Burgstall Steinbach
Die Burg Steinbach ist eine ehemalige Burg (siehe Ruine), deren Lagestelle sich im heutigen Gemeindegebiet von St._Georgen_bei_Grieskirchen, nahe der Gemeindegrenze zu Gallspach, in der Ortschaft Schwabegg in Oberösterreich (Hausruckviertel) befindet.Geschichte
Die Anlage war im 12. Jh. Stammsitz der hochfreien Herren von Steinbach von denen namentlich nur der seit ca. Otakar_IV. wurde 1171 die Burg Steinbach belagert, gestürmt und zerstört. In einer Lambacher Annalenhandschrift, im Auctarium Lambacense heißt es dazu kurz und bündig: 1171 Heinricus dux Austriae Steinpach castrum destruxit. Spätestens zu Beginn des 13. Jh. verlegten die Herren von Steier-Steinbach ihren Sitz nach Starhemberg bei Haag. Nach der Katastrophe von 1171 dürfte die Burg teilweise weiter bewohnt worden sein. In einem Teil der Burg[ruine(?)] ließen die Steinbacher vermutlich einen Pfleger zurück. Der in der Burg wohnende Helmhardus de Steinpach bezeugt um 1185, gemeinsam mit Gundaker von Steier und dem Bogenschützen (sagittarius) Otto, die Schenkung eines Allods im heutigen Gemeindegbiet von Waizenkirchen durch Walther de Wazzinchilcha an das Kloster Garsten. Dieser Rechtsvorgang fand in der Veste Steinbach statt ebenso wie jener aus dem Jahre 1204, in dem ein weiterer Bogenschütze namentlich urkundlich belegt ist. Bei Alramus sagittarius de Steinpach kamen die Geschwister Gundacker (Gundacharus), During (Duringus) und Helena mit ihren Gefolgsleuten zusammen, um eine Schenkung ihres Bruders Hartnid von Steinbach, eines Passauer Kanonikers und Propstes von Aquileia, zu beurkunden. Unter den 24 Steinbacher Urkundszeugen fungierten z.B. Richkerus de Geilsbach (Gallspach), Wernhard und Chunrad von Sinzing, Chunrad von Einwerk sowie Meinhard von Afnang. Wann die Burg endgültig verlassen wurde, ist unklar. In einer Urkunde vom 30. August 1465 wird jedoch nur noch die öd Veste Steinpach erwähnt.
Heutiges Aussehen
Der Hügel der Hauptburg ragt heute noch auf einer kleinen Terrasse des Steinbaches heraus (ca. 20 m über dem Bachbett), um desses sehr steilen Abfall ein etwa 10 m tiefer und an der Sohle 2 m breiter, künstlich geschaffener Graben verläuft. Er ist an der Nordseite gegen den Bach hin im Laufe der Jahrhunderte zu einem heute trockengelegten Teich erweitert worden. Neben der etwa elliptischen Hauptburg (ca. 25 mal 30 m) liegt eine Vorburg, die ebenfalls von einem Graben umzogen war. Der Vorburghügel jedoch ist an der Ostseite bereits vor langer Zeit eingeebnet worden.
Mit der Burg ist die Sage von einer langen Belagerung verbunden. Als innerhalb der Burgmauern schon fast alle Nahrungsmittel verzehrt waren, schlachteten die schlauen Verteidiger ihre letzte Ziege, steckten deren Haupt auf einen Stock und ließen zur Täuschung der Belagerer den Ziegenkopf über die Burgmauer schauen, um reichliche Nahrungsmittel vorzutäuschen. Tatsächlich zog der Feind ab. Steinbach bzw. der Burgstall Schwabegg, so wird die alte Lagestelle bereits 1418 bezeichnet, heißt im Volksmund daher auch Geißschädel oder mundartlich Goaßschedl.
Archäologische Ausgrabungen
Im Juli 1960 brachten die Archäologen in einer Grabungskampagne, die sich leider nur auf den eigentlichen Burgplatz auf dem Hügel beschränkte, an den Tag: Steinbach war eine mächtige Steinburg, deren Fundamente im Kernwerk in ca. einem Meter Tiefe ergraben wurden. Sie fiel im 12. Jh. einer Brandkatastrophe zum Opfer und wurde später nicht mehr bzw. bloß notdürftig wieder aufgebaut. Kennzeichnende und für die Chronologie verwertbare, relativ plumpe Scherben des 12. Jh. fanden sich unterhalb des Brandhorizontes. In oberflächlicher Lage wurden mehrfach Keramik, z.B. ein Dreifußgefäß, Kacheln des 14. Jh. sowie Eisennägel gefunden. Eine Lanzenspitze aus dem 14. Jh. sowie eine Gertel, eine Waffe des Fußvolkes aus derselben Zeit, komplettierten die Funde. Weiters konnten die Archäologen schließen, daß die Burgstelle im frühen 15. Jh. systematisch planiert wurde. Noch im 16. Jh. wurde auf dem Plateau eine kleine Holzbehausung errichtet, die aber bald geschleift wurde (ca. 1518). Von da an dürfte die Burgstelle endgültig unbewohnt gewesen sein. Nur noch der Hausname Pfleger haftet heute an einem Bauernhaus südlich des Burgstalles. Angeblich wurde im 16. Jh. noch vorhandenes und nicht dem Steinraub zum Opfer gefallenes Baumaterial der Burg Steinbach beim Ausbau des Schlosses Tollet verwendet.
Quellen und Literatur
* UBOÖ I, 509 und 616
* Monumenta Germaniae. Scriptores IX.
* Julius Strnadt: Hausruck und Atergau. Archiv für Österreichische Geschichte (AfÖG), Band 99/1, Wien 1908
* Eduard Benninger: Kögerl und Steinbach. In: Jb. des OÖ. Musealvereines. 109. Band (1964) mit einer Einleitung von Kurt Holter
* Heinrich Wurm: Die Jörger von Tollet. Linz 1955
* Walter Neweklowsky: Burgengründer - Uradelige Familien aus Oberösterreich. Oö. Heimatblätter Jg. 26/1972, Heft 3/4 und Jg. 27/1973, Heft 1/2 und 3/4
* Norbert Grabherr: Historisch topographisches Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze Oberösterreichs. Wien 1975
* Josef Zeiger: Vom Hausruck bis zu Donau, von der Sallet bis zum Innbach. Steyr 1976
* Heinz Dopsch: Österreichische Geschichte 1122 - 1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Wien 1999

