Seattle (Häuptling)
Häuptling Noah Seattle, auch Seathl (* vermutlich 1786 auf Blake Island, Washington, USA; † 7. Juni 1866 in der Suqamish-Reservation Washington, USA) war ein amerikanischer Indianerhäuptling. Er ist Namensgeber der US-amerikanischen Großstadt Seattle.
Er war Sohn des Suquamish-Häuptlings Schweabe. Auf Grundlage der mütterlichen Erbfolge und als Sohn von Scholitza, Tochter eines Duwamish-Häuptlings, gehörte er selbst zum Volk der Duwamish.
Bekannt wurde Häuptling Seattle durch die Rede, die er im Januar 1854 bei einer Anhörung vor Isaac I. Stevens, dem Gouverneur der Washington Territories - und nicht wie oft behauptet, vor dem amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce - gehalten hatte. Die Tatsache der Rede und ihre Dauer von etwa einer halben Stunde sind historisch dokumentiert. Allerdings gibt es keine authentische Niederschrift des Inhalts, so dass viele unterschiedliche - und möglicherweise verfälschte - Versionen kursieren.
Die erste bekannte Version wurde erst 33 Jahre später, 1887, von Dr. Henry A. Smith in der Zeitung Seattle Sunday Star veröffentlicht. Bereits bei dieser Version gibt es starke Zweifel an der Genauigkeit von Smith?s Überlieferung. Zwar ist sicher, dass Smith bei Seattles Rede anwesend war, allerdings hat er Seattle kaum verstanden, da dieser die Rede nicht auf Englisch, sondern in seiner eigenen Sprache hielt. Eine Übersetzung hat es wenn überhaupt nur auszugsweise in Englisch oder wahrscheinlicher in Chinook gegeben. Die blumigen und heroischen Formulierungen gelten daher als Werk Smiths. Hinweise auf Ökologie und Naturzerstörung fehlen in dieser Version noch völlig. Ein zentraler Punkt der Rede ist vielmehr die Bedeutung des Landes für den Ahnen- und Totenkult der Indianer, ein zentraler und wahrscheinlich authentischer Satz lautet auch: "Jeder Teil dieses Landes ist meinem Volk heilig."
Eine zweite Version der Rede entstand in den 1960er Jahren, als William Arrowsmith die erste Version in ein moderneres Englisch übertrug, ohne sie im Inhalt zu verändern.
Populär wurde die Rede aber erst mit der dritten Version, die in den 1970er und 1980er Jahren in Umlauf kam. Sie hat nur noch sehr geringe Ähnlichkeit mit der ersten Version und wurde 1972 von Ted Perry für einen Film über Ökologie verfasst. Diese Version, und eine darauf basierende etwas gekürzte vierte Variante, stellen Häuptling Seattle fantasievoll als einen frühen ökologischen Visionär dar, der über die Einsichten seines Volkes in das Wesen der Natur und des Menschen spricht. Diese moderne Version faszinierte zahlreiche Menschen und gewann damit starke Bedeutung für die Umweltbewegung, für die die Rede des Häuptling Seattle genauso wie die Weissagung der Cree zu einem modernen Mythos wurde.
Siehe auch: Seattle, Liste berühmter Indianer
Literatur
*Häuptling Seattles Rede. Lamuv. Göttingen, 1996 (aus dem Englischen: How can one sell the air? Chief Seattles Vision. Editors: Elli Gifford and R. Michael Cook. The Book Publishing Company, Summertown, TN, USA, 1992)
* Meine Worte sind wie die Sterne, Die Rede des Häuptlings Seattle und andere indianische Weisheiten. Taschenbuch von Sonja Probst und Ernst Probst, Mainz-Kostheim 2001, ISBN 3-935718-01-2.
Weblinks
• Meine Worte sind wie die Sterne. Die Rede des Häuptlings Seattle
• Die erste Version von 1887 auf Deutsch
• Die moderne Version in der Langfassung
• Die vier Versionen auf Englisch

