Carsten Niebuhr
Carsten Niebuhr (17. März 1733 in Lüdingworth, Land Hadeln; ? 26. April 1815 in Meldorf) war ein deutscher Mathematiker, Kartograf und Forschungsreisender in dänischen Diensten.
Leben
Nach einem Mathematikstudium an der Georg-August-Universität Göttingen trat Niebuhr 1760 als Ingenieurleutnant in dänische Dienste. 1761 wurde er von König Frederik_V._von_Dänemark als Kartograf in die sechsköpfige dänische Arabien-Expedition berufen, die im gleichen Jahr als ?Arabische Reise? mit der Schiffspassage von Kopenhagen nach Alexandria (Ägypten) begann.
Auch wenn der Auftrag zu der Forschungsreise durch den dänischen König erging und dieser die Finanzierung übernahm, entstammte die Initiative dazu einem bereits 1753 ergangenen Aufruf des Göttinger Orientalisten Johann David Michaelis. Michaelis versprach sich von der Reise in den Vorderen Orient Beweisstücke für den Wahrheitsgehalt der biblischen Erzählungen. 1756 wiederholte er sein Anliegen in einem Brief an den deutschen Statthalter in Kopenhagen, Johann Hartwig Ernst von Bernstorff. Dieser wiederum gewann den dänischen König für den Plan.
Neben C. Niebuhr nahmen an der Expedition die folgenden Personen teil:
# Professor Friedrich Christian von Haven, als Philologe und Kenner der arabischen Sprache;
# Professor Peter Forsskål, als Naturkundler;
# Doktor Christian Carl Cramer, als Arzt;
# Georg Wilhelm Baurenfeind, als Kupferstecher und Maler;
# Berggren, ein schwedischer Dragoner als Diener - dieser wird häufig übersehen, so dass meist nur von einer fünfköpfigen Expedition gesprochen wird. Niebuhr sprach selber nur von einer fünfköpfigen Reisegesellschaft.
Nach einem Abstecher in die Halbinsel Sinai wurde die Reise in Sues auf einem Pilgerschiff nach Dschidda und Mekka im heutigen Saudi-Arabien fortgesetzt. Um Konflikte mit den Einheimischen zu vermeiden, legte Niebuhr für seine weitere Reise Landestracht an. Er fertigte die erste Kartenskizze des Roten_Meeres an. Diese Karte gab für die britische Post den Ausschlag für die Entscheidung, die Post nach Indien über Sues statt wie bisher um Afrika herum zu befördern.
Schließlich erreichte Niebuhr den Jemen, von dem er auf zahlreichen Reisen die erste genaue Karte anfertigte, die für die nächsten 200 Jahre gültiges Standardwerk blieb.
Nach dem Tod zweier Teilnehmer, die an der damals noch nicht diagnostizierbaren (und schon gar nicht behandelbaren) Malaria erkrankt waren, brachen die noch verbliebenen 4 Expeditionsteilnehmer 1763 vom jemenitischen Mokka (Al Mukha) nach Bombay in Indien auf. Dort starb 1764 dann auch Forsskål, der letzte Begleiter Niebuhrs an der Malaria.
Allein setzte Niebuhr seine Reise fort und kopierte in den Ruinen von Persepolis und Niniveh u.a. zahlreiche Inschriften so sorgfältig, dass die Aufzeichnungen Niebuhrs noch Jahrzehnte später als Vorlage für die Entzifferung von Keilschriften dienten. So nutzte Georg Friedrich Grotefend die Niebuhrschen Kopien, hierbei insbesondere die Tri-Lingua der Behistun-Inschrift, für seine ersten Entzifferungsversuche der Keilschrift.
1766 fertigt Niebuhr einen Grundriss der Stadt Orfa (Urfa), heute Sanliurfa.
1767 kehrte Carsten Niebuhr nach Kopenhagen zurück und veröffentlichte die gesammelten Daten und Unterlagen der Expedition. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Verdienste und Arbeiten. Der Göttinger Professor Michaelis zählte hingegen nicht zu den Gratulanten. Für die bahnbrechenden empirischen Erkenntnisse über eine damals für Europäer weitgehend fremde Welt, die Niebuhr erzielt hatte, zeigte Michaelis praktisch kein Interesse, da er sie nicht mit seiner ursprünglichen Intention einer Faktensammlung zur Untermauerung der biblischen Heilsgeschichte verwenden konnte.
1768 wurde Niebuhr Ingenieurkapitän, 1778 Wirklicher Justizrat und Landschreiber zu Meldorf, 1808 Etatsrat.
Niebuhr war der erste, der die Methode der Monddistanzen auf dem Festland zur Bestimmung der geographischen Länge anwandte. Damit erzielte er ausgezeichnete Ergebnisse für das nördliche Rote Meer. Mit Hilfe seiner Karte konnte es Kapitän Holford 1772 wagen, den Seeweg von Kalkutta nach Sues zu suchen.
Niebuhr war in Kopenhagen in freundschaftlichen Kontakt zu dem noch jungen Deutsch-Dänen Friedrich Münter gekommen, welchen er für die Archäologie zu begeistern verstand und der später ein bekannter Orientalist, Altertumsforscher und Bischof in dänischen Diensten werden sollte.
Das größte skandinavische Universitätsinstitut auf dem Forschungsgebiet Naher Osten mit dem Sitz an der Universität Kopenhagen ist nach Carsten Niebuhr benannt.
Niebuhr ist der Vater des Althistorikers und Diplomaten Barthold Georg Niebuhr.
Werke
*Beschreibung von Arabien, Kopenhagen 1772 ([http://www-gdz.sub.uni-goettingen.de/cgi-bin/digbib.cgi?PPN504575031 Digitalisat])
*Reisebeschreibung nach Arabien und anderen umliegenden Ländern, 2 Bände, Kopenhagen 1774-1778; Band 3: Reisen durch Syrien und Palästina, Hamburg 1837
Literatur
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* Stephan Conermann, Kartograf und Forschungsreisender
/'>GEBURTSDATUM=Land Hadeln
/'>STERBEDATUM= VIDEO-NEWS UND ANGEBOTE

