Carl Heuer
Carl Heuer (* 14. November 1907 in Unna; ? 13. November 1994 in Unna) war Maler und einer der vielseitigsten Künstler der Unnaer Kunstszene.Leben
Er malte von Kindesbeinen an. Später machte er eine dreijährige Malerlehre, besuchte dann vier Semester die Kunstgewerbeschule in Dortmund, dann 1925 Abendkurse bei Käthe Kollwitz in der Berliner_Akademie. Er begann als Naturalist/Expressionist, beeinflusst von Kirchner, Klee, Jawlensky und Kandinsky. Ab 1936 arbeitete er überwiegend als Kirchenmaler, dann als Raumgestalter in Luxemburg, Frankreich und Berlin. Zwischendurch, von 1939 bis 1944, war er im Krieg und von 1944 bis 1947 in russischer Gefangenschaft, wo er sich als Lagermaler betätigte.
Der Hauptschauplatz seines Wirkens war Unna. Dort war er 16 Jahre im Stahlwerk Westig als Laborant beschäftigt. Rund 30 Jahre ? von 1935 bis 1965 ? wohnte und schaffte er in dem heutigen Ortsteil Mühlhausen am Mühlhausener Hellweg, zu seiner Zeit dort noch eine selbständige dörfliche Gemeinde. Immer wieder malte und zeichnete er Motive aus diesem ländlichen Bereich. Seit 1965 wohnte er am Rand der Unnaer Innenstadt in der Bornekampstraße. Er zählte zu den ersten Künstlern des 1948 gegründeten ?Unnaer Kunstkreises?, der über 20 Jahre bestand und sich wöchentlich einmal in der Unnaer Burg traf, um eigene Arbeiten zu diskutieren und sich mit den modernen Kunstströmungen vertraut zu machen. Bei der Eröffnung einer seiner Ausstellungen am 7. Dezember 1987 charakterisierte ihn der Vortragende so:
?Diejenigen, die damals diesem Kreise angehörten, werden gerne bestätigen, dass Carl zu den Aktivsten gehörte: Stets dem Neuesten auf der Spur, ohne Vorurteile, rastlos tätig, ein Avantgardist, ein bedeutender Anreger, manchmal zum Widerspruch, immer aber zum Nachdenken herausfordernd ? nur, für Künstler nicht immer selbstverständlich: Tolerant gegenüber der Meinung der anderen und voller Anerkennung ihrer Arbeit, wenn sie ihm in ihrer Art gut erschien.An seinem 85. Geburtstag schrieb die Westfälische Rundschau: ?Ein Original ist er allemal; ein an Jahren schon recht betagtes, aber auch eines, das heute wie gestern jugendlichen Übermut zu verbreiten scheint. ... Carl Heuer lebt für die Malerei und lebt sich darin aus. ..., mit scheinbar unerschöpflicher Energie noch: Kein Tag, an dem er in seiner Wohnung nicht vor seiner Staffelei stehen würde. ... Heuer malt geradezu fanatisch. Und das war auch immer sein ganz spezielles Problem. Alleine an Materialkosten ging in der Regel mehr Geld drauf als er verdienen konnte. Zumal: ?Im Fordern war ich immer ein Stümper?, sagt er selbst.? Er war so etwas wie eine Institution für Unna, ein künstlerisches Original. Mit seiner bunt bemalten ?Kunst-Ente? (sein Auto, ein Citroen 2 CV) gehörte er zum Stadtbild wie zur Unnaer Kulturszene, war gleichzeitig ihr ?Enfant terrible? und galt als ?der Unruhigste der Unnaer Malergilde?. Immer eine Maiskolbenpfeife in der Hand, gerne einen guten Rotwein trinkend, meldete er sich in den letzten Lebensjahren, als er schließlich ruhiger wurde, scherzhaft am Telefon mit ?der alte Heuer?.
Seine zweite Frau Marlies Rauen-Heuer, geboren 1939 in Menden, Künstlername Mara, war ebenfalls Malerin.
Er starb plötzlich am Tag vor seinem 87. Lebensjahr. Bis dahin stand er noch jeden Tag stundenlang an der Staffelei. Seine Urne wurde auf dem Unnaer Südfriedhof beigesetzt.
Leistungen
Carl Heuers Stil fußt auf der Klassischen Moderne mit jeweils unterschiedlichen Akzentsetzungen. Er hat sich mit allen Stilrichtungen seiner Zeit auseinandergesetzt, gegenständlich und abstrakt, nicht nur gemalt, sondern auch in Gips, Ton, Zement, Stein, Holz und mit Sacktuch, Papier, Sand wie Nägeln gearbeitet, hat auch viele Plastiken geschaffen. Er hat sich nie festgelegt und ließ sich in kein Schema pressen. Am ehesten kann man seinen Stil als expressiv-gegenständlich bezeichnen. Gemeinsam ist vielen seiner Werke, dass ein verschmitzter, hintergründiger Humor sie durchdringt. Er liebte es, Gesichter zu malen, wobei er sich menschliche Schwächen fast karikierend herausgriff, nicht ohne Sarkasmus, aber ohne Zynismus. Auch das in den 1980er Jahren neu aufgekommene große Thema, die gefährdete Umwelt, packte ihn. Eine ganze Anzahl seiner Bilder aus dieser Zeit befassen sich mit ihr. ?Es waren immer wieder andere Motive, die ? vielfach aneckend ? ihn jeweils für lange Zeit fesselten: mal Bilder gerade benutzter Betten, zur Zeit sind es zerschlagene Glasflaschen, die es ihm angetan haben? (Westfälische Rundschau). Auch im fortgeschrittenen Alter war seine Devise niemals Beharrung, sondern Vorwärtsgehen.
Er versuchte, die allgemeine Entwicklung der bildenden Kunst auch nach Unna zu tragen; mit Vorträgen zur Gegenwartskunst trat er an die Öffentlichkeit. Nebenher war er als Kunstkenner mit scharfem Urteilsvermögen gefragt. Auf vielen Kunstausstellungen in Unna und der weiteren Umgebung war er vertreten.
Werke
Einen Katalog seiner Werke gibt es nicht. Arbeitsbesessen und produktiv, wie er war, wäre dieser sehr lang. Auflisten oder Katalogisieren entsprach ohnehin nicht seinem Naturell. Er malte und zeichnete nahezu alles, auf Bestellung oder spontan aus eigenem Antrieb heraus. Eine Anzahl seiner Werke befinden sich im Eigentum der Stadt Unna. Die mit Abstand meisten sind weit verstreut in Privatbesitz. Im öffentlichen Raum zu sehen sind die Kanzel der Stadtkirche Unna, die er farblich neu gestaltete, ein großes Mosaik in der Pausenhalle des Unnaer Pestalozzi-Gymnasiums und zwei Ansichten der Stadtkirche, gemalt um 1960, im Hellweg-Museum. Ein Teil seiner Arbeiten ist nicht mehr vorhanden, so die vielen öffentlichen Kinoplakate, die er in den Nachkriegsjahren ?schmissig und stilsicher? malte. Er konnte nicht so viel verkaufen wie er produzierte. Sein Atelier in der Bornekampstraße unter dem Dach war immer übervoll mit Bildern. Er prägte selbst den Satz: ?Wenig verkauft und viel verschenkt.? Bei einem Umzug und später kurz vor seinem Tod ließ er über die Lokalzeitungen verkünden, dass er einen Teil seiner Bilder kostenlos abgab.
Im Unnaer Antiquariat ?Bücherzentrum? und beim Kunstverein Unna e.V. sind Werke von ihm käuflich zu erwerben.
Literatur
* Josef Cornelissen: Mühlhausen/Uelzen ? Geschichte, Natur und vieles andere. In: Schriftenreihe der Stadt Unna, Band 18. 2. überarb. und erw. Auflage, Unna 1989, ISBN 3-927082-18-X. 186 S. DIN A 4. S. 71/72.
* Josef Cornelissen (Bearbeiter): Carl Heuer ? ein Maler aus Mühlhausen. In: Schriftenreihe des Vereins für Heimat und Natur Mühlhausen/Uelzen'', Unna 1987. 12 S.
* Westfälische Rundschau, Ausgabe Unna, vom 14. November 1992

