Canal du Nivernais
Der Canal du Nivernais (dt: Nivernais-Kanal) ist ein Kanal, der überwiegend im französischen Département Nièvre liegt und eine Verbindung zwischen der Seine und der Loire herstellt. Der Kanal ist 174 km lang; er beginnt nahe der Stadt Decize an der Loire und mündet in Auxerre in die Yonne. Über den schiffbaren Unterlauf der Yonne erfolgt die Verbindung zur Seine. Er weist insgesamt 110 Schleusen auf, 32 auf der Seite des Loiretals (Höhenunterschied total 74 m) sowie 78 hinab zur Yonne (Höhenunterschied total 165 m). An der Scheitelhaltung liegt auf 260 m ü.M. der Étang de Baye.Am südlichen Ende, in Decize, findet der Kanal Anschluss an den Canal latéral à la Loire (dt: Loire-Seitenkanal). Am nördlichen Ende, bei Auxerre mündet er in die Yonne und erreicht einige Kilometer weiter, in Migennes, den Canal de Bourgogne (dt: Burgundkanal).
Geschichte
Die Idee eines Verbindungskanals zwischen Loire und Seine geht auf die Regierungszeit von Henri_IV zurück. Die Wälder rund um Paris waren abgeholzt, sodass Brennholz von immer weiter her, u.a. aus den ausgedehnten Wäldern des Morvan-Gebietes, zugeführt werden musste. Es blieb jedoch vorerst bei Projektstudien. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Idee erneut aufgegriffen, denn unterdessen konnnte der Brennholzbedarf der Hauptstadt kaum mehr richtig befriedigt werden. Der katastrophale Winter 1782/83, der in Paris einen gravierenden Brennholzmangel zur Folge hatte, erforderte dann definitiv eine Lösung des Beschaffungs- und Transportproblems. In diesem Zusammenhang sah man jetzt vor, nicht mehr nur die Wälder des Morvan (Seine-Seite der Wasserscheide) besser zu erschließen, sondern neu auch diejenigen des Bazois-Gebietes (Loire-Seite der Wasserscheide).
Erste Arbeiten am Kanal wurden 1784 unternommen. Es sollte eine schmale Rinne werden, von der Loire-Seite des aktuellen Kanal-Scheitelpunkts durch den Tunnel von La Collencelle bis zur Yonne hinunter. Aber schon 1786 stellte man anlässlich einer Inspektion fest, dass es zweckmäßig wäre, den nur für die Holzflößerei geplanten Kanal zu einem richtigen Schiffskanal auszubauen. Louis_XVI. gewährte dem Département den nötigen Vorschuss. Der Ausbau erforderte unter anderem die Erweiterung der baulich anspruchsvollen Kanaltunnel bei La Collancelle. Sofort begannen phantastische Ideen zu sprießen, wie dank des Kanals der Handel ausgedehnt werden könnte, z.B. mit Produkten aus Südfrankreich oder Käse aus der Schweiz. Aber die Wirren nach der Revolution, sowie andere Probleme, hatten zunächst einmal die Einstellung der Arbeiten zwischen 1792 und 1807 zur Folge. 1812 wurde die Baustelle erneut verlassen, und erst 1822 wurde sie wieder in Betrieb genommen, aber nicht etwa um die ursprünglichen Pläne weiterzuverfolgen, sondern um etwas gegen die grassierende Arbeitslosigkeit zu tun. 1824 wurde beschlossen, den Kanal bis nach Auxerre weiterzuziehen. Unterdessen war die Kohle als ernstzunehmende Konkurrenz zum Holz aufgetaucht, was die Zukunft des Kanals in Frage stellte, bevor er zu Ende gebaut war.
Am 22. April 1834 fuhr der erste Kahn von Coulanges-sur-Yonne los, jedoch nur auf einem Teilstück des Kanals. Nach und nach wurde nun aber Teilstück um Teilstück in Betrieb genommen. 1843 gilt als Jahr der Fertigstellung aller Arbeiten. Der Kanal diente nun tatsächlich in erster Linie der Holzflößerei, daneben aber in wachsendem Umfang auch dem Transport von Bausteinen, Kies, Kohle und Getreide.
Exkurs Holzflößerei
:Die Holzflößerei funktionierte in ihren besten Zeiten wie folgt: Im Winter wurden in den ausgedehnten Wäldern des Morvan und Bazois vor allem Eichen und Buchen gefällt, in ca. 1,15 - 1,35 m lange Stücke mit ca. 20 cm Durchmesser zersägt bzw. gespalten und diese am Ufer der zahlreichen Bäche und Flüsschen gestapelt. Nachdem die auswärtigen Holzhändler ihre Käufe getätigt hatten, wurden die Scheiter mit dem Zeichen des Käufers markiert. Alle Bäche und Flüsse waren mit künstlich gestauten Teichen versehen. Nach einer Inspektion der Wasserläufe auf ihre Durchgängigkeit hin erfolgte die Flößerei. An einem festgelegten Datum, Ende November, wurden die Holzscheiter in die Bäche geworfen. Anschließend öffnete man schlagartig die Wehre der Teiche, und der Wasserschwall riss das Holz mit. Alle 50 - 200 m waren Männer postiert, die den Durchgang des Holzes überwachten und Staus beseitigten. In der Yonne angekommen, wurden die Holzscheiter durch Wehre aufgefangen und an 22 Orten entlang des Flusses zum Trocknen wieder am Ufer aufgestapelt. Das war der "petit flot". Etwa im März des darauffolgenden Jahres fand der "grand flot" statt. Das Holz - jährlich etwa 700.000 Ster - wurde in die Yonne geworfen, und mit Hilfe des in den talaufwärts gelegenen Teichen gestauten und auf einen Schlag freigegebenen Wassers wurde es zu den großen Städten, vor allem nach Paris, geflößt, wo es herausgefischt und, entsprechend den Markierungen, auf hohe, lange Beigen gelegt wurde. Für diese Arbeiten wurden alle Personen, auch Frauen und Kinder, eingesetzt, und die Arbeitstage dauerten dann manchmal bis zu 23 Stunden. Ein Teil des Holzes "verschwand" unterwegs, indem Anwohner es für ihre eigenen Bedürfnisse herausfischten.
:Es gab aber auch richtige Flöße, zu denen die Holzscheiter zusammengebunden wurden. Mehrere Flöße zusammen ergaben "Züge" von 70 - 75 m Länge und 4,5 - 5 m Breite; sie enthielten ca. 200 Ster Holz. Wenn etwa 50 - 100 solcher "Züge" bereit waren, von denen jeder von mitfahrenden Männern betreut wurde, ließ man den Wasserschwall los. Die Flöße legten etwa 20 km pro Tag zurück und trafen nach rund 11 Tagen oberhalb von Paris ein. Dort wurden sie von anderen Flößern übernommen, die sie nach und nach, je nach Bedarf bzw. auf Abruf, bis zur Hauptstadt lenkten. Unterdessen kehrten die mitfahrenden Männer innert vier Tagen zu Fuß nach Hause zurück. 1867 waren in Clamecy noch 110 Flöße gestartet, 1923 ging diese Ära mit dem letzten Floß zu Ende.
Allgemeine Informationen zu diesem Thema siehe auch unter Flößerei.
Der Kanal heute
Heute wird der Kanal nicht mehr gewerblich genutzt (er könnte es auch gar nicht mehr angesichts der jetzt üblichen Länge und Breite der Schiffe). Er wird jedoch seit den 1970er Jahren zunehmend touristisch von Sport- und Hausbooten befahren. Den nördlichen Teil befahren etwa 4000 Boote pro Jahr; damit liegt der Canal du Nivernais hinter dem Canal du Midi auf dem zweiten Rang. Zeit- und stellenweise werden die Schleusen im Hochsommer pro Tag von bis zu 40 Booten passiert. Fast alle Schleusen werden noch manuell bedient, und zwar zu einem großen Teil durch die Schiffsbesatzungen selber oder mit ihrer Hilfe, damit's schneller geht. Herausragende Erlebnisse sind die Tunnels von La Collencelle (758 m, 268 m und 212 m lang, unbeleuchtet; für Radfahrer und Fußgänger verboten), die schön in einem bewaldeten Tal liegende Schleusentreppe von Sardy-les-Epiry (16 Schleusen auf 3,5 km Distanz) sowie mehrere Klappbrücken, die man zwecks Durchfahrt hinauf- und herunterkurbeln muss.
Im Allgemeinen gilt der Canal du Nivernais als einer der landschaftlich schönsten Kanäle Frankreichs. Man kann ihm auf der gesamten Länge mit dem Fahrrad oder zu Fuß folgen, auf einem meistens guten, auf weiten Strecken asphaltierten und kinderfreundlichen, weil motorfahrzeugfreien Treidelpfad. In den attraktiven Dörfern und Städtchen entlang des Kanals oder einige Kilometer abseits davon stehen vielfältige Übernachtungs-, Verpflegungs- und Einkaufsmöglichkeiten zur Verfügung, und Sehenswürdigkeiten aller Art laden zur Besichtigung ein.
Orte am Kanal
• Cercy-la-Tour
*Châtillon-en-Bazois
*(Nièvre)/'>Baye]
•_
• (Nièvre)/'>Clamecy]
•_
• Vermenton' target='blank'>(Stichkanal)
*[[Auxerre]
Literatur
*Mit dem Hausboot durch Burgund. Burgund-Kanal, Nivernais-Kanal, Yonne, Loire-Seitenkanal, Zentrums-Kanäle, Saône, Seille, Canal du Rhône au Rhin, Marne-Saône-Kanal. Edition Hausboot Böckl, 4. Auflage, 2006. ISBN: 978-3901309045. [Ist vor allem zur "Einstimmung" und nur zum Teil als Handbuch geeignet.]
*Guide Vagnon: Bourgogne - Centre - Nivernais. 216 Seiten. Collection Tourisme fluvial, guide no. 3. Vagnon 1996. ISBN: 978-2857251286. [Auch für Radfahrer und (Langstrecken-)Wanderer geeignet.]
Oder wahlweise eines der nachstehenden, für die Kanalschiffer verfassten Handbücher mit Karten und detaillierter Beschreibung der Infrastruktur, ebenfalls sehr geeignet für Radfahrer und (Langstrecken-)Wanderer:
*Les voies navigables de la Bourgogne Est de Joigny à Chalon-sur-Saône par l'Yonne, le canal du Nivernais, le canal latéral à la Loire, le canal du Centre, le canal de Roanne à Digoin, le canal de Bourgogne et la Saône. Guide de navigation fluviale. Editions Grafocarte, 2000. ISBN: 2-7416-0169-0.
*Les voies navigables de la Bourgogne Ouest d'Avon à Digoin par les canaux du Loing, de Briare, latéral à la Loire, l'Yonne et le canal du Nivernais. Guide de navigation fluviale. Editions Grafocarte, 2000.

