Chinesische Literatur
(8. Jahrhundert)]] Die chinesische Literatur blickt auf eine über 3000-jährige Geschichte zurück und ist ein Bestandteil der chinesischen_Kunst und damit der chinesischen_Kultur. Im Laufe der langen Geschichte Chinas schufen Generationen von Schriftstellern eine Vielzahl von Werken unterschiedlicher Form.
Allgemeines
Jahrtausende lang war die chinesische Literatur nicht nur eine Reflexion der jeweiligen Gesellschaft und des Lebens, sie war auch oft selbst Politikum. Viele Literaten waren hohe Beamte, oder trugen selbst zur Entwicklung der chinesischen_Philosophie bei. Auch manche Kaiser betätigten sich erfolgreich als Dichter. Die Literatur war auch oft dem zeitgenössischen Geschmack oder politischen Repressalien unterworfen.
Mit der Veränderung der Sprache hat sich im Lauf der Zeit auch die Literatur verändert. Nicht nur die Wortwendungen oder Satzstrukturen haben sich geändert, sondern auch die Aussprache. So ist zum Beispiel zu erklären, warum sich die Gedichte aus der Zeit vor der Qin-Dynastie heute nicht mehr reimen.
Die chinesische Literatur übte auch einen prägenden Einfluss auf die umgebenden Regionen aus, vor allem auf Korea, Japan und Vietnam. Zugleich hat sie auch immer wieder Einflüsse von außen in sich aufgenommen. Viele bedeutende Literaten wie Li Bai waren außerhalb von China geboren. Einen wesentlichen Impuls verdankte sie u.a. dem Kontakt mit westlichen Völker über die Seidenstraße sowie mit Völkern aus dem Süden.
Die Anfänge
Die ersten chinesische Schriftdokumente, die als Literatur bezeichnet werden können, stammen aus der Zhou-Dynastie. Zu Ende jener Epoche sind bereits eine Vielzahl von Werken entstanden, von philosophischen Abhandlungen über Geschichtsbücher bis zu Gedichtsammlungen. Einige dieser Texte stammen wahrscheinlich aus noch früheren Zeiten und geben uns einen flüchtigen Blick in jene dunklen Zeiten.
Zu den wichtigsten Philosophen, deren Texte auch literarischen Wert besitzen, zählen unter anderen Konfuzius (?? K?ngzi), Laotse (?? L?ozi, Tao Te King), Zhuangzi (?? Zhu?ngzi), Mengzi (?? Mèngzi, lat. Mencius) und Mozi (?? Mòzi). Auch das Werk von Sunzi (?? S?nzi), Die_Kunst_des_Krieges (???? Sunzi bingfa) ist nicht nur ein Handbuch für Militärführer, sondern besitzt zugleich auch einen hohen literarischen Wert.
Den größten Einfluss übten die Werke von Konfuzius aus, allein schon wegen der staatsreligionsartigen Stellung, auf die der Konfuzianismus während der Han-Zeit gehoben wurde. Seine Werke wurden in der Song-Dynastie zusammen mit anderen konfuzianischen Werken in den Fünf_Klassikern und Vier Büchern zusammengefasst. Bei den Fünf Klassikern handelt es sich dabei um Textsammlungen der Zhou-Zeit oder sogar davor. Hier ist vor allem das Shijing, das Buch der Lieder hervorzuheben, in dem Lieder jener Zeit gesammelt wurden. Es beginnt mit den Liedern, die bei religiösen Riten im Königshaus gesungen wurden und endet mit Volksliedern aus den Fürstenstaaten. Alle Lieder haben pro Zeile genau vier Schriftzeichen. Besonders die Volkslieder werden gelegentlich auch heute noch zitiert.
Eine einzigartige Stellung erlangt der Dichter Qu Yuan (??) mit seinen Chuci (??), den Elegien aus Chu die sich durch ihre langen, relativ freien und emotionsgeladenen Gedichte auszeichnen.
;siehe auch
:Liste früher chinesischer Texte
Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.)
Das_Buch_der_Geschichte (??, Sh? Jì) von Sima Qian (???) ist nicht nur ein bedeutendes Werk der chinesischen Geschichtsschreibung, zugleich ist es auch ein literarisch sehr hochstehendes Werk, das heute noch in den chinesischen Schulbüchern für klassisches Chinesisch zitiert wird.
Während der Han-Zeit haben sich die Gedichtformen weiter entwickelt, wobei zwei Traditionen entstanden. Die eine Tradition folgte dem Stil der ungebundenen Lyrik von Qu Yuan und wird Fu (?, Fù) genannt. Auch in der Stimmung (Trauer oder Unmutsäußerungen) ahmte diese Tradition das Vorbild Qu Yuan's nach. Die andere Tradition entwickelte sich aus den sehr strengen prosodischen Regeln folgenden Gedichten des Buches der Lieder. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich hier Gedichte mit fünf oder sieben Silben pro Verszeile (???? Wuyan Gushi bzw. ???? Qiyan Gushi), die zu den "Gedichten im Alten Stil" (?? Gushi) gezählt werden. Diese beiden Versmasse sollten sich in weiterentwickelter Form (??? Jintishi oder "Gedichte im Neueren Stil" genannt) während der Tang-Dynastie besonders entfalten. Die Han-Kaiser hatten sich auch bemüht, Volkslieder (?? Yuefu) aus allen Teilen des Reiches zusammenzutragen.
Eine andere große Gattung der Literatur war die Prosa. Die meisten dieser Texte äußerten sich zu einem bestimmten politischen Thema oder gaben Ratschläge für den Kaiser. Nach der heutigen Interpretation können sie zur Gattung der politischen Essays gezählt werden.
Die Zeit zwischen Han und Tang (220 - 618)
Zum Ende der Östlichen_Han-Dynastie erreichte die pentasyllabische Gedichtsform (fünf Schriftzeichen pro Zeile) ihren Höhenpunkt. Selbst Staatsmänner wie Cao Cao und dessen Söhne erfreuten sich dieser Gedichtsform und erreichten ein hohes Niveau. Die Dichterin Cai Wenji, die zur gleichen Zeit lebte, schrieb in dieser Form ein langes Gedicht über ihre Erlebnisse in der Gefangenschaft der Hunnen, das eine Länge von über 100 Zeilen erreichte. Auch Volkslieder bedienten sich dieser Gedichtsform. Am bekanntesten ist das Gedicht Mulan Ci (???), welches die Geschichte der jungen Frau Hua Mulan erzählte, die an Stelle ihres Vaters zur Armee ging und gegen die Hunnen kämpfte. Durch die (in der Dramaturgie allerdings stark veränderte) Disney-Verfilmung ist die Geschichte auch in der westlichen Hemisphäre bekannt geworden. Alles in allem jedoch ist die literarische Produktion während der Unruhezeiten zwischen Han- und Tang-Dynastie im Vergleich zu den Epochen davor und danach etwas dünn gesät.
Tang-Dynastie (618 - 907)
Die Tang-Dynastie gilt von jeher als der Gipfel der chinesischen Kaiserzeit, so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass aus dieser Zeit zahlreiche literarische Werke bis heute überdauert haben. Der gesellschaftliche Reichtum, die soziale Sicherheit und eine ungewöhnliche politische Meinungsfreiheit besonders zu Anfang der Tang-Zeit haben ein Feuerwerk literarischen Schaffens hervorgebracht.
Lyrik
Besondere Blüte erlebten die penta- und heptasyllabischen Gedichtformen, vor allem das Lüshi (??, "regelmäßiger Achtzeiler") und das Jueju (??, "Vierzeiler"). Ein in der Qing-Dynastie zusammengetragenes Gedichtsband Alle Tang-Gedichte (???) enthält über 48.900 Gedichte von über 2200 Dichtern. Herausragende Vertreter dieser Epoche sind die drei Dichter Li Bai (??), Du Fu (??) und Bai Juyi (???).
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Li Bai, der in der Blütezeit der Tang-Herrschaft lebte, wurde schon zu Lebzeiten als ein Genie gefeiert und war ein gerngesehener Gast in der gehobenen Gesellschaft (inklusive des Kaiserhofs). Sein ungezügelter und undisziplinierter Lebensstil versperrte ihm den Zugang zu einer Beamtenlaufbahn. Dafür wanderte er durch das ganze Reich und besang das Land und die Menschen in seinen Gedichten. Obwohl diese sehr exakten Silbenzahlvorgaben und Betonungsschemata folgen, wirken sie ungekünstelt und sind durchdrungen von Li Bai's Freiheitsdrang, manchmal erahnt man auch einen gewissen Hochmut in seinen Zeilen. Li Bai genießt in China bis heute den Status eines "Heiligen der Dichtung". Du Fus Lebzeit überschneidet sich zum Teil mit derjenigen Li Bai's. Du Fu erlebte, wie die Tang-Dynastie durch die An_Lushan-Rebellion und die nachfolgenden Kriege schwer geschwächt wurde. Er schilderte in seinen Gedichten das reale Leben der Menschen jener Zeit. Viele seiner Gedichte haben sich von den Einschränkungen des vier- oder achtzeiligen Versmasses befreit, sie sind lange Erzählgedichte. Zudem sind sie in einer allgemeinverständlichen Sprache geschrieben. Bai Juyi lebte gegen Ende der Tang-Zeit. Auch er schrieb längere Gedichte, die freier wirken als die Gedichte aus früheren Zeiten.
Eine literarische Strömung der Tang-Zeit ist die "Antike-Sprache-Bewegung" (????). Die Vertreter dieser Bewegung propagierten die Rückbesinnung auf die ungeschmückte, knappere und sachlichere Sprache der Han- und Vor-Han-Zeit. Sie wandten sich gegen den gekünstelten Sprachgebrauch, der seit der Zeit der Zeit der Nord- und Süd-Dynastien in China seine Blüten trieb. Viele Literaten dieser Bewegung sind hervorragende Essayisten. Besonders berühmte Vertreter dieser Strömung sind Han Yu (??) und Liu Zongyuan (???). Es hat in der chinesischen Geschichte mehrfach Strömungen gegeben, deren Schlachtruf eine Rückführung auf eine frühere, einfachere und konzisere Sprache war. Die Antike-Sprache-Bewegung der Tang-Zeit war die erste und auch eine der nachhaltigsten.
Tang-Novelle
Die Novellen der Tang-Dynastie sind von vergleichsweise komplexer Erzählstruktur und werden traditionell in vier Gruppen unterschieden, nämlich in Liebesgeschichten, historische_Geschichten, Heldenerzählungen und Phantastische_Geschichten.
Bekannt geworden ist die Epoche indes hauptsächlich für ihre phantastischen Novellen, die üblicherweise als Chuanqi (??) bezeichnet werden, wörtlich Überlieferungen von seltsamen Ereignissen). Sie spielen zwar mit in der realen Welt der Tang-Zeit und nehmen häufig Bezug auf bekannte Örtlichkeiten insbesondere in der Hauptstadt Chang?an, bringen den Protagonisten aber häufig in Kontakt mit übersinnlichen oder phantastischen Welten. Zu nennen ist insbesondere Li Gongzuos (???) Nánk? tàish?u zhuàn (?????; Die Geschichte vom Gouverneur des Südbezirks), in der der Erzähler in einem Traumerlebnis in einem Ameisenhaufen einen vollendeten Staat vorfindet. In Rènshì zhuàn (??? Fräulein Ren) von Shen Jiji (???) aus dem Jahre 781 wird von der Begegnung eines jungen Mannes mit einem weiblichen Fuchsgeist berichtet.
Als Beispiel für eine historische Novelle sei Du Guantings (???; 850-933) Qiuranke zhuan (????; Der Alte mit dem lockigen Bart) genannt, die den Gründer der Sui-Dynastie, Kaiser Wen, glorifiziert. Zu den bekanntesten Liebesgeschichten der Epoche gehört L? Wá zhuàn (???; Leben des Fräulein Li), die von der Liebe eines jungen Gelehrten zu einer liederlichen, am Ende aber geläuterten Kurtisane handelt.
Es existieren auch umfangreiche Novellensammlungen; zu nennen sind insbesondere Xuanguai lu (???; Berichte von Geheimnisvollem und Außergewöhnlichem) von Niu Sengru (???; 780-848), Xuanshi Zhi (???; Berichte aus dem Palastgemach) von Zhang Du (??; 834?-882), Yiwen Ji (???; Sammlung von Unerhörtem) des Chen Han (??).
Song-Dynastie (etwa 960 - 1279)
Die Song-Dynastie ist zwar in der chinesischen Geschichte eine relativ schwache, und auch recht instabile Dynastie, nichtsdestoweniger war sie eine Glanzzeit der chinesischen klassische Kunst, wahrscheinlich auch begünstigt durch die starke Förderung der Song-Kaiser. So war zum Beispiel Kaiser_Huizong_von_Song selbst ein begabter Maler und Kalligraph und hatte viele Künstler zu hohen Beamten bestellt, die allerdings alle in ihren Ämter versagten und so das Schicksal der nördlichen_Song-Dynastie besiegelten.
Die Blüte der Lyrik in der Tang-Dynastie setzte sich in der Song-Zeit zwar fort, doch wurde großteils an die Vorbilder der verflossenen Ära angeknüpft. Viele Dichter bekannten sich ausdrücklich zu einer bestimmten, den Namen des historischen Vorbilds tragenden ?Schulen?. Durch einfache Sprache und sozialkritische Züge zeichnet sich etwa der sog. Bái_J?yì-Stil (Bái J?yì ???, 772-846) aus, als dessen wichtigster Vertreter Wáng_Y?ch?ng (???; 954-1001) gilt. Den blumig-sentimentalen Stil des Tang-Dichters L?_Sh?ngy?n (???; 813-858) ahmt hingegen die von Yang Yi (??; 974-1020) angeführte Xikun (??)-Schule nach. Ihren Namen verdankt sie einer nach dem Xikun-Gebirge benannten songzeitlichen Gedichtanthologie. Die Changli (??)-Schule indes geht auf den Studionamen (hào ?) des von ihr verehrten Tang-Dichters Hán_Yù (??; 768-824) zurück. Sie gilt gemeinhin als Reaktion auf die ältere Song-Lyrik, insbesondere die Xikun-Tradition. Bekanntester Vertreter war ?uyáng_Xi? (???; 1007-1072). In der südlichen Song-Zeit kam schließlich noch die nach der Heimatprovinz ihres geistigen Hauptes Huáng_Tíngji?n (???; 1045-1105) benannte Jiangxi (??)-Schule dazu, die insbesondere stimmungsvolle Naturlyrik hervorgebracht hat.
Überragende Dichtergestalt der Song-Zeit war indes S?_D?ngp? (???; 1037-1101). Anders als viele seiner Kollegen stand er bereits zu Lebzeiten allgemein in hohem Ansehen. Er betätigte sich auf nahezu allen Feldern klassisch-chinesischer Poesie und schrieb Ci-Lieder (?) und Rhapsodien (Fu (?)) ebenso wie alle Arten von Gedichten im alten und neuen Stil (Shi-Dichtung (?)). Berühmt geworden ist insbesondere sein Qián Chìbì Fù (????; Ode von der Fahrt zur Roten Wand).
Eine selbständigere Entwicklung erlebte das Ci-Gedicht. Im Gegensatz zu der Poesieform der Tang-Zeit besitzen Ci unterschiedliche Satzlängen und sind somit freier und emotionaler. Ci waren ursprünglich Volkslieder, die später von den Literaten aufgenommen wurden. Sie wurden zur Song-Zeit noch gesungen. Als Vertreter dieser Gedichtsform sind unter anderen S? D?ngp?, L?_Q?ngzhào (???; 1084-1151) und X?n_Qìjí (???; 1140-1207) zu nennen. In eine spätere Gedichtssammlung mit dem Namen Quán Sòng-Cí (???; Alle Ci-Gedichte der Song-Zeit) wurden fast 20.000 Gedichte von über 1300 Dichtern und Dichterinnen aufgenommen.
In Mode kamen in der Song-Zeit auch die sogenannten Pinselnotizen (B?jì ??), meist kurze Prosastücke essayistischen Inhalts, die oft in Sammlungen herausgegeben wurden und heute als wertvolle kulturgeschichtliche Quellen geschätzt werden. Anekdoten, Tagebücher, Reiseberichte finden sich darunter, aber auch Abenteuer- und Geistergeschichten, Witze, Rätsel und Kleinprosa jeglicher Art. Ältestes Werk dieser Art ist das Sòng J?ngwén G?ng B?jì (??????, Pinselnotizen des Song Jingwen) des Sòng_Qí (??; 998-1061).
Schließlich kamen in der Song-Zeit auch andere Literaturformen auf, die in den späteren Epochen weiterentwickelt wurden, so sind zum Beispiel die Urformen der späteren Romane Geschichte der drei Reiche und Die Reise nach dem Westen in dieser Zeit entstanden. Auch Theaterausführungen sind dokumentiert, die sich in den späteren Epochen zu den heutigen chinesischen_Opern in ihren jeweiligen regionalen Prägungen weiterentwickelten.
Yuan-Dynastie (1261 - 1368)
Während der Yuan-Dynastie erreichte das bereits während der Song-Zeit entstandene Theater einen Höhepunkt. Von den über 600 namentlich bekannten Werken sind bis heute mehr als 160 überliefert, einige davon sind immer noch sehr beliebt und gehören weiterhin zum oft aufgeführten Repertoire der traditionellen Theater.
Die Herrschaft der Mongolen hat auch zu einer kulturellen Vermischung geführt, so entstanden zu dieser Zeit zahlreiche Heldenepen, deren Protagonisten beispielsweise tibetischer oder mongolischer Abstammung waren.
Ming-Dynastie (1368 - 1644)
Während der Ming-Dynastie erlebte die klassischen chinesischen Romane ihre Blütezeit. Außer Der Traum der Roten Kammer entstanden die meisten bedeutenden klassischen Romane zu dieser Zeit, darunter die vier_klassischen_Romane Geschichte der drei Reiche, Die Räuber vom Liang Schan Moor, Jin Ping Mei und Die Reise nach Westen.
*Die_Geschichte_der_drei_Reiche basiert auf der historischen Zeit der drei Reiche, wobei der Autor der späteren Fassung sich die Freiheit nahm, auch eigene Fantasien und dramaturgische Elemente einzubauen. Im Roman wird die Shu Han als das ?gute? Reich und die Wei-Dynastie als das ?böse? Reich dargestellt. Diese Darstellung prägt bis heute das volkstümliche Bild jener Epoche.
*Auch Die Räuber vom Liang Schan Moor basiert auf einer historischen Gegebenheit. Es handelt von einer Gruppe von Räubern, die sich während der Song-Dynastie auf dem Liang Shan Moor in Shandong zusammengerauft hatten. Ähnlich wie Robin Hood hatten sie korrupten Beamten den Kampf angesagt.
*Jin Ping Mei ist eine Nebengeschichte der Räuber vom Liang Shan Moor. Der Roman besticht vor allem durch die sehr freizügige Beschreibung der Sexualität und ist bis heute in seiner unzensierten Version in der Volksrepublik China verboten.
*Die Reise nach Westen ist eine fantastische Geschichte, die auf der historischen Reise eines buddhistischen Mönches basiert, der nach Indien ging, um buddhistische Sutren nach China zu bringen. Beschützt von drei magischen Schülern, deren berühmtester der Affenkönig ist (und von dem das Buch auch in weiten Teilen handelt), muss der Mönch insgesamt 81 gefährliche Abenteuer erleben, bis er die Sutren nach China bringen kann und dann persönlich von Buddha empfangen wird. Die Reise nach Westen liefert bis heute Inspirationen, zum Beispiel auch für japanische Mangas (cf. Dragonball).
Aber auch die Kleinprosa erlebte eine Blüte. Bereits 1378 etwa veröffentlichte Qu You seine hochsprachlichen Jiangdeng xinhua (Neue Gespräche beim Putzen der Lampe). Gegen Ende der Dynastie setzten sich indes zunehmend umgangssprachliche Werke (Huaben ??) durch: Feng Menglongs Werk Sanyan (Drei Gespräche) von 1620-1627 umfasst drei Sammlungen namens Yushi Mingyan (Klare Worte, um die Welt zu erhellen), Jingshi Tongyan (Durchgreifende Worte zur Aufmunterung der Welt) und Xingshi Hengyan (Eindringliche Worte zur Ernüchterung der Welt). Bekannt geworden ist auch die Novellensammlung Pai'an Jingqi (Auf den Tisch schlagen vor Staunen über das Ungewöhnliche) des Ling Mengchu von 1628/1632.
Auch das Theaterwesen wurde weiterentwickelt; es entstanden regional unterschiedliche Aufführungsformen.
Während der Ming-Dynastie erlebte China eine erneute Renaissance der antiken Gedichtformen. Die Wirkung dieser späteren Bewegung blieb jedoch beschränkt.
Qing-Dynastie (1644 - 1911)
Die Qing-Dynastie ist die letzte Kaiserdynastie in der chinesischen Geschichte und zugleich auch die langandauerndste Dynastie, die nicht von Han-Chinesen gebildet wird. Um ihre Herrschaft zu festigen, wurden besonders am Anfang der Dynastie Intellektuelle stark verfolgt. Zudem wurden durch die Einführung einer stark formalisierten und streng konfuzianischen Form des Staatsexamens die Ausbildung der zukünftigen Beamten in ein enges intellektuelles Korsett gezwängt. Diese Politik führte dazu, dass literarische Innovationen und neue philosophische Theorien während der Qing-Zeit selten waren. Eine nennenswerte Ausnahme bildet der Roman Der Traum der Roten Kammer. Die detailreiche Beschreibung des Untergangs einer Oberschichtfamilie lieferte reichlich Einsichten in das Leben, die Sitten und die Situation jener Zeit. Eine Satire auf das Beamten- und Prüfungswesen der Epoche stellt Wu Jingzis Roman Die inoffizielle Geschichte des Gelehrtenwalds von 1749 dar.
Als Erzähler der kleinen Prosa-Form trat insbesondere Pú_S?nglíng (???; 1640-1715) mit seiner berühmten Sammlung Liáozh?i zhìyì (????; Seltsame Geschichten aus einem Gelehrtenzimmer) hervor.
Erst zu Ende der Qing-Dynastie entstanden - begünstigt durch den Kontakt mit der westlichen Kultur - vor allem in der freien Atmosphäre der offenen Handelsstädte wie _Kanton und Shanghai neue literarische Impulse.
Siehe auch: Vier klassische Romane
Moderne
Die moderne chinesische Literatur begann im 20. Jahrhundert. Die Hinwendung zur Vernakularsprache auf Kosten der dem Volk kaum noch verständlichen klassischen_Sprache ging einher mit dem tiefen gesellschaftlichen Schnitt verursacht durch den Übergang von der Kaiserdynastie zur Republik. Viele westliche Formen werden mit großem Erfolg adaptiert und in die chinesische Literatur eingefügt. Meilensteine setzten insofern das Manifest des Hu Shi von 1916 sowie die sog. Vierter-Mai-Bewegung, die sich beide die Überwindung des traditionell-Konfuzianischen und eine Modernisierung der chinesischen Kultur auf die Fahnen geschrieben hatten.
Prosa
Als Begründer der modernen chinesischen Prosa gilt der Arzt L?_Xùn (??; 1881?1936). Nach dem Untergang der maroden Qing-Dynastie trat er in seinen Erzählungen und Essays für eine geistige Neuausrichtung des chinesischen Volkes und die Überwindung traditioneller Bevormundungen ein. Obwohl ihn seine Schriften in den Dreißiger Jahren häufig in Konflikt mit den Kommunisten brachten, wurde er nach seinem Tod von der nunmehr an die Macht gekommenen Kommunistischen_Partei_Chinas für ihre Zwecke instrumentalisiert.Der Mandschure Láo_Sh? (??, 1899?1966) ist vor allem durch seinen Roman (Rikschakuli (????, Luòtuo Xiángzi) und das Drama Das Teehaus (??, Chágu?n) bekannt geworden.
Zu den politischsten unter den Schriftstellern der chinesischen Moderne zählt der ursprünglich aus dem Journalismusbereich kommende Máo_Dùn (??; 1896?1981). Er war nicht nur 1921 an der Gründung der KPCh beteiligt, sondern arbeitete später auch als Maos Privatsekretär sowie schließlich als Kultusminister. Seine Hauptwerke sind die Romane Seidenraupen im Frühling (Ch?nchiji; ??) und Shanghai im Zwielicht (Z?yè; ??).
B?_J?n (??; 1904?2005) schließlich verdankt seine literarische Bedeutung seinem breiten Romanwerk, etwa den Trilogien Liebe (Aìqíng; ??) von 1936 und Heftige Strömung (J?liú; ??) von 1940, aber auch seinem Wirken als Übersetzer ausländischer Literatur und als Vorkämpfer der Esperanto-Bewegung in China.
Lyrik
Auch im Bereich der Lyrik streifte die chinesische Literatur infolge des Manifests des Hu Shi von 1916 sowie der sog. Vierter-Mai-Bewegung traditionelle Bindungen ab. So überwinden moderne chinesische Gedichte (新詩 Freivers) etwa die strengen formalen Vorgaben des Jintishi und folgen meist keinem bestimmten Muster mehr.
Inhaltlich lassen sich starke Einflüsse der europäischen Lyrik feststellen, wofür insbesondere die aus England, Frankreich und Deutschland zurückgekehrte Dichter verantwortlich zeichnen. So knüpft etwa Xu Zhimo in seinen romantischen Dichtungen an die Schöpfungen der englischen Dichter Keats und Shelley an.
Berühmte chinesische Dichter der Zeit zwischen dem Sturz der Monarchie und der Gründung der Volksrepublik sind etwa Hú_Shì (??/??, 1891-1962), K?ng_Báiqíng (???, 1896-1959) sowie Frau B?ng_X?n (??, 1900-1999). Erhebliches auf dem Gebiet der Lyrik hat auch der universeller begabte Gu?_Mòruò (???, 1892-1978) geleistet.
Volksrepublik China
Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 befand sich die chinesische Literatur fest im Griff der offiziellen Parteipolitik: Nach einem Wort Mao Zedongs hatte sie ?den Massen zu dienen? und ?den Standpunkt der Massen einzunehmen?. Maßgeblich waren insofern die sog. Yan'an-Richtlinien. Bedeutende Schriftsteller wie Hú_F?ng (??, 1902?1985) und D?ng_Líng (??, 1904?1986) sahen sich massiven staatlichen Repressionen und Kampagnen ausgesetzt. Wohlwollen genossen indes Autoren, die sich sozialistischer Propagandathemen wie des Klassenkampfes, des Kollkektivierungprozesses in der Landwirtschaft oder des Fortschritts der Industrialisierung annahmen. Zu nennen sind etwa Zhào_Shùl? (???, 1906?1970), der durch den Roman Lijia zhuangde banjian (?Veränderungen im Dorf der Familie Li?) von 1946 bekannt geworden war, Aì_Wú (??, *1904), der in seinem Werk Bailian chenggang (?Hundertfach gestählt?) aus dem Jahr 1958 die Schönheit der industriellen Produktion glorifiziert, oder Du_Pengchéng (???, 1921?1991), der die Herausforderungen beim Bahnlinienbau schildert. Daneben wurde in großem Maße künstlerisch Zweitrangiges gefördert, wie etwa harmlose volkstümliche Geschichten in epigonenhaft-traditionellem Stil oder auch Tanzgesänge im Stil der Yangge-Oper.
Ähnlich wie im Bereich der Malerei brachte die politische Öffnung Chinas ab 1979 auch für die Literatur eine gewisse Liberalisierung mit sich. Die sog. Narbenliteratur (????; sh?nghén wénxué) etwa thematisierte die teilweise traumatischen Erfahrungen weiter Bevölkerungskreise in den Zeiten der Kulturrevolution. Zentrale Werke des Genres sind u.a. die Erzählung Banzhuren (?Der Klassenlehrer?) von Liú_X?nw? (???, *1942), shanghen (?Wunden?) von Lú_X?nhúa (???, *1954) oder Feng (?Roter Ahorn?) von Zhèng_Yì (??, *1947).
Auf die Wundenliteratur folgte dann die stärker den Problemen des täglichen Lebens der Gegenwart zugewandte Literatur der neuen Periode. Behandelt werden hier etwa Themen wie die Bürokratie, die Gleichberechtigung der Frau, oder der Reformbedarf in der Industrie. Bekannte Vertreter sind u.a. Ji?ng_Z?lóng (???, *1941) sowie die Autorin Shén Róng (??, *1950). Wang_Meng ist dabei ein Schriftsteller, der nach der politischen Öffnung in der Volksrepublik China als erster auch mit neuen Formen in der Erzähltechnik experimentierte. In seiner Kurzgeschichte ?Das Auge der Nacht? hatte er es sich zum Ziel gesetzt, den westlichen Stream of consciousness zu imitieren, wie er explizit in seiner Absichtserklärung angibt.
Des weiteren entstand eine umfangreiche, den Bedürfnissen der breiten Massen entgegenkommende Heimat- und Trivialliteratur.
Die Hooligan-Literatur (????; p?zi wénxué) der 80er Jahre beschrieb das Leben herumgammelnder Jugend-Cliquen, die sich prinzipiell über alle Regeln hinwegsetzen. Insbesondere die Werke von Wang Shuo sind in China äusserst populär, nicht zuletzt aufgrund des für den Autor charakteristischen nonchalanten Schreibstils.
Einen Aufschwung erlebte auch die während der maoistischen Phase des Volksrepublik kaum mehr existente gehobene chinesische Lyrik. Genannt sei insbesondere die erhebliches Unbehagen an den gesellschaftlichen Verhältnissen zum Audruck bringende sog. Nebeldichtung (???; ménglóngsh?). Anfangs kursierte sie nur in Privatdrucken und obskuren halblegalen Zeitschriften. Das erste und wegweisende Gedicht dieser Stilrichtung wurde 1979 von B?i_D?o (??, *1949) verfasst und trug den Titel Die Antwort (??; huídá). Weitere bekannte Vertreter der Nebeldichtung sind etwa Gù_Chéng (??, *1956) und Sh?_Tíng (??, *1952).
Auch die moderne Literatur war jedoch phasenweise immer wieder erheblicher staatlicher Repression ausgesetzt, insbesondere etwa im Zuge der ?Kampagne gegen geistige Verschmutzung? (????????; qingchu jingshen wuran yundong) ab 1983. Einen erhebliche Rückschlag erlebte sich vor allem aber nach der Niederschlagung der Studentenproteste am Platz des Himmlischen Friedens 1989.
Die heutige chinesische Literatur umfasst nicht nur die Werke von Schriftstellern oder Dichtern aus der Volksrepublik China, sondern auch Werke aus Taiwan sowie chinesische Werke aus Singapur, anderen südostasiatischen_Ländern und Übersee. Dass bislang nur einem einzigen Chinesen der Nobelpreis für Literatur (Gao Xingjian, 2000) verliehen wurde, belegt den noch immer begrenzten Austausch zwischen Ost und West.
Literatur
*Kubin, Wolfgang: Geschichte der chinesischen Literatur. (ISBN-13: 978-3-598-24540-4; ISBN-10: ISBN 3-598-24540-8)
*Schmidt-Glintzer, Helwig: Geschichte der chinesischen Literatur, Bern 1990.
*Wilt, Idema and Haft, Lloyd: A Guide to Chinese Literature, Ann Arbor 1997. (ISBN 0-89264-123-1)
Siehe auch
• chinesischer Schriftsteller]
• International Book Fair]

