China Blue bei Tag und Nacht
China Blue bei Tag und Nacht (Originaltitel: Crimes of Passion) ist ein Erotikthriller aus dem Jahr 1984. Regie führte Ken Russell.
Handlung
Die attraktive Joanna Crane arbeitet tagsüber als erfolgreiche Modedesignerin, sie scheint unnahbar und kalt. Doch nachts ist sie die Hure China Blue, die ihren Freiern erotische Fantasien erfüllt.
So sieht man sie bei ihrem ersten Auftauchen als "Miss Liberty" verkleidet ihre Kundschaft bedienen; sie hat einen Kleiderschrank voll mit Kostümen, um jedem das zu geben, was er will. Mit einem anderen Freier spielt sie die Vergewaltigte. Auf die Frage, wer sie ist, antwortet sie: "Ich bin Cinderella, Kleopatra, Goldie Hawn, Eva Braun, [...] Miss Piggy und [..] Schneewittchen, ich bin das, was sie möchten".
Bald verdächtigt ihr Arbeitsgeber Joanna, dass sie wertvolle Muster an die Konkurrenz verkauft. Er engagiert daher den Privatdedektiv Bobby Grady, der Joanna beschattet. Dabei kommt er ihrem Geheimnis auf die Spur. Grady, der mit seiner Frau Amy gerade Probleme hat, verliebt sich in Joanna und verbringt die Nacht mit ihr. China Blue will aber von der Liebe zunächst nichts wissen, diese hat für sie (noch) keinerlei Bedeutung.
Doch auch der psychopathische Reverend Shayne verfolgt sie und will ihre Seele retten; er hat viele Mordinstrumente wie z.B. scharfe Vibratoren in seiner Tasche. Nachdem er eine Frau in einer Spannerkabine ermordet hat, taucht er bei China Blue zu Hause auf und will sie töten. Bobby Grady sucht sie in ihrem Haus auf und hört Joannas Schreie. Er verschafft sich Zutritt zur Wohnung und entdeckt die vermeintliche China Blue. Diese stellt sich am Ende jedoch als der verkleidete Reverend Shayne heraus; der echten China Blue , die im Schrank eingesperrt war, gelang es, aus diesem auszubrechen und ihn mit einem seiner eigenen Mordgeräte zu töten. China Blue ist - eigentlich ohne das Zutun von Grady - gerettet.
Am Ende des Films spricht Bobby, wie zu Beginn, vor einer Selbsthilfegruppe für Beziehungsprobleme. Er und Amy haben sich nun endgültig getrennt, er ist jetzt mit Joanna zusammen. Er ist "nicht sicher, ob es funktionieren wird, [sie] haben nicht all zu viele Gemeinsamkeiten abgesehen davon, dass [sie] beide Hilfe benötigen. [Sie] brauchen [sich] gegenseitig".
Der Film endet mit Gradys Worten: "Und dann haben wir gevögelt, bis wir ohnmächtig wurden".
Hintergründe und Interpretationen
Der obszöne und vulgäre Film wurde grell, laut und bunt in Szene gesetzt; er zeigt eine Welt von schmierigem Sex, Pornografie, Gewalt, Schund, Perversion, aber auch Liebe. Das Vulgäre durchzieht den ganzen Film durch geschmacklose Witze, wie beispielsweise Bobbys Darstellung eines ejakulierenden Penises oder Sprüchen wie "möchten sie gern sehen, wie Miss Liberty auf der Flöte spielt". Markante Szenen des Films sind die, in denen die Kamera aus einer Spannerkabine durch schmale Öffnungen die Gesichter von onanierenden Männern zeigt, während in der Mitte eine nackte Frau zu schwülstiger Musik tanzt.
Ken Russell hat seinen Film mit gewissen Merkmalen und einer speziellen Ästhetik inszeniert.
So erscheinen zwischen den Sexszenen in schnellen Schnittfolgen erotische Motive, beispielsweise Personen mit riesigen Phallen. Die Darstellung der Ermordung der Frau in der Kabine wechselt ebenfalls mit schnellen Schnittfolgen mit der Darstellung des Aufschlitzens einer Gummipuppe ab; hier reduziert Russell die Frau auf das Objekt, als das sie gesehen wird. So etwas als Kunst oder Schund zu empfinden, ist Ansichts- und Geschmackssache.
China Blue bzw. Joanna Crane arbeitet nicht des Geldes wegen als Hure, das hätte sie aufgrund ihres Berufes überhaupt nicht nötig: Dies zeigt sich daran, wie fahrlässig sie mit der Bezahlung umgeht. Nur als Hure kann sie ihre Fantasien ausleben und "Dinge machen, von denen [sie] irgendwann mal geträumt [hat]", die Arbeit als Hure macht ihr Spaß, so kann sie frei sein und ihre Art leben; im Gegensatz zu tagsüber, wenn sie eine biedere, kühle Frau mimt. Auch Enttäuschung ist ein Grund für ihre nächtliche Verwandlung. So sagt sie gegen Ende des Films zu Bobby: "Du kannst nicht wissen was das für mich heißt, Bobby, wie lange ich einen gewollt habe, einen, der sich um mich kümmert, dass einer da ist für den ich auch da bin!"
Sie will als Hure und als Person folglich auch respektiert werden, was sich in einer Szene zeigt, in der ihre Freier, ein reicher Mann und seine Frau, abwertend über sie sprechen.
Der Film ironisiert bzw. verspottet die amerikanischen geschlechtlichen Sitten, was besonders durch den verrückten Reverend, der fanatisch auf Bibel, Religion und Moral beharrt, verdeutlicht wird. Er ist selbst ein Mörder. Solch religiöser Fanatismus ist dem aus Carrie ? Des Satans jüngste Tochter ähnlich.
Dieser zynische Kommentar wird durch Anthony Perkins' Darstellung des Reverend verstärkt, der schon in Alfred Hitchcocks Psycho von 1960 den Psychopathen Norman Bates spielte und durch diese Rolle berühmt wurde.
In China Blue bei Tag und Nacht verkleidet er sich am Ende als China Blue, eine mögliche Anspielung auf Psycho, wo er sich am Ende als seine Mutter verkleidet.
Shayne sollte ursprünglich Schuhverkäufer sein, wurde aber auf Vorschlag von Perkins Reverend, da seiner Ansicht nach so die Kritik an den Moralvorstellungen stärker sei.
Es gibt viele Kritiker, die den Film als geschmacklos und auch einfach nur schlecht gemacht ansehen, andere halten ihn für einen sehr guten Vertreter des Genres. Der Film gilt auch als Achtzigerjahreversion bzw. Russells Interpretation des Filmes Belle de Jour von Luis Bunuel aus dem Jahr 1967.
Sonstiges
* Rick Wakemans Soundtrack zum Film basiert auf Antonín Dvoráks neunter Sinfonie aus der Neuen Welt; er veröffentlichte eine komplette CD zu dem Film.
* Ursprünglich war Cher als Darstellerin für die Rolle der Joanna Crane vorgesehen
Auszeichnungen
* 1984 LAFCA_Award für Kathleen Turner (Beste Schauspielerin)
* 1986 Sant_Jordi_Award für Kathleen Turner (Beste ausländische Schauspielerin)
Kritiken
* "Ein blutiger Film, der von schmutzigem Sex erzählt, von Perversionen und der Verlogenheit der vorgeblich Anständigen. Anthony Hopkins stellt seine Rolle als mental verirrten Mann mit beängstigender Eindringlichkeit dar." (Dirk Jasper Filmlexikon)
* "Eine Orgie in rauschhaften Farben" (Cinema)
* "Exzentrisch, intensiv, vulgär und spannend" (TV-Movie)
* "Ein bösartig-satirischer Kriminalfilm" (Kölner Stadtanzeiger)
* "Kunstgewerblich verbrämte Aneinanderreihung von vordergründig spektakulativen, mitunter unfreiwillig komischen Szenen, die auf eine Auseinandersetzung mit den Charakteren der Geschichte verzichtet." (Lexikon des internationalen Films)
Weblinks
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• Blue bei Tag und Nacht bei www.cineman.ch
• China Blue bei Tag und Nacht bei blickpunkt:film

