Glocke
]]: Vaterunserglocke von 2005]]
Mit Glocke bezeichnet man meist ein selbsttönendes Musikinstrument (genauer Aufschlagidiophon) mit charakteristischer Hauben- oder Kelchform (nach unten offene Halbkugel, die sich zunächst konkav und dann konvex gewölbt nach unten erweitert). Eine Glocke ist meist ein Rotationskörper, das heißt, sie besitzt Rotationssymmetrie um ihre Mittelachse.
Die Glocke wirkt so als der Schwingungsträger der Läuteanlage, zu der noch die Läutemaschine und der Glockenstuhl gehören. Die gesamte Läuteanlage befindet sich in der Glockenstube.
Vorkommen
Die häufigste Verwendung ist als Kirchenglocke. Auch öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Schulen haben oder hatten vornehmlich als Uhrglocken oder Alarmglocken genutzte Glocken.
Sind mehrere Glocken zu einem Instrument verbunden, so spricht man von einem Glockenspiel; ist es über einen Handspieltisch bespielbar und hat mindestens 23 Glocken (zwei Oktaven), von Carillon.
Geschichte
Der erste bekannte Sakralbau, der am Giebel mit Glocken behängt wurde, war ein Jupitertempel in Rom.Sueton: Divus Augustus 91.2: Cum dedicatam in Capitolio aedem Tonanti Iovi assidue frequentaret, somniavit queri Capitolinum Iovem cultores sibi abduci seque respondisse Tonantem pro ianitore ei appositum; idque mox tintinnabulis fastigium aedis redimiit, quod ea fere ianus dependebant. (?In dem Zeitraum, in dem er einen dem Iuppiter Tonans auf dem Kapitol geweihten Tempel oft aufsuchte, träumte er: Der Kapitolinische luppiter beklage sich darüber, daß ihm die Verehrer entzogen würden, und er [Augustus] habe zur Antwort gegeben, Iuppiter Tonans sei ihm lediglich als Türhüter beigegeben worden; aus diesem Grunde ließ er [Augustus] später den Giebel des Tempels mit Glocken schmücken, weil diese gewöhnlich an den Türen hingen.? Der Begriff ?Glocke? wurde dem Altirischen entlehnt (clocc; soviel wie ?Schelle?, ?Glocke?), da irische Mönche im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. die Glocken in Europa verbreiteten, zunächst wahrscheinlich als Handschellen. Die ersten Glocken waren noch genietet, seit dem 9. Jahrhundert wurden Glocken überwiegend gegossen.
Im frühen Mittelalter wurde es üblich, auf Klosterkirchen und später auch auf anderen Gotteshäusern Glocken in kleinen Dachreitern zu platzieren. Seit dem 10. und 11. Jahrhundert entstanden hohe, zum Tragen des Glockenstuhls errichtete Türme. Kirchtürme nahmen Jahrhunderte später auch Uhrwerke von Turmuhren auf.
Herstellung von Glocken
Glocken werden meist durch Gießen in eine Form hergestellt. Man unterscheidet das Lehm-, Sand- und Zementformverfahren. Das verwendete Gussmaterial heißt ?Glockenspeise? und ist meist eine Zinnbronze aus 76-80% Kupfer und 20-24% Zinn.
Zuerst wird ein innen hohler Glockenkern gemauert, und mit Lehm bestrichen. Die Lehmschicht wird mit einem rotierenden Schaber abgezogen und muss dann austrocken. Auf die Lehmschicht bringt man ein Trennmittel auf (Talg, Fett, Graphit). Auf diese Schicht kommt wieder Lehm, der genau die Form der späteren Glocke hat: diese Schicht wird ?falsche? Glocke genannt. Nachdem sie getrocknet ist, werden auf ihr alle Verzierungen und Schriften aus Wachs aufgebracht. Auf die Wachsschicht kommen mehrere Schichten Lehm in unterschiedlicher Feinheit, damit die Verzierungen sich auch im Lehm abbilden. Diese äußere Form heißt Mantel. Ist sie fertig, wird sie mit einem Feuer im hohlen Kern im Ganzen ausgebrannt. Anschließend wird der Mantel abgehoben und die falsche Glocke zerschlagen, danach wird der Mantel wieder aufgesetzt. Zwischen Kern und Mantel ist nun ein Hohlraum.
Zum Guss wird die Grube, in der die Glockenformen stehen, mit Erde verfüllt und ordentlich verdichtet, damit die Formen den beim Gießen entstehende Druck aushalten können. Durch Rinnen wird die erhitzte Glockenspeise (ca. 1100°C) in das Gussloch in die Form geleitet, durch ein oder zwei andere Löcher entweicht die Luft und die beim Gießen entstehenden Gase. Nach mehrwöchiger Abkühlzeit kann die Glocke aus der Form geholt werden, wobei erst dann sichtbar wird, ob der Guss gelungen ist.
Als Termin für den Guss wird traditionell der symbolträchtige Freitagnachmittag um 15 Uhr ? die Sterbestunde Christi ? gewählt.
Kirchenglocken sind oft variantenreich verziert; sie zeigen z.B. ein figürliches Relief (Heiligenfigur oder Kreuzigungsgruppe). Viele Glocken sind seit dem Spätmittelalter inschriftlich datiert und mit dem Gießernamen verzeichnet.
Das Gießen von Glocken durch den Glockengießer ist ein altes Handwerk, zu dem sehr viel Erfahrung gehört, deshalb haben viele Glockengießereien eine sehr lange Tradition.
Glocken aus Ersatzlegierungen
Gussstahlglocken
Von 1851 bis 1970 wurden in Bochum vom Bochumer Verein im industriellen Rahmen Glocken aus Gussstahl gegossen. Bis Mitte der fünfziger Jahre wurden über 20 000 Glocken hergestellt und in alle Welt exportiert, darunter so exponierte Exemplare wie die Friedensglocke von Hiroshima. Diese Zahl sank bis Ende der 1960er Jahre so weit ab, dass der damalige Eigentümer Krupp die Produktion einstellen ließ.
In der relativ kurzen Produktionszeit der Gussstahlglocken wurden viele verschiedene Rippentypen verwandt. Bis zum Jahre 1937 wurden die meisten Glocken in sogenannter Untermollsext-Rippe (der Unterton der Glocke steht zum Schlagton im Verhältnis zu einer Moll-Sexte). Die daraufhin in Oktavrippe (Unteroktave = Unterton) gegossenen Glocken weisen ein erheblichen Klangfehler auf; ihr Schlagton ist im Abstand einer Sekunde aufwärts verdoppelt und verursacht somit eine unangenehme Dissonanz. Aufgrund des entstandenen Drucks der Fachwelt, wurde ab 1948 eine Versuchsreihe von 12 Oktavrippen (V-Rippen) entwickelt, von denen zunächst die extrem schwer konstruierte V-12-Rippe ausgewählt wurde; sie musste fortan an gekröpften Jochen (s. Aufhängung und Läuten) aufgehängt werden. Letztendlich wurde die V-7-Rippe als endgültig ausgewählt. Um 1958 wurde eine Dur-Rippe mit erstaunlich guter Resonanz entwickelt. Ein Beispiel hierfür ist die große c?-Glocke der St.-Gottfried-Kirche zu Münster.
Stahlglocken besitzen als Aufhängung im Gegensatz zu Bronzeglocken eine sogenannte ?Tellerkrone?. Um bessere Klangergebnisse beim Läuten zu erzielen, werden oftmals die Klöppel mit Bronzebacken oder -puffern versehen. Zier und Inschriften wurden nicht eingegossen, sondern nachträglich aufgeschweißt.
Stahlglocken wurden zumeist als Ersatz für in den Weltkriegen zu Kriegszwecken beschlagnahmte Bronzeglocken erworben. Bedingt durch ihre kürzere Lebensdauer (Korrosion), die häufig unzureichende Klangqualität und die Tatsache, dass die neu angeschafften Stahlglocken oftmals zu groß dimensioniert waren, was mancherorts den Glockenturm stark belastet hat, sind viele dieser Stahlglocken in den vergangenen Jahren wieder durch Bronzeglocken ersetzt worden.
Vor dem Bochumer Rathaus steht eine 15 000 kg schwere (nicht läutbare) Gussstahlglocke mit einem Durchmesser von 313 cm. Sie wurde bereits 1867 für die Pariser Weltausstellung gegossen. Die ?Kaiser-Ruprecht-Glocke? (Nominal/Schlagton: es°) in der Neustädter_Stiftskirche ist mit 14 000 kg die schwerste schwingend geläutete Gussstahlglocke überhaupt und die zweitgrößte Glocke Deutschlands nach der St. Petersglocke.
Gusseisenglocken
Die bekannteste Glockengießerei, die Gusseisenglocken herstellte, war die des Ulrich Weule aus Bockenem. Aufgrund des sehr spröden Materials und der hohen Anfälligkeit für Rostansatz (mit 4% hoher Kohlenstoffanteil Hubert Foersch, Limburger Glockenbuch; S. 1071 )sind diese Glocken von nur kurzer Lebensdauer (max. 100 Jahre http://www.kirchenglocken.de/Kirchenglocken_de/Willkommen/Glockenkunde/Sonderglocken/sonderglocken.html ). Die Klangeigenschaften können teilweise nicht einmal mit denen der Stahlglocke verglichen werden. Vergleicht man sie mit den Proportionen einer tongleichen Bronzeglocke, so fallen Durchmesser und Gewicht sehr hoch aus. Gusseisenglocken haben keine Krone. Die größte noch läutende Eisenglocke ist die ?Christ-König-Glocke? (b°, 4 500 kg) Hubert Foersch, Limburger Glockenbuch; S. 215 an St. Bonifatius in Frankfurt-Sachsenhausen.
Sonderbronzeglocken
Die Briloner Glockengießerei Albert Junker begann ab 1930 mit dem Guss sogenannter ?Sonderbronzeglocken?, die aus einer zinnfreien (Messing-)Legierung mit ca. 92% Kupfer bestehen. Nach dem 2. Weltkrieg bis zur Schließung der Gießerei 1955 wurden etwa 3000 Glocken aus Sonderbronze gegossen, die teils vom Klang her mit Bronzeglocken vergleichbar, teils von mangelhafter Qualität (kurzatmiger Nachklang) waren. Zu den besten Geläuten zählen das neunstimmige Großgeläut (1948, auf gis°) für die Stiftskirche_zu_Baden-Baden und das sechsstimmige Geläut (1954, auf cis?) der Pauluskirche in Ludwigshafen-Friesenheim. Hubert Foersch, Limburger Glockenbuch; S. 1074
Euphonglocken
?Euphonglocken? sind aus einer Kupfer-Zink-Legierung hergestellt worden. Die einzige Gießerei, die diese Glocken goss, war die des Carl Czudnochowsky aus Erding. Diese Gießerei blieb bis zum Jahre 1971 bestehen. Die größten Euphonglocken sind die ?Hosanna? (fis°, 5 250 kg) der Erzabtei Sankt Ottilien und die ?Salvatorglocke? (fis°, 5 650 kg) der Pfarrkirche_Maria_Hilf_in_München-Au.
Weißbronzeglocken
Die Glockengießerei Benjamin Grüninger aus Villingen goss sogenannte ?Weißbronzeglocken?. Die aus einer Aluminiumlegierung gegossenen Glocken weisen wegen des extrem weichen Metalles eine sehr starke Abnutzung auf. Klanglich gesehen dürften diese Ersatzglocken zu den schlechtesten ihrer Art zählen und sind somit schon rechtzeitig durch Bronzeglocken ersetzt worden.
Klangliche Problematik der Ersatzwerkstoffe
Die Ersatzmaterialien haben gegenüber der Glockenbronze andere Eigenschaften, die sich nachteilig auf den Klang auswirken. Die meisten weisen eine höhere Schallgeschwindigkeit auf und haben daher eine geringere Abklingdauer. Durch die höhere Porosität einiger Werkstoffe ist die Dämpfung größer, was sich ebenfalls negativ auf den Abklingvorgang auswirkt. Auch der Elastizitätsmodul spielt eine Rolle. Bei Gußstahl ist er erheblich höher, wodurch der Klöppel einen kürzeren Kontakt mit der Glocke hat und der Anschlag härter klingt.
Der Klöppel
Die genaue Abstimmung des Klöppels spielt eine wichtige Rolle für die Qualität des Klanges der Glocke.
Der Klöppel besteht aus dem flachen sogenannten Blatt, an dem er aufgehängt wird, dem langen Schaft, dem Ballen (auch Kugel genannt, jedoch mitunter etwas dicker als hoch) und dem Vorhang (Schwungzapfen).
Die Größe des Ballens (in der Regel gelten 5/3 der Schlagringstärke als angemessen), hat Einfluss auf das Klangverhältnis von Grund- zu Obertönen. Außerdem steht die Berührungsdauer des Klöppels an der Glocke in Zusammenhang mit dem Gewicht des Ballens. Der Schwerpunkt des Klöppels muss im Zentrum des Ballens liegen, und die Anschlagstelle muss genau die dickste Stelle des Schlagringes sein. Auch die Dimensionen des Vorhangs beeinflussen den Klang.
Normalerweise wird der Klöppel aus weichem Eisen hergestellt. Zu hartes Material wirkt sich negativ auf den Klang aus, außerdem wird die Glocke stärker belastet. Aufgehängt wird er an Lederschlaufen, und zwar so, dass er genau im rechten Winkel zum Joch schwingt.
Aufhängung und Läuten
Die Glocke hängt traditionell in einem Glockenstuhl aus Holz, der üblicherweise in einem Turm untergebracht bzw. an einer erhöhten Stelle aufgestellt ist. Die beim Schwingen auftretenden Kräfte werden von ihm aufgenommen und an das umgebende Gebäude weitergegeben. Die Glocke ist an ihrer ?Krone? mit Eisenbändern am so genannten ?Joch? (hölzerne/stählerne Tragachse) befestigt. Der Klöppel aus weichem Eisen oder Stahl ist freischwingend mit einem breiten Lederriemen an der Klöppelöse in der Glocke befestigt und schlägt auf den ?Schlagring? der Glocke. Durch das Gewicht des Klöppels aber auch durch die Läutehöhe wird die Stärke des Anschlages bestimmt. Abweichend von dieser traditionellen Form der Aufhängung haben sich in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vielerorts Stahlglockenstühle und Stahljoche durchgesetzt. Viele Stahlglockenstühle bzw. -joche werden wieder durch hölzerne ersetzt, da sich die moderne Form als nachteilig für das Gebäude erwiesen hat und das Klangverhalten der Glocken teilweise erheblich einschränkt. Durch Korrosion besteht in einigen Fällen Absturzgefahr, so z.B. im Ulmer Münster. Hier müssen die Glocken stillgelegt werden, um den zerstörten Glockenstuhl zu ersetzen.
?. Beispiel für eine traditionelle Glockenaufhängung mit Seilzug.]]
Die Belastung des Glockenstuhls bzw. des gesamten Turmes kann sich durch die Aufhängung an gekröpfen (auch: gestelzten) Jochen dezimieren. Das Joch ist dabei nicht gerade, sondern U-förmig gebogen. Hierdurch schwingt die Glocke um die tiefergelegene Achse näher an ihrem Schwerpunkt und schlägt somit langsamer an (die Zahl der Anschläge/Min. verringert sich); der Dopplereffekt wird ebenso stark verringert und das Läuten wirkt weniger lebendig.
Vor der Erfindung der Läutemotoren wurden die Glocken per Seilzug geläutet. Dies geschah über Seilräder oder -hebel, die am Joch befestigt sind. Gelegentlich wurde aber auch dort ein Brett befestigt, das durch Fußtritte einer über der Glocke stehenden Person in Gang gehalten wurde. Zu sehen ist dies noch u.a. an der Betglocke der Lemgoer Nicolaikirche, oder der [http://www.fizyka.umk.pl/~przeciu/images/galeria/NOGI.JPG Tuba Dei] aus dem Jahre 1500 in der Thorner Johanneskirche.
Heute werden die meisten Glocken motorisch geläutet. Die Läutemaschine ist der Antrieb der Glocke. Ein Elektromotor mit elektronischer oder elektromechanischer Steuerung bringt über einen Ketten- oder Riemenantrieb und das am Glockenjoch befestigte Seilrad die Glocke zum Schwingen. Im Bereich der Ruhelage der Glocke wird der Motor abwechselnd in die eine oder andere Drehrichtung kurz eingeschaltet, wodurch sich die Glocke nach und nach bis zum gewünschten Läutewinkel aufschaukelt.
Die Frequenz der Anschläge (gemessen in Anschläge/Min.) ist von der Masse der Glocke und des Joches, deren Schwerpunkt, dessen Abstand zur Lagerachse und dem Ausschwingwinkel abhängig. Schäden an Glockentürmen werden mitunter durch Resonanzen hervorgerufen, die sich aus der Nähe der Läutefrequenz einer Glocke zur Eigenfrequenz des Turmes ergeben und die zu Turmschwankungen von mehreren Millimetern führen. Meistens wird in solchen Fällen das Joch mit zusätzlichem Gewicht versehen (man spricht dann von einem ?überschweren? Joch), um die Glocke zu verlangsamen.
Glocke und Klöppel bilden ein Doppelpendel. Das Läuten muss daher auch für den korrekten Anschlag des Klöppels eingerichtet werden. Der Klöppel darf jeweils nur kurzen Kontakt mit der Glocke haben; genau in dem Moment, in dem der Klöppel den Schlagring (dickste Stelle der Glocke) berührt, muss die Glocke bereits wieder in die entgegengesetzte Richtung zurückschwingen. Im ungünstigsten Fall, falls der Klöppel phasengleich zur Glocke schwingt, kann die Glocke stumm bleiben.
Starr aufgehängte Glocken, die durch einen Hammer von außen an den Schlagring angeschlagen werden, heißen Schlagglocken und sind oft in einer ?verkürzten? Rippe gegossen worden. Solche Glocken dienen häufig dem Uhrschlag oder finden ihre Verwendung in Carillons/Glockenspielen. Eine besondere Läuteart ist das ?Beiern? (vgl. Läuteordnung). Hierbei werden nur die Läuteglocken rhythmisch, dynamisch und melodisch verschieden angeschlagen.
Der Raum, in dem die Glocken hängen, die Glockenstube verfügt über Schallfenster. Diese sind häufig mit Holzjalousien abgedeckt, damit einerseits die Glocken und die Läutemaschine vor der Witterung geschützt sind und sich andererseits der Klang der Glocken in der Glockenstube sammeln und gezielt in die Ferne geleitet werden kann.
Glockenformen
Die ?gotische Dreiklang-Rippe? ist die verbreitetste Form. Bis dahin war aber ein weiter Weg.
Viele mittelalterliche Glocken hatten keinen ausgeprägten unteren Teil, ?Wolm? genannt, sondern die Form eines Bienenkorbes. Solche ?Bienenkorbglocken? sind auch heute noch erhalten. Die im Jahre 1038 in dünner Bienenkorb-Rippe gegossene ?Büsingen hängt auch eine Zuckerhutglocke. Das wohl klangschönste Exemplar ist das ?Totenglöckchen? im Überlinger Münster. Es wiegt 90 kg, hat 56 cm Durchmesser und den Ton c??.
Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die gotische Dreiklang-Rippe, bei der der Durchmesser im oberen Teil wieder weiter ist als bei der Zuckerhut-Rippe. Jene ist bis heute die üblichste Form; es fand auch die spätere ?französische Rippe? eine große Verbreitung.
Klangverhalten
Das Klangverhalten von Glocken weist einige Besonderheiten auf.
Ein Kunstmerkmal des Glockengießens besteht darin, die Tonhöhe vor dem Guss durch die Formgebung (?Rippe?) und die Legierung so festzulegen, dass ein Nachstimmen durch nachträgliches Schleifen nicht nötig ist.
Die charakteristische lebendige Geläutwirkung entsteht durch den akustischen Dopplereffekt, da durch das Schwingen der Glocke eine Relativbewegung zwischen Schallquelle und Ohr besteht. Das Anschlagen der Glocke erfolgt durch den Klöppel.
Charakteristisch für das Klangverhalten von Glocken ist, dass neben den harmonischen Obertönen auch weitere oberton-fremde Frequenzen auftreten. Dies rührt daher, dass im Unterschied zu einer (eindimensionalen) Saite oder Orgelpfeife sich stehende Wellen auf der zweidimensionalen Oberfläche bilden, die sich gegenseitig frequenzmodulieren.
Die Tonhöhe einer Kirchenglocke wird durch den Schlagton (Nominal) charakterisiert, z.B. c' + 7. Die ergänzende Zahlenangabe bezieht sich auf sechzehntel Halbtonschritte (also je 6,25 Cent) über oder unter dem Nominal, der seinerseits auf ein ?Stimm-a?? bei 435 Hz bezogen wird. Die Tonhöhe ist bei e? + 8 dieselbe wie bei f? - 8. Der Schlagton ist oft im Frequenzspektrum der Glocke nicht vorhanden. Er ergibt sich durch die akustischen Wahrnehmung beim Anschlagen der Glocke über das Residuumhören, indem aus den Obertönen der zugehörige Grundton abgeleitet wird.
Die von der Glocke ausgehenden Frequenzen werden in drei Gruppen unterteilt: ?Unterton? unterhalb des Schlagtons, bei einer Moll-Oktav-Rippe genau eine Oktave tiefer, in der ersten Oktave oberhalb des Schlagtons Prime bzw. ?Prim-Vertreter?, Terz, Quinte bzw. ?Quint-Vertreter?, Oktave und Mixturtöne wie Dezime, Undezime, Duodezime usw. für noch höhere Frequenzen.
Das Frequenzspektrum der Glocke wird durch die Glockenrippe - die Form, und die Dicke der Glocke - bestimmt. Hierbei ist die so genannte gotische Dreiklangrippe bis heute unübertroffen.
Entscheidend ist auch die Nachhallzeit einer Glocke. Bei der im Erfurter Dom installierten Gloriosa beträgt die des Untertones (E) seit der letzten Reparatur im Jahre 2004 über fünf Minuten.
thumb|Glocken_als_Mahnmal:_Läuteordnung
Die Läuteordnung bestimmt, wann welche Glocke wie lange und zu welchem Zeitpunkt zu läuten hat. Darin drücken sich die Hauptaufgaben von Kirchenglocken aus: die Gemeinde zum Gottesdienst, zum Geleit der Verstorbenen und zum persönlichen Gebet aufzurufen. Dies spiegelt bereits diese mittelalterliche Glockeninschrift wider: ?Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango? - die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich. Der letzte Abschnitt macht deutlich, dass man den Kirchenglocken verschiedene Schutzwirkungen zuschrieb, insbesondere den Schutz vor Unwetter. Auch profane Läutedienste, wie z.B. das Läuten zur Hinrichtung (?Armesünderläuten?) oder zur Eröffnung des Marktes, gehörten dazu.
Berühmte Glocken
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(Japan)]]
(Süditalien, 1. Jh. v. Chr.)]]
Big Ben (London, Vereinigtes Königreich)
Liberty Bell (Philadelphia, USA)
Freiheitsglocke (Berlin)
Gloriosa im Erfurter Dom. Nominalton e0, wurde 1497 durch Gerhard van Wou aus Kampen gegossen, Gewicht: 11.370 kg, Durchmesser: 2,58 m
Gloriosa im Frankfurter_Dom, 1877 durch J. G. Grosse aus Dresden nach dem Vorbild der Erfurter Gloriosa gegossen. e0, Gewicht: 11.950 kg, Durchmesser: 2,59 m
St. Petersglocke, ?Dicker Pitter?, im Kölner Dom, 1923 gegossen von Ulrich, Apolda, Nominal c0, größte am geraden Joch freischwingend läutbare Glocke der Welt, Gewicht: 24.000 kg, Durchmesser: 3,22 m
Millenniumsglocke, Newport, Kentucky, ist die größte freischwingend (aber am gekröpften Joch) läutbare Glocke der Welt, Gewicht: ca. 33.000 kg.
* Mingun-Glocke, nördlich von Sagaing, Myanmar, Gewicht: ca. 90.000 kg, schwerste freihängende läutbare Glocke der Welt.
Zarenglocke im Moskauer Kreml. 1733 bis 1735 von Ivan Matorin und seinem Sohn Michail gegossen, Gewicht: ca. 190.000 kg. Die Glocke wurde nie geläutet.
Pummerin im Stephansdom in Wien. 1711 gegossen, 1945 zerstört, 1951 neu gegossen. Gewicht: 21.380 kg, davon 813 kg Klöppel. Durchmesser: 3,14 m
* Die Rolandglocke (niederländisch: Klokke Roeland) in Gent, Belgien; 1660 gegossen. Gewicht: 6.070 kg.
Walbecker Glocke. Die wahrscheinlich im Jahr 1000 gegossene Glocke ist die älteste noch existente Glocke Deutschlands.
Lullusglocke, die älteste datierte Glocke Deutschlands (von 1038).
Munotglöckchen, wohl letzte von Hand geläutete Alarmglocke Europas, sicher aber der Schweiz
* Das Frankfurter Stadtgeläute ist die harmonische Abstimmung aller 50 Glocken von zehn Kirchen in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Erklingt seit 1978 viermal im Jahr zu den kirchlichen Festen Erster Advent, Heiligabend, Ostern und Pfingsten
* Die 'Ojikicho'-Glocke ('Haung Ton') im Myoshin-ji Tempel in Kyoto wurde 698 gegossen und gilt als die älteste Glocke Japans und als Nationalschatz. (Aufgrund eines feinen Risses wird sie heute nicht mehr angeschlagen.)
Glocken in Mythologie und Brauchtum
Mythologisch stehen Glocken für die Kommunikation mit übersinnlichen Wesen (Gottheiten oder Geister).
Aus vorchristlicher bzw. vorislamischer Zeit sind Skulpturen von Göttinnen in Glockenform erhalten.
Im 2._Buch_Moses wird den Priestern des Jahwe geboten, sich mit Glocken zu schmücken. Im Buch Jesaja wird den Frauen dasselbe verboten.
Im tibetischen Buddhismus werden zur Symbolisierung des Übergangs zwischen den Welten, aber auch ganz weltlich zum Anzeigen der Gebetszeiten, heilige Glocken (ghanta) geläutet. Japanische Tempelglocken hängen häufig in eigenen Behausungen und werden von einem entsprechend großen Stück Holz (Baumstamm) von außen angeschlagen.
Auch im Christentum zeigt das Glockengeläut die Zeit zum Gebet an. Des Weiteren sollen sie die Ankunft des heiligen_Geistes verkünden. Das Geläut von Kirchenglocken soll zudem Dämonen erschrecken und zum Flüchten bringen, wie Durandus im 14. Jahrhundert schrieb. Aus diesem Grund schmückten sich auch die Menschen in Europa - insbesondere die Kinder - mit Glöckchen: um böse Geister und den bösen_Blick abzuwehren.
Auf dieselben Ursprünge gehen viele Bräuche im Alpenraum zurück, wie beispielsweise das Ausläuten des alten und Einläuten des neuen Jahres.
Europäisches Brauchtum, bei dem Glocken eine wichtige Rolle spielen:
• und Arth/'>Alpabzug]
*Klausenumzug in [[Arth SZ/'>Arth
*Pelzmarti in Kurt Kramer (Bearbeiter/Herausgeber): Glocken in Geschichte und Gegenwart. Beiträge zur Glockenkunde. Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen. 2 Bände. Badenia-Verlag, Karlsruhe 1996-1997
* Lübke, Anton: Uhren, Glocken, Glockenspiele. Villingen Müllerverlag 1980, 286 S. ISBN 3920662032
* Schilling, Margarete: Glocken. Gestalt, Klang und Zier. Dresden, Verlag der Kunst 1988, 369 S.
* Schilling, Margarete: Glocken und Glockenspiele. Rudolstadt Greifenverlag 1982, 175 S.
Friedrich Schiller: [http://de.wikisource.org/wiki/Das_Lied_von_der_Glocke Das Lied von der Glocke]
* Strasser, Ingrid: Irisches im Althochdeutschen?. In: Die Iren in Europa, Teilband 1, herausgegeben von Heinz Löwe, Klett-Cotta, 1982, Seiten 399-422, ISBN 3-12-915470-1. (Dieser Aufsatz untersucht u.a. ausführlich die Herkunft des althochdeutschen Wortes glocka aus der altirischen Sprache.)
Tonträger
Kurt Kramer: Glocken und Geläute in Europa. Deutscher Kunstverlag, München 1988 (CD mit Textheft), ISBN 3-422-06016-2
Kurt Kramer (Hrsg.): Die deutschen Glockenlandschaften. Deutscher Kunstverlag, München 1989/1990
DVD
* Wo Himmel und Erde sich berühren. Eine klangvolle Bilderreise durch die Welt der Glocken. Dokumentation von Kurt Kramer, Sprecher: Elmar Gunsch. Butzon & Bercker, Kevelaer 2006, ISBN 3-7666-0817-7
Weblinks
• Glockensammlung mit weit mehr als 200 Geläutebeispielen, vorwiegend aus Bayern, dazu Fotos der Kirchen und Download-Möglichkeit der Tonbeispiele
• Campanologie Forum: Neuste Nachrichten aus der Glockenwelt sind hier einsehbar
• Europäisches Forschungsvorhaben zur Untersuchung und Überwachung von Kirchenglocken (Englisch)
• Glocken in Geschichte und Gegenwart
• Umfangreiche private Linkliste zum Thema Glocken
• Glocken des chinesischen Altertums Bilder und Klangbeispiele, sowie Akustik und musikalische Stimmung des berühmten Glockenorchesters von Zeng von 433 v.u.Z.
• Umfangreiche Maturarbeit von D.Studer zum Thema Kirchenglocken
• Carillon-Museum in Asten/Niederlande Viel über Glocken und Glockenspiele auf Niederländisch und Deutsch. Viele Links.
• Eine Informationsseite über Kirchenglocken.
• DeutscheGlocken.de Sammlung von Geläuten und Glockenspielen (Klangproben) mit anklickbarer Deutschlandkarte
• St. Bonifatius zu Warendorf-Freckenhorst Hier können Sie u.a. die Glocken per Mausklick in verschiedenen Kombinationen erklingen lassen!
• Glockenläuten und Totenglocken in der traditionellen Musik der Grafschaft von Nizza, Frankreich.
• Eine Glocke aus dem 17. Jahrhundert wurde 2002 aus dem Meer gefischt (nl , mit vielen Einzelheiten; z.T. auch en)
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