Literaturangabe
Eine Literaturangabe ist eine Angabe einer Literaturquelle oder -stelle meist in einem Literaturverzeichnis oder einer Bibliographie, beziehungsweise in einer Anmerkung.
Trotz gemeinsamer Prinzipien gibt es für Literaturangaben und Zitierweisen kein allgemeingültiges, einheitliches System. Die verschiedenen Stile unterscheiden sich nicht nur nach Publikationsform und Fachgebiet; selbst einzelne Fachzeitschriften haben mitunter eigene Vorgaben. Das Literaturverwaltungsprogramm EndNote kennt in der Version 9 über 1300 verschiedene Formate, zu denen sich weitere hinzufügen lassen.
In Deutschland gibt es unter anderem die DIN 1505 Titelangaben von Schrifttum. Diese Traditionen werden allerdings jeweils intern relativ streng beachtet. Denn es geht dabei um die Arbeitserleichterung für Leser, die mit diesen Angaben weitere Arbeiten vorbereiten wollen. Auf internationaler Ebene gibt es die Normen ISO 690 Dokumentation; Titelangaben; Inhalt, Form und Gestaltung und ISO 690-2 Information und Dokumentation - Titelangaben - Teil 2: Elektronische Dokumente oder deren Teile.
Heute haben sich zwei Gruppen von Konventionen allgemein durchgesetzt, die internationale, aus dem angelsächsischen Raum kommende Zitierweise (sie bevorzugt die sehr einfache Regel der Kommatrennung, unterscheidet jedoch nicht zwischen den einzelnen Bestandteilen) und die deutsche Tradition, die im wesentlichen auf den Grundregeln der ?Preußischen_Instruktionen? und den Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) fußt. Diese letztere haben den Vorteil, dass man schon an der Interpunktion die einzelnen Bestandteile der Titelzitierung unterscheiden kann. Daneben gibt es noch zahlreiche Varianten. Im folgenden werden die einzelnen Bestandteile erläutert.
Regeln
Für die Zitierweise in einem Buch, einem Zeitungsartikel oder einem Aufsatz in der Fachliteratur gibt es in der Wissenschaft kein überall geltendes System, sondern eine ganze Reihe Traditionen und eingeübte Verfahren. Manche gelten in einem bestimmten Fachgebiet. Manche nur an einer Universität oder nur in einem Land.
Diese Traditionen werden allerdings jeweils intern relativ streng beachtet. Denn es geht dabei um die Arbeitserleichterung für LeserInnen, die mit diesen Angaben weitere Arbeiten vorbereiten wollen. Würden die Angaben kunterbunt erfolgen, müssten diese BeutzerInnen des Literaturverzeichnisses dauernd nachprüfen, ob sie es z. B. schon einmal an anderer Stelle erfasst haben oder ob nur durch eine andere benennung als etwas Neues erscheint.
Die Literaturangaben sollen also dem jeweiligen Zweck nützen. In einer Tageszeitung wird der Hinweis auf ein Buch über den Gartenbau anders aussehen, als wenn im Internet danach gesucht werden soll oder die Angaben in einer Dissertation. Wenn mehrere Bücher einer Autorin vorhanden sind, müssen die Literaturangaben auch die eindeutige Unterscheidung der verschiedenen Bücher bzw. Aufsätze ermöglichen.
Grundregel Nr. 1:
Zur eindeutigen Kennzeichnung, zum Zwecke der Wiederfindung, Bestellung in Bibliotheken, zur Zusammenstellung von Literaturlisten, Eingabe in Datenbanken usw., wird im Allgemeinen folgender Mindestsatz an Angaben gefordert. Diese und genau diese sollten immer angegeben werden. Weiteres kann, muss aber nicht unbedingt ergänzt werden:
(Hier gleich in der typographischen Grundform, dem Layout, angegeben)
* Autor: Titel. Ort Erscheinungsjahr.
Autor
Mit 'Autor' kann ganz Unterschiedliches gemeint sein:
* eine einzelne Person, die etwas publiziert hat:
** z. B.: ?Friedrich von Schiller:? oder: ?Schiller, Friedrich von:? Die zweite Form wurde traditionell für die Alphabetisierung in Karteikarten und Listen verwendet. Sie ist für die automatische Sortierung in Textverabeitungsprogrammen besser geeignet, ist aber in der EDV heute keine Voraussetzung mehr. Sofern mehrere Literaturangaben unter einander aufgelistet werden hat diese Form noch eine Stärke: die Zeilen beginnen mit einem Nachnamen und da nach dem Nachnamen sortiert wird, orientiert sich das menschliche Auge schneller, bei welchem Buchstaben der Nachnamen der jeweiligen Zeile beginnt. Andernfalls muss (geistig) ja der oder die Vornamen erst übersprungen werden, um das Sortierkriterium auszumachen. Denn die Länge der Vornamen ist so unterrschiedlich, dass es gut sein kann, dass in der darüberstehenden Zeile noch der Vorname ?läuft?, während in der nächsten Zeile bereits der Nachname begonnen hat.
Beispiel 1
::Friedrich von Schiller: Wilhelm Tells Lehrjahre in St. Gallen.
::Friedrich Gernot Eberhard Scholl: Mein Name sei Rauch.
Beispiel 2
::Schiller Friedrich von : Wilhelm Tells Lehrjahre in St. Gallen.
::Scholl Friedrich Gernot Eberhard : Mein Name sei Rauch.
Im Beispiel 2 ist durch die Reihung auch klar, wo die Vornamen beginnen bzw. enden. Das wäre im Beispiel 1 bei ungewohnten oder fremdsprachigen Namen nicht zu erkennen.
* ein Autorenteam:
** z. B.: ?Erich Gamma, Richard Helm, Ralph B. Johnson, John Vlissides:? oder: ?Gamma, Erich/Helm, Richard/Johnson, Ralph B./Vlissides, John:? Dabei ist die tatsächl. Reihenfolge der Autorenangaben in dem Buchtitel maßgeblich. Es darf nicht nach Alphabet o. ä. umsortiert werden.
**Die neuere Schreibweise lautet: ?Gamma Erich, Helm Richard, Johnson Ralph B., Vlissides John:?. Also ohne Trennung zwischen den Namensbestandteilen - aber bitte die Reihenfolge beachten: Name Vorname(-en), Name Vorname(-en), Name Vorname(-en), usw. Das heißt nach einem Komma folgt immer erst der nächste Nachname.
* der Herausgeber einer Schrift, in der verschiedene Personen etwas publiziert haben:
** z. B.: ?Amelie Soyka (Hrsg.):? oder: ?Soyka Amelie (Hg.):?
* eine Institution als Herausgeber:
** z. B.: ?Brockhaus-Verlag (Hrsg.):?
* eine unbekannte Person, die etwas publiziert hat.:
** meist wird dies mit den Buchstaben N.N. (für non nominatur = ohne Namen) gekennzeichnet oder mit o. A. (ohne Angaben), oder älter Anonymus (Anonym).
Übersetzer fremdsprachiger Texte sind urheberrechtlich gesehen deren ?deutsche Autoren? also sind sie bei einer vollständigen Literaturangabe direkt hinter den Ursprungsautoren mit dem Zusatz (Übers.) zu nennen. Einige wichtige Werke in der Wissenschaftsliteratur werden ja auch genau nach der Übersetzung unterschieden.
Diese Namen müssen in einer strengen Titelaufnahme den Angaben im Buch, Aufsatz etc. entsprechen. In Literaturverzeichnissen sollten sie vereinheitlicht werden. Bei mehreren Namen ist die Abkürzung der Vornamen (z. B.: ?E. Gamma?) manchmal hilfreich. Aber nicht immer, weil sich Autoren ja auch anhand der Vornamen unterscheiden können (z. B. E.berhard Richter, E.ugen Richter). In der deutschen Tradition, vor allem der Preußische Instruktionen, steht am Ende immer ein Doppelpunkt, um zu kennzeichnen, dass danach der Titel beginnt. (Der Doppelpunkt kennzeichnet eindeutig den oder die Autoren und sollte daher möglichst nur einmal vorkommen.) Anders in der Angelsächsischen (auch: internationalen) Tradition, dort werden generell alle Bestandteile durch Kommata getrennt, nur nicht Nach- und Vornamen.
Natürlich ist beim Autor (bei einer Publikation) nie ein akademischer Grad oder gesellschaftl. Titel anzugeben. Das bleibt bei Literaturangaben prinzipiell außen vor. (Ein Grundsatz des Umgangs mit einander in der ?scientific community?). Dagegen wird das (ehemalige) Adelsprädikat du, von, auf landesweise verschieden gehandhabt. Österreich hat die zum Bibliografieren einfachste Lösung: es gibt keine Adelsprädikate mehr. In anderen Regelwerken werden sie an den letzten Vornamen angehängt, wiederum andere stellen sie vor den ersten Nachnamen. D. h. alle mit ?von? gekennzeichneten Personen erscheinen gemeinsam im letzten Viertel des alphabetischen Registers nach den Namen mit U wie Ubu, Unger, Ultra etc.
Besitzt ein Buch bereits einen Autor, z. B. bei Klassikern und Quellen, ist das Buch aber von einem Herausgeber neu ediert, so fügt man den Herausgeber nach dem Titel an, in der Form (Muster):
Herodot: Historien. Hrsg. und neu übersetzt und verbessert und überarbeitet und kommentiert und neuherausgegeben und sonstnochwas von Josef Feix. Verlag, Ort Jahr. ISBN XXXXXXXX
(Auch hier sollte man sich natürlich auf das nötigste beschränken).
Titel
Die Titel (Überschrift) und eventuelle Untertitel müssen vollständig sein und werden durch einen Punkt getrennt und abgeschlossen. (Bzw. ausnahmsweise durch ein Fragezeichen, wenn das so gedruckt wurde). Generell werden Titel und auch die Gesamtzitation durch einen Punkt abgeschlossen, dadurch sind sie eindeutig erkennbar. Im internationalen Gebrauch wird auch hier ein Komma gesetzt.
Ein kleines Problem stellen abweichende Angaben auf dem Buchumschlag und der maßgeblichen Seite im Buch dar. Es kommt immer wieder mal zu Abweichungen. Eigentlich ist die maßgebliche Seite im Buch das Blatt, auf dem auch Verlag und evtl. Zitierweise der jeweiligen Nationalbibliothek genannt werden. Diese Seite heißt auch Titelei.
* z. B.:
:Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson, John Vlissides: Tanzen und tanzen und nichts als tanzen. Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman.
Manchmal wird der (Haupt-)Titel in Schrägschrift oder fett geschrieben:
* z. B.:
:Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson, John Vlissides: Tanzen und tanzen und nichts als tanzen. Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman.
Generell gilt auch hier die Regel: Bei einer streng wissenschaftlichen Titelaufnahme z. B. innerhalb einer Bibliothek oder Bibliographie sollte so genau wie möglich am Original orientiert werden, bei einem Literaturverzeichnis, das zu einer Übersicht, zum Nachschlagen, oder zur Quellenangabe dient, sollte man eine Vereinheitlichung und Reduktion auf Wesentliches vornehmen. Untertitel können weggelassen oder reduziert werden. Anders als bei Zeitschriften sind Reihentitel bei Monographien nicht zwingend und können, müssen aber nicht, angegeben werden. In jedem Fall hat der Hauptitel Primat, der Reihentitel ist sekundär.
Ort
Mit der Angabe des Erscheinungsortes lassen sich Bücher in Bibliotheksverzeichnissen (z. B. für die Fernausleihe) oder auch in Bibliographien besser finden, weil der Autor und sein Buch damit genauer eingeordnet ist. Gemeint ist immer nur der Sitz des Verlages, der das Werk publiziert (hat). Der Ort gibt also einen Hinweis auf die möglichen Verlage (bei einem Fachgebiet sind es meistens nicht so viele an einem Ort). Seine Angabe ist daher zwingend. Die Verlagsangabe dagegen nicht; obwohl auch sie zu empfehlen ist.
Werden für den Verlag mehrere Orte genannt, genügt als Zitierweise die Angabe des 1. Ortsnamens. Auch die üblichen Zusätze ?u. a.? können in Literaturlisten oder Verzeichnissen entfallen.
In älteren Büchern fehlt oft die Ortsangabe, dann schreibt man: o. O. (ohne Ortsangabe).
Der Ort wird durch kein Satzzeichen abgeschlossen, es folgt direkt das Erscheinungsjahr. In der internationalen Schreibweise folgt auch hier ein Komma.
Jahr
Das Jahr unterscheidet zwischen mehreren gleichen oder ähnlichen Publikationen der Autoren und zeigt den Neuigkeitsgrad. Es kann damit auch Unterscheidungsmerkmal und Hinweis auf die Auflage eines Buches sein. Wenn das Jahr fehlt: o. J. (ohne Jahr). Wird das Jahr ermittelt (es steht also nicht im Impressum), wird es streng wissenschaftlich in eckige Klammern gesetzt.
Das Jahr ist der letzte Grundbestandteil der Titelaufnahme und daher wird es mit einem Punkt abgeschlossen. In der Internationalen Konvention wird auch hier ein Komma gesetzt, falls weitere Angaben folgen, sonst wird das Satzzeichen weggelassen. In einigen Regelwerken folgt das Erscheinungsjahr direkt der Autorenangabe und wird in Klammern gesetzt. Das hat beim Sortieren den Vorteil, dass diese Angabe schnell wahrgenommen wird und eine chronologische Reihenfolge leicht erstellt werden kann.
Weitere Angaben je nach Zweck
Werkausgabe, Schriftreihe, Umfang in Seiten, ISBN, Angaben über Illustrationen oder Buchaufmachung, Standortangabe in wichtiger Bibliothek (Sigel); Verweise auf zugehörige Themen, Autoren oder andere Listen; Stichwörter zum Index (Sachkatalog); vorstellbar wäre auch ein Maschinencode, der automatisiert lesbar ist.
Verlag - wird dem Ort vorangestellt und mit Komma getrennt (das Wort ?Verlag? kann in den aller meisten Fällen entfallen, wenn man sich sonst an die Regeln hält). Die Angabe des Verlages ist optional, die Angabe des Ortes ist in jedem Fall primär und zwingend (s. o.).
Hier gibt es unterschiedliche Konventionen, in vielen Bibliotheksverzeichnissen findet man den Verlag nach dem Ort mit Doppelpunkt getrennt und von dem Jahr wiederum durch Komma getrennt. Eine sehr einfache, neuere Regel heißt aber, die Grundangaben Ort und Jahr nicht auseinanderzureißen und damit zu trennen (außer bei Zeitschriften, wo oft der Jahrgang oder Band vor das Jahr gestellt wird und Nummer oder Heft nach der Jahreszahl).
Beispiel für eine automatisierte Literaturangabe mit den Angaben: Autor, Titel des Aufsatzes, Herausgeber des Buches, Titel des Buches, Verlag, Ort, Jahr, ISBN:
* Klaus Linder: Gerd Zacher. In: Komponisten der Gegenwart. Hg. v. Hanns-Werner Heister, Walter-Wolfgang Sparrer. Edition Text + Kritik, München 1992. ISBN 3883776742
Beispiel für vollständige Angaben bei Zeitschriftenartikeln:
*Uwe Spiekermann: Functional Food - Zur Vorgeschichte einer ?modernen? Produktgruppe. In: Ernährungs-Umschau. Burg-Verlag, Frankfurt am Main 2002:49:182-188. (zur Geschichte des Joghurts)
Alternative:
*Uwe Spiekermann: Functional Food - Zur Vorgeschichte einer ?modernen? Produktgruppe. In: Ernährungs-Umschau. Burg-Verlag, Frankfurt Main 49.2002, 182-188. (zur Geschichte des Joghurts)
Hier werden Erscheinungsjahr, Jahrgang des Bandes, Heftnummer und Seitenzahlen ohne Abstände nur durch den Doppelpunkt getrennt.
Alternativ wird der Band, Jahrgang dem Erscheinungsjahr vorangestellt (mit Punkt), nach dem ersten Komma kann die Heftnummer erscheinen (fehlt im Beisp.), nach einem zweiten Komma folgen die Seitenzahlen von-bis. Analog lassen sich die Angaben für Anthologien machen. Merke: Die Titelaufnahme folgt weitgehend den Regeln für Monographien, z. B. Verlag, Ort Jahr. Titel aller Art (auch Nebentitel, Reihentitel) werden hier grundsätzlich mit Punkt abgeschlossen. Ebenfalls die Gesamttitelaufnahme. ISBN/ISSN wird nicht mit Punkt aubgeschlossen, sie sind Zusatz, nicht Bestandteil der Titelaufnahme.
In Bibliotheken werden oft noch eindeutige Kennzeichen gebildet, z. B. aus den ersten Buchstaben der Autoren und dem 2-stelligen Erscheinungsjahr:
* GHJV94
: Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson, John Vlissides:
: Design Patterns: Elements of reusable object oriented software
: Addison Wesley Publishing Company 1994, ISBN 0-201-63361-2
Hinweise auf Websites
Siehe Hauptartikel: Literaturverwaltungsprogramm
Literaturdatenbank
• Language Association/'>MLA-Style]
* für die Zeitschriftenzitation vergleiche auch die Einträge in der
Weblinks
* http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/urhg/__63.html § 63 UrhG (Deutschland)
• OGH Riven Rock
• Das Literaturverzeichnis in wissenschaftlichen Arbeiten nach DIN 1505 (Klaus Lorenzen)
• Germanistisches Institut der RWTH Aachen: Ausführliche Anleitung zum Bibliographieren in der (germanistischen) Literaturwissenschaft mit interaktiver Übungsplattform und unter Berücksichtigung aller gängigen und (fach)speziellen Publikationsformen
• Excerpts from International Standard ISO 690:1987
• Excerpts from International Standard ISO 690-2
• National Library of Medicine Recommended Formats for Bibliographic Citation
• Academic referencing in the UK, LearnHigher.org.uk

