Zentaur (Sternbild)
Der Zentaur (lateinisch Centaurus) ist ein Sternbild des Südlichen Himmels.
Beschreibung
Der Zentaur ist ein ausgedehntes und beeindruckendes Sternbild, das sich südlich der Wasserschlange (Hydra) erstreckt. Das Dreieck der Sterne ?, ? und ? Centauri bildet den Kopf, die südlichen Sterne, darunter die hellen Sterne ? und ? Centauri, sollen die Füße des Zentauren, einem Mischwesen ? halb Mensch, halb Pferd ? darstellen.
Im Zentauren steht das bekannte Dreifachsystem Alpha_Centauri (Rigil Kentaurus) mit dem sonnennächsten Stern Proxima Centauri.
Durch den südlichen Teil zieht sich das Band der Milchstraße. Diese Region ist besonders reich an Sternen und nebligen Objekten. Omega Centauri ist der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel.
Von Deutschland aus sind nur die nördlichsten Sterne des Zentauren zu sehen, die im Frühjahr tief über den südlichen Horizont ziehen.
Geschichte
Der Zentaur gehört zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie, die bereits von Ptolemäus erwähnt wurden.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. war das Sternbild vom Mittelmeerraum aus noch vollständig sichtbar. Infolge der Präzessionsbewegung der Erde wurde das Sternbild um etwa 10° in südliche Richtung verschoben. Heute ist es erst ab dem 25. Breitengrad vollständig sichtbar.
Im Zentauren befindet sich eine kosmische Radioquelle, die als Centaurus A bezeichnet wird.
Mythologie
In der griechischen_Mythologie wurden die Zentauren als barbarisch und gewalttätig dargestellt. Eine Ausnahme machte der Zentaur Cheiron, ein Sohn des Titanen Kronos. Cheiron, der als weise und gelehrt galt, zog einige der antiken Helden auf, darunter Jason, Achilleus sowie Asklepios, den er die Heilkunst lehrte.
Cheiron fand ein tragisches Ende: Als eines Tages der Held Herakles von dem Zentauren Pholos aufgenommen und bewirtet wurde kam es zum Streit, da einige vom Wein berauschte Zentauren den Helden angriffen. Herakles setzte sich darauf hin zur Wehr und tötete etliche von ihnen. Als sich einige der Zentauren zu Cheiron flüchteten, der sich aus dem Kampf herausgehalten hatte, wurde dieser versehentlich von einem vergifteten Pfeil des Herakles getroffen. Cheiron war zwar unsterblich, doch das Pfeilgift hätte ihm ein langes qualvolles Dasein bereitet. Um Cheiron von seinen Qualen zu erlösen und ihn dennoch unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus an den Himmel.
Himmelsobjekte
Sterne
Der hellste Stern im Zentauren ist arabische Name Rigil Kentaurus bedeutet ?Fuß des Zentauren?. Mit einem Abstand von 4,39 Lichtjahren gilt er als der sonnennächste Stern. Tatsächlich handelt es sich um ein Mehrfachsternsystem, bei dem sich drei Sterne um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen.
Bereits in einem kleinen Teleskop werden zwei Sterne sichtbar. Die hellste Komponente ? Centauri A besitzt etwa die Größe und das Aussehen unserer Sonne. ? Centauri B ist mit 1,35m ein etwas lichtschwächerer und orange leuchtender Stern. Die beiden Sterne umkreisen einander in rund 80 Jahren. Die dritte Komponente, ? Centauri C oder Proxima Centauri ist ein leuchtschwacher rötlicher Zwergstern mit einer scheinbaren_Helligkeit von 11,05m. Mit einer Entfernung von 4,28 Lichtjahren ist er der nächste Nachbar der Sonne.
Der zweithellste Stern ? Centauri, (Hadar, arabisch ?der Boden?) ist mit einer Distanz von rund 525 Lichtjahren wesentlich weiter von unserer Sonne entfernt. Er ist ein bläulich leuchtender Stern der Spektralklasse B1.
Doppelsterne
? Centauri ist ein Doppelsternsystem in 130 Lichtjahren Entfernung. Es besteht aus zwei gleich hellen, weiß leuchtenden Sternen. Aufgrund des geringen Winkelabtsandes von 0,7 Bogensekunden benötigt man zu seiner Trennung ein mittleres Teleskop.
? Centauri ist rund 500 Lichtjahre entfernt. Das System besteht aus einem sehr leuchtstarken bläulichen Hauptstern der Spektralklasse B2 und einem ebenfalls bläulichen Begleiter der Klasse B5.
? Cen ist 8.000 Lichtjahre entfernt. Das System besteht aus zwei extrem leuchtstarken Sternen, einem gelblichen Stern der Spektralklasse G2 und einem weiß leuchtenden Stern der Klasse A2. Der Hauptstern ist darüber hinaus ein veränderlicher Stern (s.u.).
Veränderliche_Sterne
Die sternreiche Region des südlichen Centaurus enthält eine Reihe interessanter Beobachtungsobjekte. Da der französische Astronom Charles Messier den Centauren von seinem Beobachtungsstandort aus nicht beobachten konnte, befinden sich im Centaurus keine ?Messierobjekte?.
Der offene_Sternhaufen NGC 3766 ist etwa 5.000 Lichtjahre entfernt. Mit bloßem Auge erscheint das Objekt als diffuser Fleck, im Prismenfernglas werden etwa 20 Einzelsterne sichtbar. Im Teleskop sind 40 bis 50 Sterne erkennbar.NGC 3766 ist einer der schönsten offenen Sternhaufen im Teleskop.
Der planetarische_Nebel NGC 7662 wurde 1834 von John Herschel entdeckt. Es handelt sich um den Überrest eines Sterns in rund 3.500 Lichtjahren Entfernung. Im Teleskop zeigt sich eine strukturlose, bläulich schimmernde Scheibe.
Der 6.000 Lichtjahre entfernte offene Sternhaufen NGC 4755 ist ein sehr schönes Objekt im Fernglas, das auch ?Jewelbox? (Schmuckkästchen) genannt wird.
Die irreguläre Galaxie NGC 5128 ist etwa 20 Mio. Lichtjahre entfernt. Im Teleskop zeigt sich ein dunkles Staubband, das die Galaxie durchzieht. Die Galaxie enthält eine kosmische Radioquelle, die Centaurus A genannt wird.
Der 1.500 Lichtjahre entfernte NGC 5139, auch Omega Centauri genannt, ist der beeindruckendste Kugelsternhaufen am Nachthimmel. Er ist bereits mit bloßem Auge deutlich als nebliger Fleck erkennbar. In einem größeren Fernglas nimmt er ein ?körnigs? Aussehen an. In mittleren Teleskopen ab 15 cm Öffnung wird der Sternhaufen vollständig in Einzelsterne aufgelöst.
Der offene Sternhaufen NGC 5460 ist 2.500 Lichtjahre entfernt. Dem bloßen Auge erscheint er als nebliges Fleckchen, in einem Fernglas können erste Sterne aufgelöst werden. In einem mittleren Teleskop sind etwa 40 Sterne sichtbar.
Neutronensterne
Centaurus X-3 (Pulsar)

