Charles Pictet de Rochemont
Charles Pictet de Rochemont (21. September 1755 in Genf; ? 28. Dezember 1824) war ein Schweizer Diplomat, Politiker und Offizier.
Leben
Charles Pictet stammte aus einer Genfer Patrizierfamilie. Er war der Sohn von Charles Pictet, Oberst in niederländischem Dienst, und Marie geborene Dunant. Nach einem kurzen Studium in Genf, begann er 1775 eine militärische Karriere in Frankreich. Bei seiner Heirat mit Adélaïde Sara de Rochemont 1786 änderte er seinen Familiennamen in ?Pictet de Rochemont?. Nach seiner Rückkehr nach Genf wurde er 1788 Mitglied des ?Conseil des Deux Cents? (Parlament der Genfer Republik) und hoher Offizier der Genfer Truppen.
Während der Genfer Revolution wurde er 1794 zu einem Jahr Hausarrest verurteilt. 1796 begründete er mit seinem Bruder, dem Naturwissenschaftler Marc-Auguste Pictet, und Frédéric-Guillaume Maurice die Zeitschrift ?Bibliothèque britannique? (seit 1816 ?Bibliothèque universelle?), welche die Verbreitung aller in England gemachten wichtigen Entdeckungen und herausgekommenen Werke bezweckte. 1798 erwarb er ein Landgut bei Lancy, das er persönlich bearbeitet und wo er insbesondere Merinoschafe züchtete.
Diplomatische Tätigkeit
Die Genf war bis 1798 eine unabhängige mit der Schweiz verbündete Republik. 1798 wurde Genf von Frankreich besetzt und annektiert. Nach der Befreiung von Genf am 31. Dezember 1813 war ein strategisches Ziel der Genfer Regierung die Aufnahme von Genf in der Schweiz als Kanton, um zukünftige Einflussversuche der Grossmächte zu vermeiden. Ein Problem stellte aber die Zerstückelung des Genfer Territoriums, das aus mehreren Enklaven in Savoyardischen und Französischen Gebiet bestand, und das keine Landverbindung mit der Schweiz hatte.
Pictet de Rochemont war zusammen mit François d'Ivernois Genfer Delegierter bei den Konferenzen der Grossmächte, damit diese die zurückgewonnene Unabhängigkeit von Genf anerkennen und den Beitritt Genf zur Schweiz akzeptieren. Der heikle Punkt seines Auftrages war die Vergrösserung des Genfer Territoriums in ein zusammenhängendes Gebiet mit der Schweiz zu verhandeln. Schon in Januar 1814 unterbreitete Pictet de Rochemont die Genfer Anliegen den Grossmächten in Basel. Sowohl bei den ersten_Friedensverhandlungen_in_Paris in Mai 1814, als beim Wiener Kongress (September 1814 bis Mai 1815) konnte die Gebietserweiterung nicht erreicht werden, da der französische Delegierte Talleyrand das Pays de Gex nicht abtreten wollte. Dagegen wurde die Unabhängigkeit von Genf und dessen Vereinigung mit der Schweiz akzeptiert.
An den weiteren Verhandlungen für den Zweiter Pariser Frieden ab August 1815 nahm Pictet de Rochemont als Bevollmächtigter der Schweizer Tagsatzung teil. Er erreichte das Genf 6 Gemeinden des französischen Pays de Gex bekam (Collex-Bossy, Genthod, Le Grand-Saconnex, Meyrin, Pregny, Vernier und Versoix, insgesamt 49,3 km² und 3'343 Einwohner.). Sein zweiter Erfolg war die Anerkennung der immerwährende Schweizer Neutralität durch die Grossmächte (Frankreich, Grossbritannien, Russland, Preussen und Österreich) am 20. November 1815.
Um die territoriale Vergrösserung südlich der Rhône zu verhandeln wurde Pictet de Rochemont 1816 vom Kanton Genf und der Schweiz nach Turin geschickt und hatte wieder Erfolg. Mit dem Turiner_Vertrag (16. März 1816) trat Viktor_Emanuel_I., König von Piemont-Sardinien 24 Gemeinden an Genf ab, die als ?communes réunies? bekannt sind (Aire-la-Ville, Anières, Avusy, Bernex, Carouge, Chêne-Bourg, Choulex, Collonge-Bellerive, Compesières, Confignon, Corsier, Hermance, Laconnex, Lancy, Meinier, Onex, Perly-Certoux, Plan-les-Ouates, Presinge, Puplinge, Soral, Thônex, Troinex, und Veyrier, insgesamt 108,8 km² und 12'700 Einwohner). Zudem wurde eine Zollfreihandelszone um den Kanton Genf errichtet als Hinterland der Genfer Wirtschaft, und das Savoyardischen Chablais wurde militärisch neutralisiert.
Für seine Verdienste wurde er Ehrenmitglied der Genfer Regierung ernannt und erhielt die Anerkennung der Schweizer Tagsatzung. Nach 1816 widmete Pictet de Rochemont sich mehrheitlich seinem Landgut, war aber noch Mitglied des ?Conseil représentatif? (Kantonsparlament). Er starb 1824.
Weblinks
• Biographie auf französisch
Literatur
*Hans Brugger: Charles Pictet de Rochemont und Philipp Emanuel v. Fellenberg. Eine Freundschaft, 108 S., Dem Schweizervolk geschildert, Francke (Verlag) Bern 1915.
*Leopold Boissier: Pictet de Rochemont, In: Grosse Schweizer, Atlantis Verlag , Zürich, Genf 1938.

