Business-Intelligence
Der Begriff Business-Intelligence (von engl. ?business intelligence? = Geschäftsanalyse, geschäftliche Nachforschung, geschäftliche Erkenntnisse, Abk. BI) wurde Anfang bis Mitte der 1990er Jahre populär und bezeichnet Systeme und Prozesse zur systematischen Analyse eines Unternehmens und seines kommerziellen Umfelds - meist mit Computersystemen. Ziel ist die Gewinnung von Erkenntnissen, die in Hinsicht auf die Unternehmensziele bessere operative, taktische oder strategische Entscheidungen ermöglichen. Dies geschieht mit Hilfe analytischer Konzepte und IT-Systeme, die Daten über das eigene Unternehmen, die Mitbewerber oder Marktentwicklung im Hinblick auf den gewünschten Erkenntnisgewinn auswerten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Unternehmen ihre Geschäftsabläufe, Kunden- und Lieferantenbeziehungen profitabler machen, Kosten senken, Risiken minimieren und die Wertschöpfung vergrößern. Der Begriff wird dem Fachgebiet der Wirtschaftsinformatik zugerechnet.Der Terminus "business intelligence" wurde 1989 von Howard Dresner geprägt, einem Analysten des Gartner-Konzerns. Er schuf später auch den weiterführenden Begriff Business-Performance-Management.
Abgrenzung
Der Terminus wird häufig synonym mit Competitive-Intelligence benutzt, wobei Business-Intelligence etwas allgemeiner gefasst ist und auch die Auswertung firmeninterner Daten umfasst. Weitere Synonyme sind Technical-Intelligence, Strategic-Intelligence und Market-Intelligence. Der englische Terminus "intelligence" hat hier nicht die Bedeutung ?Intelligenz?, sondern ?Erkenntnisse aus dem Sammeln und Aufbereiten einschlägiger Informationen? (vgl. die Bezeichnung des amerikanischen Geheimdienstes CIA 'Central Intelligence Agency'). ?Business? bedeutet hier ?Geschäft? im weiteren Sinne als Gesamtheit aller unternehmensinternen und -externen wirtschaftlichen Subjekte und Vorgänge, die für das eigene Unternehmen relevant sind.
Phasen
Die systematische Unternehmensanalyse (Business-Intelligence) lässt sich in drei Phasen einteilen: In der ersten Phase (data delivery) werden Eckdaten festgelegt und erhoben (quantitativer und qualitativer Art, strukturiert oder unstrukturiert). Diese Datenerfassung erfolgt entweder über ein "operatives" System (OLTP) oder in einem Data-Warehouse. In der zweiten Phase (discovery of relations, patterns, and principles) werden die Daten in Zusammenhang miteinander gebracht, sodass Muster und Diskontinuitäten sichtbar werden und mit etwaigen zuvor aufgestellten Hypothesen verglichen werden können, z. B. in Form von multidimensionalen Analysen oder Data-Mining. In der dritten Phase (knowledge sharing) werden die Erkenntnisse dann im Unternehmen kommuniziert, d. h. in das Wissensmanagement integriert. Die Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse soll dazu dienen, Entscheidungsgrundlagen für Maßnahmen und Aktionen zu liefern.
Begriffsverständnis
Im engeren Sinn bezeichnet BI nur die Methodik der Datenerfassung, im weiteren Sinn versteht man unter Business-Intelligence die Gesamtheit von Managementgrundlagen wie z. B. Wissensmanagement, Customer-Relationship-Management oder Balanced-Scorecard, die bei einem prozessorientierten Begriffsverständnis auch die permanente Datenpflege und Anpassung an ein veränderndes Umfeld umfassen (strategic alignment).
Das Institut für Business Intelligence versteht unter "Business Intelligence" die Integration von Strategien, Prozessen und Technologien, um aus verteilten und inhomogenen Unternehmens-, Markt- und Wettbewerberdaten erfolgskritisches Wissen über Status, Potentiale und Perspektiven zu erzeugen.
Werkzeuge
Business-Intelligence bedient sich der analytischen Informationssysteme. Der Datenbestand einer Analyse wird aus einem Data-Warehouse bzw. Auszügen daraus (Data-Marts) gespeist. Analysemethoden sind u. a. OLAP, Data-Mining, Text-Mining, Web-Mining oder Case-Based-Reasoning, wobei die meisten dieser Verfahren auf klassischer Statistik beruhen.
Anbieter
Der Markt für Business-Intelligence-Software in Deutschland befindet sich zurzeit (2005) in einer Wachstumsphase: Eine Studie der Meta Group ergab, dass mit einem jährlichen Anstieg des Marktvolumens von ca. 16 Prozent zu rechnen ist. Bis 2007 wird laut Analystenaussage ein Gesamtumsatz im Markt von 1,76 Milliarden Euro prognostiziert. Der Markt befindet sich seit mehreren Jahren in einer Phase der Konsolidierung, es tauchen jedoch gleichzeitig immer wieder neue innovative Ansätze auf.
Die beim amerikanischen Analysten Gartner im Januar 2007 geführten internationalen Software-Anbieter für Business-Intelligence-Lösungen sind:
* Applix
* arcplan
* Actuate
Business Objects
Cognos
Hyperion Solutions
Information Builders
Microsoft
* Microstrategy
Oracle
* Panorama Software
* Panoratio
• SAP' target='blank'>
*SAS Institute]
* Spotfire(Liste alphabetisch geordnet - Anbieter laut [[Gartner, eine weitere Marktübersicht findet sich z. B. bei [http://www.barc.de/de/barc-guidede/business-intelligence/anbieterliste.html BARC])
Neben diesen lizenzkostenpflichtigen Systemen gibt es auch Open-Source-Lösungen:
Pentaho: Open Source Business Intelligence Suite - Integratives Paket verschiedener Open-Source-BI-Tools
Weka: freie Open-Source-Software für Data Mining
* YALE (Yet Another Learning Environment): freie Open-Source Software für Business-Intelligence, Knowledge-Discovery und Data-Mining
• Palo: in Deutschland entwickelte Open-Source-OLAP-Datenbank mit kostenfreiem Microsoft Excel-Addin
BIRT: Business-Intelligence- and Reporting-Tools des Eclipse-Projektes
SpagoBI: The Business Intelligence Free Platform
JasperIntelligence: Business Intelligence Suite von JasperSoft
Literatur
*Bange, Carsten: OLAP & Business Intelligence - Softwarewerkzeuge im direkten Vergleich, Oxygon, 2005, ISBN 3-937818-05-7.
*Chamoni, P. / Gluchowski, P. (Hrsg.): Analytische Informationssysteme: Data Warehouse, On-Line Analytical Processing, Data Mining, Berlin 1998
*Egger, Fiechter, Straub...: [http://www.cubeserv.com/sapbwbibliothek/sap_business_intelligence_de.html SAP Business Intelligence, Aktuell zu SAP NetWeaver 2004s], Mai 2006, ISBN 3-89842-790-0
*Gluchowski, P. / Kemper, H.-G.: [http://www.sigs.de/publications/bi/2006/01/gluchowski_kemper_BIS_01_06.pdf Quo Vadis Business Intelligence?], in: BI-Spektrum, Ausgabe 1, 2006, S. 12-19.
*Grothe, M. / Gentsch, P.: Business Intelligence ? Aus Informationen Wettbewerbsvorteile gewinnen, München, Addison-Wesley, 2000
*Hildebrand, K. (Hrsg.): Business Intelligence, HMD 222, dpunkt.verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-89864-128-7.
*Kemper, H.-G. / Mehanna, W. / Unger, C.: Business Intelligence - Grundlagen und praktische Anwendungen: eine Einführung in die IT-basierte Managementunterstützung, Wiesbaden 2004 ISBN 3-52805-802-1
*Kimball, R.: The Data Warehouse Toolkit, 2002, 2. Auflage, John Wiley & Sons
*Mertens, P.: Business Intelligence - Ein Überblick, in: Information Management & Consulting 17 (2002) Sonderausgabe
*Seufert, A./ Lehmann, P.: Business Intelligence ? Status Quo und zukünftige Entwicklungen. In: HMD-Handbuch der modernen Datenverarbeitung, Schwerpunktheft Business & Competitive Intelligence 247/2006, S. 21-32.
*Zische, P.: Business Intelligence für kleine Unternehmen, W3L, 2004, ISBN 3-937137-51-3
Weblinks
• Competence-Center zum Thema Business-Intelligence
* Vortrag - Internet World Kongreß in München vom 25.10.2006: [http://www.competence-site.de/emarketing.nsf/12b19b642c468c68c1256918003764b7/10cd70386a3c5a76c12572220035b358!OpenDocument E-Processing 2.0: E-Commerce meets Web 2.0]
• Institut für Business Intelligence
• BARC Business Application Research Center, Themenbereich Business-Intelligence
• Fachaufsatz über das Einführen von BI-Systemen in Unternehmen (PDF, 237 KB)

