Hermann Burte
Hermann Burte (15. Februar 1879 in Maulburg; ? 21. März 1960 in Lörrach; eigentlich Hermann Strübe) war ein deutscher Dichter und Maler.
Leben
Hermann Strübes Vater Friedrich Strübe (1842-1912) war Kanzleigehilfe, die Mutter Elisabeth, geborene Kuhny, (1847-1917) führte zeitweise einen kleinen Laden. Ihr Sohn Hermann besuchte die Volksschule in Maulburg und die höhere Bürgerschule in Schopfheim. 1896 zog die Familie nach Lörrach, 1897 legte Strübe sein Abitur an der Oberrealschule in Freiburg im Breisgau ab. Danach besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, wo er mehrere Preise errang. Anschließend studierte er an der Karlsruher Kunstakademie bei Ludwig Schmid-Reutte (1863-1909). Von 1900 bis 1904 unterrichtete Strübe stundenweise an der Kunstgewerbeschule. Für seine Leistungen erhielt er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in England.
Durch den engen Kontakt mit der englischen_Literatur, besonders mit William Shakespeare, John Milton und William Wordsworth, wurde Strübe immer mehr zur Dichtung hingezogen, ohne jedoch die Malerei ganz aufzugeben. Bei einem anschließenden Aufenthalt in Paris (bis 1908) nahm er an einem deutschen Preisausschreiben für einen ?Volksroman? teil und gewann einen Trostpreis. Strübe entschied sich daraufhin, Schriftsteller zu werden und wählte den Namen seines ersten Protagonisten als Pseudonym.
Jeremias Gotthelf, Friedrich Nietzsche und Carl Spitteler waren die literarischen Vorbilder von Hermann Burte. Der ideologische Einfluß Nietzsches und der ?völkischen_Bewegung? ist ? wie die allgemeine Grundstimmung in der deutsch-völkischen Kulturszene der ausgehenden wilhelminischen_Epoche ? schon im Roman Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers (1912) unverkennbar. Burte wurde so schnell zum Verfechter völkischer Ideologie und schließlich auch eifriger Unterstützer des Nationalsozialismus. Bereits 1925 ließ er sich einen Schreibtisch mit Hakenkreuzmotiven nach eigenen Entwurf anfertigen.Markgräfler Jahrbuch 1939, S. 102.
Von 1924 bis 1932 trug Burte als Mitherausgeber und maßgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach vierzehntägig erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift Der Markgräfler zur Schwächung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen bei.
Im Januar 1936, gerade rechtzeitig vor der Verleihung des ersten Johann-Peter-Hebel-Preises an ihn am 10. Mai, beantragte Burte die Aufnahme in die NSDAP. Er war Antisemit, Rassist und Gegner der Aufklärung. Er verehrte den Antisemiten Adolf BartelsHermann Burte: Worte an Bartels. In: Sieben Reden, 1943. sowie den Nazi-Diktator Adolf Hitler.Hermann Burte: Der Führer (Gedicht). In: Der Markgräfler, 15. März 1931 sowie Markgräfler Jahrbuch 1940/41, S. 64. Selbst vor Spitzelberichten an die Gestapo schreckte Burte nicht zurück.Allmende Nr. 64/65, S. 270-273.
Nach Ende des Zweiten_Weltkrieges und neunmonatiger Internierung im Lörracher Gefängnis musste er sein Wohnrecht im ?Flachsländer Hof? aufgeben und kam bei Freunden in Efringen-Kirchen unter, wo er bis 1958 ansässig blieb. Von der Freiburger Spruchkammer_für_politische_Säuberung wurde der mittlerweile mit Ehrendoktorwürde ausgestattete Hermann Strübe als ?Minderbelasteter? eingestuft. Ihm wurde eine zweijährige Bewährungsfrist auferlegt, außerdem wurden ihm politische Aktivitäten verboten. In dieser Zeit war er zunächst vorwiegend als Übersetzer französischer Gedichte tätig. Während seiner letzten Lebensjahre lebte er in seinem Geburtsort Maulburg.
Leistungen
Als Maler wie als Dichter hatte Burte dasselbe Ziel vor Augen: Gestaltung der Landschaft und des Menschen, seine Prägung durch die Heimat, aus der er wächst. Seinen Gedichten in alemannischer Mundart stehen die Gemälde gegenüber, zu denen ihn in erster Linie die Landschaft des Markgräflerlandes inspirierte, mit denen er aber auch die Veränderung und Zerstörung dieser Landschaft durch die industrielle Entwicklung dokumentierte.
Bleibend sind, solange der Dialekt gelebt wird, Burtes alemannische Gedichte, mit denen er einen Ruf als wirkungsstärkster Lyriker alemannischer Sprache nach Johann Peter Hebel erlangte, während seine Bekenntnisschrift Wiltfeber sowie seine Bühnenstücke nahezu vergessen sind. Beachtung finden auch seine Gemälde, wobei Burte selbst sein dichterisches Werk stets höher einschätzte als seine Malerei.
Die Verwendung des Schulnamens ?Hermann-Burte-Schule? untersagte 1979 das Oberschulamt Freiburg im Benehmen mit dem Regierungspräsidium Freiburg als oberer Rechtsaufsichtsbehörde der heutigen ?Grund-, Haupt- und Realschule Efringen-Kirchen?. In einer Presseerklärung zu dieser Entscheidung wurde festgestellt, dass ?im Werk Hermann Burtes starke nationalistische, brutal sozialdarwinistische und nicht zuletzt auch antisemitische Passagen, also wesentlich der nationalsozialistischen Ideologie verhaftete Elemente, enthalten sind. [?] Denn nicht etwa beiläufige und einmalige, sondern symptomatische und durchlaufende Teile im Werk Hermann Burtes stehen im diametralem Gegensatz zum Erziehungsauftrag der Schule, wie er im Grundgesetz, in der Landesverfassung und im Schulgesetz niedergelegt ist.?Markgräfler Tagblatt, 6. Februar 1979.
Zitate
Unter der Schlagzeile ?Das kommende Reich? beschwor Hermann Burte 1924 das ?Dritte_Reich? herauf:Der "Kriegserklärer in Permanenz" stellte in seinem Gedicht "Deutscher Wille" für alle
Uneinsichtigen resümierend fest:
"... Wir denken nicht an Krieg und Brand und Mord;
Wir halten uns nicht ferner für erlesen.
An seinem Orte wirkt ein jeder fort,
Geduldig, treu, als wäre nichts gewesen!..."
(in: Stirn unter Sternen, S. 85, Burda-Verlag, Offenburg, 1957)Kurt Tucholsky bemerkte bereits 1929 über Burte:
Auszeichnungen und Ehrungen
* 1912 Kleist-Preis zusammen mit Reinhard Johannes Sorge
* 1924 Ehrendoktortitel der Philosophie an der Universität Freiburg, zusammen mit Emil Strauß
* 1927 Schillerpreis (gemeinsam mit Fritz von Unruh und Franz Werfel)
* 1929 Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Maulburg
* 1936 Johann-Peter-Hebel-Preis
* 1937 Lyrikpreis der Zeitschrift Dame
* 1938 Großdeutscher Mundartenpreis Goldener Spatz von Wuppertal
* 1939 Goethe-Medaille
* 1939 Ehrenbürgerschaft der Stadt Lörrach
* 1942 Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
* 1944 Oberrheinischer Dichterring durch den Scheffelbund (Scheffelringes)
* 1944 Hans-Thoma-Medaille (als Maler)
* 1953 Ehrenring der deutschen Lyrik
* 1957 Jean-Paul-Medaille
* 1957 Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Efringen-Kirchen
Werke (Auswahl)
* Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers, 1912.
* Katte. Ein Schauspiel in fünf Aufzügen, 1914.
* Madlee, Alemannische Gedichte, 1923.
* Ursula, Gedichte, 1930.
* Anker am Rhein, Gedichte, 1937.
* Sieben Reden, Hünenburg-Verlag, Straßburg 1943.
* Das Heil im Geiste, Gedichte, Burda-Verlag, Offenburg 1953.
* Stirn unter Sternen, Gedichte, Burda-Verlag, Offenburg 1956.
Literatur
Manfred Bosch: Der Johann-Peter-Hebel-Preis 1936-1988. Eine Dokumentation. Waldkircher Verlag, Waldkirch 1988, ISBN 3-87885-170-7.
* Otto Borst (Hg.): Das Dritte Reich in Baden und Württemberg. Theiss, Stuttgart 1988 (Stuttgarter Symposion, Bd. 1), ISBN 3-8062-0563-9.
* Max Dufner-Greif: Der Wiltfeberdeutsche Hermann Burte. Braun, Karlsruhe 1939.
* Adolf von Grolman: Wesen und Wort am Oberrhein. Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1935.
* Wolfgang Heidenreich: Der Burte. Neuvermessung, Texte, Analysen. Sendemanuskript des SWR-Freiburg, 1978/2002.
* Hans Knudsen: Der Dichter Hermann Burte. Reuß u. Itta, Konstanz am Bodensee 1918 (Die Zeitbücher, Bd. 86)
Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Hain, Frankfurt am Main 1990 (Athenäum-Taschenbücher, Bd. 160), ISBN 3-445-04760-X.
* Artur Sack: Burtes 'Wiltfeber?. Der heimatlose deutsche ?Zwischenmensch? um die Wende des 19. Jahrhunderts. Dissertation, Münster 1936.
Hans Sarkowicz/Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Europa-Verlag, Hamburg u.a. 2002, ISBN 3-203-82030-7.
Quellen
Weblinks
*
• Gedichte und Gemälde von Hermann Burte auf der Internetseite des [http://www.kulturwerk-nsw.de Kulturwerks Nordschwarzwald].
* Wolfgang Heidenreich: [http://www.ji.lviv.ua/n12texts/heidenreich-ger.htm Mein Alemannien. Notizen über einen Lebensraum mitten in Europa]. In: Ji, Heft 12, 1998.

