Camulodunum
Camulodunum ist der keltische Name von Colchester, der ältesten römischen Stadt in Britannien. Bei dem Ort befand sich schon vor der römischen Eroberung eine keltische Stadt, die der Hauptort des Königreiches der Trinovanten war, deren letzter Herrscher und Feind Roms Cunobelinus war.Die römische Provinzhauptstadt
Nach der römischen Eroberung wurde nahe dieser Stadt um 43-44 n. Chr. ein Legionslager eingerichtet, in der die 20. Legion untergebracht wurde. Die Legion wurde jedoch schon im Winter 48-49 n. Chr. von Publius Ostorius Scapula nach Wales umquartiert. Die Stadt wurde daraufhin als Kolonie gegründet und erhielt zunächst den Namen Colonia Victricensis. Die neue Stadt wurde in das alte Lager einquartiert und erhielt einen Stadtplan mit sich rechwinklig kreuzenden Strassen. Baracken wurden in Wohngebäude umfunktioniert. Die alten Mauern des Lagers wurden eingerissen und die Gräben zugeschüttet. Im Osten der Stadt, in ein neu eingerichtetes Stadtteil, wurde ein Tempel des Claudius als Kaiserkultzentrum errichtet. Der Tempel des Claudius war der größte klassische Tempel in Britannien. Er stand auf einer hohen Plattform, deren unterirdische Gewölbe noch heute erhalten sind. Die Fassade war wohl mit acht Säulen geschmückt und 20m hoch. Vor dem Tempel stand einst sicherlich ein Altar, von dem aber bisher nichts gefunden wurde.
Daneben besaß die Stadt sicherlich auch andere wichtige öffentliche Gebäude, wovon bisher nur ein Theater und ein Triumphbogen lokalisiert wurden. Vor allem der Tempel des Kaiserkultes lässt vermuten, dass die Stadt den Status der Provinzialhauptstadt Britannien einnahm.
Der Boudicca-Aufstand
Im Jahr 60/61 n. Chr. kam es in der jungen Provinz zu dem Aufstand der Boudicca, in dessen Verlauf das unbefestigte Camulodunum als erste Stadt verwüstet wurde. Der Historiker Tacitus hat von den Ereignissen berichtet.Tacitus: Annalen, 14, 29-39 Vor allem der Tempel des Claudius scheint das Ziel des Hasses gewesen zu sein, da er als Zitadelle der Tyranei betrachtet wurde. Archäologische Ausgrabungen haben überall in der Stadt Zerstörungsspuren zu Tage gebracht.
Zweites und Drittes Jahrhundert
Die Stadt wurde nach Niederschlagung des Aufstandes wieder aufgebaut, doch wurde die Provinzialverwaltung nach London verlegt. In den folgenden Jahren erlebte die Stadt ihre eigentliche Blütezeit, obwohl sie nie wieder eine bedeutende politische Rolle spielen sollte. Die Stadt wurde um 80 bis 100 n. Chr. nochmals erweitert und erhielt in dieser Zeit auch eine Stadtmauer. Obwohl für eine heute noch bewohnte Stadt relativ viel Gebäude ergraben wurden, so fehlen doch noch viele öffentliche Gebäude. Nur der Standort des Theaters und des neu erbauten Tempels des Kaiserkultes sind bekannt. Bisher fehlen alle Reste von einem Forum, von Thermen oder weiteren Tempeln, wenn man von zwei kleinen Heiligtünern vor den Mauern der Stadt absieht. Stattdessen wurden zahlreiche Peristylhäuser gefunden, die reich mit Mosaiken und Wandmalereien ausgestattet waren. Im Norden und Osten konnten ausserhalb der Stadtmauern Vorstädte festgestellt werden.
Spätantike
Im vierten Jahrhundert verlor die Stadt, wie andere Orte auch, viele ihrer Einwohner, weite Flächen des Stadtgebietes blieben unbebaut. Aus dieser Zeit stammt ein Friedhof mit einer offensichtlich christlichen Kirche, die gut 20m lang war und im Osten eine Apsis hatte. Da sie sich neben dem Friedhof fand, mag sie vor allem als Friedhofskirche benutzt worden sein. Die Stadt wurde anscheinend im fünften Jahrhundert ganz aufgegeben.
Anmerkungen
Literatur
*Philipp Crummy: City of Victory, Colchester 1997, reprint 2001 ISBN 1-897719-04-3
*John Wacher: The Towns of Roman Britain, Routledge, London/New York 1997, 112-132 ISBN 0-415-17041-9
Weblinks
• Roman Colchester

