Jesus von Nazaret
thumb|240px|Fiktives_Jesus-Christus-Portrait_aus_der_Betlehem oder Nazaret geboren und starb 30, 31 oder 33 in Jerusalem.
Das Neue_Testament (NT) verkündet Jesus als den Christus (Messias, Sohn Gottes): Diese Glaubensaussagen stellen die Artikel Jesus Christus und Jesus Christus im Neuen Testament dar. Das NT ist zugleich die Hauptquelle für historische Informationen über Jesus neben einigen Apokryphen und außerchristlichen_Notizen. Aus ihnen rekonstruiert die historische Forschung plausible Grundzüge seines Wirkens.
Danach war Jesus ein Jude aus Galiläa und trat ungefähr ab dem Jahr 28 öffentlich als Wanderprediger im Gebiet des heutigen Israel und im Westjordanland auf. Angesichts des erwarteten Gottesreichs rief er sein Volk zur Umkehr auf. Wenige Jahre später wurde er von den Römern gekreuzigt.
Jesus begrenzte sein Wirken auf das Judentum (; ), bewirkte aber die Entstehung einer neuen Loccumer_Richtlinien entsprechend abgekürzt.
Nichtchristliche Zeugnisse
Hauptartikel: Außerchristliche Notizen zu Jesus von Nazaret
Einige jüdische, römische und griechische Geschichtsschreiber der Antike erwähnen Jesus, jedoch fast nur seine Hinrichtung, nicht sein Wirken und seine Lehre. Diese seltenen Notizen sind zudem quellenkritisch umstritten.
Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen Antiquitates Judaicae (Ant 20,200) über die Hinrichtung des Jakobus und bezeichnet ihn beiläufig als Bruder Jesu, der Christus genannt wird (Ant. 20,200). Diese Notiz gilt vielen Forschern als erste echte außerchristliche Erwähnung Jesu, während andere bezweifeln, dass ein jüdischer Historiker Jesus als ?Christus? bezeichnet hätte. Auch bestimmte Verse im ?Testimonium Flavianum? (Ant 18,63f), Jesu zweiter Erwähnung bei Josephus, beurteilen sie heute meist als christlichen Einschub. Einen verschieden rekonstruierten Kern halten einige Forscher für authentisch.
Tacitus berichtet um 117 in den Annales (Buch XV,44Perseus-Projekt (englisch): [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/ptext?lookup=Tac.+Ann.+15.44 Ann 15,44]) von ?Chrestianern?, denen Kaiser Nero die Schuld am Brand Roms im Jahr 64 zugeschoben habe. Er fährt fort:
:Der Mann, von dem sich dieser Name herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden.
Unklar bleibt, ob diese Nachricht sich auf unabhängige römische Quellen oder bereits auf christliche Überlieferung stützt.
Sueton schreibt etwa um 120 in seiner Biografie des Kaisers Claudius (Kap. 25,4Perseus-Projekt (englisch): [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0132&layout=&loc=claud.+25 claud. 25]), dieser habe die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, aus Rom vertrieben (49). Ob ?Chrestos? sich auf Jesus Christus bezieht, ist ungewiss.
Weitere Notizen stammen von Plinius_dem_Jüngeren, dem ansonsten unbekannten syrischen Stoiker Mara bar Sarapion sowie aus rabbinischen Quellen. Diese Autoren beziehen sich jedoch nur am Rande oder polemisch auf ihnen bekannt gewordene christliche Überlieferungen.
Christliche Zeugnisse
Informationen über Jesus werden primär aus der Analyse der vier Evangelien, den Paulusbriefen und einigen Apokryphen gewonnen. Diese Schriften stammen von Christen meist jüdischer Herkunft, die von der Auferstehung Jesu Christi überzeugt waren () und keine Biografien verfassen, sondern Jesus als den Messias für ihre Gegenwart verkündigen wollten. Die historische Zuverlässigkeit dieser Quellen ist daher seit Beginn der modernen neutestamentlichen Forschung stark umstritten.
Die drei Jüdischen_Aufstand (66?70) schriftlich fixiert. Denn sie spielen auf die Zerstörung des Jerusalemer_Tempels an (; ; ). Demnach kannte wohl keiner ihrer Autoren Jesus persönlich.
Den Verfassern des Matthäus- und Lukasevangeliums lag nach der weithin akzeptierten Zweiquellentheorie bereits das Markusevangelium oder eine Vorform davon vor. Von diesem übernahmen sie die Komposition und die meisten Texte, wobei sie diese ihren theologischen Aussageabsichten gemäß veränderten. Sie verarbeiteten außerdem eine Logienquelle, in der Reden und Sprüche Jesu gesammelt wurden. Sie sei wahrscheinlich schriftlich vor dem jüdischen Krieg (70 nach Chr.) fixiert worden.G. Theißen, Der Historische Jesus S. 44f. Ähnliche Sprüche Jesu wurden auch von syrischen Gemeinden gesammelt und später im Thomasevangelium fixiert. Alle diese Stoffe wurden seit Jesu Tod jahrzehntelang von Angehörigen der ersten Christengeneration () überliefert. Ihre frühesten Bestandteile können von Johannesevangelium enthält nach Meinung heutiger Forscher trotz seiner späteren Entstehung (ca. 100?130) unabhängig überlieferte historische Stoffe. Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise theologisch gestalteten und in ihre Missions- und Lehrabsichten einordneten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen realen, historischen Kern schließen.
Die Leben-Jesu-Forschung
Seit etwa 1750 entstand eine akademische Leben-Jesu-Forschung, die sich von kirchlicher Bevormundung zu lösen begann. Sie versuchte, historische Informationen von theologischen Deutungen des NT nach wissenschaftlichen Kriterien methodisch zuverlässig zu unterscheiden. Seitdem erwägen NT-Forscher jede denkbare Hypothese. Manche bezweifelten Jesu Existenz oder ergänzten spekulativ fehlendes Wissen. Viele der so entstandenen ?Jesusbiografien? gelten seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von 1899 als überholt.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden zunehmend außerbiblische Quellen herangezogen, um die historische Glaubwürdigkeit der NT-Überlieferung zu überprüfen. Wegen gewachsener Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte und Orientalistik und dank immer differenzierterer historisch-kritischer_Methoden gehen heute auch nichtchristliche Historiker in der Regel davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und sich einige Grundzüge - Lebens- und Todesumstände, Verkündigung, Verhältnis zu anderen jüdischen Gruppen, Selbstverständnis - relativ sicher ermitteln lassen, obwohl die Quellen über viele Daten keine genauen Angaben zulassen.
So bieten u. a. die Schriftrollen vom Toten Meer der Judaistik heute ein differenzierteres Bild des palästinischen Judentums zur Zeit Jesu. Danach haben sich manche, von theologischen Vorurteilen bestimmte Sichtweisen ? etwa Jesu angebliche ?Aufhebung? der Tora und sein Gegensatz zu den Pharisäern ? als unhaltbar erwiesen. Auch apokalyptische und weisheitliche Elemente seiner Predigten werden nicht mehr vom Judentum abgerückt. Andererseits hält man auch einen Messiasanspruch und bewusste Leidensannahme Jesu (; ) heute eher für möglich.Heinz Schürmann: Jesu ureigener Tod (1983).
Herkunft
Name
JHWH - Kurzform Je- - und entweder dem hebräischen Verb schua (?edel sein?, ?um Hilfe rufen?) oder dem Verb yascha (?retten, helfen?) zusammen. Letzteres ergibt das Substantiv jeschu`ah: ?[Gottes] Rettung?. Demgemäß deuten NT-Stellen wie ; u. a. den Namen wie ähnliche hebräische Namen - Maria? (; ) genannt. Meist jedoch erhält er den Zusatz Nazarenos oder Nazoraios, den die Evangelisten auf seine Herkunft aus Nazaret bezogen (). erklärt dies mit einer Weissagung, die wörtlich in der Talmud als noṣri ein.
Manche Exegeten vermuten zudem einen Zusammenhang von Nazoraios mit Nasiraios. Ein Nasiräer war ein Asket, der einen Eid schwor, sich die Haare nicht mehr zu scheren, keine gegorenen Traubensäfte zu trinken und sich keiner Leiche zu nähern (); sein biblisches Urbild war Mariä Verkündigung?, 1475]]
Historiker beurteilen die Geburtsgeschichten des NT weitgehend als Legenden, da sie in der Logienquelle und im ältesten Evangelium fehlen, sich untereinander stark unterscheiden und viele legendarische Züge enthalten.G. Theißen, Der Historische Jesus, S. 150 Dies gilt auch für das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas, das von Wundertaten des Knaben Jesus erzählt.
Mt 1?2 und Lk 1?2 wollen Jesus als Messias verkünden und stellen seine Geburt dazu in den Rahmen biblischer Verheißungen. Der unbelegte Kindermord des Herodes () etwa erinnert an den Kindermord des Pharao vor Israels Auszug aus Ägypten (): So wird Jesus wie Betlehem, einer Kleinstadt nahe Jerusalem, sollte nach biblischer Weissagung der Messias geboren werden (). Damit bezeugen und Jesu Abstammung vom Herodes_des_Großen (4 v. Chr.) geboren, nach bei einer ?ersten? römischen Volkszählung unter Quirinius. Dieser wurde jedoch erst 6 n. Chr. Statthalter Syriens und Judäas. Eine frühere Steuererhebung dort ist unbekannt, aber auch nicht auszuschließen. Die christliche Zeitrechnung, die das Jahr Null auf Jesu Geburtsjahr legen wollte, beruht auf einem Rechenfehler.
Die vier Evangelien berichten zusammenhängend nur aus Jesu letzten Lebensjahren. Nach ? der einzigen exakten Jahresangabe im NT ? trat zuvor Sabbat, also an einem Freitag gekreuzigt. Für die Synoptiker war es der Hauptfesttag des Pessach nach dem Sederabend: der 15. Nisan im jüdischen_Kalender. Für das Johannesevangelium dagegen war es der 14. Nisan. Nach kalendarischen Berechnungen fiel der 15. Nisan in den Jahren 31 und 34 auf einen Freitag, der 14. Nisan dagegen 30 und 33. Die meisten NT-Historiker halten 30 für das wahrscheinlichste Todesjahr, weil Paulus von Tarsus bereits zwischen 32 und 35 bekehrt wurde.G. Theißen, Der Historische Jesus, S. 152ff; Neue Jerusalemer Bibel (Herder, 1985), Kommentar zu ; L. Goppelt, Zur Chronologie Jesu, in: Theologie des Neuen Testaments S. 71 Jesus ist demnach mindestens 30, höchstens 40 Jahre alt geworden.
Familie
? ?Die heilige Familie?, 1604]]
Jesus war nach und das erste Kind von Maria und galt nach als Sohn von Josef, beide aus Nazaret. Seine Stammlinie und stellen ihn als Nachkommen des Königs David dar (). Dieselben Texte betonen, Jesus sei vom Septuaginta sowohl ?junge Frau? als auch ?Jungfrau? bedeutet.
Matthäus weist auf die Jungfrauengeburt der Maria hin: Nach glaubte Josef, Jesus sei unehelich gezeugt, bis ein vergewaltigt. Daraus erklärt er Jesu Benennung als ?Sohn der Maria? anstelle des üblichen ?Jeschua ben Josef? und seine Außenseiterrolle in seiner Heimatstadt. Urchristen hätten dies zur göttlichen Herkunft umgedeutet.
Nach hatte Jesus vier Brüder ? Jakobus, Joses (= Josef, Mt 13,55), Judas, Simon ? und einige Schwestern, deren Zahl und Namen nicht überliefert sind. Da ?Brüder? und ?Schwestern? im biblischen Wortgebrauch auch andere Verwandte umfassen kann, ist ungewiss, ob es sich dabei um leibliche Geschwister oder entferntere Verwandte handelte (siehe Geschwister Jesu).
Laut ging Jesus schon als Junge zur Familie auf Distanz, um im Jerusalemer Tempel mit Schriftgelehrten zu diskutieren. Nach seiner Taufe erwähnen die Evangelien Josef nicht mehr.
Das vierte der Aramäischen, der Reichssprache der Assyrer und der Babylonier, die die Perser in Israel eingeführt hatten. Das bestätigen einige aramäische Jesuszitate im NT. Ob man griechische Ausdrücke und Redewendungen ins Aramäische zurück übersetzen kann, ist ein wichtiges Kriterium für die Suche nach ?echten?, anfangs mündlich tradierten Jesusworten (Joachim Jeremias). So versucht man, seine eigene Verkündigung von urchristlicher Deutung zu unterscheiden.
Hebräisch, die Sprache der Heiligen_Schrift Israels, wurde in Palästina zur Zeit Jesu kaum noch gesprochen. Griechische, nicht jedoch hebräische oder aramäische Namen wurden damals in andere Sprachen übersetzt. Jesus kann dennoch Hebräisch beherrscht haben, da er die Bibel gut kannte und in den Synagogen Galiläas vorlas und auslegte. Er kann Bibeltexte auch über aramäische Übertragungen (Targunim) kennengelernt haben.G. Theißen, a.a.O. S. 318f Ob er zudem Griechisch beherrschte, die damalige Verkehrssprache im Osten des Römischen_Reichs, ist unbelegt.
Bis auf Lukas machen die Evangelien keine Angaben zu Jesu Jugendzeit. Nach beeindruckte er die Toralehrer schon mit zwölf Jahren mit seiner guten Bibelkenntnis. Diese erwarben sich Kinder ärmerer jüdischer Familien, die keine Schriftrollen besaßen, durch regelmäßigen Besuch einer Synagoge. Nur dort konnten Toraschüler auf dem Land damals auch lesen und schreiben lernen. Nach las Jesus in der Synagoge von Nazaret aus der Tora vor, bevor er sie auslegte. Auch nach predigte Jesus dort; jedoch betont das älteste Evangelium gerade, dass die Hörer Jesus das Predigen nicht zutrauten und dieses sich von der traditionellen Schriftauslegung unterschied. Ähnlich wunderten sich die Hörer in : Wie kann dieser die Schrift verstehen, obwohl er es nicht gelernt hat?
Doch Jesu häufige Frage an seine Hörer Habt ihr nicht gelesen ?? (; ; ; u. a.) setzt voraus, dass er zumindest lesen konnte. Nach schrieb oder zeichnete er im Verfahren gegen eine Ehebrecherin mit dem Finger auf den Boden; was, wird nicht gesagt.
Jesu Predigt- und Argumentationsstil ist rabbinisch (Halacha und Midraschim). Seine Sabbatheilungen (Mk 2?3) und der Vorrang der Nächstenliebe vor allen übrigen Geboten () ähneln den vorherigen Lehren des Zimmermann? übersetzt), also wohl im Haus- und Schiffbau tätig. Als Junge musste Jesus vermutlich beim Broterwerb für die Familie helfen (). Dass er selbst dieses Handwerk ausübte, ist jedoch unbelegt.
Der Theologe Synoptiker als Gottes Berufung Jesu zu seinem geistbegabten ?Sohn? ().
Johannes wird in den Evangelien als Bußprediger und Prophet des nahen Simon Petrus und Andreas kennen gelernt (). Daraus kann man Nähe und Austausch zwischen beiden Gruppen folgern (), ohne die Unterschiede zu übersehen: Jesus übernahm den endgültigen Umkehrruf von Johannes, lehnte aber das Fasten, die Askese für seine Jünger ab () und pflegte die Tischgemeinschaft mit Gruppen, die nach der geltenden Tora-Auslegung als ?Unreine? galten.
Nach Martin Karrer (a.a.O. S. 267) übernahm Jesus von Johannes das Motiv des Gerichtsfeuers und damit den apokalyptischen Grundzug seiner Reich-Gottes-Predigt ():
:Ich bin gekommen, ein Feuer auf Erden anzuzünden; ich wünschte nichts lieber als dass es schon brenne!
Gebiet des Auftretens
Jesus gilt in der neueren Jesusforschung als ?Wandercharismatiker?, der von einem ?charismatischen Milieu? im damaligen Galiläa beeinflusst und dessen Lebensstil im Urchristentum weitergeführt wurde.so G. Vermes, G. Theißen, E. P. Sanders u. a. Er sah sich nur zu den ?verlorenen Schafen des Hauses Israel? gesandt (, ).
Seine Reisewege lassen sich nicht mehr genau rekonstruieren. Viele Ortsangaben der Evangelien sind redaktionell und spiegeln bereits die Ausbreitung des Christentums zu ihrer Abfassungszeit (Kafarnaum, Magdala, Bethsaida und Chorazim. Weiter südlich wirkte er in Nazaret, Kana und Nain. Er wirkte auch im heutigen Westjordanland westlich des Sees Genezareth (Gerasa, ) sowie im heutigen Tyros und Sidon, ). Eventuell streifte er auch durch Südreich_Juda ablehnte.
Von Römern und Herodianern erbaute Städte wie Sepphoris, Tiberias und Cäsarea Philippi () betrat Jesus laut NT nicht, wohl weil fromme Juden die Besatzer ablehnten und die Herodianer ihn verfolgten (). Daher wundert es nicht, dass damalige römische Quellen ihn nicht erwähnen.
In Kafarnaum soll Jesus nach und zuerst aufgetreten sein. Nach zog er zu Beginn seines Auftretens dorthin um; Petrus besaß dort ein Haus, in das Jesus aufgenommen wurde (). Dorthin kehrte er wiederholt von seinen Reisen zurück (; ; ). nennt den Ort daher ?seine Stadt?. Dieses Fischerdorf lag damals genau an der Grenze zwischen dem Gebiet des Herodes Antipas und des Philippus. Vielleicht wählte Jesus hier sein Hauptquartier, weil er vor herodianischer Verfolgung über die Grenze fliehen konnte ().
Archäologen (V. Corbo, H. Charlesworth) haben in Resten ärmlicher Häuser aus dem 1. Jahrhundert Kalkinschriften gefunden, die Jesus mit verschiedenen Hoheitstiteln und Petrus nennen und Spuren kultischer Zusammenkünfte zeigen. Man nimmt an, dass hier eine frühchristliche Kultstätte, eventuell über dem Haus des Petrus, erbaut wurde.G. Theißen, Der Historische Jesus, S. 160f.
Verkündigung des Gottesreichs
Hauptartikel: Apokalyptik besonders Deuterojesajas und Daniels an. Sie wird seit den Forschungen von Johannes Weiß, Albert Schweitzer, Charles Harold Dodd, Werner Georg Kümmel, Ernst Käsemann u.a. als radikale von Gott, nicht Menschen herbeizuführende Wende gedeutet.
Dass die Evangelien den Begriff ?Reich Gottes? nicht näher erläutern, sondern durch konkrete Handlungen, Gleichnisse und Lehrgespräche veranschaulichen, gilt als Indiz dafür, dass er Jesu Hörern vertraut war.Vgl. H. Conzelmann, A. Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, S. 353ff; G. Theißen, Der historische Jesus, S. 221 Dass an Nichtjuden adressierte NT-Texte selten vom Reich Gottes reden, kann dies bestätigen.
In Jesu Verkündigung stehen Aussagen, die den unmittelbar bevorstehenden Anbruch des Reiches Gottes ankündigen, neben Aussagen, die dieses Reich als schon angebrochen zusagen oder voraussetzen. Dies war früher Anlass für Forschungsgegensätze darüber, ob eher die ?futurische? (vertreten u.a. von A. Schweitzer) oder ?präsentische? Eschatologie (vertreten u.a. von C. H. Dodd) auf Jesus zurückgehe. Seit etwa 1945 lösen Exegeten die Paradoxie des Nebeneinanders nicht mehr literarkritisch durch Trennung von ?echten? und ?unechten? Jesusworten auf, sondern beurteilen beide Aspekte als authentisch.so G. Theißen, Der historische Jesus, S. 224 und 230ff In der matthäischen Version des ?Vaterunsers? () kommen beide Aspekte vor.
Apokalyptische, den baldigen Weltuntergang andeutende Worte sind die Vision vom Sturz Gerd Theißen (Soziologie der Jesusbewegung), Norbert Perrin, John G. Gager, John Dominic Crossan u. a.zusammenfassend dazu G. Theißen, Der historische Jesus, S. 223?226 erklären solche Texte auch aus damaligen Lebensumständen: Juden litten unter Ausbeutung, steuerlichen Abgaben für Rom und den Tempel, täglicher römischer Militärgewalt, Schuldversklavung, Hunger, Epidemien und sozialer Entwurzelung.L. Schottroff, W. Stegemann, Jesus von Nazareth ? Hoffnung der Armen, S. 26 ff
Indem die Evangelien Jesu Auftreten als Erfüllung prophetischer Heilsverheißungen darstellen, greifen sie eine im Tanach vorgeformte Armentheologie auf. Diese lässt sich für Martin Karrer (a.a.O. S. 266) nicht aus einem Einfluss etwa der kynischen Wanderphilosophen erklären, sondern aus Jesu bewusst provozierender charismatischer Außenseiterrolle, die eine ?subversive? Bewegung der Abweichler von religiösen und gesellschaftlichen Normen bewirkt habe. Dies geht stets mit Hinweisen auf die Armen und Bedürftigen einher: So weist auch Jesu Antwort auf die Frage des Täufers ?Bist du der Kommende?? in auf die für die damaligen Armen schon erfahrbare Veränderung hin, in der sich die biblische Verheißung eines ?Jahres_des_Herrn? zur Entschuldung und Landumverteilung (Lev 25) erfüllt habe ( mit Bezug auf ).
Heiltätigkeit
Hauptartikel: Wunder Jesu
Die Evangelien überliefern viele verschiedenartige Wundertaten Jesu: u.a. Heil-, Geschenk-, Rettungs-, Normenwunder und Totenerweckungen. Die bei Markus häufigen Exorzismustexte lassen auf damals unheilbare Krankheiten wie Lepra, Grauen_Star, Taubstummheit, Epilepsie und Schizophrenie schließen. Solche Kranke galten als ?von unreinen Geistern besessen? (). Man vermied Umgang und Berührung mit ihnen, verstieß sie oft aus bewohnten Orten und brachte sie damit in Todesgefahr (Adolf Holl).
Das NT berichtet häufig über Jesu Zuwendung zu Ausgegrenzten, auch Nichtjuden, und sein Heilwirken, das die Ursache der Ausgrenzung beseitigte: etwa durch Nähe und Berührung (, ), Handauflegen oder Speichel (; ). Meistens sind es einfache gesprochene Befehle und Gesten, die die Heilung bewirken und die Dämonen austreiben ( par., par.; u. a.).
In den Rahmentexten werden Wunder Jesu oft als Einladung und Mahnung zum Glauben und zur Umkehr gedeutet. Nach meist für echt gehaltenen Worten Jesu sind sie Zeichen für den Beginn des Reiches Gottes und das Ende der Herrschaft des Bösen ( ff. par.). Gerade seine Heilerfolge hätten Jesus Misstrauen, Neid und Abwehr eingebracht, die Tötungspläne seiner Gegner ausgelöst (; ) und Forderungen nach demonstrativen ?Zeichen und Wundern? bewirkt. Diese habe Jesus abgelehnt ( par., par.).
Die NT-Forschung geht heute davon aus, dass zumindest Exorzismus- und Therapietexte einen historischen Kern haben, viele Wundertexte aber erst im Urchristentum nach volkstümlichen und nachösterlichen Motiven gestaltet und ergänzt wurden. Wunderberichte waren in der Antike keine Seltenheit. Laut G. Theißen wurden aber nirgends in der Antike von einer Person so viele Wunder berichtet wie von Jesus, und nur er habe die Heilwirkung dem Glauben der Geheilten zugesprochen (?Dein Glaube hat dich gerettet?: ; ; u. a.) und diese als Zeichen einer umfassenden Glaubenshoffnung verstanden. Dies sei nicht ohne sein Eigenwirken zu erklären.G. Theißen, Der historische Jesus, S. 275.
Tora-Auslegung
? ?Die Bergpredigt?]]
Die Gottesfurcht und ordnete sie damit den übrigen Torageboten über (). Er sah sich zu denen ausgesandt, die wegen der Missachtung der Gebote als Sünder und Unreine galten und daher verachtet wurden:
:Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten. ()
Gemeint sind in dem Passus jüdische ?Zöllner?, die für die Römer Steuern eintrieben, oft dabei ihre Landsleute übervorteilten und daher gehasst und gemieden wurden. Jesus lud sie zum Teilen mit den Armen ein () und verschärfte das 1. Gebot in diesem Sinne: Schon das Anhäufen von Besitz breche es (). Erst mit der Besitzaufgabe für die Armen erfülle der gesetzestreue Reiche alle Gebote des Dekalogs so, dass er zur Nachfolge frei werden könne ().
Die ?Antithesen? legen die Ehebruch () begehe schon, wer als verheirateter Mann eine andere Frau begehrt (). Missbrauch des Gottesnamens () und Lüge () sei bereits jeder Pinchas Lapide). Damit erinnerte Jesus seine Zuhörer an Israels Aufgabe, alle Völker zu segnen (), um auch sie von Gewaltherrschaft zu befreien ().
In den Beispielen der Bergpredigt spiegelt sich eine Gesellschaft, die von Hunger, Ausbeutung und Gewalt bedroht ist. Für Jesus stellt die Konfrontation zwischen Menschen, die Gewalt und Gegengewalt hervorruft, das Hindernis für das Reich Gottes auf der Erde dar: Nur die Unterbrechung der Gewaltspirale, der Verzicht auf Gegengewalt () kann diese Herrschaft des ?Bösen? beenden und das Reich Gottes herbeirufen.Vgl. R. Girard, Das Ende der Gewalt, S. 203?210.
Auch Missbilligung und Verurteilung anderer bringe die gleichen Konsequenzen mit sich wie die Ausübung von Gewalt:Vgl. Vgl. R. Girard, Des choses cachées depuis la fondation du monde, Livre III, cap. 5.
:Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr meßt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? ()
Demgemäß rettete Jesus eine Ehebrecherin vor der Nachfolger (), die wie er Beruf, Familie und Besitz verließen () und mittel- und waffenlos umherzogen. Viele von ihnen gehörten zum einfachen Volk, das verarmt und vielfach vom Hunger bedroht war. Sie wurden ausgesandt, um Gottes Reich zu verkünden ( par.), Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben und Gottes Segen weiterzugeben. Beim Betreten eines Hauses sollten sie mit dem Friedensgruß ?Schalom? grüßen und damit die ganze Sippe unter Gottes Schutz stellen. Waren sie nicht willkommen, dann sollten sie den Ort verlassen, ohne zurückzukehren, und ihn Gottes Gericht überlassen.
Pharisäer
Nach lasen Jesu Jünger auch am Sabbat Ähren von abgeernteten Feldern auf. Dieser Bruch des Sabbatgebots soll ?die Pharisäer? verärgert haben, wurde nach aber von Jesus mit Hinweis als Ausnahme bei Lebensgefahr erlaubt. Seine Heilungen auch am Sabbat sollen sogar Pläne von Herodianern und Pharisäern ausgelöst haben, ihn zu töten (). Aber gerade Pharisäer aus der Schule Hillels erlaubten damals Lebensrettung und Wohltätigkeit für die Armen auch am Sabbat und plädierten damit für eine flexiblere Anwendung der mosaischen Gebote. Zudem stimmten gerade Jerusalemer Pharisäer der auf Gottes- und Nächstenliebe konzentrierten Tora-Auslegung Jesu ausdrücklich zu (, und diese spielte in seinen Prozess keine Rolle.
Deshalb halten die meisten Exegeten einen pharisäischen Tötungsplan für ahistorisch; er sollte wahrscheinlich auf Jesu Passion in Jerusalem vorausdeuten und die Ereignisse in Galiläa damit redaktionell verklammern. Wahrscheinlich stand Jesus gerade den Pharisäern von allen damaligen jüdische Gruppen am nächsten. Da die Evangelien nach dem Tempelverlust entstanden, als die Pharisäer die Führungsrolle im Judentum übernahmen und die gegenseitige Abgrenzung von Juden und Christen sich verschärfte, sei diese Gruppe zu Hauptgegnern Jesu stilisiert worden.K. Berger, Jesus als Pharisäer und frühe Christen als Pharisäer, NT 30 (1988), S. 231?262, zit. in G. Theißen, Der historische Jesus, S. 138; vgl. ebda passim.
Frauen
Jesu Verhalten zu Frauen war im Witwen, Ausländerinnen oder Kranken. Geheilte Frauen folgten ihm von Beginn an nach (), manche versorgten ihn und die Jünger ().Die biblische und rabbinische Tradition betont die Maria Magdalena stand ihm als Jüngerin nach und besonders nahe. Nur das späte apokryphe Edom), regierte damals Galiläa und Judäa. Er nahm eine bereits verheiratete Nichte als Zweitfrau. Den Täufer Johannes ließ wegen dessen Kritik daran verhaften (). Nach Josephus Flavius wurde dagegen Johannes hingerichtet, um einen Aufstand abzuwenden.G. Theißen, Der historische Jesus, S. 177. Sein Vater Leviten durften sie im Rahmen der anfangs toleranten Religionspolitik Roms den Tempelkult in Jerusalem weiterhin verwalten.[http://www.judentum-projekt.de/geschichte/altertum/stroemungen/index.html Strömungen des Judentums (www.judentum-projekt.de)] Sie stellten den Hohenpriester, der sein erbliches Amt auf Zadok zurückführte, jenen Priester, der auf Geheiß König Davids den Tempelerbauer Salomo gesalbt hatte () und dessen Nachfahren seit der Simon Petrus und Judas Iskariot erwogen.Jürgen Moltmann, Der gekreuzigte Gott, München 1972, S. 132 Dagegen sieht Gerd Theißen in dem Beinamen ?Zelotes? eher einen Hinweis darauf, dass sonst kein Jesusjünger Zelot gewesen sei. G. Theißen, Der historische Jesus, S. 167
Anders als die Zeloten rief Jesus auch als ?unrein? verhasste Steuereintreiber (?Zöllner?), die mit Römern zusammenarbeiteten, in seine Nachfolge und übte Tischgemeinschaft mit ihnen (), freilich um ihr Verhalten gegenüber den Armen grundlegend zu ändern (). Gegenüber zelotischer Theologie, die Gottes Endgericht mit Gewalt an Andersgläubigen vorwegnehmen zu dürfen glaubte, rief er seine Hörer zur Feindesliebe auf (). Als Kritik an den Zeloten wird auch das Jesuswort von den ?Gewalttätigen, die Gottes Reich herbeizwingen und sich mit Gewalt seiner bemächtigen?, gedeutet.so übersetzt von Oscar Cullmann, zitiert nach Jürgen Moltmann, a.a.O. S. 133
Römische Münzen mit Herrscherköpfen galten Zeloten als Verstoß gegen das biblische Bilderverbot () und Grund, Abgaben an Rom zu verweigern. In der Steuerfrage seiner Jerusalemer Gegner ( zeigt sich, dass Jesus als Zelot verdächtigt wurde und überführt werden sollte. Jesu Antwort entzog sich der gestellten Falle:
:Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Da der ganze Mensch für Jesus Gott gehörte (), konnte diese Antwort als Absage an die Kaisersteuer aufgefasst werden, überließ aber den Angeredeten die Entscheidung dazu. Erst die Evangelisten wiesen diese Deutung zurück ().Martin Karrer, a.a.O. S. 268
Passion
Einzug in Jerusalem
Mit Jesu Einzug zum Opfer nicht direkt ab, ordnete sie aber der Nächstenliebe unter (). Indem er im Tempel lehrte, erkannte er diesen als Gotteshaus an. Auch Tempelspenden hat er wohl gebilligt ().
Doch in Jerusalem soll Jesus gegenüber seinen Jüngern () wie auch öffentlich () die Zerstörung der Tempelstadt angekündigt haben, offenbar mit Hinweis auf Sanhedrins, der wichtigsten jüdischen Institution, war er für kultische Vergehen und Verbrechen im Sinne der Tora zuständig. Für diese konnte er ein Strafverfahren einleiten und gegebenenfalls die gesetzlich vorgeschriebene Todesstrafe verhängen.P. Winter, On the Trial of Jesus (1961), S. 16?19 Er verfügte über eine jüdische Wache für den Tempelbezirk, während römische Soldaten das übrige Stadtgebiet kontrollierten.
Jesus und seine Jünger lagerten im Garten Getsemani am Fuß des Ölbergs, eine Lagerstätte für Pessachpilger. Dorthin soll Judas Iskariot in der Nacht nach dem letzten_Mahl aller Jünger mit Jesus eine mit ?Schwertern und Stangen? bewaffnete ?große Schar? (o??o?, ) bzw. ?Söldnertruppe? (??????, ) geführt haben.
Paul Winter nahm an, dass Jesus nicht vom Sanhedrin festgenommen und verurteilt worden sei, sondern primär von den Römern in Begleitung von bewaffneten Juden der TempelgardeP. Winter, a.a.O. S. 44?48, um mögliche politisch-revolutionäre Tendenzen zu unterdrücken, die in Jesu Gefolgschaft vorhanden gewesen seien oder durch seine Botschaft und Taten hervorgerufen werden konnten.P. Winter, a.a.O. S. 136 ff Die meisten christlichen Historiker halten demgegenüber an der Initiative der Tempelpriester im Passionsverlauf fest, wie sie die Evangelien darstellen.So J. Blinzler, Der Prozeß Jesu, Rudolf Pesch, Der Prozess Jesu geht weiter u. a.
Unabhängig von der Frage, wer die Initiative im Vorgehen gegen Jesus ergriff, nehmen Historiker dabei gemeinsame Interessen der Römer und jüdischen Eliten an. Der ?Tempelkonflikt? habe die Machtposition der jüdischen Eliten unmittelbar bedroht, unvorhersehbare Konsequenzen für die Autonomie der jüdischen Gemeinschaft gehabt und somit andauernde politische Instabilität verursachen können.G. Theißen, Der historische Jesus, S. 408 ff In diesem Sinne wird die von Kaiphas überlieferte Abwägung () gedeutet: Es ist besser, dass ein Mensch statt des Volkes stirbt. Da Jesus die Sympathien des Volkes besaß, wurde er ?mit List? (), nämlich nachts () festgenommen.
Nach allen Evangelien versuchten einige Jünger, Jesus mit Gewalt zu verteidigen. Dies habe er jedoch zurückgewiesen und seinen Tod als Gottes vorherbestimmten Willen angenommen. Laut sagte er zu den Soldaten:
:Ihr seid vorgegangen wie gegen einen Mörder ? dabei war ich jeden Tag im Tempel, wo ihr mich festnehmen konntet. Aber so soll die Schrift erfüllt werden!
Daraufhin seien seine Anhänger geflohen ().
Vor dem Hohen Rat
Ob es einen regulären Prozess gegen Jesus gab, ist umstritten. Nach allen Evangelien wurde Jesus nach seiner Festnahme ins Haus des Hohen Priesters gebracht (, , und ) und dort geschlagen und verhöhnt (, , und ). Nach dem Markus- und Matthäusevangelium hielt dort der Hohe Rat eine nächtliche Sitzung, um über Jesus zu richten: Diese habe auf Grund des Messiasbekenntnisses Jesu die Todesstrafe beschlossen. Nach den synoptischen Evangelien wurde eine (zweite) Sitzung des Hohen Rats am folgenden Morgen gehalten, bevor Jesus den römischen Behörden übergeben wurde. Das Johannesevangelium erwähnt dagegen nur ein Verhör durch Hannas (), Vorgänger des Kaiphas und nach Schwiegervater desselben.
= Die Anklage vor dem Hohen Rat und das Messiasbekenntnis
=Nach dem ältesten Passionsbericht vernahm der Sanhedrin zuerst Zeugen, die behaupteten, Jesus habe Unmögliches, nämlich den Abriss und Neubau des Tempels innerhalb von drei Tagen, geweissagt (, vgl. ). Ziel des Hohen Rats sei es gewesen, Jesus zum Tod zu verurteilen , aber es ist ungewiss, ob eine gegen den Tempel gerichtete Weissagung ein Todesurteil hätte rechtfertigen können: Dass eine solche Kritik zwar Feindschaft und Verfolgung veranlasst habe, ist durch jüdische Überlieferungen bekannt (, der ?Lehrer der Gerechtigkeit? der Blasphemie und damit als Beweis der Schuld Jesu erklärt worden. Exegeten sind davon ausgegangen, dass die Gotteslästerung der Antwort Jesu nur in der ?Inanspruchsnahme eines Status, der Gott allein zukommt? bestanden haben könnte. Für sich genommen habe der Anspruch auf die Messiaswürde in dem damaligen Judentum keine Gotteslästerung dargestellt (Simon Bar Kochba sei durch Rabbi Akiba sogar als Messias anerkannt worden), allenfalls eine politische Brisanz gehabt, die die darauffolgende Anklage vor dem römischen Statthalter gerechtfertigt habe.G. Theißen, Der historische Jesus, S. 406 und die dort angegebene Literatur.
Hauptsächlich aus zwei Gründen ist der Passus des Markusevangeliums als nachösterliche Überlieferung in der historischen Forschung über den Prozess an Jesus gewertet worden: Das ausdrückliche Bekenntnis Jesu als Messias im Nathans Prophetie des davidischen Messias als Sohn Gottes in und damit im Sinne eines weltlichen Machtanspruchs Jesu gedeutet worden.G. Theißen, Der historische Jesus, S. 409; G. Jossa, Gesù messia?, S. 103.118. Die Antwort Jesu enthalte aber zwei Elemente, die eine Deutung des Messiasanspruchs im Sinne der jüdischen apokalyptischen Tradition nahe legen: die Verweise auf den (vgl. ) und auf (vgl. und ). Trotz der Bedeutung ?Mensch? des aramäischen bar 'eno?, sei der Menschensohn in dieser Tradition keine weltliche Instanz und die universelle Herrschaft der Gerechtigkeit sei nicht mit einem konkreten Messias verbunden (siehe dazu: Esra und einige Texte aus Qumran bekräftigt worden. So ist das Messiasbekenntnis des Markusevangeliums ? zusammen mit allen apokalyptischen und messianischen Texten der kanonischen Evangelien ? als frühchristliche Fortsetzung dieser Tradition angesehen worden: als Anspielung an die Parusie Jesu oder an seine Verherrlichung sofort nach dem Tod.Vgl. H. K. McArthur. Mark XIV.62, in: New Testament Studies, 4, 1957?58, S. 156?158 und T. E. Glasson, The Origin of the New Testament Doctrine, London 1945, S. 13?62 und 214?231. (Zit. in G. Jossa, Gesù messia?, S. 119.)
Die Einmütigkeit der Verfolgung
Der Abschnitt des Markusevangeliums über den Prozess vor dem Hohen Rat und die Auslieferung an Pilatus betont vier Mal (; ; und ), dass die Jüdischen Würdenträger Jesus einmütig verfolgen. Auch das Todesurteil wird einstimmig entschieden, was der damals geltenden jüdischen Rechtsprechung widersprechen dürfte (Mischna Sanhedrin IV 1; vgl. Babylonischer Talmud, Sanhedrin 17a).Zitiert in P. Winter, On the Trial of Jesus, S. 67, Anm. 2. Winter zweifelt an, dass diese Regel tatsächlich angewandt wurde. Sogar an den Misshandlungen und der Verspottung Jesu hätten ?etliche? der Versammelten teilgenommen ().
Die Historizität der in allen Evangelien vorkommenden Sequenz Verhaftung, Verspottung und Misshandlung im Haus des Hohen Priesters, Auslieferung an Pilatus, die in Markus- und Matthäusevangelium die Kreuzestafel angab. Laut protestierten die Sadduzäer erfolglos gegen die Inschrift: Jesus habe bloß behauptet, der Messias zu sein.
Pilatus habe also auf Grund eines politischen Führungsanspruchs Jesu gehandelt, den er nach römischem Recht als Hochverrat (crimen maiestatis), Anstiftung zum Aufstand (seditio) und staatsfeindlichen Aufruhr (perduellio) ahnden musste. Denn nur der römische Kaiser hatte das Recht, Könige ein- oder abzusetzen. Es ist wahrscheinlich, dass mit der Hinrichtung des vermeintlichen ?Königs der Juden? Pilatus gegen alle rebellischen Juden ein Exempel statuieren wollte.
Den entscheidenden Grund für seinen Hinrichtungsbefehl sehen einige NT-Forscher jedoch in Jesu eigenem Verhalten: Seine Antwort auf die Frage nach einer angemaßten Königswürde (Du sagst es, ) und sein folgendes Schweigen () musste Pilatus nach geltendem römischem Gesetz als Geständnis werten, das ihn zum Todesurteil zwang (Folter war bei Römern integraler Bestandteil einer Kreuzigung und wurde oft mit derartigen Brutalität durchgeführt, dass die dadurch entstandenen Wunden den Tod des Verurteilten verursachten.P. Winter, On the Trial of Jesus, S. 56, Anm. 21. Die Verhöhnung durch die römischen Soldaten ist vielfach als Ritual verstanden worden: Ein ?Verspottungsritual?, von der Verurteilung Jesu als ?König der Juden? veranlasst und zum ?Spott über die Juden und ihre messianische Hoffnung? vollzogenW Wiefel, Das Evangelium nach Matthäus, S. 475. oder ein Ritual wie die Opferung des ?Scheinkönigs? der römischen Saturnalien oder ähnlicher Feierlichkeiten.So P. Wendland, Jesus als Saturnalien-König, Hermes Vol. 33, 1898, S. 175?179 bzw. J. Frazer, Le bouc emissaire zit. in R. Girard, Das Ende der Gewalt, S. 173f.
Danach zwang man Jesus, sein Kreuz zum Richtplatz vor die Stadtmauer zu tragen. Nach den synoptischen Evangelien ( par.) wurde auch ein Jude genötigt, ihm die Last abzunehmen. Die Notiz nennt den Kreuzträger ?Simon von Kyrene? aus der nordafrikanischen Exilsgemeinde Kyrenaika und seine Söhne beim Namen. Denselben Berichten zufolge wurde Jesus zusammen mit zwei ?Mördern? (; ) auf dem Hügel Myrrhe in Wein? (nach ?Wein ... mit Galle?) vor der Kreuzigung anboten, die er abgelehnt habe, und dass einer der Anwesenden ihn mit Weinessig (Pharisäer Josef von Arimathäa Jesu Leichnam noch am selben Abend nach jüdischer Sitte einbalsamieren und in ein neues Felsengrab legen. Nach P. Winter ist Josef von Arimathäa eine historische Person, Mitglied eines dem Synedrium unterstellten Gerichtshofs, zu dessen Zuständigkeiten unter anderen die gesetzmäßige Grablegung der Verurteilten gehörte.P. Winter, On the Trial of Jesus, S. 57, Anm. 24. Nach brachte ein anderer Pharisäer, Glaube ist der Kern und Ausgangspunkt der urchristlichen Botschaft von Gottes Versöhnung mit der Welt. Er bezieht sich auf den historischen Jesus, ist aber selbst nicht Teil seiner Darstellung. Die dahinter stehende Vorstellung ist nicht historisch verifizierbar und entspricht nicht den menschlichen Erfahrungen.
Der Artikel Jesus Christus im Neuen Testament gibt einen Überblick über Inhalte und Bedeutung neutestamentlicher Glaubensaussagen zu Jesus. Wie die kirchlichen Lehren zu seiner Person sich in der Christentumsgeschichte entwickelten, zeigen die Artikel Urchristentum und Christologie. Biblische und außerbiblische Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, ihr Verhältnis zu naturwissenschaftlichen Theorien und Religionskritik daran behandelt Auferstehung.
Einzelnachweise
Siehe auch
Jesus-Filme
Portal:Bibel
Literatur
Quellen
* Eberhard Nestle, Barbara Aland u.a. (Hrsg.): Novum Testamentum Graece. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001 (27. Aufl.). ISBN 3-438-05107-9
* Alfons Deissler (Hrsg.): Neue Jerusalemer Bibel. Herder, Freiburg im Breisgau 2005. ISBN 3-451-20002-3
* Wilhelm Schneemelcher: Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2 Bde., Mohr, Tübingen 1999. ISBN 3-16-147252-7
Umfeld und Entstehung des NT
* Frederick F. Bruce (Hrsg.: Eberhard Güting): Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum. Gießen 1991. ISBN 3-7655-9366-4
* Wilhelm Breuning (Hrsg.): Der Messias. Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 8. Neukirchener Verlag 1993. ISBN 3-7887-1465-4
Hans Conzelmann, Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. UTB Band 52, Mohr Siebeck, Tübingen 2004. ISBN 3-8252-0052-3 (Lehrbuch)
* Mark Lidzbarski: Ginza. Der Schatz oder Das große Buch der Mandäer. Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 1925 (Neudruck 1978). ISBN 3-525-54123-6
Hartmut Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus. Herder Spektrum 4128, Freiburg 1994. ISBN 3-451-04128-6
* Peter Stuhlmacher, Gerhard Friedrich, Paul Althaus: Das Neue Testament deutsch. Teilband 1: Die Entstehung und der Wortlaut des Neuen Testaments. Vandenhoeck & Ruprecht, 10. Auflage, Göttingen 1963. ASIN B0000BSTEQ
Historische Jesus-Darstellungen
Jürgen_Becker: Jesus von Nazaret. de Gruyter TB, Berlin 1996. ISBN 3-11-014882-X
* Marcus J. Borg, Thomas Moore (Hrsg.): The Lost Gospel Q: The Original Saying of Jesus. Ulysses Press 1996. ISBN 1-56975-100-5
* John Dominic Crossan: Jesus. Beck?sche Reihe TB, München 1996, ISBN 340639244X
Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus : Ein Lehrbuch. 3. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001. ISBN 3-525-52198-7 (Lehrbuch)
Jürgen Roloff: Jesus. C. H. Beck, München 2000. ISBN 3-406-44742-2
* Luise Schottroff, Dorothee Sölle: Jesus von Nazaret. dtv, München 2001. ISBN 3-423-31026-X
* Jens Schröter, Ralph Brucker (Herausgeber): Der historische Jesus : Tendenzen und Perspektiven der gegenwärtigen Forschung. Aufsatzsammlung. de Gruyter, Berlin 2002. ISBN 3-11-017511-8
Andere Abhandlungen und Einzeluntersuchungen zum Wirken Jesu
René Girard: Das Ende der Gewalt : Analyse des Menschheitsverhängnisses. Herder, Freiburg 1983. ISBN 3-451-19017-6 (Original: Des choses cachées depuis la fondation du monde, Paris 1978, ISBN 2-253-03244-1), dt. Ausgabe um Buch III gekürzt.
Adolf Holl: Jesus in schlechter Gesellschaft. Kreuz-Verlag, Stuttgart 2000. ISBN 3-7831-1816-6
Ulrich Luz: Warum zog Jesus nach Jerusalem? in: Der historische Jesus Aufsatzsammlung, herausgegeben von Schröter/Brucker (siehe oben). ISBN 3-11-017511-8
* Hyam Maccoby: Jesus und der jüdische Freiheitskampf. Ahriman-Verlag, Freiburg i. Br. 1996. ISBN 3-89484-501-5
* Luise Schottroff, Wolfgang Stegemann: Jesus von Nazareth ? Hoffnung der Armen. Kohlhammer, Stuttgart 1981. ISBN 3-17-007554-3
Wolfgang Stegemann: Das Evangelium und die Armen. Christian Kaiser, München 1981. ISBN 3-459-01393-1
* Hanna Wolff: Jesus, der Mann : die Gestalt Jesu in tiefenpsychologischer Sicht. Radius-Verlag, Stuttgart 2002. ISBN 3-87173-676-7
Theologische Jesusdarstellungen mit historischer Relevanz
Klaus Berger: Jesus. Pattloch, München 2004. ISBN 3-629-00812-7
Otto Betz: Jesus, der Messias Israels. Mohr Siebeck, Tübingen 1987. ISBN 3-16-145163-5
Walter Kasper: Jesus, der Christus. Matthias-Grünewald, Mainz 1986. ISBN 3-7867-0464-3
* Werner Georg Kümmel: Die Theologie des Neuen Testaments nach seinen Hauptzeugen Jesus, Paulus, Johannes. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969. ASIN B0000BS668
Ulrich Wilckens: Theologie des Neuen Testaments, Band 1-2: Geschichte der urchristlichen Theologie: Jesu Tod und Auferstehung und die Entstehung der Kirche aus Juden und Heiden. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2003. ISBN 3-7887-1895-1
* Leonard Goppelt: Theologie des Neuen Testaments. Vandenhoeck & Ruprecht UTB 850, Göttingen 1978. ISBN 3-525-03252-8
* Wolfgang Wiefel: Das Evangelium nach Matthäus. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 1998. ISBN 3-374-01639-1
Jesus aus jüdischer Sicht
Schalom Ben-Chorin: Bruder Jesus. Der Nazarener in jüdischer Sicht. dtv, München 1987. ISBN 3-423-01253-6
David Flusser: Jesus. Rowohlt, Reinbek 2002. ISBN 3-499-50632-7
* Susannah Heschel: Der jüdische Jesus und das Christentum : Abraham Geigers Herausforderung an die christliche Theologie. Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2001. ISBN 3-934658-04-0
Pinchas Lapide: Der Jude Jesus. Patmos, Düsseldorf 2003. ISBN 3-491-69405-1
* Geza Vermes: Jesus der Jude: Ein Historiker liest die Evangelien. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1993, ISBN 3-7887-1373-9
Untersuchungen zum Prozess Jesu
*Otto Betz: Probleme des Prozesses Jesu. ANRW II.25.1, S. 566 - 647
*Otto Betz: Artikel Prozess Jesu, GBL 3, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1989, S. 1242f
* Joseph Blinzler: Der Prozess Jesu. 4. erweiterte Auflage. Pustet, Regensburg 1969. ASIN B0000BGM0Y
* Peter Egger: Crucifixus sub Pontio Pilato. Aschendorff, Münster 1997. ISBN 3-402-04780-2
* David Flusser: Die letzten Tage Jesu in Jerusalem. Das Passionsgeschehen aus jüdischer Sicht. Calwer Verlag, Stuttgart 1982. ISBN 3-7668-0676-9
Werner Koch: Der Prozess Jesu. Versuch eines Tatsachenberichts. dtv, München 1968. ASIN B0000BS223
* Chaim Cohn: Der Prozess und Tod Jesu aus jüdischer Sicht. Jüdischer Verlag, Frankfurt a.M. 1997. ISBN 3-633-54141-1
Pinchas Lapide: Wer war Schuld an Jesu Tod? Gütersloher Verlagshaus Mohn, Gütersloh 1987. ISBN 3-579-01419-6
* Simon Legasse: The Trial of Jesus. SCM Press, London 1997. ISBN 0-334-02679-2 (englisch)
* Rudolf Pesch: Der Prozess Jesu geht weiter. Herder, Freiburg im Breisgau 1988. ISBN 3-451-08507-0
August Strobel: Die Stunde der Wahrheit: Untersuchungen zum Strafverfahren gegen Jesus. J.C.B. Mohr, Tübingen 1980. ISBN 3-16-143041-7
* Paul Winter: On the Trial of Jesus, (Studia Judaica, Bd. 1). de Gruyter: Berlin, 1961; revidierte Auflage Berlin 1974. ASIN B0000BPP66
Populäre Jesusliteratur
Rudolf Augstein: Jesus Menschensohn. dtv Taschenbücher Bd. 30822, München 2001. ISBN 3-423-30822-2
Gerd Lüdemann: Der Große Betrug und was Jesus wirklich sagte und tat. Zu Klampen Verlag, Lüneburg 1998. ISBN 3-924245-70-3
* Der SPIEGEL, Dossier: Jesusforschung ? Ein Mensch namens Jesus (spiegel online)
Carsten Peter Thiede: Jesus, der Glaube, die Fakten. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2003. ISBN 3-929246-95-3
Weblinks
*
• Jesus im BBKL (Bautz); dort auch umfangreiche Literaturangaben
• Der Prozess Jesu nach jüdischem Recht
• Aktuelle Literatur zu Jesus von Nazaret
Urtexte, Deutsche arc:????
az:?sa
bi:Jisas Kraes
bm:Yesu Kristabxr:????? ???????
cbk-zam:Jesus
ee:Yesu Kristo
fj:Jisu Karisitohy:?????? ???????
hz:Jesus Kristusilo:Jesus
kg:Yesu
kk:???
kl:Jesus Kristus
kn:???? ???????kv:???? ???????
lg:Jesu Kristo
mg:Jesoa
mi:Ihu Karaitimn:???? ?????
mt:?esù Kristune:??? ????????
ny:Yesu Kristu
pa:??? ????
pdc:Yeesus Grischdusqu:Jesus
rm:Gesu da Nazaret
sm:Iesu Keriso
sw:Yesu
ta:????? ????????
tg:???
tk:Isa Pygamber
tpi:Jisastw:Yesu Kristo
ty:Iesu Mesia
ug:????? ?????????
uz:Iso Masih
yi:?????zh-yue:??
zu:UJesu Krestu

