich als auch südlich an diesen beiden Sternen vorbeiziehen können.
In ferner Vergangenheit und ferner Zukunft ändert sich dies wegen der Knotenwanderung (und ggf. auch durch die Eigenbewegung der Fixsterne).
Zur Zeit ist Nunki der hellste Fixstern, der prinzipiell von einem oberen_Planeten bedeckt werden kann und zwar durch den Mars. Allerdings erfolgte dies zuletzt am 3. September 423.
Okkultationen von hellen Fixsternen (<4 mag) und Planeten durch Planeten
zwischen 1800 und 2100
:
Diese Ereignisse sind nicht überall dort sichtbar, wo zur angegebenen Zeit beide Gestirne über dem Horizont stehen. Die Beobachtung mancher dieser Ereignisse wird durch die am Himmel in der Nähe stehende Sonne hochgradig erschwert.
Siehe auch
• Ereignis]
• Spektrometer für Licht-Okkultation
Literatur
*Wolfgang Held: Sonnen- und Mondfinsternisse ? und die wichtigsten astronomischen Konstellationen bis 2017. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2005. ISBN 3-7725-2231-9
*Marco Peuschel - Konjunktionen, Bedeckungen und Transits-Das kleine Almanach der Planeten enthält die Merkurtransits von 1800 bis 2700 und Venustransits zwischen 1000 und 10000. [http://www.marco-peuschel.de Des Weiteren finden sich hier auch gegenseitige Bedeckungen zwischen den Planeten von 1500 und 4500, auch zwischen Jupiter und Saturn, Sternbedeckungen durch Planeten, außerdem Doppeltransits von Merkur und Venus und vieles mehr.
Weblinks
• Euraster.net von Eric Frappa
• Asteroidoccultation.com von Steve Preston
• Asteroidal Occultations von Jan Manek
• EAON - European Asteroidal Occultation Network
• IOTA/ES - International Occultation Timing Association / European Section

