Burgruine Prandegg
Prandegg ist eine eindrucksvolle Burgruine in der Gemeinde Schönau im Mühlkreis in Oberösterreich.Geschichte
Die Burg war jahrhundertelang mit dem Markt Zell (heute Bad Zell) und dem Schloss Zellhof aufs engste verbunden. Durch Grenzverschiebungen (1784) gehört die Burg heute zum Gemeindegebiet von Schönau im Mühlkreis.
Prandegg liegt im nördlichen Teil jenes Gebietes zwischen Aist und Naarn, das der Grenzgraf Wilhelm 853 n. Chr. dem Kloster St. Emmeram in Regensburg geschenkt hatte.
Eine Besonderheit ergab sich bezüglich der Lehnsvergabe der Burg und Herrschaft Prandegg: Die eine Hälfte wurde als Bischöflich - Regensburgisches Lehen, die andere Hälfte als landesfürstliches Lehen vergeben. Im frühen 13. Jahrhundert war die Regensburger Hälfte im Besitz der Familie der Pranter. 1298 teilten sich diese Hälfte Haug von Reichenstein und Ulrich von Capellen. Das landesfürstliche Lehen hatte Wernhard von Rußbach inne, welches aber 1300 Ulrich von Capellen zu seinem Lehen dazu erwarb. Schließlich (1352) gelangte auch der Reichensteiner Anteil an die Capeller, bei denen es (ungeteilt) bis zu deren Aussterben 1406 verblieb. Danach wurde die Lehensherrschaft Prandegg erneut geteilt und den beiden Töchtern des letzten männlichen Capellers als Heiratsgut mitgegeben. So fiel die Burg an die Dachsberg und an die Liechtenstein. Weitere Lehnsinhaber waren die Polheim und Jörg Walch von Arbing, bzw. fiel die 2. Hälfte 1492 an den Kaiser, der wiederum 1534 Hillebrand Jörger damit belehnte. Zwei Jahre später erwarb dieser auch die 2. Hälfte der Herrschaft und kaufte schließlich die Burg und die Herrschaft von der Lehnshoheit frei. Hilleprant Jörger kaufte 1536 von Regensburg den Markt Zell (Bad Zell), samt der hohen Gerichtsbarkeit und der Vogtei über die Pfarre Zell ab. Damit war der Jörger aber noch nicht zufrieden, bzw. suchte er danach, diesen Besitz abzurunden. Er erwarb viele andere Höfe und Zehente in der Gegend von Zell und Gutau dazu. Hilleprant Jörger gelangte damit zu einem ansehnlichen Besitz, den seine Erben und Nachkommen vergrößerten. 1596 wurde der Freisitz Habichrigl (Gemeinde Bad Zell) samt den dazugehörenden Höfen erworben. Schließlich wurde 1607 auch das Schloss Zellhof gekauft. Die Jörger wohnten meist auf Prandegg, benützten aber Schloss Zellhof als quasi Zweitwohnsitz oder als Wohnung für Besuche. Die beiden Herrschaften Prandegg und Zellhof wurden vereint, woraus ein großes Einflussgebiet der Jörger entstand.
Leben der Jörger auf Prandegg
Hier sollen Einblicke in das Leben der Jörger, bzw. das Leben einer adeligen Familie des 17. Jahrhunderts gegeben werden. Die Quelle dazu ist das Zellhofer Archiv.
Freiherr Hans Maximilian Jörger führte mit seiner Familie ein standesgemäßes Leben. Er hatte auf Prandegg einen Kammerdiener und drei Lakaien, die gnädige Frau eine Verwalterin und ein Zimmermädchen. Auf Prandegg gab es weiterhin Gärtner, Bäcker, Schneider, Jäger, Binder, Reitknechte, Vorreiter, Kutscher, Köche, einen Torwart und zwei Turmwächter. Für die Wirtschaft waren ein Meier, ein Knecht und eine Dirn angestellt.
Wohnte die Herrschaft vorübergehend in Schloss Zellhof, nahm man das nötige Personal einfach mit. Auf die Tafel der Herren von Prandegg und Zellhof kam neben gewöhnlicher Kost auch Wild, Hasen und Fisch. Heringe und Gewürze kaufte man in Zell, Linz oder Wien. Auch Zitronen und Tomaten kamen in die Küchen von Prandegg und Zellhof. Die Kleidung war ebenfalls standesgemäß: Der Freiherr besaß neben einfachen Kleidern auch seidene goldbestickte Westen, Pariser Strümpfe und Schuhe aus Wien. Die Dienerschaft, vom Lakaien bis zum Vorreiter, trug Livree.
Häufig unternahm man Reisen, sowohl der Freiherr, wie auch die gnädige Frau. Besonders gerne besuchte man größere Märkte, wie in Linz, wo man neben dem Hausbedarf auch Luxuswaren einkaufte (Majolika- Geschirr, Spielwaren, etc.).
Als bekennende Protestanten mussten die Jörger schließlich 1631 ihren gesamten Besitz (Prandegg, den Markt Zell, Schloss Zellhof, Pranthof (Gemeinde Gutau), Habichrigl und alle anderen Höfe und Zehente) an Gotthard von Scherffenberg, Herr auf Spielberg verkaufen. Dieser verstarb aber relativ bald darauf und seine Witwe heiratete 1636 Hans Reichard von Starhemberg. Die Scherffenberger und auch die Starhemberger hielten sich aber schon lieber auf Schloss Zellhof auf als in Prandegg auf. Deshalb wurde auch der Amtssitz des Pflegers schließlich nach Zellhof verlegt. Auch die Bezeichnung "Herrschaft Prandegg" wurde langsam umgewandelt in "Herrschaft Zellhof". Nur das Landgericht Prandegg behielt seinen Namen, auch wenn dessen Sitz auf Zellhof war. Hans Reichard von Starhemberg - ihm war die Gegend zu rau, wie er selbst sagte - verkaufte aber bereits 1642 den gesamten Besitz an die Salburger, die die größte Ausdehnung der Herrschaft erreichten. Die Burg Prandegg verfiel indes immer mehr. Lediglich die Brauerei und die Hoftaverne wurden durch die Salburger weitergeführt, aber dann auch aufgelassen. 1784 wurde aufgrund einer Grenzregulierung die Burg Prandegg aus dem Gemeindegebiet von Zell ausgeschieden. Seither gehört sie zur Gemeinde Schönau. 1806 starb die Zellhofer - Linie der Salburger aus. Der Besitz ging an die Grafen Dietrichstein über, die wiederum Zellhof und Prandegg 1823 an die Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha auf Greinburg weiterverkauften.
Bau
Eine lang gestreckte Burganlage auf einem schmalen Felsriegel über dem Tal der Waldaist gelegen, bestehend aus Vorburg, Zwinger, Hauptburg und dazwischenliegendem Bergfried. Prandegg ist eine der bedeutendsten Burgruinen Oberösterreichs und gleichzeitig eine der größten. Der Verfall der mächtigen Burganlage begann im späten 17. Jahrhundert. Bereits 1786 war Prandegg eine Ruine, die in den letzten Jahren immer mehr renoviert und instand gesetzt wird.
Der Erstbau, die spätromanische Altburg (im Westen der Anlage), stammt noch aus dem 12./13. Jahrhundert. Heute findet man dort die Reste der Kapelle (14. Jahrhundert) und Teile eines Wohngebäudes. Der massive runde Bergfried mit eigenem Zwinger, wurde an der Wende zum 15. Jahrhundert fertiggestellt. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete man die mächtigen Wohngebäude und die gegenüberliegenden Wirtschaftstrakte und mittig die Durchfahrt zum Innenhof. Schließlich folgte noch der Bau der Vorburg, die geländemäßig tiefer liegt als die Hauptburg. In ihr befindet sich der ehemalige Getreidespeicher und das Burgtor. Dem Tor vorgelagert ist ein Graben mit der (wiederhergestellten) Holzbrücke.
Beschreibung
Die hoch aufragende Hauptburg besteht aus dem Palas Wohngebäuden, der tonnengewölbten Durchfahrt zum Innenhof, dem 2. Burgtor mit seitlich einem kleinen Torhäuschen. Die Wohnbauten sind bis zum 5. Obergeschoss hin erhalten, zumindest in Außenmauern. Teilweise erkennt man noch die Putzschichten, Erker, Fensterrahmen, Fenstersitznischen, Spitzbogenportale, ...
Die nördlich des Palas gelegenen Wirtschaftsgebäude sind ebenfalls noch gut erhalten. Man findet in ihnen tiefe, gewölbte Keller, gemauerte Kamine, Küchen, Zisternen, ...
Gleiches gilt für die Altburg im Westen der Anlage (12./13./14. Jahrhundert) mit der ehemaligen Kapelle, die einst die beiden oberen Geschosse einnahm (deutlich sind noch die Rippenansätze erkennbar).
Der runde Bergfried kann durch einen Hocheingang (heute über eine komfortable Brücke) betreten werden. Früher war der Turm höher, bzw. auf ihm ein hölzerner Wehrboden mit Wehrgang gelegen.
In der Vorburg steht der dreigeschossige, mächtige Getreidespeicher aus dem beginnenden 16. Jahrhundert.
Zu Füssen der Burg sind die Reste des Maierhofes zu finden. Ehemals ein Vierseithof, wurden einige Teile abgebrochen, bzw. in jüngster Zeit wieder aufgebaut und unter Dach gebracht. Heute ist darin eine Gastwirtschaft untergebracht.
Siehe auch
Bad Zell
Schloss Zellhof
Schönau im Mühlkreis
Literatur
* Lambert Stelzmüller u. Alois Schmid, Heimatbuch der Marktgemeinde Bad Zell, Linz 1985.
* Peter Adam, u. a., Dehio Handbuch. Oberösterreich / Mühlviertel, Horn u. Wien 2003.
Weblinks
• Bad Zell
• Burgenkunde
• Schönau im Mühlkreis

