Karl August Walbrodt
Karl August Walbrodt (auch Carl August Walbrodt; 28. November 1871 in Amsterdam, ? 3. Oktober 1902 in Berlin) war ein deutscher Schachmeister.Leben
Karl August Walbrodt wurde 1871 geboren und für den Kaufmannsstand erzogen. Er wurde Mitbesitzer eines industriellen Etablissements.
Die Reize des Schach, für welches er eine große Begabung zeigte, nahmen ihn bald ganz gefangen. Er erzielte bedeutende Erfolge, konnte sich an diesen aber nicht lange erfreuen. Ein Lungenleiden setzte im jahrelang zu.
Walbrodt war Redakteur der Berliner Schachzeitung (im ersten Jahre des Bestehens derselben) und gründete hierauf das Internationale_Schachjournal, welches sich aber nicht lange behaupten konnte. Er leitete mehrere Schachspalten, gründete mehrere Clubs (z.B. den Schachklub Nordstern) und war Ehrenmitglied mehrerer Vereine. 1897/98 war der jetzt in Kreuzberg lebende Kaufmann Vorsitzender des Schachverein Centrum. Walbrodt starb 1902 an Tuberkulose. Das Turnierspiel war ihm bereits lange vor seinem Tod nicht mehr möglich, da dies sein Gesundheitszustand nicht mehr zuließ - obwohl sich dieser im Sommer 1902 bereits gebessert hatte. So konnte er z.B. nicht am DSB-Kongreß in Hannover teilnehmen. Simultanvorstellungen nahm er aber wahr. Am 30. August 1902 gab er im Schachklub Springer ein Simultan an 22 Brettern, wurde dabei aber von H.Wolf und Curt von Bardeleben abgelöst, die alternierend die Partien zu Ende spielten (+20,-1,=1).
Walbrodt zu Ehren benannte sich der Schachklub Nordstern in Schachklub Walbrodt um. Der Klub hatte sein Domizil in der Weddinger Müllerstraße.
Turniere
1892 erzielte er im Alter von 21 Jahren in Dresden den geteilten 4./5. Preis. Ein großer Erfolg war der geteilte Sieg - zusammen mit von_Bardeleben - 1893 beim 8. Kongress des Deutschen_Schachbundes in Kiel - gleichbedeutend mit dem Deutschen Meistertitel. 1894 in Leipzig erreichte er wieder einen geteilten 4./5.Preis. In Nürnberg 1896 teilte er den 7./8. Preis und in Budapest 1896 erzielte er den 6./7. Preis getheilt. 1897 belegte er in Berlin beim 10. Kongress des Deutschen_Schachbundes hinter Charousek den zweiten Platz. Zu Beginn desselben Jahres war Walbrodt weniger erfolgreich. Bei einem kleinen Meisterturnier des Schachverein Centrum belegte er hinter Curt von Bardeleben, Rudolf Charousek, Wilhelm John und Jacques Mieses nur den fünften Platz - vor Arved Heinrichsen und Franz Gutmayer. In Wien 1898 fiel ihm ein Spezialpreis zu.
Zweikämpfe
1891 siegte er in Berlin im Wettkampf mit Schallopp 5-3 (+5,-3,=1). Das Match begann für Walbrodt äußerst ungünstig. Schallopp ging mit 3:0 in Führung. Nur die zweite Partie konnte Walbrodt remis halten. Dann verlor aber der bekannte Meister Schallopp fünf Partien
hintereinander gegen seinen jugendlichen Gegner.
Die sensationelle Aufholjagd Walbrodts sorgte in der Schachwelt für viel Gesprächsstoff und auch Walbrodt selbst wurde nun mutiger und forderte von_Scheve heraus. Der Kampf begann am 14. Oktober 1891 und nach hartnäckigem Streit endete die erste Partie remis. Der Einsatz betrug 100 Mark. Sieger sollte sein, wer zuerst 5 Partien gewinnt - wobei die ersten drei Remispartien nicht zählen sollten. Gespielt wurde Mittwoch und Sonnabend nachmittags im Schillergarten, Bellevuestr.20 in Berlin. Der Wettkampf wurde nach zehn Partien als Unentschieden abgebrochen, nachdem jeder Spieler 4 Partien gewonnen hatte und 2 Partien remis endeten.
Vor dem Match gegen von Scheve hatte Walbrodt Ende August 1891 bereits Hermann Keidanski mit 5:1 (+5,-1) in einem kleinen Wettkampf besiegt.
Im Juni 1892 überrollte er in den Räumen der Berliner Schachgesellschaft von_Bardeleben mit 4:0 (+4,-0,=4), eigentlich sogar 5:0, denn von Bardeleben erschien nicht mehr zur neunten Partie. Bereits die unterbrochene 8.Partie hatte von Bardeleben nicht mehr aufgenommen und deshalb verloren. Der Einsatz für den Wettkampf waren 300 Mark auf jeder Seite. Als Sieger galt, wer zuerst 6 Gewinnpartien aufzuweisen hatte. Remisen zählen nicht und bei einem eventuellen Stande von 5:5 sollte eine entscheidende Partie mit einer Bedenkzeit von 20 Zügen pro Stunde gespielt werden. Je Tag (außer Sonntag) war eine Partie in der Zeit von 15-19 Uhr angesetzt. Hängepartien sollten möglichst noch am gleichen Tag zu einer zu vereinbarenden Zeit erledigt werden. Als Schiedsrichter fungierte der Kassierer der Schachgesellschaft P.Richter.
1893 gewann Walbrodt auf einer Amerika-Reise, die ihm durch den Club in Havanna möglich gemacht worden war, gegen eine Reihe schwächerer Gegner (Vasquez, Ettlinger und Delmar), verlor aber in Boston gegen Pillsbury. 1894 besiegte er in Berlin Wilhelm Cohn mit 5:0 und machte einen Wettkampf mit Jacques Mieses unentschieden.
1894 wurde er von Tarrasch mit 0:7 deklassiert (+0,-7,=1).
Am 3. November 1897 begann Walbrodt - abwechselnd in den Räumen der Berliner Schachgesellschaft und vom Schachverein Centrum - einen Wettkampf über 6 Partien gegen David Janowski. Der Einsatz betrug 1000 Mark. Die erste Partie endete Remis, die zweite gewann zwei Tage später Walbrodt. Die dritte Partie endete wieder unentschieden, während die vierte von Walbrodt gewonnen wurde. Der Stand war jetzt also 3:1 für Walbrodt, so daß ein Remis Walbrodt den Matchsieg verschafft hätte. Die beiden nächsten Partien gewann jedoch Janowski und der Stand war jetzt 3:3, worauf den Bedingungen gemäß weitere 3 Partien zu spielen waren. Da Janowski gleich die beiden nächsten Partien gewann, ging er als Sieger aus dem Wettkampf hervor. Schlußstand: Walbrodt - Janowski 3:5 (+2,-4,=2).
Spielstärke
Walbrodts beste historische Elo-Zahl war 2706. Diese erreichte er 1893. Demnach lag er damals auf Platz 5 der Weltrangliste.
Weblinks
• 10. DSB-Kongress Berlin 1897
• Meisterturnier SV Centrum 1897 inkl. aller Partien zum Online-Nachspielen

