Carl Gotthilf Nestler
Carl Gotthilf Nestler, irrtümlich auch Carl Gottlieb Nestler, (9. Januar 1789 in Neudorf; ? 6. Februar 1864 in Wittigsthal) war ein erzgebirgischer Hammerherr und Neuerer, der in Sachsen das Blechwalzen erfolgreich einführte.Leben
Nestler war der Sohn eines Getreidehändlers und Gutsbesitzers in Fuhrwerk bei Königslust. Nach der Heirat erhielt er von seinem Schwiegervater ein Gut in Neudorf geschenkt. In den Jahren der Befreiungskriege konnte er durch Getreidehandel große Gewinne erzielen. Dadurch zu Reichtum gelangt, konnte er 1817 das Erbgericht in Mittweida erwerben. Von dort erweiterte er den Getreidehandel durch dan Handel mit Flachs. Er verkaufte diese Rohstoffe bis nach Weißenfels, Zeitz, Querfurt, Zeulenroda, Naumburg und Pößneck. Außerdem übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder die Abfuhr des Eisens aus dem Erlhammer, dem Pfeilhammer und dem Hammerwerk Wittigsthal. 1824 kaufte er dem Rittmeister von Einsiedel das von ihm verwaltete Hammerwerk Wittigsthal ab und überließ sein Gut in Mittweida seinem Bruder.
1826 lernte er im benachbarten Johanngeorgenstadt den Goldschmied Daniel Schmidt kennen, der im Kellergewölbe seines Hauses zwei kleine Ständer mit zwei kleinen, darin eingelegten kleinen Walzen hatte, mit denen er das Gold plättete. Nestler versuchte daraufhin, dieses Prinzip auch zum Walzen des Bleches zu verwenden und ein Blechwalzwerk anzulegen. Er erfuhr, dass bereits in England und Bayern Blech aus Eisen gewalzt wurde. Er reiste mit einem Zimmermeister nach Amberg, um das dortige Blechwalzwerk zu besichtigen und sich Anregungen zum Bau zu holen. Doch die Industriespionage wurde bemerkt und ihnen den Zutritt auf das Werksgelände nicht gestattet. Auf der Rückreise legten sie eine Rast beim Hammerherrn Rosenbaum in Schönheiderhammer ein, dem sie von ihrem Vorhaben erzählten. Wenig später ließ Rosenbaum in Schönheiderhammer ein Blechwalzwerk bauen. Doch die Wasserkraft der Zwickauer Mulde war zu schwach und die Walzen liefen zu langsam, sodass nach nur wenigen Monaten die Gerüste und Walzen verkauft werden mussten. Nestler bewarb sich darum und erhielt den Zuschlag. Er ließ in der Haberlandmühle unterhalb von Johanngeorgenstadt am Schwarzwasser das erste funktionierende Blechwalzwerk in Sachsen errichten. Zu neuem Reichtum gelangt ließ er 1836 in kürzester Zeit ein neues Hammerherrenhaus in Wittigsthal errichten, das noch heute existiert. Zudem kaufte er im selben Jahr den Erlhammer, das spätere Eisenwerk Erla. Nach dem sein Schwiegersohn Eduard Breitfeld mit in das Geschäft eingestiegen war, gründeten sie gemeinsam die erfolgreiche Firma "Nestler & Breitfeld" und erwarben zwei der drei Hammerwerke von Rittersgrün, kurzzeitig den Siegelhof und 1884 den Pfeilhammer in Pöhla.

