Capsicum lanceolatum
Capsicum lanceolatum ist eine Pflanzenart aus der Gattung Paprika (Capsicum) in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die Art zählt zu einer der Wildformen der Paprika, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Guatemala und in den benachbarten Ländern Mexiko und Honduras liegt. Zur Zeit ist nur ein einziges natürliches Vorkommen der Art bekannt; alle anderen bisher bekannten Vorkommen wurden durch die Umwandlung der Standorte in Agrarnutzflächen zerstört.
Beschreibung
Die Pflanzen der Art Capsicum lanceolatum unterscheiden sich von anderen der Gattung Capsicum vor allem durch die in der Gattung einzigartige Kombination aus Blattform und -stellung. Die Blätter treten meist paarweise auf, haben jedoch sehr unterschiedliche Größen und Formen. Während es große, langgestreckte Blätter gibt, treten ebenso kleine, fast runde Blätter auf. Die Blütenblätter sind weiß oder rot, die kleinen, runden Früchte orange-rot, mit Fruchtfleisch gefüllt und nicht scharf. Die Samen sind weiß oder schwarz.Paul W. Bosland, Max M. Gonzalez: The rediscovery of Capsicum lanceolatum (Solanaceae), and the importance of nature reserves in preserving cryptic biodiversity. In: Biodiversity and Conservation. Springer, Dortrecht 9.2000,10, S. 1391?1397, Print: , Online: . Die Pflanze ist selbstkompatibel.Naniku Tong, Paul W. Bosland: Observations on interspecific compatibility and meiotic chromosome behavior of Capsicum buforum and Capsicum lanceolatum. In: Genetic Resources and Crop Evolutions. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht 50.2003,02, S. 193?199, Print: , Online: .
C. lanceolatum gehört mit einigen anderen, brasilianischen Wildarten zu der Gruppe der Arten der Gattung Capsicum mit einer Herbarium-Exemplare, die während dieser Expedition gesammelt wurden, werden heute vom Field Museum of Natural History in Chicago aufbewahrt. Eine weitere Beschreibung der Art erfolgte 1974 ebenfalls unter Mitarbeit von Paul C. Standley.
Anhand der genauen Aufzeichnungen der Expedition von 1938 bis 1939 wurde 1991 unter Paul W. Bosland eine weitere Expedition nach Guatemala organisiert, bei der Exemplare der Art für eine umfassendere Erforschung gesammelt werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine bekannten lebenden Pflanzen der Art in den der Forschung zur Verfügung stehenden Sammlungen. Alle von Standley beschriebenen Fundorte wurden aufgesucht, waren jedoch in Agrarflächen umgewandelt oder durch nach Agrarnutzung wiederhergestellten Wald bedeckt. Eine Neuansiedlung von C. lanceolatum konnte bei einer Untersuchung der Standorte nicht festgestellt werden.
Obwohl bei dieser Expedition keines der bis dahin bekannten Habitate wiedergefunden werden konnte, wurde ein neuer, bis dahin unbekannter Standort entdeckt. Im 1133 Hektar großen Biotopo el Quetzal, einem Schutzbiotop für den Quetzal-Vogel wurden Pflanzen entdeckt, die als C. lanceolatum klassifiziert wurden. Sie weichen zwar in einigen Eigenschaften von den von Standley beschriebenen Pflanzen ab, jedoch ist auch in anderen Arten der Gattung Capsicum eine solche Streuung der Eigenschaften zu beobachten. So ist die Blütenfarbe in der originalen Beschreibung weiß, bei den von Bosland gefundenen Pflanzen rot, auch die Farbe der Samen ist von Standley mit weiß angegeben, während die Pflanzen aus dem Biotopo el Quetzal schwarze Samen haben. Alle anderen Eigenschaften decken sich mit der Beschreibung der Pflanze von 1974 und wurden erfolgreich mit den Herbariumpflanzen der Sammlung von 1938 bis 1939 verglichen.
Da sich auch andere Wildformen der Gattung Capsicum auf eine Verbreitung durch Vögel spezialisiert haben, stellt Bosland die Theorie auf, dass die Verbreitung von C. lanceolatum möglicherweise mit der Verbreitung des Quetzal-Vogels in Zusammenhang steht. Dafür sprechen die Übereinstimmung der Lebensräume beider Lebewesen sowie das Fehlen von C. lanceolatum in wiederhergestellten Waldgebieten, in denen sich andere Nebelwaldpflanzen erneut angesiedelt haben.
Bosland stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass eine Erhaltung von natürlichen Lebensräumen der Wildarten der Gattung Capsicum wichtig ist, da möglicherweise diese Wildarten genetisches Material zur Verfügung stellen könnten, welches Resistenz gegen Krankheiten oder Anpassung an extreme Umweltbedingungen für kultivierte Paprika bieten kann.
Erforschung der Art
Zur Einordnung der Art innerhalb der Gattung Capsicum wurden durch das Team um Paul W. Bosland verschiedene Untersuchungen der Chromosomstruktur und der Kompatibilität mit anderen Arten der Gattung durchgeführt. Dabei wurde zunächst festgestellt, dass C. lanceolatum nicht wie die meisten Arten der Gattung 12 Chromosomenpaare besitzt, sondern wie beispielsweise auch die Wildart C. cilatum 13 Chromosomenpaare. Zwischen den Arten mit 12 Chromosomenpaaren und denen mit 13 Chromosomenpaaren wird eine Befruchtungshürde vermutet. Unter anderem dadurch lässt sich erklären, warum bei den Kreuzungsversuchen mit anderen Arten der Gattung entweder keine Befruchtung erfolgte, oder nur Früchte mit leeren Samenhüllen, bzw. in einem Fall mit einem unterentwickelten Embryo gebildet wurden. Da jedoch noch keine vollständige Untersuchung des Kreuzungsverhalten zwischen den Arten der Gattung Capsicum durchgeführt wurde, konnte noch keine genaue Aussage über die entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhänge getroffen werden. Ebensowenig konnte zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit gesagt werden, wie das zusätzliche Chromosom entstand. Mit den so gewonnenen Erkenntnissen war jedoch wahrscheinlich, dass C. lanceolatum nicht in die drei bekannten Evolutionsgruppen um C._annuum, C._baccatum bzw. C._pubescens eingeordnet werden konnte.Nankui Tong, Paul W. Bosland: [http://spectre.nmsu.edu/dept/docs/CHILE/CapNews16.pdf Meiotic Chromosome Study of Capsicum lanceolatum. Another 13 Chromosome Species.] In: Capsicum & Eggplant Newsletter. EUCARPIA ? Plant Genetics and Breeding ? University of Turin 1997,16, S. 42?43.
Untersuchungen an wilden und halbwilden brasilianischen Capsicum-Arten zeigten, dass die Anzahl der Arten mit 13 Chromosomenpaaren deutlich höher ist, als zunächst vermutet. Diese Ergebnisse stellten einige der bis dahin noch nicht bewiesenen Vermutungen über die evolutionäre Geschichte der Gattung Capsicum in Frage. So wurde beispielsweise vermutet, dass das 13. Chromosomenpaar durch Mechanismen wie Centric Fission entstanden sind. Da jedoch an den verbleibenden 12 ?ursprünglichen? Chromosomenpaaren keine Merkmale, die auf Centric Fission hinweisen, gefunden worden, kann diese Theorie als falsch betrachtet werden. Vielmehr erweist sich nun als wahrscheinlicher, dass die Gruppe der Arten mit 13 Chromosomenpaaren die ursprüngliche ist und während der zunehmenden Verbreitung nach Norden ein Chromosomenpaar auf noch ungeklärte Weise verloren gegangen ist. Arten mit nur 12 Chromosomenpaaren änderten demzufolge ihr Auftreten beispielsweise durch Ausbildung vorwiegend roter Früchte, die eine deutlich höhere Schärfe besitzen. Da im ursprünglichen Verbreitungsgebiet Südostbrasilien die klimatischen Bedingungen konstant blieben, konnten dort die Arten mit 13 Chromosomenpaaren überleben, während sich weiter nördlich vor allem die Arten mit 12 Chromosomenpaaren durchsetzten.
Etymologie
Der wissenschaftliche Name der Art (lanceolatum) leitet sich aus der Blattform (lanzenförmig) ab. Das indigene Wort der Maya für die Pflanze ist ?IC?, gesprochen mit einem charakteristischen Klicken im Wort. Als umgangssprachliche Namen sind ?Yerba de pajarito? (Kleines Vogelkraut) bzw. ?Pajarito del rio? (Kleiner Vogel des Flusses) gebräuchlich.

