Weißrussland
Weißrussland (weißrussisch und russisch /) ? im deutschen Sprachraum und amtlich auch Belarus ? ist ein Staat in Osteuropa, der zwischen Polen, der Ukraine, Russland, Lettland und Litauen liegt. Früher wurde das Land auch Weißruthenien und im DDR-Sprachgebrauch Belorußland genannt.
Abseits der Formalia gilt Weißrussland für die EU und die USA als momentan einzige Diktatur Europas, in der auch massive Menschenrechtsverletzungen stattfinden sollenhttp://web.amnesty.org/report2005/blr-summary-eng http://de.rian.ru/world/. Wahlen werden, nach Meinung des Westens, massiv manipuliert, Oppositionelle ermordet und Medien zensiert.
Name
Der Name Belarus ist seit dem Mittelalter überliefert und wurde im 19. Jahrhundert allgemein üblich, ist aber mit ?Weiße Rus? ungenau übersetzt. Rus war der ostslawische Name für skandinavisch-slawische Herrschaftsgebiete wie das der Kiewer Rus, zu dem das Land von der Gründung an gehörte. ?Bely? bedeutete im Mittelalter im geografischen Sinne ?westlich? oder ?nördlich?, Belarus demnach ?Westliche Rus?. Daneben gibt es in Weißrussland auch Ansichten über andere mögliche Bedeutungen (siehe die beiden englischen Artikel zu _Belarus und White_Russia). Die Verwendung des Wortes Belarus bietet sich also an, um Unklarheiten zu vermeiden. Jedoch ist im Deutschen die Bezeichnung Weißrussland traditionell verbreitet. Die weißrussischen offiziellen Stellen wie auch die deutsche Diplomatie verwenden in offiziellen deutschsprachigen Texten den Namen Belarus, um die Unterscheidung von Russland zu verdeutlichen. Laut Auswärtigem Amt kann auf Landkarten sowie in nicht-diplomatischen Texten weiterhin die traditionelle Bezeichnung Weißrussland verwendet werden.
Geographie
Die größte Ausdehnung des Landes vom Westen nach Osten beträgt 650 km ? von Nord nach Süd sind es 560 km.
Unter den europäischen Staaten ist Weißrussland flächenmäßig damit an 13. Stelle.
Die Staatsgrenzen zu Russland und Ukraine machen je etwa 1000 km und insgesamt zwei Drittel aus, während auf Polen, Litauen und Lettland das letzte Drittel entfällt. Der Grenzverlauf ist unregelmäßig und folgt nur nach Polen teilweise den Gewässern (Bug), vornehmlich aber über Sumpf- und Hügelland.
Die Entfernung von der Hauptstadt Minsk bis zu den Hauptstädten der Nachbarstaaten beträgt:
* nach Vilnius: 215 km
* nach Riga: 470 km
* nach Warschau: 550 km
* nach Kiew: 580 km
* nach Moskau: 700 km
Weißrussland liegt in der Osteuropäischen Ebene und wird von Hügelketten der eiszeitlichen Endmoränen (Weißrussischer Höhenrücken) und breiten, naturbelassenen Flüssen durchzogen. Etwa 70 % des Landes entwässern nach Süden zum Prypjat und zum Dnjepr, der weiter durch die Ukraine ins Schwarze_Meer fließt.
Im Süden liegen die Palessje-Sümpfe (russisch: Polesje). 30 % des Landes sind bewaldet. In den Wäldern leben Hirsche, Rehe, Elche, Bären, Wölfe, Hermeline, Dachse, Füchse und Eichhörnchen. Die höchste Erhebung ist die Dsjarschynskaja Hara (345 m) im Weißrussischen Höhenrücken, die tiefsten Flussniederungen liegen etwa 50 Meter über dem Meer.
Die größten Flüsse von Belarus sind Dnjepr (weißrussisch Dnjapro), Beresina (weißrussisch Bjaresina), Prypjat (weißrussisch Prypjaz) und Memel (weißrussisch Njoman). Nicht groß, aber als Grenze zu Polen und damit zur EU relevant ist der Fluss Bug. Größter See ist der Naratsch im Norden des Landes, nahe der Grenze zu Litauen.
Weißrussland besitzt ein ausgeprägtes kontinentales_Klima mit kalten, schneereichen Wintern und trockenen Sommern. Die (zentral gelegene) Hauptstadt Minsk gilt als ?Schlechtwetterstadt? mit häufigem Niederschlag.
Bevölkerung
Weißrussland hat 9,7 Mio. Einwohner (geschätzt, Stand 2005). In dem multiethnischen und multikonfessionellen Land leben Vertreter von mehr als 100 Nationalitäten und vieler Religionen zusammen.
Ethnische Gruppen
Trotz der Einwanderung vieler Russen und der Deportation zehntausender Weißrussen unter Stalin ist der Anteil der Weißrussen in der Bevölkerung 81,2 %. Die größte Minderheit sind die Russen mit 11,4 %, gefolgt von 3,9 % Polen und 2,4 % Ukrainern. Viele weitere ethnische Gruppen teilen sich die restlichen 1,1 %, darunter Letten, Zigeuner (vorwiegend Jerli), Litauer, Slowaken, Selonen, Moldauer, Jenische, Ruthenen und Deutsche.
Konfessionen
Die größte Konfessionsgruppe in Weißrussland ist das orthodoxe_Christentum, dem ca. 80 % der Bevölkerung angehören ? vor allem Weißrussen, Ukrainer, Moldawier und Russen. Ferner Gruppen orthodoxer Ruthenen, die aus den Karpaten wegen Verfolgungen durch Katholiken hierher kamen. Die restlichen 20 % der Bevölkerung verteilen sich auf mehrere Konfessionen (darunter römisch-katholisch, protestantisch, jüdisch und moslemisch).
Römisch-katholisch sind die meisten Polen und Litauer, sowie die Weißrussen im Westen und Norden des Landes. Insgesamt umfasst die katholische Kirche etwa 7 % der Bevölkerung. Die Letten und Jerli (auch Sinti, Lowara, Manusch, Roma und Calderasch) bekennen sich vorwiegend zur evangelisch-lutherischen Kirche, ebenso eine slowakische Minderheit, deren Vorfahren nach dem Dreißigjährigen_Krieg nach Weißrussland flohen. Insgesamt sind 2,6 % der Menschen evangelisch-lutherisch. Die meisten Deutschen sind evangelisch-reformiert und die Selonen hauptsächlich Waldenser.
Weißrussland war eines der schwerpunktmäßig betroffenen Länder des Holocaust. Vorher lebte hier eine große jüdische Bevölkerungsgruppe.
Bevölkerungsstatistik
bis 2003]]
Das Bevölkerungswachstum beträgt zurzeit etwa -0,15 %. Die Lebenserwartung in der Bevölkerung liegt bei 68,14 Jahren, bei Männern 62,06 Jahre und bei Frauen 74,52 Jahre.
Die Alphabetisierungsquote ist mit 98 % nahezu europäischer Standard.
Größte Städte
(Einwohner 1. Januar 2004)
Bildungswesen
Hochschulen
= Größte Hochschulen
=Die Minsk
* Weißrussische Staatliche Universität für Wirtschaft, Minsk
* Nationale Akademie der Wissenschaften, Minsk
* Staatliche Universität für Medizin, Minsk
* Staatliche Universität für Agrarwissenschaft, Minsk
Europäische Humanistische Universität (Exiluniversität) zur Zeit in Vilnius.
Hochschulkontakte ins Ausland
Einige tausend junge Weißrussen studieren in Deutschland und eine etwas größere Zahl in Russland oder Ländern des Westens.
Mit den erstgenannten drei Hochschulen hat der [http://www.internation-hilfsfonds.org/projekte/unikoop.htm Internationale Hilfsfonds] von EU und Deutschland Partnerschaften in den Westen eröffnet. Die oft beklagte Isolation war für Weißrussland schon zu Zeiten der Sowjetunion schmerzhaft. Seit der Unabhängigkeit des Landes wuchs die Hoffnung der Universitäten auf Kooperationen, was aber wegen der autoritären Staatspolitik kaum gelang.
Die 1992 gegründete einzige Privatuniversität, die ?Europäische Humanistische Universität? wurde im August 2004 auf staatlichen Druck geschlossen. Sie hatte, größtenteils aus westlichen Mitteln finanziert, Europastudien, Sprach- und Politikwissenschaften angeboten. Auch das Institut für Deutschlandstudien befand sich dort. Die Hochschule wurde im Juni 2005 im Exil in Vilnius (Litauen) wiedereröffnet.
Gesundheitswesen
Verbreitung von HIV-Infektionen und AIDS
Zum ersten April 2004 wurden offiziell 5751 HIV-Infektionen, 107 AIDS-Fälle und 439 AIDS-Tote in der Republik Weißrussland gemeldet.
HIV tauchte 1996 zum ersten Mal unter den spritzenden Drogenabhängigen in Swetlahorsk (Woblast Homel) auf.
Bis September 1998 waren in der selben Stadt 2173 HIV-Fälle offiziell registriert. Dies macht 81 Prozent aller gemeldeten Fälle im gesamten Land zu dieser Zeit aus. Die Zahl der infizierten Drogenabhängigen stieg auf 74 Prozent.
HIV-Tests sind Pflicht für Blutspender, Gefängnisinsassen, Patienten mit sexuell übertragbaren Krankheiten, Drogenabhängige und Prostituierte.
Die HIV-Fälle, in welchen die Ansteckungsursache dokumentiert wurde, listen für das Jahr 2003 auf, dass sich 76 % (im Vorjahr: 64 %) durch nicht sterilisierte Spritzen beim Drogenkonsum und 23 % (im Vorjahr: 35 %) durch heterosexuelle_Kontakte infiziert haben.
2002 lebten von den 319 dokumentierten Fällen einer heterosexuellen Ansteckung 52 % mit Risikopartnern, hauptsächlich Drogenabhängigen.
Wie auch in Russland ist die Krankheit nicht im gesamten Land gleich verteilt, sondern zeigt die höchsten Zahlen im Woblast Homel (3380 Fälle, oder 224,5 auf 100.000 Einwohner) und in Minsk (823 Fälle, oder 47,3 auf 100.000 Einwohner).
Kinderverschickung nach der Tschernobylkatastrophe
Nach der Reaktorkatastrophe_von_Tschernobyl haben sich in Deutschland viele private Hilfsorganisationen gegründet, welche den Kindern aus den vom radioaktiven_Fallout betroffenen Gebieten Erholungsaufenthalte bieten. Dadurch wird das Immunsystem der Kinder gestärkt und die Völkerverständigung gefördert. Vom Staat Weißrussland und von der Deutschen Botschaft werden diese Erholungsaufenthalte unterstützt. Da man die Bevölkerung vor dem ?schädlichen? Einfluss des Westens schützen möchte, werden Ausreisemöglichkeiten vor allem für jüngere Leute immer mehr erschwert (zum Beispiel Erholungsaufenthalte für Kinder aus radioaktiv belasteten Regionen, Studentenaustausch) ? ein Beitrag zur Isolation des Landes, allerdings war die Ausreise der ?Tschernobylkinder? problemlos möglich.
Weitere Artikel
Portal:Weißrussland
89 MILLIMETER: Dokumentarfilm
Liste bekannter Weißrussen
Literatur
• Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Nach der ?Orangenen Revolution?; Der Bürger im Staat, Heft 4, 2005; Aufsätze zur Entwicklung von Politik und Wirtschaft in der Ukraine, Russland und Weißrussland
• O?rodek Studiów Wschodnich, OSW; Centre for Eastern Studies, Warschau: Belarus ? der Unbekannte Nachbar der Europäischen Union ? Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage Weißrusslands, September 2005
* Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch der Geschichte Weißrußlands, Göttingen, 2001 ISBN 3-525-36255-2
* Dirk Holtbrügge: Weißrussland, München 2002: C.H. Beck
* Evelyn Scheer: Weißrussland entdecken, Berlin 2002: Trescher Verlag
• Belarus-News, Vierteljährlicher Informationsdienst, 1998-heute, hrsg. vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund.
Spezialisierte Literatur
* Olga Abramova: Integration zwischen Realität und Simulation. Die belarussisch-russländischen Beziehungen seit 1991, Untersuchungen des Forschungsschwerpunktes Konflikt- und Kooperationsstrukturen in Osteuropa an der Universität Mannheim (FKKS) 19, Mannheim, 1998
* Claudia M. Buch: Währungsreformen im Vergleich: monetäre Strategien in Russland, Weißrussland, Estland und der Ukraine, Kieler Studien 270, Tübingen, 1995
* Irina Bugrova, Svetlana Naumova: Parliamentary elections and foreign policy orientations of Belarus, in: Vector ? Belarusian Journal of International Politics, 1/1, S. 2?7, 1996
* Heinrich Linus Förster: Von der Diktatur zur Demokratie ? und zurück? Eine Auseinandersetzung mit der Problematik der Systemtransformation am Beispiel der ehemaligen Sowjetrepublik Belarussland., Hamburg, 1998
* Rainer Lindner: Historiker und Herrschaft. Nationsbildung und Geschichtspolitik in Weißrussland im 19. und 20. Jahrhundert, Ordnungssysteme 5, München, 1999
* Rainer Lindner: Präsidialdiktatur in Weißrussland: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft unter Lukaschenko, in: Osteuropa 47/10?11, S. 1038?1052, 1997
* Astrid Sahm: Schleichender Staatsstreich in Belarus. Hintergründe und Konsequenzen des Verfassungsreferendums im November 1996, in: Osteuropa, 47/9, 1997, S. 475-487
* Roland Scharff: Belarus zwischen Europa und Russland, Osnabrück, 2001
* Eberhard Schneider: Der erste Mann Weißrusslands: Stanislau Schuschkewitsch, in: Osteuropa, 43/12, 1993, S. 1147?1151
* Jan Zaprudnik: Historical dictionary of Belarus'', London, 1998
Weblinks
• Infos über Weißrussland vom Auswärtigen Amt
• Artikel des ZEIT-Jugendportals ?Zuender? über Präsident Lukaschenko
• Oppositionsbewegung Zubr/Bison (derzeit, 26.10.06, 16.30 nicht erreichbar)
• Linksammlungen zu Belarus des Osteuropa-Netzwerks
* http://www.belarusnews.de/index.php
• Deutsche Botschaft Minsk
• Weißrussische Botschaft in Deutschland
• Geographische Notizen zu Weißrussland / Bjelarus
* http://www.osteuropa-infoseite.de/belarus.htm
• Die Sicht Russland auf Belarus
Fußnoten
am:????
arc:?????
az:Belorusiya
bat-smg:Baltaros?j?
be-x-old:????????chr:????
cu:???? ????
diq:Belarus
frp:Bièlorussie
hsb:B??oruskahy:????????ilo:Belaruskk:???????
ln:Bielorusia
mr:???????
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nov:Belarus
pms:Bielorussia
qu:Bilarus
ru-sib:????????sw:Belarus
ta:???????
tg:???????
vo:Vieta-Rusän
war:Bielorrusia
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