Chichester
Chichester ist eine Stadt im Süden Grafschaft West Sussex. Die Stadt ist das Verwaltungszentrum sowohl der Grafschaft als auch des Distrikts_Chichester und zählt 26.572 Einwohner.Die Gegend um Chichester war vermutlich ein Brückenkopf bei der römischen Invasion in Britannien. Das Stadtzentrum befindet sich auf den Resten der römischen Stadt Noviomagus Reginorum oder Noviomagus Regnensium. Diese wurde gegen Ende des 5. Jahrhunderts zerstört, aber von Cissa, dem zweiten König der Süden-Sachsen wiederaufgebaut und nach ihm benannt. Das römische Straßennetz ist bis heute in der Stadt erkennbar. Auch sind große Teile der Stadtmauer erhalten.
Die Kathedrale
Die Kathedrale von Chichester wurde auf den Fundamenten einer römischen Basilika errichtet. Die ersten Bauarbeiten begannen gegen 1076 unter Bischof Stigand. Bischof Luffa weihte die Kathedrale 1108 der Heiligen Dreieinigkeit. 1187 zerstörte ein Feuer den Ostteil der Kathedrale und den hölzernen Dachstuhl, der durch ein Steingewölbe ersetzt wurde. Der Neubau eines Retro-Chores im Early English Style und der Anbau zahlreicher Seitenkapellen im 13. Jh. machten das Gotteshaus zu einem der umfangreichsten in England.
Im Jahre 1262 sprach Papst Urban IV. Bischof Richard von Chichester, der erst neun Jahre zuvor verstorben war, heilig. Seine Grab im Retro-Chor war eine der bedeutendsten Pilgerstätten in England, bis sie 1538 auf Anordnung Heinrichs_VIII. zerstört wurde.
Im 14 Jh. erhielt die Kathedrale einen Vierungsturm und eine Marienkapelle.
Im 15. Jh. veränderte der Anbau von Kreuzgängen, die das südliche Querschiff einschlossen, das äußere Erscheinungsbild der Kathedrale. Eine Besonderheit ist der 1436 erbaute freistehende Glockenturm an der Nordwestseite der Kathedrale. Er enthält heute ein Geläut von 8 Glocken und ist der einzige noch erhaltene Campanile in England.
Die Zerstörungswut der Kirchenstürmer in der Reformationszeit richtete beträchtlichen Schaden in der Kathedrale an. Gedenktafeln wurden entwendet, Schnitzereien und Skulpturen beschädigt und der Schrein St. Richards und die mittelalterlichen Buntglasfenster völlig zerstört. Weiteren Schaden nahm die Kirche, als 1642 während der Regierungszeit Cromwells die Parlamentstruppen die Stadt besetzten. In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde die Kathedrale vernachlässigt und verfiel. Erst in den 40er Jahren des 19. Jh. begannen unter Dean George Chandler Restaurierungsarbeiten. Diese erlitten jedoch einen Rückschlag, als 1861 der Vierungsturm einstürzte. 1866 konnte er wieder aufgebaut werden und erhielt dabei den hohen Turmhelm, der heute zu sehen ist. Er soll der einzige Turmhelm in England sein, der vom Meer aus zu sehen ist.
Der Innenraum enthält eine Fülle von Kunstwerken aus den verschiedensten Epochen.
Im Mittelschiff befinden sich Reste eines römischen Mosaik-Fußbodens aus dem 2. Jh. Im südlichen Chorseitenschiff sind zwei romanische Sandsteinreliefs aus dem frühen 12. Jh. zu sehen: ?Die Erweckung des Lazarus? und ?Christus bei der Ankunft in Bethanien?. Sie gelten als einzigartige Vertreter vorgotischer Bildhauerkunst in England. Das Chorgestühl stammt aus dem Jahre 1330, die Chorschranke von 1475.
Das herausragendste unter den vielen interessanten Grabmälern in der Kathedrale
ist der Sarkophag von Richard Fitzalan Earl of Arundel und seiner Gattin Eleonore aus dem 14. Jh.
In der Marienkapelle an der Ostseite ist die Deckenbemalung von Lambert Bernard aus dem Jahre 1533 erhalten. Sie ist der letzte erhaltene Teil der ursprünglichen Deckenbemalung der ganzen Kathedrale.
Stilisierte Bischofsportäts und Gemälde von Königen und Königinnen aus dem 16. Jh. von Lambert Bernard schmücken die Querschiffe.
Die Kathedrale enthält auch eine Vielzahl moderner Kunstwerke.
In der nördlichen Chorapsis ist das Chagall-Kirchenfenster von 1976 (Darstellung des 150. Psalms) zu sehen.
Rechts hinter dem Westeingang steht der von John Skelton 1983 geschaffene Taufstein aus schwarzem Cornwall-Stein und Kupfer. Das Gemälde von Hans Freibusch (1952) gleich nebenan zeigt die Taufe Christi.
In der Maria Magdalena-Kapelle hängt das Altarbild ?Noli me tangere? (1962) von Graham Sutherland.
Der moderne Wandteppich im Chorraum hinter dem Hochaltar wurde 1966 von John Piper entworfen und in Frankreich gewebt, Motiv ist die Heilige Dreieinigkeit.
Der deutsch-englische Gobelin von Ursula Benker-Schirmer (1985) im Retrochor zeigt biblische Symbole, die mit dem Leben und den Legenden des Heiligen Richard von Chichester zusammenhängen.
Die von John Skelton 1988 geschaffene Marienskulptur steht in der Lady Chapel.
Schutzpatron der Kathedrale und der Stadt ist der Heilige Richard (Bischof von Chichester 1245-1253), dessen Standbild außerhalb der Kirche zu sehen ist.Chichester unterhält Städtepartnerschaften mit Chartres in Frankreich und Ravenna in Italien.
Söhne und Töchter der Stadt
Edward Speleers, britischer Filmschauspieler
Rollo Weeks, britischer Filmschauspieler

