Casimir Ulrich Boehlendorff
Casimir Ulrich Karl Boehlendorff (* Frühling 1771 in Mitau, Kurland; ? 10. April 1825 in Markgrafen, Kurland) war ein Schriftsteller, Dichter und Historiker.Leben
Im Oktober 1794 immatrikulierte sich Boehlendorff an der Universität Jena und wurde ein Hörer Fichtes. Er wurde Mitglied der Gesellschaft der freien Männer und schloss eine Freundschaft mit Herbart.
In den Jahren 1797 bis 1799 war er als Hauslehrer bei Berner Familien tätig und schrieb danach eine Geschichte der Helvetischen_Revolution. Auch mit Friedrich Hölderlin sowie mit anderen Dichtern und Gelehrten war er gut befreundet. Aber trotz vieler Versuche und Hilfen, z.B. durch Johann Smidt in Bremen, gelang es Boehlendorff nicht, gesellschaftlich Fuß zu fassen, wozu auch das negative Urteil von Schiller und _Goethe gegen ihn beigetragen haben dürfte.
Seit 1804 bis zu seinem Suizid führte Boehlendorff ein unstetes Leben, das an Lenz erinnert.
Boehlendorff verfasste mehrere Theaterstücke und Gedichte. In neuerer Zeit hat ihm Johannes Bobrowski ein literarisches Denkmal mit der Erzählung "Boehlendorff" gesetzt.
Werke
* Casimir Ulrich Boehlendorff: Werke in drei Bänden, Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-87877-619-5
* Casimir Ulrich Boehlendorff: Geschichte der Helvetischen Revoluzion, hrsg. von Klaus Pezold, Paul Haupt Verlag, Bern 1997, ISBN 3-258-05728-1
Gedichte
:Ungestilltes Sehnen
:Soll ich immer weiter wandern,
:Selten rasten, nimmer ruhn?
:Ach! Da komm ich nur zu Andern,
:Aber nimmer zu den Meinen;
:Weiß von Keinen,
:Die mit Lust mir Liebes thun.
:Zieht der Schwan in goldnen Kreisen
:Durch die fernen Himmelshöh'n
:Denk ich: Könnt ich mit Dir reisen!
:Liebend findest Du die Lieben;
:Mich im trüben
:Nebel will kein Herz verstehn!
:Heimath ist mir längst entschwunden,
:Lieb' und Frieden sucht mein Herz, -
:Hat sie nimmer doch gefunden;
:Ach! Es sucht bis zum Ermüden
:Lieb' und Frieden! -
:Werd' nicht müd', mein armes Herz!
:An Raison
:So wie dem Mann, der nah dem Klippenstrande,
:Vom Sturm umtost und von des Meeres Wut,
:Im Schatten sinnend eines Haines ruht,
:Umgrenzt von des Geschickes strengem Bande ?
:Er sieht die Wolken ziehn nach jenem Lande,
:Dahin sein Sehnen leise Wünsche tut,
:Wo seiner schönern Tage Jugendglut
:Entlodert winkt mit neuerhelltem Brande:
:O bringe mir den holden Morgen wieder,
:Der alten, frommen Freundschaft süßes Glück,
:O bringe mir das Kindliche zurück.
:So naht auch mir der Geist der alten Lieder,
:Und über Berge, Täler, Meer und Flut
:Träum ich den Hafen, wo die Welle ruht.
:Der Kahn
:Fahre, fahre, mein Nachen,
:Auf der zürnenden Woge hin!
:Nach viel Nächten und Tagen
:Hab' ich mich durch die Brandung geschlagen,
:Ist wohl kühler und heller mein Sinn.
:Warf meinen Kranz in die Fluthen,
:Ach! Mein letztes theuerstes Gut,
:Welk von den dorrenden Gluten!
:Fernab ist's, wo am Gestade wir ruhten -
:Ach, nicht mehr dem Herzen genug!
:Laß dich nicht irren ' was Trübes! -
:Drüben das lockende grüne Gezelt:
:Da giebt es ' was Gutes und Liebes.
:Frisch mit den Rudern! Raschen Getriebes
:Aus der alten zur neuen Welt!

