Chloramphenicol
Chloramphenicol ist ein Breitbandantibiotikum, das erstmals 1947 aus Streptomyces venezuelae gewonnen wurde.
Aufgrund der in sehr seltenen Fällen auftretenden, potentiell lebensbedrohlichen Nebenwirkungen (Schädigung des Knochenmarks, aplastische Anämie) wird Chloramphenicol heute nur noch in der Klinik als Reserveantibiotikum verwendet, dessen Einsatz sorgfältig abgewogen werden muss. Außerhalb dieser Indikation wird es in Westeuropa noch in Augentropfen und Augensalben verwendet. In Großbritannien ist es für diese Indikation nach wie vor das Standardantibiotikum.
Hauptbehandlungsgebiete sind schwere, sonst nicht zu beherrschende Infektionskrankheiten wie Typhus, Paratyphus, Pest, Fleckfieber, Ruhr, Diphtherie und Malaria.
Chloramphenicol wird heute ausschließlich vollsynthetisch produziert.
Wirkweise
Chloramphenicol ist ein Translationshemmer, wirkt also blockierend auf die Knüpfung der Peptidbindung, d.h. hemmend auf die Peptidyltransferaseaktivität, Bindung an die 50S Untereinheit der bakteriellen 70S-Ribosomen. Es ist ein bakteriostatisches Antibiotikum.
Hierbei ist es gut gewebegängig, auch durch die Plazenta und in die Muttermilch. Die gute Gewebegängigkeit ist einer der Gründe, warum es äußerlich und lokal am Auge als Salbe etwa für Infektionen des Augenlids (z.B. Gerstenkorn) angewandt wird.
Nebenwirkungen
* Knochenmarksschädigung: dosisabhängig - Störung der Erythropoese, dosisunabhängig kann eine irreversible Knochenmarksaplasie ausgelöst werden, Auftreten hier mit einer Verzögerung von 2-8 Wochen, Grey-Syndrom,
* Knochenmarksaplasie kann auch bei topischer Anwendung auftreten, etwa wenn Chloramphenicol als Augensalbe oder in Augentropfen verwendet wird,
neurotoxisch, allergische Reaktionen, Herxheimer-Reaktion,
* Interaktionen mit oralen Antikoagulatien, Methotrexat, Sulfonylharnstoffen - im Sinne einer Wirkungsverstärkung
* Barbiturate und Phenytoin vermindern die Wirkung von Chloramphenicol
* gleichzeitige Einnahme von oralen Kontrazeptiva kann deren Wirkung beeinträchtigen.
Kontraindikationen
Chloramphenicol ist insbesondere bei Neugeborenen aufgrund der knochenmarksdepressiven Wirkung und geringen therapeutischen Breite kontraindiziert (Grey-Syndrom).
Außerdem ist es bei schwerer Leberinsuffizienz, in der Schwangerschaft und der Stillzeit kontraindiziert.
Weblinks
[http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/mensch.html Information der Giftzentrale der Uni Bonn]

