Burunduk
Der Burunduk (Tamias sibiricus (
Kennzeichen
Der Burunduk wird bis zu 125 g schwer, bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 13 bis 17 cm und einer Schwanzlänge von 8 bis 11 cm. Sein Fell ist rau, kurzhaarig und graubraun, der Rücken längsgestreift mit fünf schwarzbraunen und vier hellen breiten Streifen, die Flanken sind gelbbraun. Die Unterseite ist hell; ihre Farbe variiert je nach Herkunft des Tieres von weiß über beige bis hin zu rötlich. Schmale dunkle Streifen finden sich auch am Kopf in der Augengegend sowie am Schwanz. Das Fell wird zweimal im Jahr gewechselt, im Frühjahr und im Herbst.
Kopf und Körper des Burunduk haben ein typisches Nagetieraussehen mit kurzen Beinen und zum Greifen befähigten Pfoten. Die Ohren sind klein und rund; der Schwanz wird waagerecht getragen.
Die Pfoten des Burunduk zeigen deutliche Anpassungen an das Baumleben. Die polsterartigen Zehen- und Fußballen sind stark ausgeprägt, die Krallen kurz, aber stark gekrümmt und scharf.
Verbreitung
Derzeit ist der Burunduk in den gesamten nördlichen Nadelwaldgebieten Eurasiens von der Beringstraße bis Finnland zu Hause; außerdem in den südlicher gelegenen Laub- und Mischwäldern Nordjapans, Koreas und der Mandschurei. Auch in Mitteleuropa finden sich Burundukpopulationen, die jedoch nicht von zugewanderten, sondern von entlaufenen oder freigelassenen Tieren abstammen sollen.
Noch vor 200 Jahren war der Burunduk nur in Asien zu Hause. Um 1850 herum überwand er den Ural, breitete sich langsam nach Westen aus, überschritt im 20. Jahrhundert die Wolga und wurde in den 60er-Jahren aus Finnland gemeldet.
Da dem Burunduk als einziger eurasischer Streifchenhörnchenart 24 Arten in Nordamerika gegenüberstehen, ist davon auszugehen, dass die Gattung der Streifenhörnchen sich in Nordamerika entwickelte und der Burunduk sich von Arten in Westalaska abspaltete. Wann der Burunduk (bzw. sein Vorläufer) die Beringstraße überquerte, ob während der Eiszeit über die Landbrücke oder später (treibend auf ins Meer gespülten Bäumen oder Sträuchern oder als Blinder Passagier in Booten der Eskimo), ist nicht bekannt. Denkbar ist jedoch, dass die Überquerung des Urals nur Teil einer allgemeinen, schon lange anhaltenden Westwärtsbewegung ist, und dass der Burunduk sich, wie schon in Ostasien, auch in Europa langsam südlich ausdehnen wird. Die großen Unterschiede in der Mindestlänge seiner Winterruhe (siehe unten) weisen darauf hin, dass er die genetische_Variabilität hat, sich langfristig südlicheren Klimaten anzupassen.
Lebensraum und Lebensweise
Anders als ihre nahen Verwandten, die steppenbewohnenden Ziesel, leben Burunduks vorwiegend in unterholzreichen Nadel- und Mischwäldern sowie in Gebüschen an Wald- und Feldrändern und in Flusstälern.
Sie sind gewandt und gute Kletterer, die auch an senkrechten Baumstämmen auf und ab laufen können. Anders als die vorwiegend auf Bäumen lebenden Eichhörnchen halten Burunduks sich jedoch einen großen Teil der Zeit am Boden auf.
Hier legen sie Erdhöhlen an, deren Einfahrt je nach Bodenbeschaffenheit bis in eineinhalb Meter Tiefe führen kann. Der eigentliche Bau ist ein bis zweieinhalb Meter lang und besteht aus der Nestkammer und mehreren Vorratskammern sowie Blindgängen für den Unrat. In letzteren werden sämtliche Ausscheidungen und Nahrungsabfälle gelagert, während die Nestkammer peinlich sauber gehalten wird.
Burunduks in Gefangenschaft haben die Angewohnheit, von Zeit zu Zeit ihre Schlafhöhle zu wechseln. Über entsprechendes Verhalten in freier Natur liegen keine Erkenntnisse vor.
Burunduks leben in lockeren Kolonien, innerhalb dieser jedoch als Einzelgänger; jedes Tier hat sein eigenes Territorium, das es gegenüber den anderen Tieren verteidigt. Auch gegenüber anderen Nagetierarten ihrer Größenklasse können sie bissig werden. Die Reviergrenzen werden mit körpereigenen Duftstoffen und mit Urintropfen markiert.
Eine Ausnahme von diesem Einzelgängertum ist die Winterruhe, die oft paarweise verbracht wird.
Sonstiges Verhalten und Ernährung
Burunduks sind lebhafte und, soweit es sich nicht um Artgenossen oder andere Nager handelt, auch zutrauliche Tiere, die sich nahe an Menschen heranwagen und, wie auch Eichhörnchen, so vertraut werden können, dass sie Nahrung aus der Hand nehmen.
Sie sind tagaktiv und verfügen über entsprechend gut entwickelte Augen, die auch zum Farbsehen befähigt sind.
Sie treiben ausgiebig Körperpflege und nemmen gerne Sandbäder; dabei reiben sie sich durch Schlängelbewegungen Sand ins Fell, den sie anschließend wieder herausschütteln.
Burunduks sind Allesfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Beeren, Nüssen und Insekten, selten erbeuten sie auch Amphibien und Reptilien oder greifen sich nesthockende_Jungvögel. Sie essen auf den Hinterbeinen sitzend, die Nahrung wird dabei mit den Vorderpfoten gehalten.
Winterruhe
Burunduks halten eine Winterruhe, die im Norden (also dem größten Teil) ihres Verbreitungsgebietes fünf bis sechs Monate, von Oktober bis April, dauern kann. In unseren Breiten dauert sie kürzer, von November bis März. Sie wird nur an wärmeren Tagen für kurze Zeit zur Nahrungsaufnahme unterbrochen.
Als Wintervorräte werden Samen, Knospen, Eicheln, Blätter und trockene Pilze gesammelt und getrennt nach Futterart in den Vorratskammern verstaut. Gesammelt werden im Durchschnitt bis zu zwei Kilogramm an Vorräten, zuweilen bis zu sechs Kilogramm. Das Sammelverhalten verstärkt sich im Spätsommer und Herbst; in dieser Zeit kann auch ihre Bissigkeit gegenüber den Artgenossen zunehmen. Burunduks in menschlicher Obhut vergraben oft Vorräte in den Töpfen der Zimmerpflanzen; ob dieses der Vorratshaltung der Eichhörnchen entsprechende Verhalten auch in freier Natur vorkommt, ist nicht bekannt.
Bei Burunduks in Gefangenschaft wird eine sehr unterschiedlich ausgeprägte Winterruhe beobachtet, wenn sie in geheizten Räumen gehalten werden. Bei einigen Tieren unterscheidet sich Länge und Tiefe der Winterruhe nicht von denen, die im Freien gehalten werden, bei anderen kann sie viel kürzer sein, bei dritten viel weniger ausgeprägt, so dass die Tiere täglich zum Vorschein kommen. Daraus kann geschlossen werden, dass die Winterruhe der Burunduks sowohl inneren wie äußeren Einflüssen unterworfen ist: Die Gene oder die Charakterausprägung geben eine Mindestdauer und -intensität vor, von der Witterung hängt ab, ob die Winterruhe darüber hinaus verlängert und/oder vertieft wird.
Fortpflanzung
Mit dem Ende der Winteruhe beginnt die Paarungszeit. Die Paarung findet meist im April statt. Nach der Paarung trennen sich Männchen und Weibchen und gehen wieder zum Einzelgängerdasein über. Bei einer Tragezeit von 35 bis 40 Tagen werden Ende Mai bis Anfang Juni die Jungen geboren werden, meist um die vier, in Einzelfällen bis zu zehn. Die Jungen werden vier Wochen gesäugt und haben dann, Anfang Juli, schon ihre volle Größe erreicht. Im Lauf des Juli schließlich trennt sich die Familie. (In den südlicheren Teilen des Verbreitungsgebietes können die Daten für die Paarung und entsprechend für die folgende Jungenaufzucht früher sein.)
Mit elf Monaten, zur folgenden Paarungssaison, sind die Jungen geschlechtsreif. Ihre Lebensdauer kann sechs bis sieben Jahre betragen, die durchschnittliche Lebenserwartung ist in freier Natur aber erheblich kürzer: Zu den natürlichen Feinden zählen so gut wie alle Beutegreifer im Verbreitungsgebiet - Marder und Wiesel, Füchse und Wölfe, Waldkatzen und Luchse, Braunbären sowie Greifvögel, vor allem der Mäusebussard, dessen Nahrung in Sibirien im Sommer bis zu einem Drittel aus Burunduks besteht.
Systematik
(? Nomenklatur der klassischen Systematik (Biologie))
Externe Systematik
Der Burunduk (Tamias sibiricus) ist ein Vertreter der Gattung Streifenhörnchen (Tamias). Diese wird innerhalb der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) zur Unterordnung der Hörnchenverwandten (Sciuromorpha) gezählt, einer von fünf Unterordnungen neben den Biberverwandten (Castorimorpha), Mäuseverwandten (Myomorpha), Dornschwanzhörnchenverwandten (Anomaluromorpha) und Stachelschweinverwandten (Hystricomorpha). Innerhalb der Hörnchenverwandten wird die Gattung Streifenhörnchen bei der Familie Hörnchen (Sciuridae) eingeordnet und hier bei der Unterfamilie Erdhörnchen (Xerinae).
Die Gattung Streifenhörnchen wird mit fünf anderen Erdhörnchengattungen zur Gattungsgruppe Echte Erdhörnchen (Marmotini) zusammengefasst. Von dieser Gattungsgruppe seien hier die auch im deutschsprachigen Raum vertretenen Gattungen erwähnt: als steppenbewohnendes Gegenstück zu den Streifenhörnchen die Ziesel und als bekanntestes Mitglied der Gattungsgruppe die Murmeltiere.
Die Gattung Streifenhörnchen wird in drei Untergattungen mit 25 Arten aufgeteilt. Die Untergattung Altweltliche Streifenhörnchen (Eutamias) findet sich nur in Eurasien, der Burunduk ist die einzige in ihr vertretene Art.
Artenname
Die zur Zeit verbindliche wissenschaftliche_Artbezeichnung für den Burunduk ist Tamias sibiricus (
Von den deutschen Artnamen ist 'Burunduk' der bei Zoologen gebräuchlichste. Die Bezeichnungen 'Sibirisches Streifenhörnchen' und 'Asiatisches Streifenhörnchen' sind eher im Zoofachhandel zu finden; vermutlich, da sich die Tiere unter diesem Namen besser verkaufen. Zutreffend sind sie beide nicht mehr, seit der Burunduk den Ural überschritten hat. 'Gestreiftes Backenhörnchen' findet sich nur in älteren Werken und ist als zu unspezifisch abzulehnen.
Interne Systematik
Eine Beschreibung von Unterarten ist beim Burunduk nicht zu finden; die je nach Herkunft unterschiedliche Farbe ihrer Unterseite lässt jedoch das Vorhandensein von Unterarten als wahrscheinlich erscheinen.
Burunduks in Gefangenschaft
Burunduks werden gelegentlich in Pelztierfarmen gehalten.
Auch als Haustiere sind sie mittlerweile öfter zu finden. Hier ist jedoch der Umgang mit ihrem Sozialverhalten problematisch. Da sie kolonienbewohnende Einzelgänger sind und von Beginn der Winterruhe an paarweise leben, ist eine Einzeltierhaltung als nicht artgerecht zu bezeichnen; eine paarweise Haltung ist aber bei nur bei sehr reichhaltigem Platzangebot möglich. Das Platzangebot sollte bei Einzeltieren nicht unter 100cm x 60cm x 180cm liegen und man sollte den Tieren trotzdem tägliche freien Auslauf lassen.Wie bereits erwähnt benötigt man einen weitaus größeren Käfig für die Paarhaltung, den man in zwei Hälften unterteilen kann, da die Tiere auch heftigen Streitigkeiten unterliegen können was zu großen Verletzungen, bis hin zum tod führen kann.
Als Haustiere sind Burunduks auch in den Farbschlägen 'Zimtfarben' und 'Weiß' (Albino) zu finden. Dies dürfte auf die bei der eher kleinen Zuchtbasis nicht zu vermeidenden Inzuchtmutationen zurückzuführen sein. Weitere Domestikationserscheinungen sind bislang noch nicht beschrieben worden; irgendwie auffällige Tiere werden in der Regel auch nicht zur Weiterzucht verwendet.
Quellen und weiterführende Literatur
Bücher
* Hans-Albrecht Freye: Die übrigen Erd- und Baumhörnchen. In: Bernhard Grzimek (Hrsg.): Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreiches. Band 11: Säugetiere 2. Zürich 1967.
* Dr. h. c. Erna Mohr: Säugetiere. In: Wilhelm Eigner (Hrsg.): Das große Lexikon der Tiere. Braunschweig: Georg Westermann Verlag, ohne Jahr.
Weblinks
* Rolf Sistermann: Sibirische Streifenhörnchen. In Sara Yousef et al: Rodent-Info. [http://www.rodent-info.net/sibirisches_streifenhoernchen_allgemeines.htm]. [Stand 18.XI.2006. Zugriff 17.XII.2006].* Wikipedia, deutschsprachig: Streifenhörnchen. Streifenhörnchen. [Stand 15.XI.2006. Zugriff 10.XII.2006].
* Wikipedia, englischsprachig: Siberian Chipmunks. [http://en.wikipedia.org/wiki/Siberian_Chipmunk]. [Stand 22.XI.2006. Zugriff 17.XII.2006].

