Baudot-Code
Der Baudot-Code (auch Fernschreibcode oder Telexcode), benannt nach Jean-Maurice-Émile Baudot (* 1845, ? 1903) ist ein digitaler, ursprünglich synchroner 5-Bit Zeichencode. Der später als CCITT-1 genormte erste Baudot-Code wurde von Donald Murray für die Verwendung mit einer alphanumerischen Tastatur angepasst. So entstand der CCITT-2 Code, der durch seine weltweite Verwendung im Telegrafen- und Telex-Betrieb bekannt wurde und heute gemeinhin als Baudot-Code bezeichnet wird.Vorgeschichte
Nach Entwicklung der elektrischen Telegrafie und des Morsecodes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde nach Möglichkeiten gesucht, eine einfachere, direkte Übertragung von Text zu ermöglichen, ohne den Text vom Bedienpersonal in den Telegrafenstationen zur Übertragung in einen Code umwandeln lassen zu müssen. Ingenieure und Erfinder waren bestrebt, Verfahren zu entwickeln, um diese Codeumwandlung von den Telegrafengeräten selbst, also automatisch, durchführen zu lassen. Die Bestrebungen zielten darauf ab, einen Buchstaben (oder ein beliebiges Zeichen) auf einmal durch Telegrafenleitungen zu übertragen.
So wurde beispielsweise versucht, die Information über das jeweilige Zeichen durch verschiedene Spannungen auf einer Telegrafenleitung zu übermitteln. Andere Verfahren wurden erdacht, die 26 Leitungen gleichzeitig verwenden ? für jeden Buchstaben eine. Ebenso wurden Codes entwickelt, um die Anzahl der benötigten Spannungswerte und Leitungen zu reduzieren. Hier stellten sich besonders 5- und 6-Bit-Codes als ein günstiger Kompromiss dar.
Émile Baudot gelang es ? basierend auf den bereits gemachten Entwicklungen ? ein Gerät zu entwickeln, das unter Verwendung eines 5-Bit-Codes nicht nur in der Lage war, auf der Empfängerseite den Telegrammtext direkt auf einen Papierstreifen zu drucken, sondern auch mehrere Telegramme in einem Multiplexsystem gleichzeitig über eine einzige Telegraphenleitung übertragen konnte.
Der Baudot-Code (CCITT-1)
Bedienung
Der ursprüngliche Baudot-Code (später International Telegraph Alphabet No. 1 (ITA1), CCITT-1) wurde von Émile Baudot 1870 für ein von ihm entwickeltes Telegrafengerät entworfen. Der Code wurde direkt über eine klavierähnliche Tastatur mit fünf Tasten eingegeben, das Drücken oder Nichtdrücken einer Taste entsprach dem Setzen oder Nichtsetzen eines Bits in dem zu sendenden 5-Bit-Wort (dem Zeichencode). Dazu wurde die Tastatur mit dem Zeige- und Mittelfinger der linken und mit dem Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand bedient. Die dem zu sendenden Zeichen entsprechenden Tasten mussten gleichzeitig gedrückt werden und rasteten für einen Moment ein, bis die Kombination vom Gerät als eine Folge von Stromimpulsen gesendet und die Tastatur für das nächste Zeichen wieder freigegeben wurden. Auf diese Weise wurden Geschwindigkeiten von 180 Zeichen pro Minute erzielt.
Dadurch dass, anders als beim Morsecode, alle Zeichen durch einen Code gleicher Länge dargestellt wurden, war eine maschinelle Entschlüsselung deutlich einfacher zu realisieren und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln machbar. So wurde in Baudots Telegrafenempfänger ein Typenrad abhängig von dem empfangenen Code durch eine elektromechanische Vorrichtung in eine entsprechende Position gebracht, um das zugehörige Zeichen auf einen Papierstreifen zu drucken.
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Codierung
Murray behielt die Ebenenumschaltung Baudots bei, stellte aber die Reihenfolge der Zeichen im Code so um, dass häufig benutzte Buchstaben, wie ?E? und ?T? Codepositionen bekamen, für deren Sendung und Empfang die Mechanik in den Geräten kürzer und weniger oft bewegt werden musste. So wurde der Verschleiß und die Wartungsbedürftigkeit reduziert. Murray fügte auch ein Zeilenwechsel-Zeichen hinzu, um Telegramme unterteilen zu können.
Wie Baudots wurde auch Murrays Code im Bereich außerhalb der Buchstaben und Ziffern im Laufe der Zeit vielfach verändert, um lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden. Eine wichtige Änderung war, dass Leerzeichen und Buchstaben/Ziffernumschaltung voneinander getrennt und zu separaten Zeichen wurden. Um Stoppbits eingefügt, um dem empfangenden Gerät zu ermöglichen, sich mit jedem eintreffenden Zeichen erneut zu synchronisieren. Fernschreiber in Telex-Netzen wurden mit festen, netzabhängigen Geschwindigkeiten von etwa 400 bis 600 Zeichen pro Minute betrieben.
Auch der CCITT-2 Code wurde noch angepasst und erweitert. In der UdSSR wurde 1963 ???-2 (u. a. mit kyrillischen Buchstaben) eingeführt. Insbesondere in den Vereinigten_Staaten wurden in verschiedenen Netzen vom CCITT-2 Code leicht abweichende Zeichenbelegungen benutzt. So gab es zum Beispiel spezielle Zeichensätze für ein Wetternetz und ein Börsennetz. Anderswo wurde der Code erweitert. Um mehr Zeichen darstellen zu können, wurde für die Darstellung griechischer oder kyrillischer Zeichen eine dritte Ebene eingeführt, für den Einsatz im Schriftsatz noch mehr. Die Möglichkeit, die freigehaltenen Codepositionen für die deutschen Umlaute zu verwenden, wurde im deutschen Telex-Netz nicht wahrgenommen.
Siehe auch
ASCII
Unicode
Morsecode
Betriebstechnik (Amateurfunk)

