Chorasan-Arabisch
Das Chorasan-Arabische ist ein arabischer_Dialekt in der nordostiranischen Provinz Chorasan, der isoliert vom übrigen arabischen Sprachraum einerseits stark von persischen Einflüssen geprägt wurde, andererseits besonders altertümliche arabische Züge bewahrt hat.
Die arabischsprachige Bevölkerung Chorasans
Dörfer mit arabischsprachiger Bevölkerung finden sich im Osten Chorasans, im wesentlichen in folgenden Gebieten: Im südlich der Stadt Birjand gelegenen Arabkhane, in der nordöstlich von Birjand gelegenen Grenzregion zu Afghanistan Zir Kuh und um die Grenzstadt zu Turkmenistan Sarakhs herum. Die Vorfahren dieser Araber sind im Laufe der arabischen Eroberung Persiens als Soldaten oder Kleinviehnomaden von der arabischen Halbinsel gekommen und haben Gebiete im Osten Irans und in den angrenzenden Staaten Turkmenistan, Usbekistan und Afghanistan besiedelt. Noch heute leben (oder lebten bis vor kurzem) viele von ihnen als Halbnomaden mit einem festen Sommer- und Winterquartier.
Das zentralasiatische Arabisch
Neben Chorasan finden sich auch in Usbekistan in der Gegend von Buchara und im Norden Afghanistans noch arabischsprachige Nachfahren dieser ersten Einwanderer. Da sie, obwohl bereits seit langem räumlich voneinander isoliert und teils völlig unterschiedlichen Superstratsprachen ausgesetzt, zahlreiche gemeinsame sprachliche Merkmale teilen, fasst man das Chorasan-Arabische mit dem Usbekistan-Arabischen und dem Afghanistan-Arabischen unter dem Begriff zentralasiatisches Arabisch zusammen. Dieser Sprachtyp ist deutlich unterschieden vom Chuzestan-Arabischen im Westen des Iran, das dem irakischen gilit-Dialekttyp zuzuordnen ist.
Zur Phonologie
Die Diphthonge aw, ay werden in der Regel monophthongisiert zu ?, ?, also beispielsweise y?m ?Tag?, l?le ?Nacht?. Die Emphase bei Konsonanten wurde vollständig aufgegeben: ? ? > s, ? ? > t, ?/? ?? > ?. In Zir Kuh wurden zusätzlich noch die Sibilanten zu Interdentalen verschoben, also s > ?, z > ?, was bei anderen Arabischsprechern den Eindruck eines Lispelns erweckt. Das bilabiale ? w wird labiodental v, also nicht wie englisches sondern wie deutsches ?w? ausgesprochen. Alle im Text folgenden Beispiele sind aus Zir Kuh, da aus den anderen Regionen noch keine Forschungsergebnisse vorliegen:
??f < s?f < *??f ?Wolle?
inta/yinti < *?a??a/yu??i ?geben?
b?? < *bay?? ?Ei?
xubu? < *xubz ?Brot?
v?n < *?ayna ?wo?
Typisch für Kleinviehbeduinen ist die Aufspaltung von altem *?/? in g/k (in Umgebung von hinteren Vokalen) und ?/? (bei vorderen Vokalen):
n?fug ?verheiratet (mask.)? aber n?f?e ?verheiratet (fem.)? (Part. Akt.)
i?al ?er aß? aber y?kul ?er isst?.
Das bekannte beduinische Gahawa-Syndrom findet sich in seiner ersten Form, also mit noch unbetontem eingeschobenem a nach Guttural:
ná?a?e < na??a ?Schaf?
áxa?ar < *ax?ar ?grün?
yá?alib < *ya?libu ?er melkt?
yo?odi < *ya?du ?er geht?
Zur Morphologie
Der bestimmte Artikel heißt al- (und nicht il- wie in den meisten arabischen Dialekten) und assimiliert sich an jeden Konsonanten, d.h. jeder Konsonat ist Sonnenbuchstabe:
a?-?urme ?die Frau?
ab-b??ir ?die Kuh?
a?-?ar?? ?die Braut?
a?-?af??ye ?die Schlange?
ag-gubbe ?das Haus?
ah-h?l ?die Furcht?Das N?n des Plurals wird vor Personalsuffix verdoppelt: yu?urb?nnah ?sie schlagen ihn?. Analog dazu werden die Suffixe an Nomina mit vokalischen Auslaut gebildet: ??v?nne ?unser Kleinvieh?, ub?nne ?unser Vater?. Wie im Usbekistan-Arabischen werden Partizipialformen vor Personalsuffix durch inn oder unn erweitert: l?gtunnah ?er packte ihn?, ?xi?tinnah ?ich (fem.) nahm ihn (zum Mann)?.
Zur Syntax
Auffällig ist die Endstellung des Verbs wie im Persischen:
a?ne fi?-?id?m m?ld?r kunne ?wir waren in alter Zeit Hirten?.
Das aus dem persischen entlehnte ha?t dient als Kopula:
ane ma???l ha?t ?ich arbeite?
Zahlreiche zusammengestzte Verben wurden aus dem persischen lehnübertragen. Beispielsweise wurde das persische k?r kardan, was ?arbeiten? bedeutet und sich aus den Wörtern ?Arbeit? und ?machen? zusammensetzt das arabische ?imal ?ava was aus den beiden entsprechenden arabischen Wörtern gebildet ist.
Eines der hervorstechendsten Merkmale dieses Dialekts sind die zahlreichen Nunationsreste:
lab??in ??nin ?schöne Kleider?
??tin mar?d (= hochar. l? ur?du ?ay?an) ?ich möchte nichts?
laf?um laf?in ?arabiyye h? ?ihr Dialekt ist ein arabischer Dialekt?.
Zum Lexikon
Das Wortschatz ist so stark von persischem Bestand durchsetzt, dass man auf den ersten Blick den Eindruck einer arabisch-persischen Mischsprache erhält. Da umgekehrt viele persischen Wörter arabischen Ursprungs sind, besitzt dieser arabische Dialekt zahlreiche persische Fremdwörter, die selbst wiederum aus dem arabischen entlehnt sind, beispielsweise:
??o? ?Liebe? (???)
a?d ?Vertrag? (???)
e?dev?? ?Hochzeit? (??????)
u.v.a.
Im folgenden eine kleine Liste von auffälligen Wörtern:
i?tow, ?e ?wie?
min ?wer?
v?n ?wo?
h?? ?so?
al Relativpronomen
ya + Suffix ?(zusammen) mit?, z.B. y?h / y?he / y?k / y?? ?mit ihm / ihr / dir (m.) / dir (f.)?
??tin ?etwas, Sache?
? ?ja?
umm? ?Wasser?
íbu, úbu ?Vater?
inf ?Nase?
kilikk (kurd.) ?Finger?
i?il ?Fuß?
terr??e / ter?r?? ?Baum?
alle (ohne Emphase!) ?Gott?, z.B. in der Wendung alle yuk?n y?kum ?Gott sei mit euch?
?ava / yi?ayy ?machen?
i?te / yi?ti (Stamm VIII zu ?ava) ?werden?
han?am / yihan?im (pers.) ?sprechen?
?am?am / y?am?im ?bauen?
ba??ar / yiba??ir ?schauen?
fayya / yifiyy ?kommen, zurückkehren?
?ayal / yi??yil ?fragen?
r?d / yir?d'' ?wollen?
Weblinks
• Ein Artikel über den Dialekt der Araber Chorasans

