Columbia Records
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Columbia Records ist das älteste durchgängig benutzte Label im Bereich der Audioaufzeichnung. Erstmals verwendet wurde es im Jahre 1888.
Im Laufe der Jahre durchlief das Label zahlreiche Besitzerwechsel - war es zunächst ein eigenständiges US-amerikanisches Unternehmen, verkaufte es 1922 seinen britischen Ableger Columbia Graphophone Company, der 1926 wiederum die amerikanische Muttergesellschaft übernahm und mit ihr 1931 zur EMI fusionierte. Aufgrund US-amerikanischen Wettbewerbsrechts musste die EMI sich 1934 von ihren nordamerikanischen Unternehmungen trennen. Dadurch entstand ein amerikanisches Label mit Namen Columbia Records, das alsbald von CBS übernommen wurde, während auch die EMI ein Label dieses Namens weiter betrieb (und darüber unter anderem Aufnahmen des US-Columbia-Labels in Europa vertrieb). Ab 1972 stellte EMI die Nutzung des Labelnamens Columbia Records ein. CBS wurde samt seinem Label Columbia Records 1988 von Sony Music aufgekauft, die mittlerweile in SonyBMG aufgegangen ist, das Label Columbia Records jedoch nach wie vor betreibt und verwendet.
Geschichte
Entstehung
Ursprünglich war Columbia der lokale Vertreiber von Edison-Phonographen und Wachswalzen in Washington, D.C., Maryland und Delaware (USA). Dies ergab sich daraus, dass 1887 die
?North American Phonograph Co.? (NAPCO) nach Aufkauf der Firma des Graphophon-Erfinders Thomas Alva Edison gegründet wurde, die am 26. März im Jahr darauf auch mit Edisons Konkurrenten der American Graphophone Company einen Kooperationsvertrag abschloss; die NAPCO vertrieb nun parallel die Edison-Geräte und die Bell & Tainter-Graphophone der American Graphophon Co. Zur Vermarktung der Apparate gründete die NAPCO eine Vielzahl von weitgehend selbständigen Tochtergesellschaften, die jeweils für bestimmte Regionen der USA die alleinige Lizenz zu Vertrieb und Herstellung von Phonographen erhielten. Eines dieser Subunternehmen war die Columbia Phonograph Company unter der Leitung des Unternehmers Edward Easton, die die Lizenz für den ?District of Columbia? mit den Städten Washington und Baltimore besaß. Wie es damals bei einigen der regionalen Phonographen-Gesellschaften üblich war, produzierte Columbia viele eigene Walzen.
Unabhängigkeit & Aufstieg
Während die meisten regionalen Tochterunternehmen der NAPCO den Phonographen entsprechend Edisons ursprünglicher Intention ausschließlich als Diktiergerät für Bürozwecke vermarkteten, glaubten Easton und sein Mitarbeiter Victor H. Emerson schon früh an eine Zukunft des Geräts in der Unterhaltungsbranche, weshalb sie 1889 kommerzielle Tonaufnahmen anfertigten, die vornehmlich an öffentliche ?phonographic parlors? und reisende Schausteller geliefert wurden, die den Phonographen auf Jahrmärkten und Messen vorführten. 1891 veröffentlichte Columbia den ersten Tonträgerkatalog der Welt. Bereits zwei Jahre später, 1893, trennte Columbia sich von Edison und der North American Phonograph Company und verkaufte in der Folgezeit nur noch eigene Aufnahmen und Phonographen.Infolge rechtlicher Probleme nach dem Zusammenbruch der NAPCO durfte Edison von 1894 bis 1896 in den USA keine Phonographen und Walzen verkaufen. Diese Phase nutzte Columbia zum Aufbau eines landesweiten Vertriebsnetzes und zu anderen Expansionsmaßnahmen. 1895 präsentierte Columbia den ersten federwerksgetriebenen Phonographen, dessen Antriebstechnik zum Vorbild für den Großteil aller späteren Walzenspieler wurde und eine so preiswerte Herstellung ermöglichte, dass er auch als Unterhaltungsgerät für Privatleute erschwinglich wurde, was wiederum für den Absatz der bespielten Zylinder sehr förderlich war. Nach der Rückkehr Edisons auf den Markt konnte Columbia die führende Position nicht vollständig behaupten, blieb aber neben Edisons neuer National Phonograph Company der weltweit wichtigste Hersteller von Phonographen und Zylindern. 1901 begann die Großserien-Fertigung normalformatiger Schellackplatten und passender Abspielgeräte, für die man zunächst den Namen ?Graphophone? beibehielt. Die Plattenproduktion drängte in den folgenden Jahren die Walzenfertigung bei Columbia mehr und mehr in den Hintergrund, was die Marktentwicklung widerspiegelte - Schallplatten wurden zulasten der Walzen zunehmend populärer. Für ein Jahrzehnt stand Columbia als einer der drei Großen im Audioaufzeichnungsgeschäft im Wettbewerb mit den Edison Phonograph Company-Walzen und den Victor Talking Machine Company Schallplatten. 1904 propagierte Columbia als erster Hersteller 78 Umdrehungen pro Minute als Standarddrehzahl für alle Schellackplatten; im gleichen Jahr erschienen die ersten in Mehrschicht-Laminattechnik aus besonders hochwertigem Schellack gefertigten Pressungen. 1907 entwickelte Guglielmo Marconi für Columbia die als unzerbrechlich vermarkteten ?Velvet Tone?-Platten, im Jahr darauf wurde die Massenproduktion der ersten beidseitig bespielten Schallplatte begonnen. Im July 1912 beschloss Columbia, sich zukünftig ausschließlich auf Schallplatten zu konzentrieren und stellte die Produktion neuer Zylinderaufnahmen und -Phonographen ein; man presste und verkaufte jedoch noch ein bis zwei weitere Jahre lang Walzenkopien der im Archiv befindlichen Zylinder-Aufnahmen. Die Matrizen wurden danach an die Firma Oxford Records verkauft.
Einer der berühmten Werbesprüche von Columbia Records aus der Schellack-Ära war: Columbia-Aufnahmen vergehen nie - sie verschleißen nur!
Ende der Unabhängigkeit, Aufgehen in EMI
1921 gliederte man den britischen Unternehmensteil, die Columbia Graphophone Company aus, von der man jedoch fünf Jahre später selbst wiederum aufgekauft wurde.
Anfang 1925 begann Columbia, mit einem neuen Aufnahmeverfahren von Western Electric aufzuzeichnen. In einer geheimen Abmachung mit der Victor Talking Machine Company wurde beschlossen, die neue Aufnahmetechnologie nicht öffentlich zu machen. Dies geschah, um den Verkauf der Aufnahmen aus dem noch existierenden akustisch aufgenommenen Archiv nicht zu beeinträchtigen, während ein neues elektronisch aufgenommenes Archiv erstellt wurde.
Nach der Übernahme durch die ehemalige britische Tochter Columbia Graphophone Company im Jahr 1926 fusionierte man 1931 zur neuen Gesellschaft Electric and Musical Industries (EMI). Die US-amerikanischen Gesetze zum Wettbewerbsrecht zwangen die EMI jedoch dazu, kurz darauf alle nordamerikanischen Aktivitäten auszugliedern und zu verkaufen. In der Folge entstand das zunächst wieder unabhängige amerikanische Columbia Records-Label, das parallel zu einem EMI-Unterlabel gleichen Namens (das nur außerhalb Nordamerikas und Japans verwendet werden durfte) existierte. Einige Jahre lang hatte man noch exklusive gegenseitige Vertriebsabkommen, d.h. Columbia (US) vertrieb in den USA Titel von Columbia (EMI) und umgekehrt. 1972 stellte EMI die Verwendung des Namens ein. Weitere Details zur Geschichte des britischen Columbia Labels finden sich im Artikel zur Columbia Graphophone Company.
Herauslösung aus EMI und Niedergang
EMI war gezwungen, die amerikanischen Columbia-Aktivitäten zu verkaufen; neuer Eigentümer war Grigsby-Grunow Company, die auch Hersteller des damals populären Majestic Radio waren. Majestic geriet jedoch bald in eine Krise, aus der man sich unter anderem mit Marketingaktionen versuchte zu befreuen. Bemerkenswert war in dieser Hinsicht die so genannte ?Columbia Royal Blue Record?, eine brilliantblau laminierte Schallplatte mit eigenem Plattenlabel. Die ?Royal Blue?-Platten wurden zwischen 1932 und 1935 produziert und erfreuten sich besonders bei Sammlern wegen ihrer geringen Produktionszahlen großer Beliebtheit. Ein kurzlebiger Marketinggag war die ?Longer Playing Record?, eine 10" 78 UpM-Platte mit feineren Rillen und zwischen 4:30 und 5:00 Minuten Spielzeit pro Seite.
Columbias Niedergang war jedoch in einer Zeit, in welcher der Phonograph zunehmend an Beliebtheit einbüßte, nicht aufzuhalten. 1934 ging Grigsby-Grunow unter und musste Columbia für nur 75.000 US$ an die American Record Corporation (ARC) verkaufen. ARC besaß bereits Brunswick Records als Premium-Label, weshalb auf Columbia nur weniger verkaufsträchtige Veröffentlichungen wie die hawaiianische Musik von Andy Iona und der damals noch unbekannte Benno Goodman verlegt wurden. Bis Ende 1936 wurden alle Pop-Veröffentlichungen eingestellt, womit das Label fast komplett eingestellt war.
1938 wurde ARC, einschließlich des US-amerikanischen Columbia Labels, durch William S. Paley vom Columbia Broadcasting System (CBS) für 700.000 US$ aufgekauft. (CBS war ursprünglich selbst durch Columbia Records mitbegründet worden, allerdings ließ sich Columbia schon bald auszahlen, womit nur der Namensbestandteil Columbia bei CBS verblieb.) CBS beschloss, statt des Brunswick Labels Columbia Records und sein Unterlabel Okeh Records wiederzubeleben.
1948 veröffentlichte Columbia die erste Langspielplatte LP, welche sich mit 33 1/3 Umdrehungen / Minute drehte und zum Standard bei analogen Schallplatten wurde ? fast vier Jahrzehnte sogar zum Standard der kommerziellen Musikverfielfältigung überhaupt.
Besitzerwechsel und heutiger Verbleib von Columbia Records
1988 kaufte der japanische Konzern Sony die amerikanische CBS Records samt Columbia Records und weiterer Unterlabel (u.a. Epic Records) auf - die Oberabteilung wurde daraufhin 1991 in Sony Music Entertainment umbenannt. Da man die Rechte auf den Namen CBS Records nur für zeitlich begrenzte Zeit besaß (dieser fiel nach einigen Jahren wieder an CBS Corporation zurück), nutzte man fortan das Label Columbia Records, für das man 1990 auch die Namensrechte außerhalb der USA, Kanadas und Japans von EMI erwarb. Sony Music fusionierte 2004 mit BMG zu SonyBMG - auch diese neue Gesellschaft veröffentlicht nach wie vor Aufnahmen unter dem Labelnamen ?Columbia Records?. Ausnahme ist Japan, wo die Veröffentlichungen unter Sony Music Japan laufen, einer weiterhin 100%igen Tochter von Sony. In Japan besteht darüber hinaus die - von SonyBMG unabhängige - Columbia Music Entertainment, die ihren Namen aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit EMI aus dem Jahr 1931 besitzt.
Die Namen vieler bekannter amerikanischer Musiker sind mit Columbia verbunden. Unter anderem Billie Holiday, Duke Ellington, Miles Davis, Frank Sinatra und Johnny Cash veröffentlichten auf Columbia. Bob Dylan und Bruce Springsteen haben ihre Karriere nicht nur bei Columbia begonnen, sondern nehmen seit Jahrzehnten ausschließlich für das Label auf. Der Impresario John Hammond war Jahrzehnte lang für Columbia als eine Art Talent-Scout tätig und nahm viele inzwischen berühmte Musiker unter Vertrag.
Siehe auch
Liste der Plattenlabel

