Theater an der Parkaue
Das Theater an der Parkaue in Berlin-Lichtenberg ist das größte Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Gegründet wurde es 1948 auf Anordnung der sowjetischen_Militäradministration. Es ist das einzige staatliche Kinder- und Jugendtheater des Landes Berlin.Das Theater an der Parkaue heute
Gespielt wird auf drei Bühnen, im Treppenhaus sowie an anderen Orten des Gebäudes. Der große Zuschauersaal ist ausgelegt auf 414 Personen, die beiden Nebenbühnen auf jeweils 133 und 67 Personen. Insgesamt arbeiten am Haus 91 fest angestellte Mitarbeiter, die mit zahlreichen Gästen auf der Bühne und in den Werkstätten das Programm (über 20 Premieren in der Spielzeit 2006/2007) erarbeiteten. Sowohl das Theater als auch das Gebäude bergen, wie es für Berlin typisch ist, viel von der historischen Entwicklung Deutschlands im 20. Jahrhundert.
Geschichte des Hauses
Der anfänglich Z-förmige Gebäudekomplex mit der heutigen Hausadresse Parkaue 29 wird 1911 nach den Entwürfen des Stadtbaurates Johannes Uhlig und des Architekten Wilhelm Grieme errichtet. Architektonisch an die Renaissance angelehnt dient er als höhere Knabenschule.
Im Zuge der nationalsozialistischen Maßnahmen zur Instrumentalisierung von Bildung und Erziehung, wird die Schule am 27. Januar 1934 in Joseph-Goebbels-Schule umbenannt. Das Gebäude übersteht den Krieg nahezu unbeschädigt. Nach Reparaturen und Beginn des Schulbetriebs erlässt am 30. Juni 1948 die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) den ?Befehl 65?, eine Anordnung zur Umwidmung des Schulgebäudes für kulturelle Zwecke. Nach Faschismus und Krieg sollen Kindern und Jugendlichen neue Kulturinhalte vermittelt und Freizeitmöglichkeiten angeboten werden. Waldemar Alder, ein Bauhausschüler, und sein Partner Waldemar Heinrichs erarbeiten die Um- und Ausbaupläne, während die hochwertige Raumausstattung aus den Deutschen Werkstätten Hellerau stammt. Nach der Fertigstellung ist die ehemalige Schule das ?Haus der Kultur der Sowjetunion, Filiale für Kinder?.
Aufgrund des ?Befehls 65? werden die Räumlichkeiten für Instrumentalunterricht, Chorgesang, Volkstanz, Ballett, Schauspiel, Sprachen, Geschichte, Naturkunde, Fotografie und Kunstgewerbe hergerichtet. Außerdem finden sich im Gebäude eine Miniatursternwarte, Werkstätten für Holz, Metall und Elektrotechnik, Ateliers für Malerei, Bildhauerei und Keramik sowie eine Bibliothek, ein Lesesaal, ein Kino und ein Theater. Das Theater ist das ?Theater der Freundschaft?.
Die geplante Eröffnungsinszenierung von ?Du bist der Richtige?, in der Regie des ersten Intendanten Hans Rodenberg, muss auf Grund von Problemen bei der Materialbeschaffung im ?Theater des Hauses der Sowjetischen Kultur? (ab 1952 dann ?Maxim-Gorki-Theater?) gespielt werden. Erst mit der 90. Aufführung wird am 16. November 1950 das ?Theater der Freundschaft? eingeweiht.
Ilse Weintraut-Rodenberg übernimmt 1959 für fast 15 Jahre die Intendanz des ersten reinen Kinder- und Jugendtheaters unter den Berliner Bühnen. Unter den Intendanten Klaus Urban und Dr. Siegfried Wein inszenieren viele namhafte Regisseure wie Horst Hawemann, Wolfgang Engel, Mirjana Erceg, Carl-Herrmann Risse und Konrad Zschiedrich an der Bühne.
Theater der Freundschaft wird zum carrousel theater
1991 beruft der Senat Manuel Schöbel an das Haus. Der damals jüngste Intendant Deutschlands beginnt seine erste Spielzeit mit sieben Premieren in nur vier Tagen und die zweite mit einem neuen Namen für das Haus: ?carrousel Theater an der Parkaue?. Seit 1991 findet an der Parkaue ? veranstaltet durch das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland ? alle zwei Jahre das Deutsche Kinder- und Jugendtheater-Treffen ?Augenblick mal!? statt.
2004 rufen die Pläne des Berliner Senats, die Zuschüsse für das Kinder- und Jugendtheater des Landes Berlin um die Hälfte zu kürzen, heftige Gegenwehr hervor. Nachdem Mitarbeiter, Zuschauer, Freunde und Förderer des Hauses unter dem Stichwort ?Ganze Menschen brauchen ganzes Theater? ihrem Unmut Luft gemacht hatten, nimmt der Senat seine Pläne zurück.
Neue Leitung und neuer Name
Unter der neuen Leitung von Intendant Kay Wuschek, Oberspielleiter Sascha Bunge und der Leitenden Theaterpädagogin/Dramaturgin Karola Marsch soll der Standort Parkaue zum Zentrum künstlerischer Vielfalt werden und trägt ab August 2005 den Namen ?Theater an der Parkaue?.
Weblinks
• www.parkaue.de - Offizielle Website des Theaters

