Burschenschaft Germania Bonn
Germania Bonn nannte sich ab Juni 1844 eine aus einer Theologenkneipe hervorgegangene nicht-schlagende christliche_Burschenschaft in Bonn. Besonders innig war das Verhältnis zu Ernst Moritz Arndt, der wiederholt an den Veranstaltungen der Verbindung teilnahm und sie als "seltene Erscheinung" bezeichnete. Diese war 1841 zunächst ohne Namen, jedoch mit der internen Bezeichnung "Wingolf" gegründet worden, nahm jedoch 1844 den Namen Germania an, behielt aber die Kontakte zum Wingolf in Halle, Berlin und Erlangen bei und war auch zur Gründung des Wingolfsbundes 1844 geladen. Die Germania trug ab 1845 die Wingolfsfarben schwarz-weiß-gold. Erst 1846 werden die Beziehungen vorübergehend abgebrochen als die Germania Bonn mit schlagenden Burschenschaften in ein Kartell eintrat.Im Jahr 1843 schlossen sich die Burschenschaften in Bonn zur allgemeinen Studentenschaft, kurz Allgemeinheit genannt, zusammen. Mit Ausnahme der Alemannia Bonn bildeten die übrigen, Fridericia, Frankonia und Germania im Dezember 1846 ein Kartell, das sich ab dem 22. Januar 1847 Allgemeiner Convent (A.C.) nannte. Prominentes Mitglied der Germania war ab 1846 Konrad Duden.
Die Burschenschaften spielten eine bedeutende Rolle bei der Märzrevolution 1848, deren Anführer in in Bonn, Professor Gottfried Kinkel, entstammte dem Kreis der Theologenkneipe, aus der die Germania hervorgegangen war. Eine weitere herausragende Persönlichkeit war Carl Schurz, Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia. Nach dem Scheitern der Revolution wurde die Germania zum Ende des Sommersemesters 1849 wegen Mitgliedermangels aufgelöst. Die Verbindungssymbole wurden auf der Erpeler Ley feierlich dem Feuer übergeben.
1856 entstand in Bonn eine Verbindung unter dem Namen Wingolf. Aufgrund von Streitigkeiten über das christliche Prinzip, spaltete sich 1860 die liberaler ausgerichtete Mehrheit ab und gründete auf der Erpeler Ley die Burschenschaft Germania. Diese stand von 1862 bis 1866 im Kartell mit den späteren Schwarzburgbundverbindungen Uttenruthia Erlangen und Tuiskonia Halle (sog. Dreibund). Außerdem wurden freundschaftliche Beziehungen zu den christlichen Burschenschaften Germania Göttingen und Alemannia Leipzig gepflegt.
Der Bonner Wingolf beschloss 1891 die Rückdatierung auf den Verein von 1841, nachdem noch lebende Mitglieder des Vereins von 1841 den Wingolf als rechtmäßigen Nachfolger anerkannten. Die Burschenschaft Germania wurde, nach längerer Suspendierung, 1904 von in Bonn studierenden Mitgliedern ihrer alten Freundschaftsverbindungen Tuiskonia, Germania Göttingen und Alemannia als Freie Burschenschaft Rheno-Germania Bonn wiedergegründet. Von den noch lebenden Mitgliedern der Bonner Germania von 1860 traten rund 20 der Nachfolgerin Rheno-Germania bei, darunter auch der u.g. Hermann Richter.
Bekannte Persönlichkeiten
• Beyschlag] (Gründungsmitglied 1841)
• Kinkel] (ältere Theologenkneipe)
• Burckhardt] (Theologenkneipe 1841)
• Duden] (Germania ab 1846)
Sekundärliteratur
*Braubach, Max - Bonner Professoren und Studenten in den Revolutionsjahren 1848/49, Köln u. Opladen 1967
*Wurzel, Wolfgang - Konrad Duden. Leben und Werk. Neubearb., Mannheim (u.a.) 1998
Gedruckte Quellen
*Beyschlag, Willibald - Aus meinem Leben, Bd. I, Halle a.S. 1896
*Mörchen: Die Germania in Bonn und der erste Dreibund, in: Dreißigjährige Geschichte der Verbindung Tuiskonia zu Halle a. S, : 1856 - 1886. Als Ms. gedr., Leipzig: Kamm & Seemann, 1888, S.74-81.
*Oppermann, Otto - Die Burschenschaft Alemannia zu Bonn und ihre Vorläufer, Bd. I, Bonn 1925
*Richter, Hermann - Aus den Tagen der alten Bonner Burschenschaft Germania 1860-67, in: Blätter a. d. Schwarzburgbund 1, 1910 (H. 4), S. 123
*Schurz, Carl - Lebenserinnerungen, Bd. I (bis 1852), Berlin 1906
*Waitz, Hans - Geschichte des Wingolfs (aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt), 3. Aufl., Darmstadt (u.a.) 1926

