Carstenn-Figur
]]Die Carstenn-Figur stellt eine regelmäßige städtebauliche Anordnung von Straßen und Plätzen in Form einer Figur in Berlin dar. Sie wurde 1870 in Wilmersdorf von dem Bodenspekulanten Johann Anton Wilhelm von Carstenn geplant und nach ihm benannt. Die Gestalt der Carstenn-Figur ergibt sich aus ihren Begrenzungen und der Zuordnung dieser zu einem Zentrum. Die heutige Bundesallee (zwischen 1872 und 1874 unter dem Namen Kaiserstraße angelegt hieß sie bis 1950 Kaiserallee) bildet hierbei die Mittelachse, vier ? als Grünflächen gestaltete ? Repräsentations- und Schmuckplätze die Eckpunkte der Figur, die seinerzeit mit Wohngebäuden umgeben wurden.
Geschichte
Carstenn hatte 1870 das Gelände des ehemaligen Wilmersdorfer Rittergutes gekauft und ließ hier die heutige Bundesallee anlegen. Carstenn, der als Initiator privater Stadtplanung gilt, wollte hier eine Landhaussiedlung errichten. Er ließ erste Bebauungskonzepte erstellen und lieferte auch die Konzepte für die dazugehörige Infrastruktur. Im Zusammenhang mit dem Gründerkrach 1873 musste er jedoch Insolvenz anmelden, so dass das Gebiet und die bereits angelegten Straßen weitgehend unbebaut blieben. Die Zeit überdauert hat lediglich die Carstenn-Figur als geometrisches System von Straßen und Plätzen im nördlichen Abschnitt der heutigen Bundesallee.
Geografie
Die Eckpunkte bilden der Fasanen-, Nürnberger, Prager und Nikolsburger Platz. Die nördliche Begrenzung formt die in einem leichten Bogen verlaufende Schaperstraße, die südliche wird von der Trautenaustraße gebildet. Prager Straße und Grainauer Straße sind die östlichen und Fasanen- und Nikolsburger Straße die westlichen Begrenzungen des Flächengebildes. Diese Straßen und Plätze schließen sich so zu einem Ring, von dem sternförmig mehrere Straßen auf einen zentralen Flächenabschnitt der Bundesallee zulaufen ? den heutigen U-Bahnhof Spichernstraße. Es sind dies der Hohenzollerndamm, die Meierottostraße, die Nachodstraße und die Spichernstraße. Durch den Ausbau der Bundesallee zu einer Hauptverkehrsstraße nach dem in den 1960er Jahren wurde der Charakter der Gesamtanlage zerstört.
Das Friedenauer Pendant
1871 wurde eine vergleichbare Carstenn-Figur im südlichen Bereich der Bundesallee geplant und verwirklicht: Seinerzeit konzipierte Carstenn zusammen mit Johannes Otzen die Landhauskolonie Friedenau als Villenvorort englischen Stils. Auch hier bildet ein umlaufender Straßenzug (die Stubenrauch- und Handjerystraße) mit der Bundesallee im Zentrum die Carstenn-Figur. Die vier Plätze stellten der Berliner Platz (später Maybachplatz, heute Perelsplatz), der Wilmersdorfer Platz (heute Renée-Sintenis-Platz), dem Schmargendorfer Platz (heute Schillerplatz) und der Hamburger Platz (heute Teil des Friedhofs_an_der_Stubenrauchstraße) dar. Dieses Pendant der Carstenn-Figur stellt noch heute die streng geometrische Grundstruktur Friedenaus dar.
Weblinks
• Die Carstenn-Figur in Charlottenburg-Wilmersdorf

