Chronisches Erschöpfungssyndrom
Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS - Chronic fatigue syndrome) ist eine chronische Krankheit, die häufig zur Behinderung führt. Sie ist charakterisiert durch eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung/Erschöpfbarkeit sowie durch eine spezifische Kombination weiterer Symptome. Dazu gehören neben der chronischen Erschöpfung unter anderem Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Empfindlichkeiten der Lymphknoten sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustands nach Anstrengungen.
Einordnung
Für das Krankheitsbild existieren unterschiedliche Bezeichnungen. In der medizinischen Fachliteratur werden folgende Begriffe verwendet:
*Chronic Fatigue Syndrome (CFS) und Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome (CFIDS) in USA
*Myalgische Enzephalopathie (ME) u.a. in GB, Australien, Neuseeland
*Myalgische Enzephalopathie/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) in Kanada
*Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) in Deutschland
ICD-10: G 93.3 organische Störungen des Gehirns:
*Postviral Fatigue Syndrome (PVFS)
*Benign Myalgic Encephalomyelitis (BEME)
Entwicklung der Definition
Über ME (Myalgische Enzephalomyelitis) wurde zuerst im Jahr 1956 in England publiziert. ME wurde 1959 von ED Acheson definiert nachdem es vierzehn dokumentierte Ausbrüche der Erkrankung in verschiedenen Ländern gegeben hatte. Acheson ED: The clinical syndrome variously called Benign Myalgic Encephalomyelitis, Iceland Disease and Epidemic Neuromyasthenia. Am J Med 1959 PMID 13637100
Das CFS wurde 1988 im Auftrag der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA von einer Expertengruppe als eigenständige Krankheit definiert. Dabei stützte man sich auf die so genannten Holmes-Kriterien. Holmes G, Kaplan J, Gantz N, et al.: Chronic fatigue syndrome: a working case definition. Ann lntern Med 1988 PMID 2829679
1994 wurden die Fukuda-Kriterien entwickelt, auf denen die bisher meisten Studien zum CFS basieren. Fukuda K Straus S, Hickie I, et al.: The chronic fatigue syndrome. a comprehensive approach to its definition and study. Ann lntern Med 1994 PMID 7978722 Obwohl die Fukuda-Kriterien zunächst nur für Forschungszwecke entwickelt wurden, bilden sie daneben bis heute meist auch die Grundlage für die Diagnose der Erkrankung.
2003 wurde in Kanada die erste klinische Definition für CFS entwickelt. Bruce M. Carruthers, MD, CM, FRCP(C)
Anil Kumar Jain, BSc, MD
Kenny L. De Meirleir, MD, PhD
Daniel L. Peterson, MD
Nancy G. Klimas, MD
A. Martin Lerner, MD, PC, MACP
Alison C. Bested, MD, FRCP(C)
Pierre Flor-Henry, MB, ChB, MD, Acad DPM, FRC, CSPQ
Pradip Joshi, BM, MD, FRCP(C)
A. C. Peter Powles, MRACP, FRACP, FRCP(C), ABSM
Jeffrey A. Sherkey, MD, CCFP(C)
Marjorie I. van de Sande, BEd, Grad Dip Ed: Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Clinical Working Case Definition, Diagnostic and Treatment Protocols Journal of Chronic Fatigue Syndrome, Vol. 11(1) 2003
Daneben gibt es in der Literatur zwei weitere Definitionen zu CFS: die Oxford-Kriterien (Sharpe et al, 1991) und die australischen Kriterien (Lloyd et al, 1990). Beide sind allerdings so weit gefasst, dass es damit nicht möglich ist eine homogene Gruppe von Patienten zu erfassen. Sie werden daher in der Forschung praktisch nicht verwendet.
Epidemiologie
Das CFS ist eine Krankheit, die - insbesondere auch in Deutschland - wenig diagnostiziert wird.
In Deutschland waren 1994 nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ca. 300.000 bis 1 Million Menschen von CFS betroffen. Ein Artikel des Deutschen_Ärzteblattes von 2002 gibt etwa 300.000 Betroffene an [http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=33778 "Wenn das Leben nur noch eine Last ist"] Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe September 2002, Seite 421.
Nach Aussagen der medizinischen Behörden in den USA richten CFS-Erkrankungen größere volkswirtschaftliche Schäden an und betreffen mehr Menschen als viele andere bekanntere Erkrankungen.
CFS ist allerdings kein neues Phänomen. Es gab gut dokumentierte Ausbrüche 1934 in Los Angeles, 1948 in Island, 1956 in Punta Gorda (Florida) und zuletzt 1984-1985 in Lake Tahoe (USA).
Die erste größere Studie zur Prävalenz von CFS/CFIDS der DePaul-Universität in den USA, bei der die Teilnehmer aus einer ethnisch und sozio-ökonomisch unterschiedlich zusammengesetzten städtischen Bevölkerung ausgewählt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass CFS in allen ethnischen Gruppen vorkommt. CFS betrifft zudem alle Altersgruppen. Am häufigsten erkranken Menschen im Alter zwischen 30-45 Jahren.
Leonard Jason et al.: A Community-based study of Chronic Fatigue Syndrome. Arch Intern Med 1999, 159: 2129 - 2137 PMID 10527290 Frauen sind häufiger betroffen als Männer (ca. 75% der Erkrankten sind Frauen).
Es ist bisher wenig darüber bekannt, dass auch Kinder und Jugendliche an CFS erkranken können. CFS ist jedoch bereits bei Kindern von gerade 5 Jahren festgestellt worden. Eine australische Studie berichtet von 5,5 CFS-Fällen pro 100 000 Kindern bis zum Alter von 9 Jahren und von 47,9 Fällen pro 100 000 Kindern im Alter von 10-19 Jahren. Die Prävalenz des CFS im engeren Sinne in der Gesamtbevölkerung liegt in britischen und US-amerikanischen Untersuchungen um 0,5%. Kinder und Heranwachsende sind viel seltener betroffen als Erwachsene.Prins JB, van der Meer JWM, Bleijenberg G: Chronic Fatigue Syndrome. Lancet 2006; 367: 346 ? 355 PMID 16443043
Diagnose
Es gibt für das CFS bislang keine diagnostischen Labortests oder objektivierende technischen Untersuchungen. Erschwerend für die Feststellung dieser Erkrankung kommt hinzu, dass beim Chronischen Erschöpfungssyndrom viele Symptome vorkommen, die auch andere Krankheiten begleiten. So leiden etwa 10-25% aller Patienten, die ihren Hausarzt aufsuchen, unter allgemeinen Erschöpfungszuständen. Das CFS kann daher bisher nur über eine sogenannte Ausschlussdiagnose festgestellt werden. Dies geschieht durch eine gründliche Anamnese, eine eingehende körperliche Untersuchung und den Ausschluss derjenigen Erkrankungen, die ebenfalls eine anhaltende Erschöpfung verursachen können. Differentialdiagnostisch sollen laut dem australischen Leitfaden zur Diagnose und Behandlung von ME/CFS für Ärzte aus dem Jahr 2004 (Myalgic encephalopathy (ME) and chronic fatigue syndrome (CFS): management guidelines for general practitioners) die folgenden Krankheiten ausgeschlossen werden: Aids, Anämie, Angsterkrankungen, chronische Hepatitis, Diabetes Mellitus, Fibromyalgie, Hämachromatose, HIV, Hyperkalzämie, Lyme-Borreliose, Majore Depression, maligne_Erkrankungen, Morbus Addison, Multiple Sklerose, Myasthenia gravis, Parkinson-Krankheit, Polymyalgie,
Sarkoidose, Schlafapnoe, Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, • Somatoforme Störung]en, [[Lupus erythematodes sowie Zöliakie.Für die Diagnose eines CFS müssen die folgenden Kriterien vorliegen:
Allgemeine Kriterien
Es muss sich um eine Chronische Erschöpfung handeln, die
*klinisch gesichert und ungeklärt ist
*neu und mit zeitlich bestimmbarem Beginn auftrat (nicht bereits lebenslang besteht)
*sich nicht spürbar durch Ruhe bessert
*nicht Folge einer noch anhaltenden Überlastung ist
*zu einer substantiellen Reduktion früherer Aktivitäten in Ausbildung und Beruf sowie im sozialen und persönlichen Bereich führt
*länger als 6 Monate anhält
Symptom-Kriterien nach Fukuda et al.
Vier oder mehr der aufgeführten acht Symptome, die frühestens mit Beginn der Erschöpfung aufgetreten sein dürfen, müssen für einen Zeitraum von mindestens sechs aufeinanderfolgenden Krankheitsmonaten persistierend oder rezidivierend nebeneinander bestanden haben:
* selbstberichtete Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses oder der Konzentration, die schwer genug sind, eine substantielle Reduktion des früheren Niveaus der Aktivitäten in Ausbildung und Beruf sowie im sozialen und persönlichen Bereich zu verursachen
* Halsschmerzen
* empfindliche Hals-und Achsellymphknoten
Muskelschmerzen
Schmerzen mehrerer Gelenke ohne Schwellung und Rötung
Kopfschmerzen eines neuen Typs, Musters oder Schweregrades
* keine Erholung durch Schlaf
* Zustandsverschlechterung für mehr als 24 Stunden nach Anstrengungen
Klinische Definition
Kanada stellte 2003 die erste klinische Definition des CFS vor.
Danach müssen die folgenden Symptome vorliegen, wobei alle genannten Kriterien der Abschnitte 1 bis 6 wie unten beschrieben erfüllt sein müssen (Einschränkungen sind angegeben):
1. Zustandsverschlechterung nach Belastung und Erschöpfung (alle Kriterien dieses Abschnitts müssen erfüllt sein)
:a) Der Patient muss unter einem deutlichen Ausmaß einer neu aufgetretenen, anderweitig nicht erklärbaren, andauernden oder wiederkehrenden körperlichen oder mentalen Erschöpfung leiden, die zu einer erheblichen Reduktion des Aktivitätsniveaus führt
:b) Erschöpfung, Verstärkung des schweren Krankheitsgefühls und/oder Schmerzen nach Belastung mit einer verzögerten Erholungsphase (der Patient benötigt mehr als 24 Stunden, um sich zu erholen)
:c) Die Symptome können durch jede Art der Anstrengung oder jede Art Stress verschlechtert werden
2. Schlafstörungen
:Nicht erholsamer Schlaf oder veränderte Schlafmuster (einschließlich einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus)
3. Schmerzen
:Arthralgien und/oder Myalgien ohne klinische Belege für eine entzündliche Reaktion im Sinne von Schwellungen oder Rötungen der Gelenke; und/oder starke Kopfschmerzen eines neuen Typs, Musters oder Schweregrades
4. Neurologische/Kognitive Manifestationen (mindestens zwei der Kriterien müssen erfüllt sein)
:# Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
:# Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung, der Kategorisierung, Wortfindungsschwierigkeiten einschließlich periodisch auftretender Lesestörungen
:# Es kann zu Überbelastungserscheinungen kommen: einer Überbelastung durch Informationen, kognitive oder sensorische Einflüsse und Belastungen (z.B. Lichtempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Lärm) und/oder einer emotionalen Überbelastung, die zu Rückfällen und/oder Ängsten führen kann
:# Wahrnehmungs- und sensorische Störungen
:# Desorientierung oder Verwirrung
:# Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen)
5. Autonome/Neuroendokrine/Immunologische Manifestationen (mind. je ein Symptom in wenigstens zwei der folgenden Kategorien muss erfüllt sein)
:A) Autonome Manifestationen
:# Orthostatische Intoleranz (z.B. neural vermittelter niedriger Blutdruck [NMH])
:# lagebedingtes orthostatisches Tachykardie-Syndrom (POTS - Herzjagen)
:# Schwindel und/oder Benommenheit
:# Extreme Blässe
:# Darm- oder Blasenstörungen mit oder ohne Colon Irritable (IBS ? Reizdarm) oder Blasendysfunktionen
:# Herzklopfen mit oder ohne Herzrhythmusstörungen
:# Vasomotorische Instabilität (Instabilität des Gefäßtonus)
:# Atemstörungen
:B) Neuroendokrine Manifestationen
:# Verlust der thermostatischen Stabilität
:# Intoleranz gegenüber Hitze/Kälte
:# Appetitverlust oder anormaler Appetit, Gewichtsveränderungen
:# Hypoglykämie (verminderter Glucosespiegel)
:# Verlust der Anpassungsfähigkeit und der Toleranz gegenüber Stress, Verstärkung der Symptome durch Stress sowie langsame Erholung und emotionale Labilität
:C) Immunologische Manifestationen
:# Empfindliche Lymphknoten
:# Wiederkehrende Halsschmerzen
:# Grippeähnliche Symptome und/oder allgemeines Krankheitsgefühl
:# Entwicklung bisher noch nicht aufgetretener Allergien oder Veränderungen im Zustand bereits vorliegender Allergien
:# Überempfindlichkeit gegenüber Medikamenten und/oder Chemikalien
6. Die Erkrankung besteht seit mindestens 6 Monaten
Psychiatrische Störungen
CFS ist laut den kanadischen klinischen Leitlinien für Psychiater zur Einschätzung und Behandlung von CFS (Assessment and Treatment of Patients with ME/CFS: Clinical Guidelines for Psychiatrists) aus dem Jahr 2005 keine psychiatrische Erkrankung. Dennoch findet man bei etwa 30-40% der Patienten psychiatrische Störungen, was vergleichbar ist mit der Zahl, die auch bei anderen chronischen und zu Behinderung führenden Krankheiten zu finden ist. Diese Störungen, wie Depressionen oder Angststörungen, sind überwiegend als sekundäre Reaktionen einzustufen aufgrund des Verlustes etwa der Gesundheit, finanziellen Sicherheit und sozialer Rollen sowie der Konfrontation mit Stigmatisierung. Die Zahl der Persönlichkeitsstörungen ist bei CFS dagegen nicht erhöht, sondern liegt bei etwa 10% was dem Prozentsatz dieser Störung in der Allgemeinbevölkerung entspricht. Es wird empfohlen psychiatrische Symptome bei CFS wie bei anderen Erkrankungen auch zu behandeln. Dabei seien die oft höhere Empfindlichkeit gegenüber Nebenwirkungen von Medikamenten sowie das geringere Energieniveau der Patienten zu berücksichtigen.
Schweregradskala
Eine Skala der Schweregrade bei CFS nach Dr. David S. Bell David S. Bell: The Doctor's Guide to Chronic Fatigue Syndrome: Understanding, Treating and Living with CFIDS ISBN: 0201626160
Situation der Erkrankten
Mit dem Beginn ihrer Erkrankung erleben die meisten Betroffenen einen abrupten Zusammenbruch ihres bisherigen Lebens. Es vergehen in der Regel Jahre, bevor eine Diagnose gestellt wird. Daher leiden CFS-Kranke nicht nur unter ihrer Krankheit und den damit verbundenen z.T. schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch unter den sozialen, psychischen und materiellen Folgen ihrer Erkrankung. Sie stoßen mit ihrer nicht sichtbaren Behinderung in einer unzureichend informierten Umwelt meist auf Unverständnis. Arbeitsunfähigkeit, Kosten für Diagnostik bzw. Behandlung und Berentung sind häufig Stationen eines Wegs in soziales Abseits und Armut.
Obwohl das Chronische Erschöpfungssyndrom mittlerweile in Deutschland bekannter geworden ist, entsprechen in den meisten Fällen weder Diagnosestellung noch Behandlung und Krankheitsbegleitung internationalen Standards. Spezielle Beratungs- und Rehabilitationseinrichtungen fehlen ganz. Durch diesen Mangel an geeigneten Versorgungsstrukturen bleiben CFS-Kranke hierzulande häufig sich selbst überlassen.
Eine Telefoninterviewstudie von Prof. Dr. Monika Bullinger und Jan Eujen vom Universitätsklinikum Hamburg aus dem Jahr 2004 hatte die Lebensqualität von CFS-Betroffenen zum Thema. Die Antworten der Erkrankten ergaben einen Einblick in oft sehr schwierige Lebenssituationen. Die Beeinträchtigung des Lebens durch die Erkrankung wurde insgesamt als ausgesprochen hoch angegeben. Besonders häufig wurden dabei die folgenden Probleme genannt: Verlust der Selbstbestimmung und Selbständigkeit, die Leistungsunfähigkeit und damit verbundene Rollennverluste, die Erschöpfung und körperlichen Beschwerden, Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der ärztlichen Versorgung sowie die mit der Krankheit verbundene soziale Isolation und der Glaubwürdigkeitsverlust.
Einen aktuellen Überblick über die Schwere und die Belastungen durch CFS gibt eine Umfrage der englischen Action for M.E., die 2006 im Rahmen ihrer Kampagne "M.E. ? More Than You Know" dazu 2200 ihrer Mitglieder befragt hatte.
* 75% der Betroffenen haben durch die Erkrankung ihre Arbeit verloren.
* 25% sind ans Haus gebunden oder bettlägerig. In den schlechtesten Krankheitsphasen betrifft dies 74%.
* 89% fühlen sich durch die Krankheit in ihrem Lernvermögen beeinträchtigt.
* 92% gaben an, dass sich die Erschöpfungssymptomatik durch körperliche Aktivitäten verschlechtere.
* 77% leiden unter sozialer Isolation als Folge von CFS. In den schlechtesten Krankheitsphasen leiden 94% der Erkrankten darunter.
* Als häufigster Auslöser für die Erkrankung (75%) wurden Infektionen genannt.
* 83% leiden in den schwersten Krankheitsphasen unter starken grippeähnlichen Beschwerden.
* 67% der Befragten gaben an unter konstanten Schmerzen zu leiden.
Der Name CFS
Über den Namen CFS als Terminus für dieses Krankheitsbild und die damit verbundene Möglichkeit einer Stigmatisierung ist schon früh diskutiert worden.
So kritisiert unter anderem die CFIDS Association of America, die größte Patientenorganisation in den USA, der Name CFS sei unverständlich, irreführend und würde die Krankheit trivialisieren.
Da es sich bei Erschöpfung um ein Alltagsphänomen handelt wird das Chronische Erschöpfungssyndrom oft allein aufgrund seines Namens nicht als ernsthafte Erkrankung wahrgenommen. Es konnte gezeigt werden, dass auch medizinisches Personal davon beeinflusst wird: so wurde der Fall eines Patienten unter der Bezeichnung Chronisches Erschöpfungssyndrom als weniger ernsthaft eingestuft als unter anderen Krankheitsnamen wie beispielsweise Myalgische Enzephalopathie. Jason L.A. et al. Evaluating attributions for an illness based upon the name: chronic fatigue syndrome, myalgic encephalopathy and Florence Nightingale disease Am J Community Psychol. 2002 Feb;30(1):133-48 PMID 11928774 Jason L.A. et al Chronic fatigue syndrome versus neuroendocrineimmune dysfunction syndrome: differential attributions J Health Soc Policy 2003;18(19:43-55 PMID 15189800
Vor diesem Hintergrund wird in den letzten Jahren verstärkt in Arbeitsgruppen und Initiativen eine Namensänderung diskutiert ("Change the Name") mit dem Ziel, einen adäquateren Namen für dieses Krankheitsbild zu finden.
Sonstiges
Internationaler CFS-Tag
Seit 1993 findet am 12. Mai jeden Jahres in vielen Ländern der Welt der "International CFS/CFIDS/ME Awareness Day" statt. Das Datum erinnert an den Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale. Sie litt seit ihrem 35. Lebensjahr an einer CFS-artigen Erkrankung, durch die sie fünfzig Jahre ihres Lebens ans Bett gefesselt war.
Spark!
Mit Spark! beginnt unter der Schirmherrschaft der CDC im Sommer 2006 in den USA eine breit angelegte Medien- und Aufklärungskampagne zum CFS. Spark! (deutsch: "Zündfunke") hat das Ziel, sowohl die Öffentlichkeit, als auch Angehörige des Gesundheits- und Rechtswesens über CFS zu informieren und um mehr Verständnis für Erkrankte zu werben.
Das Motto der Kampagne Get informed. Get diagnosed. Get help. richtet sich insbesondere an jene Betroffenen, die zu der hohen Dunkelziffer zählen. Nach Einschätzung der CDC sind in den USA über vier Millionen Menschen von CFS betroffen, der Großteil jedoch in Unkenntnis des Krankheitsbilds und/oder medizinisch unversorgt. Die Kampagne umfasst Anzeigen in Print- und Onlinemedien, Rundfunk- und Fernsehspots, eine Wanderausstellung (The Faces of CFS), die Veröffentlichung von Informationsmaterial zum CFS für Erkrankte, sowie Leitfäden zur Versorgung Erkrankter für Ärzte und medizinisches Personal. Die von der CDC mit etwa 4,5 Millionen US Dollar finanzierte Kampagne wird sich über die Jahre 2006-2007 erstrecken.
Die offizielle Pressekonferenz zur Kampagne fand am 3. November 2006 in Washington DC. statt. Dort sagten, unter anderen, Dr. Julie Gerberding, Direktorin der CDC, dass das CFS zu lange von Geheimnissen, Kontroversen und Missinformationen umgeben gewesen sei.
Dr. William Reeves, Chef der CDC-Forschungsgruppe zum CFS, wies darauf hin, dass Patienten, die früh angemessene Hilfe erhalten langfristig eine bessere Prognose haben. Dies unterstreiche die Notwendigkeit die Kenntnisse zur Diagnose und zum Management des CFS bei den Mitarbeitern des Gesundheitswesens zu verbessern.
Dr. Anthony Komaroff, ein Spezialist und CFS-Forscher der Harvard Medical School, sagte, dass, obwohl wir die Ursachen der Erkrankung noch nicht kennen, es heute mehr als 4000 publizierte Forschungsstudien gibt, die eine Reihe von körperlichen und biologischen Abweichungen aufgedeckt haben. Das CFS bestehe nicht aus Symptomen, die Menschen sich einbilden könnten und es sei keine psychische Erkrankung. Aus seiner Sicht sollte die lange währende Debatte darüber vorbei sein.
Dr. Nancy Klimas, eine CFS-Spezialistin und Forscherin an der Universität Miami, drückte die Hoffnung aus, dass man beginnen könne das Stigma um CFS zu beenden da es solide Belege für biologische Grundlagen der Erkrankung gebe. Dr. Klimas ging auch auf die Behandlung von Patienten ein und betonte, dass man einzelne Symptome verbessern könne.
Tod der an CFS erkrankten Sophia Mirza
Erstmals hat eine gerichtliche Untersuchung in Großbritannien das chronische Erschöpfungssyndrom als Todesursache festgestellt. Am 13. Juni 2006 fand am Coroner?s Court in Brighton ein Verfahren zur Ermittlung der Todesursache der 32-jährigen Engländerin Sophia Mirza statt. Diese litt sechs Jahre lang an einer sehr schweren Form des CFS und verstarb im November 2005. Als offizielle Todesursache wurde ein akutes Nierenversagen festgestellt, ausgelöst durch Dehydratisierung. Nach Meinung der ermittelnden Ärzte war dies eine direkte Folge ihres seit sechs Jahren bekannten CFS-Leidens. Das renommierte Wissenschaftsmagazin New Scientist sieht darin eine klare körperliche Manifestation des CFS. [http://www.newscientist.com/channel/health/mg19025573.800.html Artikel "Chronic fatigue syndrome can kill - official"], New Scientist magazine, 21. Juni 2006, Ausgabe 2557, Seite 7.
CFS im ?Spiegel?
Der Spiegel beschreibt im Jahr 2004 unter dem Titel ?Krankheiten, die der Himmel schickt? das CFS als eine modische und für Betroffene nützliche Bagatellerkrankung. Der Deutsche_Presserat spricht dem Nachrichtenmagazin dafür eine Missbilligung aus mit der Begründung, dass es durch seine Darstellung gegen die in Ziffer 2 des Pressekodex definierte journalistische_Sorgfaltspflicht verstoßen hatte. Der Spiegel folgt der entsprechenden Empfehlung des Presserates, eine Missbilligung im Sinne einer fairen Berichterstattung zu veröffentlichen, nicht. Jahrbuch Deutscher Presserat 2005 Seiten 154-155
Kritische Thesen
Die US-amerikanische Feministin und Publizistin Elaine Showalter beschreibt in ihrem 1997 erschienenen Buch Hystorien das CFS als eine moderne Spielart der Hysterie. Danach leben CFS-Patienten in einer Kultur, die Krankheiten mit psychischen Ursachen noch immer diskriminiere und ihre realen Auswirkungen nicht verstehe oder respektiere. Showalter geht in diesem Buch davon aus, dass das Selbstwertgefühl von CFS-Patienten davon abhinge, dass an die physiologische Natur ihrer Erkrankung geglaubt würde.
Prominente mit CFS
• (Künstlerin)|Cher]
• Jarrett]
• Edwards]
• Akers]
• Hillenbrand] (Autorin von Seabiscuit)
• Bodden] (früher 1860 München)
Filme
• "Der müde Stürmer" Ein Film von Tom Theunissen über den an CFS erkrankten Fußballprofi Olaf Bodden aus der ZDF-Reihe 37 Grad. Deutschland 2000
• "I Remember Me"; Ein Film von Kim A. Snyder; Dokumentarfilm (74 min.), USA 2000 (Preise: Bester Dokumentarfilm und Publikumspreis beim Denver Festival 2000; Honorable Mention, Golden Starfish, Dokumentarpreis Hampton Film Festival 2000; "First Runner Up", Publikumspreis und "Best Feature" beim Sarasota Film Festival 2001")
Quellen
Siehe auch
Fatigue-Syndrom
Literatur
*William Collinge: Das chronische Müdigkeitssyndrom. Erkennen - lindern - überwinden Oesch, Zürich 1995, ISBN 3-85833-471-5
*Peter A. Berg (Hrsg.): Chronisches Müdigkeits- und Fibromyalgiesyndrom. Mit 27 Tabellen. 2. Aufl. Springer, Berlin u.a. 2003, ISBN 3-540-44194-8
*Werner Zenker: Das chronische Erschöpfungssyndrom. Wege zur Hilfe und Selbsthilfe bei CFS. ECON-Taschenbuch, Düsseldorf 1996, ISBN 3-612-20547-1
*Renate Dorrestein: Heute ich, morgen du ... Mein Leben mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS). Claassen, Hildesheim 1995, ISBN 3-546-00092-7
*Jens Gaab, Ulrike Ehlert: Chronische Erschöpfung und Chronisches Erschöpfungssyndrom. Hogrefe, Göttingen u.a. 2005, ISBN 3-8017-1608-2
*Jan Eujen-Schröder: Lebensqualität beim Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS). Med. Diss. Hamburg 2005.
*Roberto Patarca-Montero: Chronic Fatigue Syndrome, Genes, and Infection Haworth Medical Press, Oktober 2003, ISBN 0789017946
*Roberto Patarca-Montero: Chronic Fatigue Syndrome and the Body's Immune Defense System Haworth Press, März 2003, ISBN 0789015293
*Kenny Demeirleir & Patrick Englebienne: Chronic Fatigue Syndrome CRC Press, 2002, ISBN 0849310466
*A. Hilgers/I. Hoffmann: CFS - Chaos im Immunsystem. Lübbe, Berg. Gladb. 2002, ISBN 3-4046-6291-1 [http://www.medplus.de/d6.pdf (Download; PDF, 450 KB)]
Videos
• ZDF-Beitrag zum Internationalen CFS-Tag 2006
• Interviews aus England u.a. mit Dr. Kerr
• Vortrag von Dr. Paul Cheney
• CDC Teaching People About Chronic Fatigue Syndrome
• TV- und Radiospots der Spark-Kampagne
• Ausschnitte von der Pressekonferenz zur offiziellen Eröffnung der Spark-Kampagne am 3. November 2006 in Washington, DC
Weblinks
;Überblicksseiten
• Fatigatio e.V. - Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom
• CFS-Portal mit vielen nützlichen Informationen
• CFS aktuell
• CFS-Info - Informationsportal Chronisches Erschöpfungssyndrom
• International Association for CFS (englisch)
;Sonstiges
• Centers for Disease Control and Prevention (englisch)
• Spark! The campaign to ignite CFS awareness (englisch)
• action for M.E. (englisch)
• CFIDS Association of America (englisch)
• Pharmacogenomics Ausgabe vom April 2006 (englisch)
• Patentanmeldung: MATERIALS AND METHODS FOR DIAGNOSIS AND TREATMENT OF CHRONIC FATIGUE SYNDROME (englisch)
• Assessment and Treatment of Patients with ME/CFS: Clinical Guidelines for Psychiatrists (englisch)
• Australischer Leitfaden für Ärzte einschließlich einer Darstellung der Kanadischen Klinischen Definition
• Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Clinical Working Case Definition, Diagnostic and Treatment Protocols (englisch)
• Pearce JMS: The Enigma of Chronic Fatigue. European Neurology 2006; 56: 31 - 36 (englisch)
• Powerpoint-Präsentation zum 2,5A-Synthetase/RNaseL-Pfad (englisch)
• Powerpoint zu einer möglichen immunologisch-orientierten Vorgehensweise (englisch)

