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Isotretinoin, auch bekannt als 13-cis-Retinsäure, ist ein cis-Isomer des Tretinoin und gehört zu den Retinoiden der ersten Generation (nicht-aromatische Retinoide). Isotretinoin wurde 1982 von Roche unter dem Namen Accutane auf den Markt gebracht.

Einsatzgebiet


Als Arzneistoff wurde Isotretinoin in Deutschland für die Therapie der Akne zugelassen. Daneben kommt es u. U. auch bei Rosazea, Psoriasis (Schuppenflechte) und aktinischer_Keratose zum Einsatz. Acne inversa spricht so gut wie nicht an.

Isotretinoin wird sowohl topisch (äußerlich) wie systemisch (innerlich) angewandt. Wegen der erheblichen Risiken und Nebenwirkungen werden in der Regel nur schwere und therapieresistente Krankheitsverläufe systemisch behandelt. Der Wirkstoff ist in Europa und Nordamerika zugelassen.

Wirkungsmechanismen


Bei systemischer Isotretinoin-Therapie verringert sich die Größe der Talgdrüsen. Menge und Zusammensetzung der Talgdrüsenlipide normalisieren sich. Die Akne soll hierüber zur Abheilung gebracht werden. Dennoch sind Rezidive (Rückfälle) möglich. Eine Studie aus dem Jahre 1998 bezifferte die Rezidivrate drei Jahre nach der ersten Therapie auf 61% der behandelten Fällen. White GM et al.: Recurrence rates after the first course of isotretinoin. In: Archives of Dermatology 1998; 134:376-378

Eine immunmodulierende Wirkung tritt durch Hemmung der Granulozytenmigration und Stimulation der Langerhans-Zellen ein. Isotretinoin hat auch einen direkten Einfluss auf Lymphozyten.

Isotretinoin bewirkt eine verbesserte Ausreifung der Keratinozyten. Dies trifft auch auf Zellen zu, die Zeichen einer malignen Entartung aufweisen (?tumorprotektive Wirkung?). Diese Tumor-schützenden Effekte werden auch nach UV-Bestrahlungen beobachtet.

Nebenwirkungen


Bei systemischer_Aufnahme können diverse Körperorte von unerwünschten Wirkungen betroffen sein. Die Nebenwirkungen topischer_Anwendung bleiben begrenzt auf das behandelte Hautareal.

Haut und Haar


Trockene Haut, insbesondere Lippen, Schälung der Haut, Schleimhautentzündungen und Nasenbluten treten häufig auf. Die Lichtempfindlichkeit der Haut ist erhöht. Isotretinoin ist unter Einwirkung von Sonnenlicht nicht stabil und kann daher bei topischer Anwendung phototoxische Reaktionen hervorrufen. Bei systemischer Aufnahme kommt es in einigen Fällen zu Haarausfall. Am Anfang einer Isotretinoin-Therapie kann es vorübergehend zur Verschlechterung des Hautbildes durch zusätzliche Entzündungen kommen. Als Ursache werden die immunmodulatorischen Eigenschaften des Wirkstoffes vermutet.

Leber


Bei systemischer_Aufnahme besteht die Gefahr von Leberfunktionsstörungen und Fettstoffwechselstörungen, was eine engmaschige Kontrolle der Leberwerte notwendig macht. Sehr häufig kommt es zur Erhöhung der Transaminasen. Sehr selten treten Leberentzündungen (Hepatitis) auf.

Nervensystem und Psyche


Bei systemischer Therapie treten häufig Kopfschmerzen auf. Sehr selten kommt es zur Erhöhung des Schädelinnendrucks (intrakranielle Hypertension), zu Krämpfen und Schläfrigkeit. Eine Beeinflussung des Hirnstoffwechsels konnte nachgewiesen werden Bremner et al.: Functional Brain Imaging Alterations in Acne Patients Treated With Isotretinoin. In: Am J Psychiatry 162:983-991; Mai 2005. [http://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/full/162/5/983?linkType=FULL&journalCode=ajp&resid=162/5/983 Volltext]. Depressionen und erhöhte Suizidalität sind in der Diskussion.

Blut und Lymphsystem


Erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und Blutarmut werden bei systemischer Therapie sehr häufig beobachtet. Ebenso Thrombozytopenie und Thrombozytose. Häufig kommt es zur Neutropenie (Mangel weißer_Blutkörperchen). Sehr selten erkranken Lymphknoten (Lymphadenopathie).

Augen


Sehr häufig kommt es zu Entzündungen_der_Lidränder und der Bindehaut, trockenen und gereizten Augen. Sehr selten treten Verschwommensehen, grauer_Star, Farbenblindheit, Hornhauttrübung, Nachtblindheit, Hornhautentzündung, Veränderung des Augenhintergrundes mit Schwellung (Papillenödem) als Zeichen eines Pseudotumor cerebri und Lichtscheuheit (Photophobie) auf.

Stütz- und Bewegungsapparat


Sehr häufig kommt es zu reversiblen Muskel- und Gelenkschmerzen. Sehr selten treten Gelenkentzündungen, vorzeitiger Schluss der Knochenwachstumsfugen, überschießende Knochensubstanzbildung (Hyperostose und Exostose) sowie die Verkalkung von Bändern und Sehnen (Kalzinose) auf.

Wechselwirkungen


Die gleichzeitige Einnahme von Isotretinoin und Tetracyclinen kann einen Pseudotumor cerebri zur Folge haben, da sowohl Isotretinoin wie auch die Tetracycline den Schädelinnendruck erhöhen. Die Kombination von Isotretinoin mit anderen Keratolytika kann lokale Reizungen verstärken. Zur Vermeidung einer Vitamin-A-Überdosierung darf Isotretinoin nicht zusammen mit hochdosiert Vitamin-A-haltigen Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden. Auch Leber und Leberprodukte können hohe Vitamin-A-Dosen enthalten, was bei der Verzehrmenge zu berücksichtigen ist.

Gegenanzeigen


Isotretinoin darf in erster Linie nicht Kindern und schwangeren_Frauen (siehe nächster Abs.) verabreicht werden. Während einer systemischen Behandlung dürfen auch keinesfalls zusätzliche Antibiotika (Tetrazykline) eingenommen werden. Diese Therapieform darf auch nicht an Personen, die über eine Fettstoffwechselstörung (Hyperlipoproteinämie) oder Hypervitaminose A verfügen, durchgeführt werdenBeipackzettel von Ciscutan [Isotretinoin-Systempräparat, Anm.], Abs. Gegenanzeigen. Stand: September 2002. [http://www.aknetherapie.de/BPciscutan.htm online]. Bei topischer Anwendung sind Erkrankungen wie akute Ekzeme, Rosazea oder periorale Dermatitis auf der zu behandelnen Hautoberfläche ein HinderungsgrundBeipackzettel Isotrexin Gel [Isotretinoin-Topikum, Anm.]: Abs. Gegenanzeigen. Stand Februar 1999. [http://www.aknetherapie.de/BPisotrexin.htm online]. Ungeachtet der Verabreichungsform ist auch eine erhöhte_Sensibilität gegenüber dem Wirkstoff oder sonstigen Präperatsbestandteilen eine klare Gegenanzeige.
Alkohol ist während der Therapie zu vermeiden.

Schwangerschaft und Stillzeit


Bei gebärfähigen Frauen darf Isotretinoin nicht bzw. nur nach Ausschluss einer Schwangerschaft (einschließlich vier Wochen über die Behandlung hinaus) angewandt werden. Anderenfalls drohen schwere Missbildungen beim Fetus. Die Unbedenklichkeit topischer Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht hinreichend untersucht, so dass auch hiervon abgeraten wird.

Quellen




Weblinks


Isotretinoin-Anwendung - aknetherapie.de
Informationen zu Isotretinoin - aknewelt.de

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