Kieferklauenträger
Als Kieferklauenträger, Fühlerlose oder Cheliceraten (Chelicerata) wird eine Gruppe von Prosoma) und einen Hinterleib (Opisthosoma). Alle oben aufgeführten Extremitäten sowie die wichtigsten Sinnesorgane befinden sich bei den Tieren am Vorderkörper, die Extremitäten des Hinterleibs sind meist vollkommen umgebildet und haben gänzlich andere Funktionen (Geschlechtsorgane, Spinndrüsen, Fächerlungen). Im Opisthosoma sind die Verdauungsorgane, die inneren Geschlechtsorgane und das Schlauchherz untergebracht.Ursprünglich hatten die Fühlerlosen Komplexaugen, diese sind jedoch nur noch bei den Pfeilschwanzkrebsen vorhanden. Die anderen Gruppen besitzen maximal 5 Paar Einzelaugen.
Fortpflanzung und Entwicklung
Auch bei der Fortpflanzung gibt es diverse Variationen. Da die meisten Arten landlebend sind, gibt es sehr häufig eine innere Befruchtung durch penisähnliche Strukturen (etwa bei den Spinnen, bei denen die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane wie beim Schlüssel-Schloss-Prinzip ineinander passen). Die Männchen anderer Gruppen wie etwa den Skorpionen sowie die meisten Milben legen Spermienpakete (Spermatophoren) ab, die von den Weibchen aufgenommen werden.
Systematik der Fühlerlosen
Gemeinhin werden die Kieferklauenträger als Schwestergruppe der Mandibeltiere (Krebstiere und Tracheentiere) betrachtet.
Die verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Cheliceraten sind noch weitgehend ungeklärt und Gegenstand kontroverser Diskussionen. Besonders über die Einordnung der morphologisch stark abgewandelten Asselspinnen ist man sich nicht einig, doch auch innerhalb der Spinnentiere gibt es mehrere alternative Auffassungen. Hier wird das klassische phylogenetische System nach Weygoldt und Paulus (1979) dargestellt, welches allgemein am ehesten akzeptiert wird.
Das System der Cheliceraten
* Kieferklauenträger (Chelicerata)
*Asselspinnen (Pycnogonida, auch Pantopoda)
** Euchelicerata
*** Merostomata
***Seeskorpione ?
***Pfeilschwanzkrebse (Xiphusura)
**Spinnentiere (Arachnida)
***Skorpione (Scorpiones)
**** Lipoctena
***** Megaperculata
*****Geißelskorpione (Uropygi)
****** Labellata
******Geißelspinnen (Amblypygi)
******Webspinnen (Araneae)
***** Apulmonata
*****Palpenläufer (Palpigradi)
****** Holotracheata
******* Haplocnemata
*******Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
*******Walzenspinnen (Solifugae)
******* Cryptoperculata
*******Weberknechte (Opiliones)
******** Acarinomorpha
********Kapuzenspinnen (Ricinulei)
********Milben (Acari)
Literatur
* Anderson, DT (2001): Invertebrate Zoology, 2nd Ed., Oxford Univ. Press, Kap. 14, S. 325, ISBN 0195513681
* Barnes, RSK, Calow, P., Olive, PJW, Golding, DW, Spicer, JI (2001): The invertebrates - a synthesis, 3rd ed., Blackwell, Kap. 8.4, S. 174, ISBN 0-632-04761-5
* Brusca, RC, Brusca, GJ (2003): Invertebrates, 2nd Ed., Sinauer Associates, Kap. 19, S. 653, ISBN 0878930973
* Moore, J (2001): An Introduction to the Invertebrates, Cambridge Univ. Press, Kap. 14, S. 207, ISBN 0521779146
* Ruppert, EE, Fox, RS, Barnes, RP (2004), Invertebrate Zoology - A functional evolutionary approach, Brooks/Cole, Kap. 18, S. 554, ISBN 0030259827
Wissenschaftliche Literatur
* Hwang, UW, Friedrich, M, Tautz, D, Park, CJ, Kim, W (2001): Mitochondrial protein phylogeny joins myriapods with chelicerates, Nature 413, S. 154
* Weygoldt, P (1998): Evolution and systematics of the Chelicerata, Experimental and Applied Acarology, 22, S. 63
* Wheeler, WC, Hayashi, CY (1998): The phylogeny of the extant chelicerate orders, Cladistics, 14, S. 173

