Pfrunger Ried
Das Pfrunger Ried ist nach dem Federsee mit 2600 ha das zweitgrößte Moorgebiet Südwestdeutschlands. Es liegt in den Landkreisen Sigmaringen und Ravensburg in der Nähe der Gemeinden Wilhelmsdorf und Ostrach.
Von der ehemals fast 3000 ha großen Moorfläche sind nur mehr geringe Teile erhalten geblieben. Fast 2000 ha wurden in Grünland verwandelt, etwa 400 ha mit Birken-und Schwarzerlen bestockt. 120 ha Wasserflächen entstanden durch das Torfstechen. Somit sind vor allem die Niedermoor- und Zwischenmoorbereiche bis auf wenige Reste verschwunden. Die Hochmoore sind jedoch weitflächig erhalten geblieben und weisen eine Fläche von fast 150 ha auf.
Das Naturschutzgebiet Pfrunger-Burgweiler Ried besteht in einer Ausdehnung von 780 ha seit 1980. Es wird intensiv wissenschaftlich und erlebnispädagogisch betreut und ist interessierten Besuchern auf mehreren Lehrpfaden zugänglich.
Im Jahr 2002 wurde das Pfrunger Ried in das Naturschutz-Großprojekt des Bundes aufgenommen. Der Förderzeitraum ist auf 10 Jahre ausgelegt. Ziel ist die Renaturierung des Moorgebiets durch Wiedervernässung.
Entstehung
Das heutige Moorgebiet ist ein Rest eines nacheiszeitlichen Sees, der sich nach Abschmelzen des Rheingletschers nach und nach mit Sedimenten und mineralischen Einlagerungen verfüllte und somit teilweise verlandete. So entstanden Flachmoore und an manchen Stellen über ihnen Hochmoore. Diese Gebiete waren durch Tiefgründigkeit und Nässe gekennzeichnet und eigneten sich nicht für eine dauerhafte menschliche Besiedelung. Allerdings bildeten sich auch durch mineralische Einschwemmungen feste Inseln, auf denen die ersten festen menschlichen Siedlungen entstanden. Der Kernbereich des Gebietes blieb aber unbesiedelt und galt als unbebaubares, minderwertiges Land.
Besiedlung
Das Sumpfgebiet war über viele Jahrhunderte eher schwach besiedelt. Erst im 18. Jahrhundert kam es zu großeren Landnahmen. Im Pfrunger Ried traffen die Länder Baden, Hohenzollern und Württemberg aufeinander. Die Wälder um das Ried und das Moor selbst boten für Räuber- und Gesindebanden wie die des ?Schwarzen Veri? (Xaver Hohenleiter) im Frühjahr 1819 schnelle Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke, was ein Strafverfolgung teils über Landesgrenzen hinweg erschwerte.
Wilhelmsdorf
Dieses Gebiet wurde 1824 von der königlich württembergischen Verwaltung einer strenggläubigen evangelischen Brüdergemeinde mit besonderen Rechten und Pflichten übereignet. Damit sollten weitere Auswanderungen von Nichtkatholiken aus dem nach den Napoleonischen_Kriegen ohnehin geschwächten Lande vermieden werden.
So entstand die Siedlung Wilhelmsdorf, die sich nach ihrem Donator König Wilhelm_I. von Württemberg benannte. Von den Bewohnern der katholischen Nachbargemeinden wurden die in den ersten Jahrzehnten ohne Privatbesitz lebenden Sektierer äußerst skeptisch betrachtet.
Im beginnenden 20. Jahrhundert erlebte das Gebiet durch den Torfabbau eine kurze Prosperität. Heute ist Wilhelmsdorf eine prosperierende Kleinstadt, die in vielen Belangen noch immer den Geist der ehemaligen Brüdergemeinde atmet. Vor allem im Schulwesen sowie im Sozialbereich weist die Kommune hervorragende Einrichtungen auf.
Sonstiges
Ein lokalpolitisches Kuriosum ist der Namensstreit des Moorgebiets:
In der Bevölkerung hat sich die Bezeichnung "Pfrunger Ried" eingebürgert.
Auf der Homepage der Gemeinde Ostrach findet sich allerdings zur Namensgebung die fast trotzig klingende Anmerkung: Da der größere Teil des Riedes auf der Gemarkung der Gemeinde Ostrach liegt, ist die Bezeichnung "Burgweiler-Pfrunger Ried" fachlich korrekt und sollte statt Pfrunger- bzw. Pfrunger-Burgweiler Ried verwendet werden.[http://www.ostrach.de ostrach.de], Link Natur
Die Homepage der Gemeinde Wilhelmsdorf spricht hingegen vom "Pfrunger-Burgweiler Ried".[http://www.gemeinde-wilhelmsdorf.de/pages/start.htm gemeinde-wilhelmsdorf.de], Link Natur
Quellen
Literatur
* Lothar Zier: Das Pfrunger Ried. Schwäbischer Heimatbund Stuttgart, 2. Auflage, 1998 ISBN 3-88251-255-5
*A. Wagner, I. Wagner: Pfrunger Ried, Pflege und Entwicklungsplan. Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 85, Karlsruhe 1996,
Weblinks
• Naturschutz im Regierungsbezirk Tübingen - Das Pfrunger-Burgweiler Ried
• Schwäbischer Heimatbund - Das Pfrunger-Burgweiler Ried
• Das Torfwerk Pfrungen
• Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried

