Ferdinand von Lindemann
thumb|right|Ferdinand_von_LindemannCarl Louis Ferdinand von Lindemann
(12. April 1852 in Hannover;
? 6. März 1939 in München)
war ein deutscher Mathematiker.
Die Familie Lindemann zog 1854 nach Schwerin um, wo der Vater eine Anstellung in leitender Position in der Gasfabrik seines Bruders antrat. F. Lindemann legte 1870 sein Abitur in Schwerin ab und begann zum Wintersemester 1870/71 ein Studium der Mathematik in Göttingen. Im Sommersemester 1871 hörte Lindemann die Vorlesungen von Alfred Clebsch und machte hiervon detaillierte Aufzeichnungen. Diese dienten später unter der Aufsicht von Felix Klein als Grundlage für ein Buch über die geometrischen Vorlesungen Clebschs, dass wissenschaftliche Freunde von Clebsch nach dessem Tod 1872 anregten. Felix Klein und Ferdinand Lindemann hörten die Vorlesungen Clebschs zum selben Zeitpunkt.
Um mit Klein gemeinsam das Buch zu verfassen, folgte Lindemann Klein an die Universität Erlangen, wo er 1873 mit einer Arbeit über die Bewegung eines starren Körpers in einer nichteuklidischen Geometrie promovierte.
Nach einem Aufenthalt an der Polytechnischen Schule in München und einer Studienreise nach England und Frankreich, habilitierte sich F. Lindemann in Würzburg. Von Würzburg aus folgte Lindemann einem Ruf nach Freiburg im Breisgau, wo er 1877 als Nachfolger von Ludwig Kiepert eine außerordentliche Professur erhielt. 1879 wurde Lindemann Nachfolger von Johannes Thomae ordentlicher Professor; ebenfalls in Freiburg. Aus dieser Zeit (1882) stammt sein Beweis, dass die Kreiszahl pi eine transzendente Zahl ist (siehe Satz von Lindemann-Weierstraß); daraus folgte erstmalig ein Beweis für die Unmöglichkeit der Quadratur des Kreises.
Als Lohn für diese Entdeckung folgte ein Ruf an die Albertus-Universität nach Königsberg, die Lindemann am 1. Oktober 1883 antrat. Die Albertus-Universität hatte im 19. Jahrhundert einen Ruf in der Mathematik von weltweiter Bedeutung. Um Lindemann nach Königsberg zu bekommen, wurden außerordentliche Anstrengungen unternommen. So wurde Lindemann ein Extraordinariat zugesprochen, welches er mit Adolf Hurwitz besetzte. Hurwitz hatte aufgrund seiner jüdischen Abstammung Schwierigkeiten eine feste Universitätsstellung zu bekommen.
Lindemann heiratet in Königsberg die Schauspielerin Lisbeth Küssner. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Reinhard Lindemann (1889-1911) und Irmgard Lindemann (1891-1971) hervor. Lindemann übersetzte zusammen mit seiner Frau wissenschaftliche Werke fremder Sprache. Dabei war z.B. auch das Werk La Science et l'Hypothese des französischen Mathematikers Henri Poincaré.
1893 wurde er an die Ludwig-Maximilians-Universität in München berufen, wo er den Rest seines Lebens blieb und in den Jahren 1904/05 sogar den Posten des Universitätsdirektors innehatte.
Bekannt ist er auch durch die Vielzahl seiner Schüler, unter denen so große Namen wie David Hilbert, Hermann Minkowski, Arnold Sommerfeld, Martin Wilhelm Kutta und Fritz Cohn zu finden sind. Ferner setzte er sich für eine Modernisierung der Lehre in Deutschland ein, beispielsweise durch den Einsatz von Seminaren und aktuellen Forschungsergebnissen.
Weblinks
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* http://www.mathematik.uni-muenchen.de/~fritsch/lindemann.pdf#search=%22Lindemann%20filetype%3Apdf%22
Literatur
*Rudolf Fritsch: The transcendence of Pi has been known for about a century - but who was the man who discovered it?, Results in Mathematics 7, 165 - 183 (1984)
*Ferdinand Lindemann: Über unendlich kleine Bewegungen und über Kraftsysteme bei allgemeiner projectivischer Maßbestimmung, Dissertation, Friedrichs-Alexanders-Universitat zu Erlangen, Leipzig: 1873 Druck von B. G. Teubner.
• Ferdinand Lindemann: Über die Zahl Pi, Mathematische Annalen 20, 213 - 225 (1882).
*Henri Poincaré: Wissenschaft und Hypothese (La Science et l'Hypothèse), Leipzig: 1904 B. G. Teubner (Autorisierte deutsche Ausgabe mit erläuternden Anmerkungen von F. und L. Lindemann)

