Jean-Baptiste Cardonne
Jean-Baptiste Cardonne (genannt Philibert; 26. Juni 1730 in Versailles; ? nach August 1792) war ein französischer Komponist, Cembalospieler und Sänger.Sein zweiter Vorname Philibert erscheint zuerst bei Fétis. Die Veröffentlichungen und Manuskripte seiner Zeit tragen allerdings nur die Bezeichnung M. Cardonne. Sein Vater war erster Beamter ("premier commis") des königlichen Hauses, und Cardonne begann seine Karriere als königlicher Page und erhielt seine musikalische Erziehung von François Colin de Blamont. Er war ein Wunderkind; als 13jähriger wurde von ihm eine Motette für großen Chor vor König Louis_XV. aufgeführt. Weitere Stücke von ihm erschienen in den Programmen der königlichen Kapelle zu Versailles und im Concert spirituel. 1745 wurde er als Sänger und Clavecinist Mitglied der königlichen Kapelle, in den 1750er Jahren sang er im Chor des Theaters der Marquise de Pompadour. Im nächsten Jahrzehnt genoss er die Gunst des königlichen Hofes, vor allem von Prinzessin Maria_Josepha_von_Sachsen und der Töchter von Louis XV., für die er beauftragt wurde, Cembalosonaten und Arietten zu schreiben. Ab 1768 wurde er von seinem Hofamt pensioniert und wandte sich nun der Oper zu. Als erstes vertonte er die Tragödie Omphale von La_Motte, die mit der Musik von Destouches im Jahre 1752 insbesondere von Grimm heftig kritisiert worden war. Cardonne versuchte, die Ideen der beiden Parteien im Buffonistenstreit einander anzunähern, jedoch mit mäßigem Erfolg. 1780, nach dem Tod von Pierre-Montan Berton, wurde er dessen Nachfolger als Musikmeister des Königs. Diese Stelle behielt er wohl bis August 1792, doch nach dem Sturz der Monarchie im September dieses Jahres gibt es über ihn keine Mitteilungen mehr.
Quellen
• Musik in Geschichte und Gegenwart|MGG], Bd. 2/2.
• Dictionary of Music and Musicians], Bd. 3.

