Mongolische Sprache
Die mongolische Sprache im engeren Sinne ist der meistgesprochene Vertreter der mongolischen_Sprachen und Amtssprache in der (äußeren) Mongolei. Sie bildet die Grundlage für die mongolische Schriftsprache in kyrillischer_Schrift. Ursprünglich von den Stämmen der Chalcha gesprochen, lautet die exakte Bezeichnung der Sprache des mongolischen Staates Chalcha-Mongolisch. Nimmt man die innermongolischen Dialekte des Zentralmongolischen wie Chahar oder Harchin hinzu, hat das Zentralmongolische etwa 6 Mio. Sprecher.
Klassifikation
Das Chalcha-Mongolische gehört zum zentralen Zweig der mongolischen_Sprachen, die wiederum mit den Turksprachen und den tungusischen_Sprachen zu den altaischen_Sprachen zusammengefasst werden (Die genetische Einheit der altaischen Sprachen wird nicht allgemein akzeptiert). Es ist mit den anderen mongolischen Sprachen eng verwandt und nicht immer klar abzugrenzen.
Insbesondere die südmongolischen in der Inneren_Mongolei gesprochenen Dialekte sowie die oiratischen Dialekte in der Westmongolei werden zuweilen als separate Sprachen angesehen.
Zur Klassifikation siehe den Artikel Mongolische Sprachen.
Geographische Verteilung
Das Zentralmongolische ist die meistgesprochene mongolische Sprache und wird von ca. 2,3 Millionen Sprechern in der mongolischen Republik und ca. 3,5 Millionen in der Inneren_Mongolei gesprochen. Des Weiteren findet sie sich als Minderheitensprache in Burjatien (Russland) und Kirgisistan.
Phonetik und Phonologie
Konsonanten
Das Chalcha-Mongolische verfügt über folgende Konsonantenphoneme:
Vokale
Das Chalcha-Mongolische verfügt über folgende sieben Vokalphoneme:
(Kyrillisch/IPA)
Alle Vokale treten kurz und lang auf; /u/, /?/, /?/, /e/ und /a/ auch mit ? als Diphthong.
Das Mongolische verfügt über eine Vokalharmonie. Dabei werden die Vokale in vordere (im mongolischen Sprachegebrauch weibliche), das sind /e/, /o/ und /u/, sowie hintere (mongolisch männliche), das sind /a/, /?/ und /?/, eingeteilt; /i/ ist neutral.
In einem Wort kommen in der Regel nur vordere oder nur hintere Vokale vor, /i/ kann mit beiden auftreten.
Viele Suffixe treten in vier verschiedenen Formen auf, wobei eine weitere Unterscheidung hinzukommt. Der Vokal des Suffixes richtet sich dabei nach dem letzten Vokal des Stammes und zwar nach folgendem Schema:
: /a/, /?/ ? [a]
: /e/, /o/ ? [e]
: /?/ ? [?]
: /o/ ? [o]
/i/ wird dabei ignoriert, enthält ein Wort nur /i/, so erscheint [e].
Betonung
Ein Wort, das nur kurze Vokale enthält, wird stets auf der ersten Silbe betont, ein Wort mit langen Vokalen bzw. Diphthongen wird auf dem ersten langen Vokal/Diphthong betont. Unbetonte kurze Vokale werden meistens stark reduziert, am Ende des Wortes sind sie ganz weggefallen.
Morphologie
Das Mongolische zeichnet sich durch eine durchweg suffigierende Morphologie aus und wird zu den agglutinierenden_Sprachen gezählt. Weitere Details und konkrete Beispiele zur Nominal- und Verbalmorphologie im Artikel Mongolische Sprachen.
Nomen
Für das mongolische Nomen ist vor allem die Kategorie Kasus relevant. Numerus spielt eine untergeordnete Rolle, Genus existiert nicht.
=Kasus
=Es werden für das Mongolische im allgemeinen sieben Kasus angenommen, und zwar Nominativ, Genitiv, Dativ/Lokativ, Akkusativ, Ablativ, Instrumental, Komitativ und Allativ.
Grundformen der Kasussuffixe (die Endungen variieren z. T. je nach Endung des Stammes; 4 steht für die vier Formen des Suffixes (a/o/e/ö), 3 für die drei Formen (a/o/e) und 2 für die zwei Formen (u/ü) bzw. (a/e) entsprechend der Vokalharmonie; ):
=Numerus
=Numerusmarkierung ist im Mongolischen optional und wird eher selten verwendet. Bei Gebrauch von Zahlwörtern wird eher kein Plural markiert.
Es gibt mehrere Pluralsuffixe, deren Gebrauch sich zum Teil nach phonologischen Kriterien richtet, meist aber nicht vorhersagbar ist. Das häufigste Suffix ist -uud2, weitere sind -d und -s. Für Nomen, die Menschen bezeichnen, existieren zwei weitere Endungen: -?uud2 (mit kollektiver Bedeutung) und -nar2.
Das Pluralsuffix steht vor dem Kasussuffix.
=Possessiv-Suffixe
=Neben der Möglichkeit, Personalpronomen im Genitiv als Demonstrativpronomen ene (diese(r)) und ter (jene(r)). Auch hier wird nicht nach Geschlecht unterschieden. In der zweiten Person gibt es wie im Deutschen eine familiäre (?i) und eine höfliche Form (ta). Im Genitiv Plural wird zwischen inklusiv (bidnij) und exklusiv (manaj) unterschieden.
Verben
Das Mongolische verfügt über ein reichhaltiges Repertoire an Verbformen. Dabei unterscheidet man zwischen drei Gruppen, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Allen gemein ist jedoch, dass sie vor allem Modus ausdrücken und keine Kongruenz zeigen.
* Finite Verbformen können nur als Prädikat eines Hauptsatzes auftreten. Man unterscheidet ferner die Gruppen der Indikativformen und der Wunsch- und Befehlsformen.
* Konverben treten nur in Abhängigkeit auf. Entweder werden sie direkt von einem Verb eingebettet oder sie werden als Prädikat eines Nebensatzes gebraucht.
* Verbalnomen (oder auch "Partizipien") können als Prädikat eines Haupt-, Attributiv- oder Komplementsatzes verwendet werden. Sie können wie Adjektive dekliniert werden und ersetzen in negierten Sätzen in der Regel die finiten Verben. Unstrittige Verbalnomen in der modernen Sprache sind -ch (attributiv recht neutral, finit immer zusammen mit Partikeln und mit Futurbedeutung), -san4 (Vergangenheit oder Perfektiv), -dag (hauptsächlich für wiederholte Handlungen), -aa (für andauernde Handlungen an einer Handvoll Verbstämmen; sonst nur negiert mit der Bedeutung ?noch nicht?) und -maar4 (drückt Wunsch aus; attributiv teilweise abstrakter: sonsmoor duu 1. ein Lied, das ich hören will 2. ein hörenswertes Lied).
Weitere Details im Artikel Mongolische Sprachen.
Syntax
Die Syntax des Mongolischen zeichnet sich dadurch aus, dass sie größtenteils kopffinal ist, die Grundwortstellung im Satz ist also SOV, in Nominalphrasen steht das Nomen immer am Ende, und es werden Postpositionen verwendet.
* Die Wortstellung im Satz ist SOV. Die Reihenfolge der Satzglieder vor dem Verb kann zwar variieren, das Verb steht allerdings fast immer am Ende des Satzes, und auch Nebensätze müssen davor gestellt werden. Frage- und Modalpartikel stehen allerdings hinter das Verb.
* In Nominalphrasen steht das Nomen eher am Ende. Adjektive, Genitiv-Attribute, Zahlwörter und Demonstrativa stehen davor, Berufsbezeichnungen etc. und kollektive Zahlwörter dahinter. Tujaa Ojuun hojor T. O. zwei 'Tujaa und Ojuun', manaj uchaantaj Tujaa darchan unser klug T. Schmied 'unsere kluge Schmiedin Tujaa', hojor nom zwei Buch 'zwei Bücher'.
Schriftformen
Die erste für mongolische Sprachen verwendete Schrift wurde von den Kitan vor dem 10. Jahrtausend zur Zeit der chinesischen Tang-Dynastie verwendet, deren Chroniken auch einzelne Wörter überliefern. Die Kitan begründeten in Nordostchina die Liao-Dynastie, von der allerdings nur wenige Einzelheiten überliefert sind, in der aber erstmals eine offizielle mongolische Schriftsprache vorliegt. Diese Schrift bildet dann die Basis für diejenige der tungusischen Dschurdschen der Jin-Dynastie. Deren Territorium wurde dann wie dasjenige der chinesischen Song-Dynastie von den Mongolen (Yuan-Dynastie) erobert.
Die erste Schrift des Mittelmongolischen ist die vertikale uighurische Schrift, die am Ende des 12. Jahrhunderts übernommen und ans Mongolische angepasst wurde. Das älteste erhaltene Schriftzeugnis in Form einer Grabinschrift stammt aus dieser Zeit. Das damals bedeutendste literarische Werk, die Geheime Geschichte der Mongolen, ist zwar nur chinesisch überliefert, doch lassen sich trotzdem Rückschlüsse auf die Eigenheiten der damals verwendeten mittelmongolischen Sprache ziehen. Die klassische Form dieser traditionellen mongolischen_Schrift wurde im 17. Jahrhundert fixiert. Sie wird bis heute in der Inneren Mongolei verwendet.
Die offizielle Schrift der mongolischen Yuan-Dynastie in China war die tibetische Phags-pa-Schrift (1269-1368), aber auch die chinesische Schrift wurde für mongolische Texte intensiv benutzt. Vom 13. bis 15. Jahrhundert gibt es mongolische Texte in arabischer Schrift. Im Laufe der Zeit wurden noch mehrere andere Schriftsysteme vorgeschlagen, wie etwa die von Zanabazar entwickelte Sojombo-Schrift.
1931 wurde in der Äußeren Mongolei zunächst das lateinische Alphabet, ab 1937 auf sowjetischen Druck das kyrillische_Alphabet eingeführt (mit neuen Buchstaben für /ö/ und /ü/). 1941 wurde der Gebrauch des literarischen Mongolisch und damit auch der alten uighurischen Schrift untersagt. Seit 1994 wird die klassische Schrift in der Mongolei wieder an den Oberschulen gelehrt. Sie wird häufig für Firmenschilder, Logos und ähnliche dekorative Zwecke verwendet, für alles Andere weiterhin das kyrillische Alphabet. In der Inneren Mongolei wird weiterhin die traditionelle uighurische Schrift verwendet.
Literatur
* Juha Janhunan: The Mongolic Languages. RoutledgeCurzon Press, 2003
* Isaac Jacob Schmidt: Grammatik der mongolischen Sprache. Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1831 ([http://books.google.com/books?id=qtMzxWTKkeQC Digitalisat])
* Jan-Olof Svantesson: The Phonology of Mongolian. Oxford University Press, 2005
* Hans-Peter Vietze: Lehrbuch der mongolischen Sprache. VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1969
* Hans-Peter Vietze: Wörterbuch Mongolisch-Deutsch. DAO-Verlag, Berlin 2005
Weblinks
*
• Sprachkurs des Mongolischen, Grammatik, Wörterbuch und Informationen
• Verschiedene mongolische Alphabete und Sprachbeispiele (Englisch)
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