Charkiw
Charkiw (russisch /Charkow) ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Sie liegt im Nordosten des Landes und ist das bedeutendste Wissenschafts- und Bildungszentrum der Ukraine mit 30 Universitäten und Hochschulen sowie ein wichtiges Industriezentrum (Elektro-, Nahrungsmittel-, chemische Industrie; Maschinen- und Schienenfahrzeugbau). Charkiw ist außerdem der kulturelle Mittelpunkt im Osten des Landes (sechs Theatern, sechs Museen) und Verkehrsknotenpunkt (Flughafen, Eisenbahn, U-Bahn).Charkiw ist einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2012.
Geschichte
Die Stadt wurde ursprünglich als Festung zur Verteidigung der Südgrenzen des Russischen_Reiches im Jahr 1654 zwischen den Flüßen Charkow (Charkiw) und Lopan gegründet. Die Festung wurde nach dem Fluß Charkow benannt. Der Herkunft des Stadtnamens ist jedoch umstritten. Einige sind der Meinung, dass er entweder auf Sharukan (Sharuk-Khan), der angeblich am selben Platz gelegene Hauptstadt der Kumanen, die aber bereits nach dem Mongolensturm 1223 bzw. endgültig 1238 verfiel oder auf den legendären Gründer von 1656, den Kosaken Charko zurück geht.
Die Einwohner Charkows waren hauptsächlich Soldaten, die die Stadt vor Überfällen der Tataren schützten und sich in friedlichen Zeiten mit Handwerk und Ackerbau befassten. Am Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Stadt ihre Bedeutung als Festung und wurde 1765 Verwaltungszentrum eines Gouvernements.
Im Zusammenhang mit dem Bau von Eisenbahnen und dem Beginn der Gewinnung von Kohle und Eisenerz in der Ukraine wurde Charkiw Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum. Während des Bürgerkriegs 1917 bis 1920 kam es in der Stadt zu schweren Kämpfen zwischen Oppositionskräften.
Im Januar 1918 tagte in Charkiw der erste ukrainische Sowjetkongress, der die Ukraine zur Sowjetrepublik ausrief und Charkiw zu ihrer ersten Hauptstadt erklärte. 1934 wurde die Hauptstadt nach Kiew verlegt. Im Zweiten_Weltkrieg war Charkiw heftig umkämpft. Im Oktober 1941 wurde die viertgrößte Stadt der Sowjetunion von deutschen Truppen erobert, im Mai 1942 scheiterte ein sowjetischer Rückeroberungsversuch (Schlacht_bei_Charkow). Im Februar 1943 befreiten Sowjets die Stadt zwar kurzzeitig, doch schon im März 1943 fiel sie erneut. Dabei wurden große Teile der Stadt durch die deutsche Wehrmacht zerstört. Erst nach der Schlacht bei Kursk wurde die Stadt am 23. August 1943 endgültig befreit.
Während des Krieges war diese Stadt ein sehr wichtiger strategischer Objekt und zwar nicht nur wegen wichtigen Verkersknotten, sondern auch wegen ihrer entwickelten Kriegsindustrie. Da waren z.B. die berümtesten Panzer T-34 erfunden, entwickelt und produziert.
Sehenswürdigkeiten
Zu den ältesten Baudenkmälern von Charkiw gehört die steinerne Kathedrale des Maria-Schutz-Klosters aus dem Jahre 1689. Hier verquicken sich die Gepflogenheiten des russischen Sakralbaus mit einer Komposition, die für die ukrainischen dreikuppeligen Holzkirchen typisch ist. Es gibt weitere Bauwerke vom Ende des 18. Jahrhunderts, so die 1771 erbaute Maria-Entschlafens-Kirche und den einstigen Katherinenpalast, der heute als Hochschule fungiert.
Das prächtige neoklassizistische Theater ist ein Werk des berühmten russischen Architekten Konstantin Andrejewitsch Thon.
Charakteristisch für das Stadtzentrum von Charkiw ist der mit über elf Hektar Fläche zwischen 1920 und 1930 entstandene größte Platz Europas und einer der größten der Welt. Markante Gebäude an diesem Platz sind das ?Dershprom? (Haus der Staatlichen Industrie) und die Universität.
Die vielen Theater und zahlreichen Museen in der Stadt vermitteln einen Einblick in die ukrainische darstellende und bildende Kunst. Hervorzuheben sind das Historische Museum und das Museum für bildende Künste.
Die Bevölkerung der Stadt spricht mehrheitlich Russisch als Muttersprache, wobei das Ukrainische nach und nach wieder zum Volk findet.
Verkehr
Die Stadt ist Ausgangspunkt zahlreicher nationaler und internationaler Bahnverbindungen und besitzt zwei Rangierbahnhöfe (Charkiw-Sort. und Osnowa). Den innerörtlichen_Verkehr übernehmen die Metro (siehe Metro Charkiw), Obuslinien und die Straßenbahn. Zudem existiert noch eine rund 1,4 Kilometer lange Standseilbahn (siehe Standseilbahn Charkiw) zwischen dem Zentrum und dem Wohnviertel Pawlowe Pole.
Städtepartnerschaft
Charkiw unterhält im Rahmen der bayerisch-ukrainischen Zusammenarbeit nach dem Fall des eisernen Vorhangs eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Nürnberg. Weitere Partnerschaften bestehen mit den folgenden Städten: Bologna (Italien), Lille (Frankreich), Posen (Polen), Cincinnati (USA) und Tianjin (China).
Hochschulen
• Charkiw|Nationale N.J. Schukowski-Raumfahrtuniversität Charkiw]
Söhne und Töchter der Stadt
• Eduardowitsch Bortkiewicz], Komponist
• Dawidowitsch Burljuk], russisch-amerikanischer Künstler
• M. Cassandre], Grafikdesigner, Typograf, Maler, Bühnenbildner und Lehrer
• Drinfeld], Mathematiker
• Stepanowna Grisodubowa], sowjetische Fliegerin und Offizier (Oberst)
• Naumowitsch Gurewitsch], zunächst belgischer, jetzt türkischer Schachmeister
• Hetzer], deutscher Kunsthistoriker
• Kaluchin], Europameister im Fernschach
• Smith Kuznets], US-amerikanischer Ökonom und Nobelpreisträger
• Michailowitsch Lifschitz], Physiker
• Press], Kugelstoßerin und Diskuswerferin
• Press], ehemalige sowjetische Leichtathletin der 1960er Jahre
• Iljitsch Siloti], Pianist, Komponist und Dirigent
• Petrowitsch Sokalski], Komponist und Musikwissenschaftler
• Soyfer], politischer Schriftsteller Österreichs
• von Struve], russisch-amerikanischer Astronom deutscher Abstammung
• Jewgenjewitsch Taimanow], Schachspieler
• Alexandrowitsch Tichonow], Vorsitzender des Ministerrats der Sowjetunion
• Wladimirowitsch Wasjutin], ehemaliger sowjetischer Kosmonaut ukrainischer Nationalität
• Varggoth], ukrainischer Nationalsozialist und Frontmann der NSBM-Band • Mortum]
Weblinks
• Infos Charkow
• Infos über Charkow
• Infos über Charkow (engl.)
• Verkehrsinformationen
• Klima in Charkow
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