Carl Arthur Scheunert
Carl Arthur Scheunert (7. Juni 1879 in Dresden; ? 12. Januar 1957 in Basel) war ein deutscher Veterinär. Scheunert gilt als Begründer der Vitaminforschung in Deutschland.
Leben
Scheunert studierte Chemie in Dresden, wo er dem C!_Gothia beitrat, sowie in Leipzig und Basel und wurde 1902 in Göttingen zum Dr. phil. promoviert. Danach war er wissenschaftlicher Assistent zunächst an der Universität Göttingen und später an der Tierärztlichen Hochschule Dresden, wo er 1910 zum ordentlichen Professor berufen wurde. Scheunert gelang es 1913, zusammen mit Dr. A. Schattke, als erstem Wissenschaftler die Magenmechanik von Tieren darzustellen. 1920 erhielt er eine Professur für Tierphysiologie an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, von 1923 bis 1945 dann an der Universität Leipzig, wo er als Ordinarius für Veterinärphysiologie tätig war. Seit 1923 gehörte er dem Reichsausschuss für Ernährungsforschung an. Von Anfang an konzentrierte er sich in seinem neuen Amt hauptsächlich auf die Vitamin- und Ernährungsforschung. Scheunert war Herausgeber der Zeitschrift ?Die Tierernährung? , gemeinsam mit Stepp redigierte er mit dem Periodikum ?Vitamine und Hormone? die führende deutsche Zeitschrift auf diesem Forschungsgebiet. Eine erste zusammenfassende Arbeit über seine Ernährungsforschung erschien 1930 in der Schriftenreihe ?Die Volksernährung? unter dem Titel ?Vitamingehalt der deutschen Nahrungsmittel? in zwei Teilen.
1938 verfasste er eine Vitaminbilanz für Deutschland und setzte sich für die Vitaminisierung von Nahrungsmitteln in Deutschland ein. Zudem setzte er den ?Vitamin- und Nahrungsbedarf? eines Menschen fest. Von 1942 bis 1945 war er erster Präsident der Reichsanstalt für Vitaminprüfung und Vitaminforschung (Reichsvitaminanstalt) in Leipzig, die auf sein Betreiben hin gegründet wurde ? zunächst in Leipzig als provisorische Barackenanlage, für später war ihre Einbindung in eine geplantes Institut für Gesundheitsverwaltung geplant.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung scheint Scheunert sich mit den neuen Gegebenheiten relativ schnell arrangiert zu haben. So erklärte er 1933 vorzeitig seinen Austritt aus der Fachschaft der Universität Leipzig, da er zu diesem Zeitpunkt bereits dem NS-Lehrerbund beigetreten war. Im Laufe der Jahre wurde er Mitglied im NSV, NS-Bund deutscher Technik, NS-Altherrenbund und NS-Altkriegerbund. Die NSDAP nahm ihn am 1. April 1941 auf.
Unter den Studenten herrschte aufgrund seines Auftretens die Meinung, dass Scheunert auch persönlich nationalsozialistisch eingestellt war, was tatsächlich aber nicht der Fall gewesen zu sein scheint: seine Parteimitgliedschaft lässt eher eine zweckorientierte Begründung zur Beschleunigung der Errichtung der Reichsvitaminanstalt vermuten. Für einige seiner Zeitgenossen galt er als nationaler sächsischer Monarchist.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde er durch die zunächst Leipzig besetzt haltende amerikanische Besatzungsmacht im Zuge des brain drains weggeführt und in Weilburg an der Lahn interniert. Im Zuge der Entnazifizierung schied er aus der Universität Leipzig am 7. Mai 1945 offiziell aus. Daraufhin hielt er zwischen 1946 und 1948 eine Professur für Tierernährung und die kommissarische Leitung des Instituts für Veterinärphysiologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät in Gießen. 1948 folgte er dem Ruf an das gerade entstehende Deutsche_Institut_für_Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, dessen Leitung er 1951 übernahm. Scheunert wurde 1953 von der Deutschen_Akademie_der_Wissenschaften_zu_Berlin zum ordentlichen Mitglied berufen.
Neben seiner Forschertätigkeit war Scheunert auch als Lehrer erfolgreich, da er ?dank seiner glänzenden Rednergabe und seines ausgezeichneten Lehrtalentes? den Stoff gut vermitteln konnte. Er unterrichtete Physiologie für Veterinärmediziner, und war gutachterlich tätig.
Scheunert veröffentlichte eine Anzahl von Büchern, von denen das bekannteste das Lehrbuch der Veterinär-Physiologie sein dürfte.
Scheunerts Leistungen als Forscher fanden Würdigung, indem man ihn zum ordentlichen Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften ernannte (Juni 1934).1936 wurde er Mitglied der Biochemischen Gesellschaft in London, als deren Mitglied er an der Entwicklung der Nomenklatur der ?Internationalen Einheiten? für Vitamine beteiligt war. 1942 nahm ihn die Königliche Schwedische Akademie der Landwirtschaften als auswärtiges Mitglied auf. Am 7. Juni 1944 wurde ihm aus Anlass seines 65. Geburtstages für sein Lebenswerk die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. In der DDR war er 1951 Träger des Nationalpreises.
Literatur
* Festschrift zum 75. Geburtstag von Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Dr. h.c. Arthur Scheunert; von Arthur Scheunert, Ernst Mangold; Akademie Verlag; ISBN B0-000B-UDA-6
* Gräfe, H.K. Carl-Arthur Scheunert - Forscher, Werk, Mensch; Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin, Berlin 1954
Weblinks
• Biographie
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