Mittelgriechische Sprache
Unter Mittelgriechisch versteht man gemeinhin die Sprachstufe des Griechischen zwischen dem Beginn des Mittelalters um 600 und der Eroberung_der_Stadt_Konstantinopel durch die Osmanen 1453, da mit diesem Datum meist das Ende des Mittelalters für Südosteuropa definiert wird. Griechisch war ab dem 7. Jahrhundert die Staatssprache des Byzantinischen_Reichs und wird daher auch als byzantinisches Griechisch bezeichnet, im Englischen und Neugriechischen wird der Begriff Mittelalterliches Griechisch verwendet.
Der Beginn dieser Sprachstufe wird gelegentlich bereits auf das 4. Jahrhundert datiert, entweder den Zeitpunkt der Verlegung der römischen Hauptstadt nach Konstantinopel im Jahr 330 oder das Jahr der Reichsteilung 395. Das mittelalterliche Griechisch ist Bindeglied zwischen der antiken und der neuzeitlichen Sprachform, denn einerseits ist seine Literatur noch stark vom Altgriechischen geprägt und andererseits konnten sich in der gesprochenen Sprache gleichzeitig fast alle Eigenheiten des Neugriechischen entwickeln.
Die Erforschung der mittelgriechischen Sprache und Literatur ist ein Teilgebiet der Byzantinistik oder Byzantinologie, die sich umfassend und interdisziplinär mit Geschichte und Kultur der byzantinischen Welt befasst.
Geschichte und Verbreitung
Mit der Verlegung des römischen Kaiserhofs nach Byzanz 324?330 rückte das politische Zentrum des Römischen Reichs in eine griechischsprachige Umgebung. Latein blieb zunächst die Sprache sowohl des Hofes und der Armee als auch amtlicher Dokumente, begann jedoch bald zu schwinden. Ab der Mitte des 6. Jahrhunderts wurden Gesetzesnovellen meist auf Griechisch verfasst und allmählich auch Teile des Corpus iuris civilis ins Griechische übersetzt. Unter Kaiser Herakleios (610?641), der 629 auch den griechischen Herrschertitel ???????? (Basileus) annahm, wurde Griechisch zur offiziellen Staatssprache Ostroms, das sich auch noch lange nach dem Untergang Westroms als (Rhomanía), seine Einwohner als (Rhomaioi, Rhomäer) bezeichnete.
Die Zahl der griechischen Muttersprachler wird um 600 auf gut ein Drittel der oströmischen Bevölkerung, also auf etwa sechs bis acht Millionen Menschen geschätzt, wobei der Kernraum der Sprache in den antiken Siedlungsgebieten der Islamischen_Expansion durch die Araber erobert. Alexandria, ein Zentrum hellenistischer Kultur und Sprache, fiel 642 an die Araber. 693 wurde in den eroberten Gebieten Griechisch als Amtssprache durch das Arabische ersetzt. Dadurch wurde das Griechische schon im frühen Mittelalter in diesen Gebieten sehr stark zurückgedrängt. In das spärlich besiedelte Binnenland Anatoliens drangen ab dem späten 11. Jahrhundert mit den Seldschuken Turkvölker ein, die danach westlich gegen den griechischen Sprachraum vordrangen. Mit der Eroberung Konstantinopels (1453), Athens (1456), der Peloponnes (1459/60) und des Kaiserreichs_Trapezunt (1461) durch die Osmanen endete der Status des Griechischen als Staatssprache bis zur Entstehung des modernen Griechenland im Jahr 1832. Sprachformen nach 1453 bezeichnet man als Neugriechisch.
Sprachformen
Die überlieferten Texte in mittelgriechischer Sprache sind weit weniger umfangreich und vielfältig als die aus altgriechischer Zeit. Besonders das volkssprachliche Mittelgriechisch ist in längeren Texten erst ab dem 12. Jahrhundert belegt: Die Volkssprache war unter byzantinischen Gelehrten derart verpönt, dass volkssprachliche Texte sogar vernichtet wurden.
Sprachdualismus
Bereits in hellenistischer Zeit begann die Diglossie der attischen Literatursprache und der sich stetig entwickelnden gesprochenen Volkssprache. Nach dem Ende der Spätantike wurde diese Kluft unübersehbar. Die noch vom Attischen geprägte mittelalterliche Koin? (?Gemeinsprache?), die über Jahrhunderte die Literatursprache des Mittelgriechischen blieb, konservierte eine nicht mehr gesprochene Stufe des Griechischen.
Die erhaltene Literatur in der Attischen Literatursprache konzentrierte sich weitgehend auf die umfangreich betriebene Geschichtsschreibung, theologische Schriften und die Aufzeichnung von Heiligenlegenden. Lyrik findet sich in der Hymnendichtung und kirchlicher Poesie. Nicht wenige der byzantinischen Kaiser waren selbst als Schriftsteller tätig und schrieben Chroniken oder Werke zur byzantinischen Staatskunst, strategische oder philologische Schriften. Ferner existieren Briefe, Gesetzestexte und diverse Verzeichnisse und Listen in mittelgriechischer Sprache.
Konzessionen an das gesprochene Griechisch finden sich verschiedentlich in der Literatur: Johannes Malalas? Chronographie aus dem 6. Jh., die Chronik des Theophanes (9. Jh.) und die Werke Konstantin_Porphyrogennetos' (Mitte 10. Jh.) lehnen sich in Wortwahl und Grammatik an die jeweilige Volkssprache ihrer Zeit an, verwenden jedoch keine Alltagssprache, sondern folgen in Morphologie und Syntax weitgehend der aus dem Altgriechischen überlieferten Koin?.
Die gesprochene Sprachform wurde mit Begriffen wie glossa dimodis (, ?Volkssprache?), aploelliniki (, ?einfaches Griechisch?), kathomilimeni (, ?gesprochene?) oder Romaiiki (, ?römische [Sprache]?) bezeichnet. Beispiele für rein volkssprachliche Texte sind aus der Zeit vor 1200 äußerst spärlich überliefert. Sie beschränken sich auf zitierte Spottverse, Sprichwörter und gelegentlich in die Literatur gedrungene besonders geläufige oder unübersetzbare Formulierungen. Vom Ende des 11. Jahrhunderts sind vulgärgriechische Gedichte aus literarischen Kreisen Konstantinopels belegt.
Erst mit dem Digenis Akritas, einer Sammlung von Heldengesängen aus dem 12. Jahrhundert, die später zu einem Vers-Epos zusammengestellt wurden, liegt ein gänzlich in der Volkssprache abgefasstes literarisches Werk vor. Wie eine Gegenreaktion auf die Renaissance des Attischen unter der Dynastie der Komnenen in Werken wie Psellos' Chronographie (Mitte 11. Jh.) oder der ungefähr ein Jahrhundert später entstandenen Alexiade, der Biographie des Kaisers Alexios_I. durch seine Tochter Anna Komnena, trat ab dem 12. Jahrhundert etwa gleichzeitig mit dem französischen Ritterroman die vulgärgriechische Versepik ans Licht. Sie behandelte in einem fünfzehnsilbigen Blankvers (versus politicus) antike wie mittelalterliche Heldensagen, aber auch Tier- und Pflanzengeschichten. Singulär ist die im 14. Jahrhundert ebenfalls in Versen abgefasste Chronik von Morea, die auch in französischer, italienischer und aragonesischer Sprache überliefert ist und die Geschichte der französischen Feudalherrschaften auf der Peloponnes beschreibt.
Die frühesten Prosa-Belege des Vulgärgriechischen bestehen in einigen in Unteritalien abgefassten Urkunden des 10. Jahrhunderts. Die spätere Prosaliteratur besteht aus Volksbüchern, Gesetzessammlungen, Chroniken und Paraphrasen religiöser, historischer und medizinischer Werke. Der Dualismus von Literatur- und Volkssprache sollte sich bis weit ins 20. Jahrhundert halten, ehe die griechische Sprachfrage 1976 zugunsten der Volkssprache entschieden wurde.
Dialekte
Bemerkenswert ist, dass sich trotz ihrer weiten Verbreitung im östlichen Mittelmeerraum die griechische Volkssprache nicht wie das Vulgärlatein in zahlreiche neue Sprachen aufspaltete, sondern ein verhältnismäßig einheitlicher Sprachraum blieb. Eine Ausnahme bildet das Griechische an der Südküste des Schwarzen_Meeres, die Pontische Sprache, die viele Entwicklungen der mittelgriechischen Volkssprache nicht mitvollzogen hat. Dialekte auf der Basis der Koin? bildeten sich etwa nach der Jahrtausendwende heraus. Dialektformen älterer Herkunft haben sich in den süditalienischen Exklaven des Griko und im Tsakonischen auf der Peloponnes bis heute erhalten. Einige der jüngeren Dialekte wie das Kappadokische gingen mit der Umsiedlung der Sprecher in das heutige Griechenland nach 1923 unter, das zypriotische_Griechisch besteht als nicht literarische Sprachform bis heute.
Phonetik und Phonologie
aus dem 10. Jahrhundert, die Schreibung des Namens (???????) verwendet den Buchstaben ? für das hier eigentlich korrekte, homophone ?]]
Man geht davon aus, dass die meisten Entwicklungen zur neugriechischen_Phonologie im Mittelgriechischen schon vollzogen waren oder sich während dieser Sprachstufe vollzogen. Dazu gehören vor allem der bereits etablierte dynamische_Akzent, der schon zu hellenistischer Zeit das altgriechische Tonsystem ersetzt hatte, das allmählich auf fünf Phoneme reduzierte Vokalsystem ohne Unterscheidung der Vokallänge und die Monophthongisierung der altgriechischen Diphthonge.
Vokale
Die Suda, ein Lexikon vom Ende des 10. Jahrhunderts, gibt mit ihrer antistoicheischen Ordnung, die die Begriffe alphabetisch listet, aber gleich ausgesprochene Buchstaben nebeneinander einordnet, Aufschluss über den Lautstand der Vokale. So werden jeweils ?? und ?, ??, ? und ?, ? und ? sowie ?? und ? zusammen eingeordnet, waren also homophon.
Bis etwa ins 10./11. Jahrhundert wurden ?, ?? und ?? [y] ausgesprochen und wurden danach zu [i]. In den Diphthongen ??, ?? und ?? entwickelte die zweite Komponente bereits früh von [u] vermutlich über [] und [] zu [] beziehungsweise []. Vor [n] wurde das ? zu [m] (éunostos/ > émnostos/, cháunos/?????? > chamnos/??????, eláuno/ > lámno/?????) oder fiel fort (tháuma/ > tháma/????), vor [s] wurde es gelegentlich zu [p] (anápausi/ > anápapsi/).
Die Aphäresis (?Weglassung? von Anlautvokalen) hat zu einigen neuen Wortbildungen geführt: i iméra () > i méra () ? ?der Tag?, erotó () > rotó ( ? ?fragen?.
Ein regelmäßiges Phänomen ist das der Synizesis (?Zusammenfassung? von Vokalen). Bei vielen Wörtern mit den Kombinationen /éa/, /éo/, /ía/, /ío/ verschob sich die Betonung auf den zweiten Vokal, und der erste wurde ein habvokalisches [j]: Roméos () > Romiós () ? ?Römer?, ennéa () > enniá () ? ?neun?, píos ( > piós (?????) ? ?was für ein?, ?welch?, ta pedía (?? ??????) > ta pediá (?? ??????) ? ?die Kinder?. Auch schwand vielfach der Vokal ? aus den Endungen -ion/-??? und -ios/-??? (sakkíon/??????? > sakkín/??????, chartíon/??????? > chartín/??????, kýrios/?????? > kýris/?????).
Konsonanten
¹ [?] ist eine Variante des Phonems /n/.
² [?] und [?] sind Vorstufen zu [v] und [f].
³ [ç] und [x] sind Allophone eines Phonems.
? [j] und [?] sind Allophone eines Phonems.
Schon in der Spätantike war der Wechsel im Konsonantensystem von den stimmhaften Plosiva und den behauchten stimmlosen Plosiva zu Frikativen abgeschlossen. Die velaren Laute [k?] und [g] spalteten sich dabei in zwei Varianten auf, eine palatale vor vorderen und eine velare vor [a] und hinteren Vokalen. Der Hauchlaut [h], der im Attischen nicht geschrieben wurde und in den meisten übrigen Dialekten schon in der Antike geschwunden war (?Hauchpsilose?), war im 9. Jahrhundert, da der Spiritus asper zu seiner Kennzeichnung verbindlich wurde, längst vollständig erloschen.
Änderungen im phonologischen System betreffen vor allem Konsonantenverbindungen, die Sandhi-Erscheinungen zeigen: Bei der Kombination zweier Plosive oder Frikative besteht die Tendenz zu einer Kombination aus beidem: [k] und [p] werden vor [t] zu [x] und [f] (nýkta/????? > nýchta/?????, eptá/ > eftá/), [?] wird vor [f] und [x] sowie nach [s] zu [t] (fthónos/?????? > ftónos/??????, parefthýs/???????? > pareftýs/???????? , chthes/???? > chtes/????). Die Nasale [m] und [n] schwinden gelegentlich vor stimmlosen Frikativen: (nýmfi/????? > nýfi/????, ánthos/ > áthos/).
Über eine ähnliche Erscheinung, die Vokalisation der stimmlosen Plosive nach Nasalen, bildete später das Griechische später wieder die stimmhaften Plosive [b], [d] und [g] aus. Wann genau sich diese Entwicklung vollzog, ist nicht belegt, sie scheint in byzantinischer Zeit jedenfalls begonnen zu haben. Bereits in byzantinischen Quellen finden sich in Transkriptionen aus Nachbarsprachen die Grapheme ??, ?? und ?? für b, d, und g, wie z. B. in ????????? (dervísis für türk. dervi?, ?periphrastischen Verbformen, in der Syntax zu parataktischem Satzbau gegenüber den oft komplizierten und verschachtelten Konstruktionen des Altgriechischen.
Die Entwicklungen der Morphologie im Mittelgriechischen begannen in spätantiker Zeit und sind geprägt von einer Tendenz zur Systematisierung und Vereinheitlichung der Morpheme von Deklination, Konjugation und Komparation. So wurde bei den Substantiven die dritte, ungleichsilbige Deklination des Altgriechischen durch Bildung einer neuen Nominativform aus den obliquen Kasusformen der regelmäßigen 1. und 2. Deklination angepasst: ho patér (), ton patéra () > o patéras (), Akk. ton patéran (). Weibliche Nomina mit den Endungen -ís/-ás bildeten den Nominativ entsprechend dem Akkusativ -ída/-áda, so elpís () > elpída (, ?Hoffnung?) und Ellás () > Elláda (, ?Griechenland?).
Die altgriechische, teils unregelmäßige Komparativ-Bildung der Adjektive mit den Endungen -ion und -?n (-???, -??) wich allmählich der Bildung mit dem Suffix -ter und regelmäßigen Adjektivendungen: meíz?n (??????) > mizóteros (??????????, ?der größere?).
Aus der enklitischen Genitiv-Form des Personalpronomens der ersten und zweiten bzw. des Demonstrativpronomens der dritten Person und analogen Bildungen entstanden die unbetonten, ans Nomen angehängten (?enklitischen?) Possessivpronomina mou (???), sou (???), tou (???) / tis (???), mas (???), sas (???), ton (???).
Neben den Partikeln na und thená (s. u.) entstand aus dem altgriechischen oudén (, ?nichts?) die Negationspartikel den (???, ?nicht?).
Auch in der Augments beschränkte sich allmählich auf regelmäßige, betonte Formen, die Reduplikation des Stammes wurde allmählich nicht mehr produktiv (das Perfekt außerdem periphrastisch gebildet) und blieb nur in erstarrten Formen erhalten.
Die Vielfalt der Stamm-Varianten der altgriechischen Verben reduzierte sich auf meist zwei feste Stämme für die Konjugation der verschiedenen Aspekte, gelegentlich auf einen einzigen. So erscheint der Stamm des Verbs lambánein (?????????, ?nehmen?) im Altgriechischen in den Varianten lamb, lab, l?ps, l?ph und l?m und reduziert sich im Mittelgriechischen auf die Formen lamv und lav.
Das Hilfsverb eimí (, ?sein?) zum Beispiel nahm regelmäßige passivische Endungen an, Beispiele im Indikativ Singular:Zu den zahlreichen geschwundenen Formen gehören der Dativ, der im 10. Jahrhundert durch den Genitiv und die präpositionale Konstruktion mit eis (, ?in?, ?zu?) + Akkusativ ersetzt wurde, der AcI und fast alle der häufigen Partizipialkonstruktionen wichen dem Gebrauch des neu entwickelten Gerundiums oder Konstruktionen mit Nebensätzen.
Die wohl auffälligste Änderung in der Grammatik gegenüber dem Altgriechischen ist der fast völlige Wegfall des Infinitivs, der durch Nebensätze mit der Partikel na (??) ersetzt wurde. Als Erklärung für diese Erscheinung wurden arabische Einflüsse vermutet, da eine Bildung wie ?ich kann dass ich gehe? bereits im klassischen Hocharabisch üblich war. Das Phänomen findet sich, möglicherweise durch das Griechische vermittelt, darüber hinaus auch in den angrenzenden Sprachen und Dialekten auf dem Balkan, namentlich im Bulgarischen und Rumänischen, die in vieler Hinsicht typologisch dem Mittel- und Neugriechischen ähneln, obwohl sie genealogisch mit ihm nicht näher verwandt sind. Mit der Erforschung dieses Balkansprachbunds befasst sich die Balkanologie.
Wortschatz
Innersprachliche Innovationen
Viele griechische Wörter haben in der Umgebung des oströmischen Kaiserreichs und der christlichen Religion einen entscheidenden Bedeutungswandel vollzogen. So verdrängte der Begriff für den oströmischen Staatsbürger (der sich eher über die Zugehörigkeit zur Orthodoxie als über seine sprachliche oder ethnische Zugehörigkeit definierte) Romiós (, ?Römer?) den antiken Ausdruck Héll?n (, ?Grieche?), der nur noch für den Anhänger der alten olympischen Religion bzw. als Begriff für den ?Heiden? verwandt wurde. Erst im 15. Jahrhundert besannen sich Gelehrte wieder auf die ethnische und vor allem sprachlich-kulturelle Kontinuität des ichthys () verdrängte, das als Lateinischen übernommen, hierzu zählen vor allem Titel und andere Begriffe aus dem Leben des Kaiserhofs wie (Ávgoustos ? ?Augustus?), ??????? (prinkips, lat. princeps, ?Prinz?), ????????? (mágistros, ?Quästor?), (offikiálos, lat. officialis ? ?amtlich?).
Auch Alltagsbegriffe drangen aus dem Lateinischen ins Griechische ein, Beispiele hierfür sind (ospítion lat. hospitium, ?Herberge?, daraus neugr. ????? spíti ?Haus?) ????? (sélla, ?Sattel?), ??????? (tavérna, ?Taverne?), ????????? (kandílion, lat. candela ? ?Kerze?), ???????? (fournízo, zu lat. furnus ?Backofen? ? ?backen?) und ?????? (fláska, lat. flasco ? ?Weinflasche?).
Weitere Einflüsse auf das Mittelgriechische ergaben sich durch den Kontakt mit Nachbarsprachen und den Sprachen der venezianischen, fränkischen und arabischen Eroberer. Einige der Lehnwörter aus diesen Sprachen haben sich im Griechischen oder in seinen Dialekten dauerhaft gehalten:
* káltsa (??????) v. ital calza, ?Strumpf?
* dama (?????) v. frz. dame, ?Dame?
* gouna (?????) v. slaw. guna, ?Pelz?
* louloúdi (????????) v. alban. lule, ?Blume?
* pazári (??????) v. türk. pazar (dies aus dem Persischen), ?Markt?, ?Basar?
* chatzi- (?????-) v. arab. haddschi, ?Mekkapilger?, als Namenszusatz für einen Christen nach erfolgter Jerusalem-Pilgerreise
Schrift
Das Mittelgriechische verwendete die 24 Buchstaben des griechischen_Alphabets, die bis zum Ende der Antike vorwiegend als Lapidar- und Majuskelschrift und ohne Wortzwischenräume und Diakritika verwendet wurden.
Unziale und Kursive
im Codex Sinaiticus (4. Jh.)]]
Im dritten Jahrhundert entwickelte sich für das Schreiben auf Papyrus mit einer Rohrfeder unter Einfluss der lateinischen Schirft die griechische Unziale, die im Mittelalter die Hauptschrift für das Griechische wurde. Ein verbreitetes Charakteristikum für die mittelalterliche Majuskelschrift wie die Unziale ist eine Fülle von Abkürzungen (z. B. ?Ϲ für ?Christos?) und Ligaturen.
Für das schnelle Ritzen in Wachstafeln mit einem Griffel entwickelte sich die erste griechische ?Schreibschrift?, eine Kursive, die bereits erste Unter- und Oberlängen sowie Buchstabenverbindungen zeigte.[http://stud.fh-wedel.de/~kh/Medienkonzeption1/V_MK1_UnterlagPdf/v_mk1_01_TypKlass.pdf http://stud.fh-wedel.de/~kh/Medienkonzeption1/V_MK1_UnterlagPdf/v_mk1_01_TypKlass.pdf] (PDF).; Einige Buchstabenformen der Unziale (ϵ für ?, Ϲ für ?, Ѡ für ?) wurden, besonders im sakralen Bereich, auch als Majuskeln gebraucht, das Sigma in dieser Form wurde als ? in die kyrillische_Schrift übernommen. Die griechische Unziale verwendete erstmals den Hochpunkt als Satztrenner, wurde aber noch ohne Wortzwischenräume geschrieben.
Minuskelschrift
Ab dem 9. Jahrhundert erscheint mit der Einführung des Papiers immer häufiger die wahrscheinlich in Syrien aus der Kursiven entstandene griechische Minuskelschrift, die erstmals regelmäßig die schon im 3. vorchristlichen Jahrhundert entwickelten Akzente und die Spiritus verwendet. Diese sehr flüssige Schrift mit Über- und Unterlängen und vielen möglichen Buchstabenverbindungen verwendete als erste den Wortzwischenraum. Als letzte Formen wurden im 12. Jahrhundert das Iota subscriptum und das End-Sigma (?) entwickelt. Nach der islamischen Eroberung Griechenlands verschwand die griechische Schrift im Bereich des östlichen Mittelmeers und beschränkte sich auf die Verwendung durch die Gräzistik in West- und Mitteleuropa. Die im 17. Jahrhundert von einem Buchdrucker aus der Antwerpener Drucker-Dynastie Wetstein entwickelte Type für Majuskeln und Minuskeln des Griechischen wurde schließlich für die moderne griechische Druckschrift verbindlich.Károly Földes-Papp: Vom Felsbild zum Alphabet. Die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorstufen bis zur modernen lateinischen Schreibschrift. Stuttgart 1987, ISBN 3763012664.
Textprobe
Attizistische Koin?
Originaltext:
Anna Komnena: Alexiade, Beginn des ersten Buches (um 1148). Anna Komnena: Alexiade, Online-Ausgabe als [http://patrologia.ct.aegean.gr/PG_Migne/Anna%20Komnena_PG%20131/Alexias.pdf/'>PDF] (3 MB).
Volkssprache
Originaltext:
Digenis Akritas, Madrider Manuskript, 12. Jahrhundert.In: David Ricks: Byzantine Heroic Poetry, Bristol 1990, ISBN 1853991244.
Wirkung auf andere Sprachen
Das Mittelgriechische hat als Sprache der orthodoxen_Kirche, besonders mit der Slawenmission der Brüder Kyrill und Method, im religiösen Bereich Eingang in slawische_Sprachen gefunden, besonders in die Sprachen mit orthodoxer Bevölkerung, also das Bulgarische, Russische, Ukrainische und Serbische. Deshalb entsprechen griechische Lehnwörter und Neologismen in diesen Sprachen oft der byzantinischen Phonologie, während sie in die Sprachen Westeuropas über lateinische Vermittlung in der Lautgestalt des klassischen Griechisch gelangt sind (vgl. deutsch Automobil vs. russisch ?????????? awtomobil und die Unterschiede_im_Serbokroatischen).
Einige deutsche Wörter, vor allem aus dem religiösen Bereich, sind über die Vermittlung des Gotischen ebenfalls aus dem Mittelgriechischen entlehnt worden, hierzu zählen Kirche (aus , kiriakós íkos (?Haus des Herrn?) über eine weibliche Kurzform kíriki und althochdeutsch chiricha) oder Pfingsten (aus , pentikostí, ?der fünfzigste [Tag nach Ostern]?).
Forschung
Im Byzantinischen Reich wurden alt- wie mittelgriechische Texte vielfach kopiert, das Studium dieser Texte war Bestandteil der byzantinischen Bildung. Mehrere Abschrift-Sammlungen versuchten, die griechische Literatur seit der Antike umfassend zu dokumentieren. Nach dem Niedergang Ostroms gelangten viele Gelehrte und eine große Zahl von Handschriften nach Italien, mit dessen Wissenschaftlern schon seit dem 14. Jahrhundert ein reger Austausch bestanden hatte. Die italienischen und griechischen Humanisten der Renaissance legten bedeutende Sammlungen in Rom, Florenz und Venedig an. Die Vermittlung des Griechischen durch griechische Zeitgenossen bewirkte auch die itazistische Tradition der italienischen Gräzistik.
Im 16. Jahrhundert begann auch in West- und Mitteleuropa durch Vermittlung von Gelehrten, die an italienischen Universitäten studiert hatten, die gräzistische Tradition, die die byzantinischen Werke mit einschloss, die vornehmlich die klassische Philologie, Geschichte und Theologie, jedoch nicht mittelgriechische Sprache und Literatur zum Hauptgegenstand der Forschung hatte. Als ?Vater? der deutschen Byzantinistik gilt Hieronymus Wolf (1516?1580). In Frankreich war Charles Dufresne DuCange (1610?1688) der erste bedeutende Byzantinist. Im 18. Jahrhundert ließ das Interesse an byzantinistischen Forschungen deutlich nach ? die Aufklärung sah in Byzanz vorrangig die dekadente, untergehende Kultur der Endzeit des Reichs.Paul Meinrad Strässle: Byzantinistik ? eine interdisziplinäre Herausforderung nicht nur für Historiker ([http://www.hist.uzh.ch/verwandtegebiete/byzantinistik.html]).
Erst im 19. Jahrhundert, nahm, nicht zuletzt angeregt durch den Philhellenismus die Veröffentlichung und Erforschung mittelgriechischer Quellen rapide zu. Auch erste volkssprachliche Texte wurden ediert. Allmählich begann sich die Byzantinologie von der Klassischen Philologie zu lösen und eine eigenständige Forschungsrichtung zu werden. Der bayerische Wissenschaftler Karl Krumbacher (1856?1909), der auch im nunmehr gegründeten Staat Griechenland forschen konnte, gilt als Begründer der Mittel- und Neugriechischen Philologie. Er bekleidete ab 1897 einen Lehrstuhl in München. Ebenfalls im 19. Jahrhundert begründete sich aus der kirchengeschichtlichen Verbindung zum Byzantinischen Reich die russische Byzantinologie.
Für den 1832 wiedergegründeten Staat Griechenland war die byzantinistische Forschung von großer Bedeutung, da der junge Staat seine kulturelle Identifikation in der antiken und orthodox-mittelalterlichen Tradition wieder zu finden versuchte. Der spätere griechische Ministerpräsident Spyridon Lampros (1851?1919) begründete die griechische Byzantinologie, die von seinen und Krumbachers Schülern weitergeführt wurde.
Eine hervorragende Rolle spielt die Byzantinologie auch in den anderen Ländern der Balkanhalbinsel, da die byzantinischen Quellen oft bedeutende Quellen für die Geschichte der eigenen Völker darstellen. So gibt es eine längere Forschungstradition zum Beispiel auch in Serbien, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Weitere Zentren der Byzantinologie befinden sich in den USA, in Großbritannien und Frankreich.
Literatur
* Anthony Cutler, Jean-Michel Spieser: Das mittelalterliche Byzanz. 725?1204. Beck, München 1996, ISBN 3406412440.
* Elizabeth M. Jeffreys: Popular literature in late Byzantium. London 1983, ISBN 0860781186.
* Christos Karvounis: Griechisch, in: Milo? Okuka (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Klagenfurt 2002 ([http://www.uni-klu.ac.at/eeo/Griechisch.pdf PDF; 977 KB]).
* Emmanouil Kriaras: ?????? ??? ??????????? ????????? ???????? ???????????. 12 Bände, Thessaloniki 1968?1993.
Karl Krumbacher: Geschichte der byzantinischen Literatur von Justinian bis zum Ende des Oströmischen Reiches. 2. Auflage, Beck, München 1879; Nachdruck Burt Franklin, New York 1970.
* Gyula Moravcsik: Einführung in die Byzantinologie. Aus dem Ungarischen von Géza Engl. Darmstadt 1976, ISBN 3534056701.
* Heinz F. Wendt: Das Fischer Lexikon ? Sprachen. Frankfurt am Main 1987, ISBN 3596245613.
Weblinks
• Homepage der deutschen Byzantinistik
• patrologia.ct.aegean.gr Zahlreiche Primärquellen aus byzantinischer Zeit als PDF

