Internationale Filmfestspiele von Cannes 2007
Die 60. Internationalen_Filmfestspiele_von_Cannes finden vom 16. Mai bis zum 27. Mai 2007 statt. Das Filmfestival wurde mit Wong Kar-wais Wettbewerbsbeitrag My Blueberry Nights eröffnet und endet mit Denys Arcands Komödie L'Âge des ténèbres, die außerhalb des Wettbewerbs gezeigt wird.
Auszeichnungen
Als wichtigste Auszeichnung des Wettbewerbs gilt die Goldene Palme (Palme d'or). Mit dieser Auszeichnung wird sowohl der beste_Spielfilm als auch der beste_Kurzfilm des Wettbewerbs prämiert. In der Regel wird der Preis an eine Filmproduktion verliehen, doch in der Vergangenheit kam es mehrfach vor, dass die Jury zwei Filme zum Gewinner kürte, zuletzt geschehen im Jahr 1997, als unter dem Vorsitz der französischen Schauspielerin Isabelle Adjani der iranische Beitrag Der Geschmack der Kirsche von Abbas Kiarostami und der japanische Film Der Aal von Sh?hei Imamura prämiert wurden. Weitere von der Jury für den Gesamtfilm vergebene Preise sind (in absteigender Ordnung) der Große_Preis_der_Jury (Grand prix du jury), der Preis der Jury (Prix du Jury) sowie der nicht zwingend jedes Jahr vergebene Spezialpreis der Jury. Daneben gibt es Preise in den Einzelkategorien Regie, Drehbuch sowie weiblicher und männlicher_Darsteller. In der Vergangenheit wurden auch Nebendarsteller mit dem Darstellerpreis bedacht, so geschehen 2003 bei der kanadischen Schauspielerin Marie-Josée Croze (Die Invasion der Barbaren) oder 1995 bei der Britin Helen Mirren (King George ? Ein Königreich für mehr Verstand). Im letzten Jahr wurden die Darstellerpreise an das beste weibliche (Volver ? Zurückkehren von Pedro Almodóvar) und männliche Schauspielensemble (Indigènes von Rachid Bouchareb) eines Films vergeben.
Auch andere Organisationen zeichnen Wettbewerbsfilme aus, am wichtigsten sind der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik (Prix de la FIPRESCI) sowie der Preis der Ökumenischen Jury (Prix du Jury oecuménique).
Wettbewerbsjury
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Als Nachfolger des letztjährigen Jurypräsidenten Wong Kar-wai wurde am 11. Januar 2007 der Regisseur Stephen Frears präsentiert.vgl. [http://www.festival-cannes.fr/news_archive.php?langue=6002&actu=18358245&retour=%2Fpresse%2Fcommuniques_presse.php Offizielle Pressemitteilung vom 11. Januar 2007] (englisch) Der Brite, der zuletzt das Oscar-prämierte Drama Die Queen inszenierte, hatte 1987 und 1996 mit seinen Filmen Prick Up your Ears und Fisch & Chips im Wettbewerb um die Goldene Palme gestanden. Ihm stehen acht Jurymitglieder zur Seite, darunter sieben Filmschaffende:
Marco Bellocchio ? italienischer Regisseur
Maggie Cheung ? Hongkonger Schauspielerin (Darstellerpreis in Cannes 2004)
Toni Collette ? australische Schauspielerin
Maria de Medeiros ? portugiesische Schauspielerin und Regisseurin
Orhan Pamuk ? türkischer Schriftsteller und Nobelpreisträger
Michel Piccoli ? französischer Schauspieler und Regisseur (Darstellerpreis in Cannes 1980)
Sarah Polley ? kanadische Schauspielerin und Regisseurin
Abderrahmane Sissako ? mauretanischer Regisseur
Die deutsche Schauspielerin Diane Kruger wird als Gastgeberin (?maîtresse de cérémonie?) die Auftaktzeremonie am 16. Mai sowie die Preisgala am 27. Mai moderieren.vgl. [http://www.festival-cannes.fr/news_archive.php?langue=6002&actu=18358256&retour=%2Fpresse%2Fcommuniques_presse.php Offizielle Pressemitteilung vom 2. Februar 2007] (englisch)
Wettbewerbsfilme
Der künstlerische Leiter der Filmfestspiele von Cannes, Thierry Frémaux, gab am 19. April 2007 auf einer Pressekonferenz in Paris die 22 Spielfilmproduktionen bekannt, die im Rennen um die Goldene Palme vertreten sind, drei mehr als im vergangenen Jahr. Joel Coen (No Country for Old Men), Emir Kusturica (Promise Me This), Quentin Tarantino (Grindhouse_?_Death_Proof) und Gus Van Sant (Paranoid Park) waren bereits in der Vergangenheit mit ihren Filmen erfolgreich. Kusturica zum fünften Mal in Cannes vertreten, könnte mit Promise Me This (Originaltitel: Zavet) Filmgeschichte schreiben. Noch nie hat ein Regisseur drei Mal in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Kusturica erhielt sie 1985 für Papa ist auf Dienstreise und 1995 für Underground. Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen auf Fatih Akin. Der deutsch-türkische Regisseur konkurriert mit Auf der anderen Seite, dem zweiten Teil seiner ?Liebe, Tod und Teufel?-Trilogie. Das Drama erzählt die Geschichte von sechs Menschen, darunter die illegal in Deutschland lebende Politaktivistin Ayten (Nurgül Ye?ilçay), die sich in die gleichaltrige Charlotte (Patrycia Ziolkowska)verliebt. Dem gegenüber steht der introvertierte, türkischstämmige Germanistikprofessor Nejat (Baki Davrak), der versucht, mit der Lebensgefährtin seines Vaters anzubändeln. Zuletzt war der Deutsche Wim Wenders 2005 erfolglos mit Don't Come Knocking im Wettbewerb vertreten. Akins Trilogie-Erstling Gegen die Wand brachte ihm auf den Filmfestspielen_von_Berlin_2004 den Goldenen_Bären ein.
mit Promise Me This]]
Aus Österreich wurde Ulrich Seidls Film Import Export berücksichtigt, der vom Leben der ukrainischen Krankenschwester Olga und dem Wiener Paul berichtet. Die beiden Arbeitslosen suchen ihr Glück in der jeweils anderen Region, Olga im Westen, Paul im Osten. David Fincher nimmt sich mit Zodiac des gleichnamigen, nie gefassten Serienmörders an, der Ende der 1960er-Jahre San Francisco in Angst und Schrecken versetzte. Finchers Landsmann Julian Schnabel hat sich als Hauptfigur für seinen Film Le Scaphandre et le papillon (dt.: ?Der Raumanzug und der Schmetterling?) den ehemaligen Herausgeber der französischen Elle, Jean-Dominique Bauby (1952-1997) ausgesucht, der 1995 im Alter von 43 Jahren einen Schlaganfall erlitt. Dieser lähmte fast seinen gesamten Körper und ließ ihm nur das linke Auge als Kommunikationsmittel. In der Hauptrolle des am Locked-in-Syndrom leidenden Bauby agiert der preisgekrönte französische Schauspieler und Regisseur Mathieu Amalric, nachdem zuvor der US-Amerikaner Johnny Depp für den Part gehandelt worden war.vgl. Dupont, Joan: A provocateur's stamp on French film. In: The International Herald Tribune, 31. März 2006, Feature, S. 10
Mit Persepolis hat es auch ein Animationsfilm in den Wettbewerb von Cannes geschafft. Die Iranerin Marjane Satrapi hat gemeinsam mit dem französischen Regisseur Vincent Paronnaud ihr gleichnamiges Comic verfilmt, das ihre Kindheit im Iran und ihre Jugendjahre in Wien und Teheran zum Thema hat. Als Sprecher konnten unter anderem so renommierte Akteure wie Catherine Deneuve, Gena Rowlands oder Danielle Darrieux gewonnen werden. Auch umstrittene Regisseure wie Catherine Breillat (Une vieille maitresse) oder Carlos Reygadas (Stellet Licht) wurden berücksichtigt, während Wong Kar-wais My Blueberry Nights das Festival eröffnete. Die US-amerikanische Sängerin Norah Jones feiert in dem englischsprachigen Roadmovie ihr Filmdebüt, in dem sie neben so renommierten Schauspielern wie Jude Law, David Strathairn, Tim Roth, Natalie Portman, Ed Harris und Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz agiert.
Von den 22 Regisseure sind 13 das erste Mal mit ihren Filmen in Cannes vertreten, was die Berliner Zeitung den Bemühungen Frémaux' anrechnete, das Filmfestival zu verjüngen und auf den ästhetischen Diskurs auszurichten.vgl. Westphal, Anke: Unser Mann in Cannes: Fatih Akin ist eingeladen zum Wettbewerb des 60. Filmfestivals. In: Berliner Zeitung. In: Berliner Zeitung, Ausg. 92, Feuilleton, S. 27 ?Für das Jubiläum haben wir es vorgezogen Erbe mit Modernität zu mischen, wohlbekannte Namen mit Nachwuchs?, so Gilles Jacob, Festivalspräsident von Cannes, auf der Pressekonferenz in Paris.vgl. Van Gelder, Lawrence: Cannes Festival Films Named. In: The New York Times, 20. April 2007, Section E, PT1, Column 1, Movies, Performing Arts/Weekend Desk, Arts, Briefly, S. 5 Dies soll auch das offizielle Festivalplakat symbolisieren, auf dem Pedro Almodóvar, Juliette Binoche, Jane Campion, Souleymane Cissé, Penélope Cruz, Gérard Depardieu, Samuel L. Jackson, Bruce Willis und Wong Kar-wai in verschiedenen Sprungposen zu sehen sind. Die Fotocollage verwendet Porträts von Alex Majoli, die bei den letztjährigen Filmfestspielen entstanden.
Spielfilme
* = Eröffnungsfilm
Un Certain Regard, Cinema Master Class und Cinéfondation
Als Jurypräsidentin der Reihe Un Certain Regard wurde die französische Filmregisseurin Kurzfilmwettbewerb_von_Cannes von Cannes vertreten und schrieb das Filmskript zu Arnaud Desplechins Thriller Die_Wache, der 1992 als bester Spielfilm für die Goldene Palme nominiert war.
Der US-amerikanische Regisseur Martin Scorsese, der in diesem Jahr für sein Gangsterepos Departed ? Unter Feinden den Regie-Oscar erhielt, wird genauso wie seine Kollegen Stephen Frears, Wong Kar-wai, Nanni Moretti und Sydney Pollack während der Filmfestspiele eine ?Cinema Master Class? veranstalten, in der er auf seine Arbeit als Filmemacher eingeht. Scorsese wird auch die Gründung der World Cinema Foundation bekanntgeben, eine Organisation, die sich ähnlich wie die Cinémathèque française der Aufbewahrung und Restaurierung bekannter Spielfilme verschreibt. Zudem wird der Gewinner der Goldenen Palme von 1976 auf der Preisgala die Goldene_Kamera_für_den_besten_Debütfilm des Festivals überreichen.vgl. [http://www.festival-cannes.fr/news_archive.php?langue=6002&actu=18358286&retour=%2Findex.php Offizielle Pressemitteilung vom 4. April 2007] (englisch)
Außerhalb des Wettbewerbs werden unter anderem Michael Moores neuer Dokumentarfilm Sicko, Steven Soderberghs Ocean's Thirteen und Michael Winterbottoms A Mighty Heart zu sehen sein. Moore prangert nach den US-amerikanischen Waffengesetzen in Bowling for Columbine und die Terrorpolitik der US-Regierung in Fahrenheit 9/11 das US-amerikanische Gesundheitswesen an. Soderberghs Film ist ein Sequel zu Ocean's Eleven (2001) und Ocean's Twelve (2004) und stellt erneut George Clooney in den Mittelpunkt, der sich gemeinsam mit unter anderem Brad Pitt und Matt Damon krummen Geschäften in der Casino-Metropole Las Vegas widmet. Winterbottoms Drama handelt von der US-Amerikanerin Mariane Pearl (gespielt von Angelina Jolie), die sich in Pakistan auf die Suche nach ihrem verschollenen Ehemann Daniel macht, der dort für das Wall_Street_Journal nach Informationen über den britischen Terroristen Richard Reid recherchiert hatte.
Für die 2005 ins Leben gerufene Reihe Cinéfondation, werden fünfzehn Regiearbeiten aus fünfzehn verschiedenen Ländern zu sehen sein, darunter auch Serviam'', der zweite Spielfilm der Österreicherin Ruth Mader.vgl. [http://www.festival-cannes.fr/news_archive.php?langue=6002&actu=18358278&retour=%2Fpresse%2Fcommuniques_presse.php Offizielle Pressemitteilung vom 19. März 2007] (englisch) Das Programm hilft jungen Filmstudenten bei der Förderung und Fertigstellung ihrer Projekte.
Weblinks
• Offizielle Webpräsenz (französisch/englisch)
• 60. Filmfestsspiele von Cannes bei arte.tv
• Presseschau zum Filmfestival Cannes auf film-zeit.de

