Carlo Gesualdo
Carlo Gesualdo, mit vollem Namen Don Carlo Gesualdo, Principe di Venosa (8. März 1566 wohl in Neapel oder Umgebung; ? 8. September 1613 in Gesualdo, Provinz Avellino), war ein italienischer Fürst und Komponist.thumb|Carlo_Gesualdo
Leben
Carlo Gesualdo wurde als Sohn des Fürsten von Venosa geboren und erhielt am Hofe früh eine fundierte musikalische Ausbildung in Komposition und dem Spiel der Bass-Laute. Nach dem Tod seines älteren Bruders rückte er in der Erbfolge nach und wurde 1586 regierender Fürst.
Gesualdo ging als eine der schillerndsten Figuren in die Musikgeschichte ein, denn sein kompositorisches Schaffen ist überlagert von der Tatsache, dass er vermutlich ein dreifacher Mörder war.
Die Eifersuchtstragödie ereignete sich im Jahr 1590, als Gesualdo hinterbracht wurde, dass seine junge Ehefrau Maria d'Avalo einen Geliebten hatte. Gesualdo und sein Hofstaat griffen zu einer List: Sie gaben vor, einen Jagdausflug zu machen, kehrten jedoch noch am gleichen Abend zurück und ertappten das Liebespaar in flagranti. Wer aus der Jagdgesellschaft die tödlichen Dolchstiche führte, ist nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, doch ist zu vermuten, dass zumindest Gesualdos Frau durch seine eigene Hand starb. Auch der Liebhaber Fabrizio Carafa und eine kleine Tochter, deren Vaterschaft unklar war, starben in dieser Nacht. Eine gerichtliche Untersuchung blieb ohne Folgen. Don Carlo floh vor der Rache der Familien der Opfer und verbrachte die nächsten vier Jahre im Schloss Gesualdo.
1594 heiratete er erneut und verbrachte mit seiner zweiten Ehefrau Leonora d'Este zwei Jahre in Ferrara. In dieser Zeit entstand vermutlich ein Großteil seiner Kompositionen, besonders die ersten vier Madrigalbücher. Danach zog er sich erneut auf Schloss Gesualdo zurück.
Nachdem 1600 das einzige Kind aus seiner zweiten Ehe starb, verstärkten sich Gesualdos Depressionen, und er wandte sich der Komposition von geistlicher Musik zu. 1611 veröffentlichte er seine letzten Werke.
Werk
Das kompositorische Schaffen Gesualdos umfasst eine Reihe von geistlichen Werken, darunter die Responsorien zur Liturgie der Kartage und Motetten, sowie sechs Bücher mit Madrigalen. Ein siebtes Madrigalbuch ist verschollen.
Zeitlich steht Gesualdo am Übergang der Renaissance zum Barock, wobei sein Stil stets der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts verpflichtet bleibt. Kennzeichnend für den Kompositionsstil Gesualdos ist der häufige Einsatz von Chromatik und unerwarteten Tonartenwechseln zum Zwecke der eindringlichen Ausdeutung der Textvorlagen. Damit steht er in der Tradition anderer Madrigalisten wie Luca Marenzio und Claudio Monteverdi.
Gesualdos Werk wurde bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts von höfisch-akademischen Kreisen rezipiert, verschwand jedoch schnell, als die neue Gattung der Oper ihren Siegeszug antrat.
Im 20. Jahrhundert beschäftigten sich Komponisten wie Igor_Strawinski mit den späten Madrigalen, die wegen ihrer kühnen Stimmführung und Harmonik interessant geworden waren. Strawinski äußert sich in Themes and Conclusions folgendermaßen über Gesualdo: "... as Gesualdo?s mode of expression is dramatic, highly intimate, and very much in earnest, he weights the traditional madrigal of poised sentiments and conceits, of amorous delicacies and indelicacies, with a heavy load." .
* 1594: Madrigali libro primo (5-stg.)
* 1594: Madrigali libro secundo (5-stg.)
* 1595: Madrigali libro terzo (5-stg.)
* 1596: Madrigali libro quarto (5-stg.)
* 1603: Sacrarum cantionum liber primus, 21 Motetten (5-stg.)
* 1603: Sacrarum cantionum liber secundus, 20 Motetten (6-7-stg.)
* 1611: Madrigali libro quinto (5-stg.)
* 1611: Madrigali libro sesto (5-stg.)
* 1611: Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia (6-stg.)
* 1626: Madrigali libro settimo (6-stg., verschollen)
Literatur
* Annibale Cogliano: Carlo Gesualdo omicida fra storia e mito. Napoli: Edizioni Sscientifiche Italiane, 2006. ISBN 88-495-1232-5.
* Annibale Cogliano: Carlo Gesualdo. Il principe l'amante e la strega. Napoli: Edizioni Sscientifiche Italiane, 2005. ISBN 88-495-0876-X.
* The Concise Edition of Baker's Biographical Dictionary of Musicians, 8th ed. Revised by Nicolas Slonimsky. New York, Schirmer Books, 1993. ISBN 0-02-872416-X
* Glenn Watkins: Gesualdo: The Man and His Music. 2nd edition. Oxford, 1991. ISBN 0-19-816197-2
* Glenn Watkins: Carlo Gesualdo di Venosa: Leben und Werk eines fürstlichen Komponisten . Aus dem Amerikanischen von Stephan Kuhlmann und Sabine M.Gruber, München 2000. ISBN 0-3-88221-223-0
* The New Grove Dictionary of Music and Musicians, ed. Stanley Sadie. 20 vol. London, Macmillan Publishers Ltd., 1980. ISBN 1-56159-174-2
Gustave Reese, Music in the Renaissance. New York, W.W. Norton & Co., 1954. ISBN 0-393-09530-4
* Alfred Einstein: The Italian Madrigal. Princeton, 1949.
* Cecil Gray, Philip Heseltine: Carlo Gesualdo, Musician and Murderer. London, St. Stephen's Press, 1926.
Weblinks
• www.gesualdo.eu
*
• Center Studies and Documentation Carlo Gesualdo
• Gesualdo-city and Carlo Gesualdo
• Music on the Web
• Diskografie von Carlo Gesualdo
• Pictures of Gesualdo - Museum of "Conservatorio di musica S. Pietro a Maiella" (Naples-Italy)
• "Communal theatre Carlo Gesualdo" (Avellino-Italy)
• "Conservatory Carlo Gesualdo" (Potenza-Italy)

