Carl Immanuel Philipp Hesse
Carl Immanuel Philipp Hesse (13. Juli / 26. Juli 1875 Der 13. Juli 1875 ist das Geburtsdatum nach altem julianischen_Kalender, der 26. Juli 1875 nach dem reformierten gregorianischen_Kalender.in Sangaste, Estland; ? 18. Dezember 1918 im Gutshof Maidla, unweit Jõhvi, Estland) war ein deutsch-baltischer Pastor und Märtyrer.
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Leben
Als Sohn einer deutsch-baltischen Pastoren- und Literatenfamilie (am bekanntesten ist Hermann Hesse, sein Cousin 2. Grades) wurde Carl Hesse im südestnischen Sangaste (deutsch: Theal) in ländlicher Umgebung geboren. Sein Vater war der Pastor Theodor Heinrich Renatus Hesse.
Im malerischen Städchen Kuressaare/Arensburg auf der Insel Saaremaa besuchte er das Gymnasium und studierte in der estnischen Universitätsstadt Tartu/Dorpat von 1894 bis 1900 Theologie. Nach seinem Probejahr (1903) als Vikar, seiner Ordination (1904) und seiner Tätigkeit als noch nicht hauptverantwortlicher Pfarrer in Viljandi/Fellin bis 1907 war er von 1907-1918 Pastor in Jõhvi/Jewe.
Die dortige Michaelskirche (estn.: Mihkli kirik), im Mittelalter von Zisterziensern gegründet, wurde später vom deutschen Ritterorden übernommen und war aufgrund der Nähe Russlands die einzige Wehrkirche Estlands. Selbst Iwan_der_Schreckliche, der sie mit seinem Heer belagerte, konnte sie zunächst nicht einnehmen und musste von dannen ziehen.
Im Jahre 1915 wurde Carl Hesse vom mächtigen zaristischen Russland nach Irkutsk/Sibirien zwangsverschickt. Von dort kehrte er 1916 zu seiner Familie (mit bis dahin drei Kindern) und zu seiner Gemeinde zurück. 1917 kam das vierte Kind zur Welt.
Im Herbst 1918 drangen bewaffnete russische Bolschewisten aus dem ca. 50 km entfernten Russland in das Land ein (Russischer Bürgerkrieg). Carl Hesse fand mit seiner Familie zunächst Unterschlupf bei der Landbevölkerung, wurde jedoch verraten.
Sowohl in seiner Familie als auch in Teilen der heutigen (2006) estnischen Bevölkerung wird folgender Hergang seines Todes erzählt:
Als er abgeführt wurde, verabschiedete er sich von seiner Familie mit der Gewissheit, nicht lebend zurück kehren zu können.
Im Gutshof Maidla wurde er unter Todesandrohung aufgefordert, eine öffentliche Erklärung zu unterschreiben, in der es hieß, alles, was er gepredigt und gelehrt habe, sei falsch und entspreche nicht der Wahrheit.
Doch gerade um der Wahrheit willen weigerte er sich unerschütterlich, die geforderte Unterschrift zu leisten. Daraufhin schnitten die Bolschewisten ihm die Zunge ab und blendeten ihn. Ob er an seinem Blut erstickte oder/und erschossen wurde, ist noch nicht geklärt.
Nach der Annexion Estlands durch die Sowjetunion wurde von den kommunistischen Machthabern Name und Aufschrift am Grab von Carl Hesse entfernt und durfte nicht wieder angebracht werden. Noch Anfang der 1980er Jahre lebten alte Estinnen, die in ihrer Jugend von ihm konfirmiert worden waren und noch genau wussten, welches der Gräber das seine war.Der 27 Tage später in Tartu/Dorpat im Gefängnis der Rotarmisten gestorbene Pastor und Theologe Traugott Hahn gilt ebenfalls als christlicher Märtyrer und als Held des estnischen Befreiungskampfes.Der Großvater von Carl Imm. Hesse, Conrad Eduard Hesse (04. November 1796 Tartu/Dorpat , ? 18. September 1882 Kuressaare/Arensburg) erhielt das goldene Brustkreuz und den Wladimir-Orden, wodurch er fortan zum zaristischen Adel gehörte. Der Vater von Carl Immanuel (Theodor Heinrich Renatus Hesse, * 28. März 1837 Kuressaare/Arensburg, ? 19. Februar 1927, Candien_in_Ostpreußen) übernahm den Adelstitel ? anders als sein Bruder Hermann v. Hesse - aus Überzeugung nicht.
Ob ein zaristischer Adelstitel Carl Imm. Hesse davor bewahrt hätte, 1915 nach Sibirien deportiert zu werden, ist fraglich.
Zwei in St. Petersburg aufgewachsene Neffen (Friedrich und Arthur v. Hesse) wurden 1917 im Alter von 23 und 27 Jahren zusammen mit 100 anderen bei einer Vergeltungsaktion der Bolschewiken ermordet (Anlass war der gewaltsame Tod eines Bolschewiken).
Quellen
Weblinks
* http://www.eelk.ee/elulood/ (estn. HP)
* http://www.johvimuuseumiselts.ee/eng/kvm.htm (estn., engl. rus.)
* http://www.syg.edu.ee/ajalugu/1865_1917.html (estn. HP)
* http://www.maidlavv.ee/?id=642 Maidla mõis /Gutshof Maidla (estn. HP)

