Chinatown (Film)
Chinatown ist ein US-amerikanischer Film des Regisseurs Roman Pola?ski aus dem Jahr 1974.
Handlung
Der Film spielt im Los Angeles Ende der Dreißiger Jahre. Die wirtschaftliche Depression scheint einigermaßen überwunden, und Privatdetektiv Jake Gittes hat eine florierende Detektei mit mehreren Mitarbeitern. Er ist Ex-Polizist, sein früherer Einsatzort war Chinatown. Dort lautete seine Maxime noch, nichts zu tun wenn man nicht müsse, sich also lieber rauszuhalten.
Just nach Abschluss einer üblichen Ermittlung wegen Ehebruch kommt eine angebliche Mrs. Mulwray in sein Büro und beauftragt ihn, ihrem Mann eine Affäre nachzuweisen. Zögernd nimmt Gittes den Fall erst an, als die Dame entschieden bleibt. In den folgenden Tagen beschattet er Mr. Mulwray, der als Ingenieur bei den Wasserwerken arbeitet. Dieser scheint sich viel mehr für Kanäle und Flüsse zu interessieren als für andere Frauen. Eine ganze Nacht verbringt er alleine am Meer. Als Jake ihn nach einigen Tagen doch mit einem jungen Mädchen auftreibt, macht er Fotos von den beiden und informiert die Zeitung. Ein Artikel erscheint auf der ersten Seite, die Affäre entlarvend.
Dann erfolgt die erste große Wendung der Handlung: Mrs. Mulwray taucht in seinem Büro auf, diesmal aber die echte, sie teilt Gittes knapp mit, dass sie ihn verklagt und verschwindet. Als Jake versucht, Kontakt zu Mr. Mulwray direkt aufzunehmen um die Sache zu klären, gelingt ihm das nicht. Mulwray ist nicht im Büro zu finden, und auch bei Mulwrays zuhause trifft er wiederum nur auf Evelyn Mulwray. Jene teilt ihm mit, dass sie ihre Klage fallen lässt - ohne dafür genauere Gründe zu nennen. Kurze Zeit später sieht Gittes Mr. Mulwray doch, aber leider zu spät: Hollis Mulwray ist tot, ertrunken in einem der Kanäle, die er so engagiert beobachtete. Es hat den Anschein, er sei einem Betrug der Wasserwerke auf die Spur gekommen.
Jake entscheidet sich, dem weiter nachzugehen. In der Folge wird ihm ein Nasenloch aufgeschnitten, was ihn dazu zwingt, eine Zeit lang einen Verband mitten im Gesicht zu tragen. Weiterhin wird auf ihn geschossen, sein Auto wird demoliert, er wird zusammengeschlagen, es wird wieder auf ihn geschossen. Zum Teil handelt es sich um eine Art Verwechslung, zum Teil um eine gezielte Verfolgung, der er einmal nur mit Hilfe Mrs. Mulwrays entkommt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, aber sie erzählt ihm nicht die Wahrheit und er beginnt, ihr zu misstrauen und sie als Mörderin ihres Mannes zu verdächtigen.
Der Vater von Evelyn Mulwray, Noah Cross, den sie aus undurchsichtigen Gründen fürchtet, gibt Gittes den Auftrag, das mittlerweile verschwundene Mädchen zu finden. Gittes nimmt diesen ebenso an wie zuvor jenen von der echten Mrs. Mulwray, den Tod ihres Gatten aufzuklären. Schließlich kann Gittes beide Aufträge erfüllen. Er deckt ein Komplott auf, in dessen Zentrum Mr. Cross steht. Dieser ist der frühere Partner von Hollis Mulwray, ein reicher Mann, der keine Skrupel hat, den ehemaligen Kompagnon und Mann seiner Tochter umbringen zu lassen für seine Vision der zukünftigen Wasserversorgung von L.A. Jakes Entdeckung zeitigt allerdings keine Wirkung, sein Wissen geht am Ende ihm Eifer des Showdowns in Chinatown unter und wird von seinen ehemaligen Kollegen nicht zur Kenntnis genommen.
Der Auftrag von Cross, das Mädchen zu finden, erledigt Jake daher im Grunde erfolgreicher: Es handelt sich um die Tochter Mrs. Mulwrays, die sie mit fünfzehn Jahren durch ihren Vater bekommen hat. Die Frage, ob sie vergewaltigt wurde, verneint sie. Dies erklärt auch Evelyns Furcht und Aversion ihm gegenüber. Durch eine unglückliche Verkettung der Umstände wird Mrs. Mulwray aber von Polizisten erschossen, nachdem sie ihrerseits auf ihren Vater geschossen hat und im Auto flüchtet. Ihre Tochter erlebt diesen Tod als Beifahrerin im Auto mit, und wird, traumatisiert, von ihrem Vater/Großvater gierig umfangen und weggebracht. Geschockt durch den Tod seiner geheimnisvollen Liebhaberin, resigniert Gittes. Durch sein Misstrauen ihr gegenüber sowie letzten Endes durch seine Entscheidung, die ganze Angelegenheit nicht gleich auf sich beruhen gelassen zu haben, kam es zu einem Ergebnis, das einer Katastrophe gleichkommt: Evelyn Mulwray ist tot, ihre Tochter als legitime Enkelin in den Händen eines pädophilen Machtmenschen.
Hintergrund
Chinatown gilt als herausragendes Exemplar des (modernen) Film noir. Die Rahmenhandlung geht zurück auf Ereignisse, die sich in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts im Verlauf der sogenannten Californian Water Wars (en) tatsächlich zugetragen haben. Jack Nicholson, Robert Towne und Produzent Robert_Evans haben diese Geschehnisse mit dem innerfamiliären Drama und der typischen Film-noir-Atmosphäre von Misstrauen und moralischer Desorientierung verarbeitet. Das von Towne verfasste Drehbuch wird oft als Musterbeispiel für die gelungene Entwicklung einer Filmhandlung hervorgehoben. Es wurde 1975 mit einem Oscar bedacht und erhielt noch weitere Auszeichnungen.
Geplant war eigentlich eine Trilogie und damit zwei weitere Filme, jeweils angesiedelt in den 40er und 50er Jahren. Es ging dem Team um verschiedene Äras und Facetten der Stadt Los Angeles. Eine Fortsetzung namens The Two Jakes unter Regie von Nicholson und Mitarbeit von Towne und Evans konnte 1990 aber weder in künstlerischer noch in kommerzieller Hinsicht an den Erfolg von Chinatown anknüpfen. Auch daher ist es (bisher) nicht zu einem weiteren Teil gekommen.
Faye Dunaways Rolle als Evelyn Mulwray enthält einige Reminiszenzen an ihre Rolle als Bonnie Parker in Bonnie und Clyde von 1967. Als Figur zwar zunächst weitaus kultivierter, wechselt sie im Film nach und nach immer wieder ihr Gesicht. Zwischendurch entpuppt sie sich als veritable 'Gangsterbraut', als sie mit Gittes auf dem Beifahrersitz routiniert einigen schießenden Verfolgern entwischt. Letzten Endes stirbt sie sogar im Auto an einer Polizeikugel, ein sehr ähnliches Ende wie jenes der Bonnie Parker.
Die Rolle der Mrs. Mulwray steht, ebenso wie die des private eye Jake Gittes, ansonsten vollkommen in der Tradition des Film noir. Sie ist die ominöse Dame mit einem Auftrag, die mit dem Fortgang der Geschichte eher noch geheimnisvoller wird und nicht einzuschätzen ist.
Der Titel des Films bezieht sich zwar vordergründig auf das reale Viertel Chinatown in Los Angeles, in dem der Film endet. Gleichzeitig aber taucht der Begriff den ganzen Film hindurch immer wieder als Chiffre auf. Einerseits für die unheilvolle Vergangenheit Jakes, der schon einmal eine Frau in Chinatown verloren hat. Andererseits als Bedrohung der Zukunft von Jake und Evelyn, als Verweis auf einen symbolisch ungerechten Ort, als der sich Chinatown am Ende des Films tatsächlich entpuppt. Für Jake schließt sich hier ein Kreis. Interessant ist, dass die Chinesen im Film keineswegs in die korrupten Machenschaften verstrickt sind, sondern eher als Helfer Mrs. Mulwrays agieren. Der Ort Chinatown fungiert lediglich als Symbol.
Polanski selber spielt in einem Cameo-Auftritt den eiskalten Gauner, der Jake Gittes den Nasenflügel aufschlitzt.
Kritiken
* Prisma Online: Im Stile Raymond Chandlers (auch wenn Gittes kein Marlowe ist) erzählter film noir, der höchste Konzentration verlangt. Die brillante Regiearbeit, die fantastische Kamera, die hervorragende Musik von Jerry Goldsmith und die tollen Darsteller sorgen für optimale Unterhaltung.
* Der bekannte amerikanische Filmkritiker Leonard Maltin gab Chinatown 4 von 4 möglichen Sternen.
Auszeichnungen
* 1975: Oscar für Bestes_Originaldrehbuch
Oscar-Nominierungen in zehn weiteren Kategorien: Bester Film, Bester männlicher Hauptdarsteller, Beste weibliche Hauptdarstellerin, Beste Regie, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bester Ton, Beste Musik, Bester Schnitt, Beste Kostüme
* 1975: BAFTA-Awards für Besten Schauspieler (Jack Nicholson), Beste Regie und Bestes Drehbuch
* 1975: Golden Globes für Besten Film (Drama), Beste Regie, Besten Schauspieler (Drama) und Bestes Drehbuch
* 1991: Aufnahme in National Film Registry
* Aufgeführt auf der AFI-Liste_der_100_besten_englischsprachigen_Filme (Platz 19)
Weblinks
*
• Rezension von Ulrich Behrens bei Filmzentrale.com
• Kritik im Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung

